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Yami wo & Jiyuue

Cassis

yami (wo) alias Jasmin
NAMONAKI JIYUUE alias Mandy

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Snowwhite-Innocence

Kapitel 1

 

Es war wieder einer jener Tage an denen, wenn man aus dem Fenster sah, nichts weiter außer Schnee zu sehen bekam - nichts weiter, als dieses unendlich unschuldige Weiß, welches vom Himmel fiel und alles andere unter sich begrub.

Der Wind pfiff durch das angekippte Fenster in der Küche, welches die helle Gardine aufflattern ließ. Auf dem kleinen Hinterhof, auf den man durch das Küchenfenster blicken konnte, hörte man lautes Kindergelächter und wahrscheinlich waren diese Kinder auch gerade dabei, sich vergnügt mit Schnee zu bewerfen.

“Wie süß.”, seufzte Mandy, die die ganze Zeit vom Fenster aus in den Hinterhof blickte und die kleinen Kinder beobachtete. Mandy war 23 Jahre und Visagistin in einem Kabukitheater. Sie hatte, nachdem sie mit 16 die 10.Klasse abschloss, eine 2jährige Ausbildung zur Kosmetikerin begonnen. Dieser Weg führte sie zu einer Friseurausbildung und anschließend zu einer Ausbildung als Visagistin, sowie Maskenbildnerin. In diesen drei Stufen ihres beruflichen Lebens hatte Mandy auch gleichzeitig ihren Führerschein gemacht und einen japanischen Sprachkurs abgelegt. So in etwa hatte es auch ihre 27jährige, und somit um einige Jahre ältere Schwester Jasmin auch getan.

Nur der Unterschied lag darin, dass Jasmin mit ihrer Friseurausbildung begonnen hatte und erst danach eine Kosmetikausbildung, bis hin zur Visagisten- und Maskenbildnerausbildung, gemacht hatte. Und auch sie, hatte wie Mandy, in dieser Zeit ihren Führerschein gemacht und einen japanischen Sprachkurs hinter sich gebracht. Aber es existierte noch ein weiterer Unterschied zwischen Jasmin und Mandy, denn Jasmin arbeitete nach ihrer letzten Ausbildung auf einer Beautyfarm. Doch weil nach und nach weder das Verhältnis zwischen den Angestellten, noch das Geld stimmte und weil ihr Chef sehr anzüglich war, kündigte Jasmin. Heute - heute war die Welt ganz anders und so war sie seit einiger Zeit.

Jasmin und Mandy, die schon öfters Urlaub im Land der aufgehenden Sonne gemacht hatten, lebten nun hier im schönen Japan.

“Wer ist süß?”, fragte Jasmin, welche gerade im Flur stand und sich die Schuhe anzog.

Man konnte ihr gut anmerken und vor allem ansehen, dass sie es eilig hatte.

“Sieh zu, dass du zur Arbeit kommst.”, meinte Mandy nur grinsend und schloss darauf das Fenster. “Im Gegensatz zu dir, liege ich nicht auf der faulen Haut.”, sagte Jasmin lachend und zog sich dabei ihren schwarzen Wintermantel, welcher wirklich sehr elegant aussah, über.

Jasmin’s Kleidungsstil war ohnehin ein Stil für sich. Sie kleidete sich gern sportlich-elegant und mochte alles in den Farben Schwarz und Pink, was man auch gut in ihren Haaren wieder erkennen konnte - denn Jasmin hatte vereinzelt schwarze und pinkfarbene Strähnen in ihrem dunklen, gestuften Haar und dem absichtlich schräg geschnittenen Pony.

Mandy’s Stil war dem ihrer Schwester nicht unähnlich, doch fiel Mandy hin und wieder aus der Rolle und hielt sich auch dezent mit ihrem Haar, welches zwar ebenfalls gestuft war, aber derart farbige Strähnen gab es nicht, nur der schräg geschnittene Pony.

”Ich liege nicht auf der faulen Haut, schließlich bin ich auch erst seit’ner Stunde daheim.”, erwiderte Mandy, doch war es beinahe so, als hätte sie zu einer Mauer gesprochen - denn Jasmin war bereits verschwunden, nur das Zuklappen der Haustür und das Anschlagen der Verrieglungskette waren zu hören. Mandy schüttelte seufzend ihren Kopf und schlurfte anschließend gähnend in den Flur. Sie war einfach nur müde, weil sie die ganze Nacht im Kabukitheater verbracht hatte. Der Grund dafür war, dass eine Premiere eines neuen, sogar sehr aufwändigen Theaterstücks stattgefunden hatte.

Aber so waren die Härten des Lebens, man musste sie so hinnehmen.

Doch plötzlich klingelte es an der Tür und Mandy, die soeben in ihrem Schlafzimmer verschwinden wollte, stöhnte genervt auf.

“Ich wette, sie hat mal wieder ihre Schlüssel vergessen.”, murmelte sie dann und schlurfte zur Haustür, die sie auch gleich öffnete.

“Irgendwann vergisst du noch mal deinen Schädel!”, meinte Mandy, bevor sie erkannte, wer da eigentlich vor ihr stand.

Sie blickte zu einem jungen Mann in schwarzem Anzug und Sonnenbrille auf.

Leute, die so aussahen, kannte sie bisher nur von der japanischen Mafia.

Sofort verbeugte sich Mandy mit hochrotem Kopf und auch der junge Mann vor ihr verbeugte sich ebenfalls freundlich.

“Verzeihen Sie, mein Herr. Aber ich dachte, meine Schwester hätte ihre Schlüssel vergessen und da kam es wohl etwas über mich…”, versuchte Mandy freundlich zu erklären, als sie dem jungen Mann wieder ins Gesicht blickte. Er lächelte bloß und schüttelte seinen Kopf, während er Mandy nun einen weißen Briefumschlag reichte und sie ihn verwundert entgegen genommen hatte. “Schon in Ordnung. Ich bin auch nur hier, um Ihnen diesen Umschlag zu bringen. Es ist eine Sache, die man wohl lieber nicht per Post verschicken sollte.”, erklärte der junge Mann wiederum Mandy und verbeugte sich ihr nochmals, bevor er dann ohne weiteres verschwunden war. Wie eine Axt im Walde stand Mandy nun vor der offenen Haustür und starrte den weißen Umschlag in ihren Händen an. Was das wohl für ein Schreiben war?

Mandy ahnte zu diesem Zeitpunkt noch nichts. Erst, als sie später im Wohnzimmer saß und den Umschlag mit einem silbernen Brieföffner aufschlitzte, war es mehr, als nur ein freudiger Aufschrei, den Mandy in einem der bordeauxfarbenen Kissen ersticken musste.

Es war ein Schreiben, welches von einem der größten Majorlabels kam - von PSCompany.

Was wollte die PSCompany ausgerechnet von Mandy und ihrer Schwester?

Als Mandy den Brief nun vollständig durchgelesen hatte, begann ihr Herz wie wild zu rasen und irgendwie tat es weh.

Aber es war kein negatives Gefühl, sondern eher das Gefühl positiver Aufregung.

PSCompany wollten Mandy und Jasmin zu einem Vorstellungsgespräch, mit praktischer Arbeit an den Stylisten des Labels, sehen. Und Mandy erinnerte sich zurück, stürmte in das kleine Büro, dass sie sich mit Jasmin teilte, und starrte darauf einfach nur die kleinen vier Wände an - an die Wände, die mit vielen Bildern und anderen, für sie wichtigen, Gegenstände verziert waren.

Es war wie der Traum eines kleinen Mädchens, der plötzlich wahr wurde.

Mandy erinnerte sich noch genau an die Zeit zurück, als alles angefangen hatte - als sie und Jasmin fünf bestimmte Personen nicht nur als berühmte Menschen sahen. Diese fünf Menschen waren Jahre lang etwas Besonderes für die beiden. Die Rede ist von einer Band, die sich am 10. März 2002 gegründet hatte. Es war jene Band, die wohl anders als alle anderen japanischen Bands waren. Diese Band trug den Namen “Gazette”, bis dieser in “the Gazette” umgeschrieben wurde und die Gründe dafür waren bis heute noch umstritten. Aber das war Mandy in diesen Augenblick weniger wichtig, als die Tatsache, das “the Gazette” bei PSCompany unter Vertrag standen. Genau das Label, von dem Mandy immer noch dieses Schreiben in den Händen hielt.

“Das kann doch nicht wahr sein, oder? Ich träume bestimmt nur…”, seufzte Mandy und sank mit zittrigen Knien auf den Boden, starrte dabei nochmals den Zettel in ihren Händen an.

Natürlich waren Mandy und Jasmin sehr große Fans, die wahrscheinlich auch die einzigen waren, die die fünf Jungs von “the Gazette” als Menschen und nicht als die Stars sahen, die mit einem aufgesetzten Lächeln den “roten Teppich“ betraten. Es war eher wie das Gefühl, als würden diese beiden die fünf Jungs schon ein Leben lang kennen - obwohl Mandy und Jasmin “the Gazette” lediglich ein Mal in ihrem Leben hautnahe erleben durften, als sie im letzten Jahr auf der ANIMAGIC in Bonn waren, das Konzert besuchten und auch zum stattgefundenen “Handshaking-Day” ausgelost wurden.

Aber für Mandy war es trotzdem nicht real genug.

Vielleicht war es auch nur das Schicksal, welches die Fäden aus dem Hintergrund zog.

Dabei hatte Mandy immer nur herumgescherzt, als sie sagte: “Vielleicht werden wir ja irgendwann einmal bei PSCompany eingestellt.”.

Ja, das sagte sie immer mit einem Lächeln auf den Lippen.

Nur war dieses plötzlich aus ihrem Gesicht verschwunden und ihre Augen füllten sich mit Tränen, die ihr dann langsam über die Wangen rollten.

Sie wollte es einfach nicht wahrhaben - dabei sollte sie sich freuen. Sie sollte sich einfach nur freuen, dass auch Träume wahr werden können, solange man auch daran glaubte.

Mandy hielt jedoch Träume und Realität immer auseinander. Träume durfte man haben, nur den Hang zur Realität durfte man um keinen Preis verlieren…

Wenig später hatte sich Mandy dann wieder ins Wohnzimmer zurückgezogen und versuchte Jasmin übers Handy zu erreichen, doch wahrscheinlich war diese so in ihrer Arbeit vertieft, dass sie ihr Handy gar nicht wahrnahm und demnach blieb Mandy erfolglos, bis sie dann einfach auf der dunkelroten Ledercouch eingeschlafen war.

Darauf hatte sie viele Stunden geschlafen und wurde nur von der zuknallenden Haustür aus dem Schlaf gerissen. Als Mandy ihre Augen öffnete und ein lautes Summen aus dem Flur wahrnahm, wusste sie sofort, dass es nur Jasmin sein konnte.

Mandy’s erster Gedanke war sofort wieder an das Schreiben von PSCompany gerichtet, der sie auch sofort von der Couch aufspringen und mit dem Zettel in ihrer rechten Hand zu Jasmin stürmen ließ.

“Lies mal.”, meinte Mandy nur und reichte Jasmin den Zettel, den diese wiederum nur abwertend und als unwichtig angestarrt hatte.

“Was’n das? Werbung? Brauch ich nicht.”, gähnte Jasmin nur und drückte Mandy den Zettel gegen die Brust, bevor sie im Badezimmer verschwand. Den Namen “PSCompany“ konnte Jasmin gar nicht einordnen, auch wenn sie glaubte, ihn schon einmal gehört zu haben. Doch was für eine Bedeutung dieser Name vielleicht bald haben könnte, ahnte Jasmin noch nicht.

“Hast du wieder irgendetwas bestellt und das ist jetzt die Rechnung?”, rief Jasmin aus dem Badezimmer, bevor das Prasseln des Wassers erklang.

“Nein, und jetzt hör auf, dich blöd zu stellen! Oder willst du mir weiß machen, PSCompany sagt dir nichts?”, fragte Mandy, die angelehnt neben der Badezimmertür stand. Sie hatte die darauf folgenden Minuten jedoch keine Antwort bekommen.

Jasmin schwieg, da sie die ganze Zeit, die sie unter der Dusche stand, gerätselt hatte.

Was hatte der Name “PSCompany” für eine Bedeutung?

Jasmin wusste es, doch konnte sie sich nicht mehr darauf besinnen.

Es lag ihr auf der Zunge, doch konnte sie es nicht aussprechen - bis zu dem Augenblick, als sie über den Badewannenrand stieg.

Darauf spürte sie nur einen harten Aufprall, der ihren gesamten Körper durchzog. Gleichzeitig war es aber wie ein Gedankenstoß, der Jasmin durchfuhr.

Nun wusste sie wieder, was “PSCompany” zu bedeuten hatte.

Mandy, die den lauten Aufprall gehört hatte, stürmte sofort ins Badezimmer und beobachtete ihre Schwester nur dabei, wie diese mühevoll nach einem der hellblauen Badehandtücher, die auf dem Wannenrand lagen, griff und versuchte es sich umzuwickeln, während sie immer noch auf dem Boden saß.

Ihr Gesicht war puterrot, sie lachte und gleichzeitig liefen ihr Tränen über die Wangen. Mandy kannte diesen Anblick, da Jasmin schon mal einen derartigen “Anfall” hatte.

Es passierte, als sie sah wie Kyo, Sänger der Band “Dir en grey“, auf der Bühne masturbierte. Diesen Anblick hatte Jasmin nicht wieder vergessen und sie selbst empfand es als den größten Schock und perversesten Anblick ihres Lebens. Und auch Mandy war nicht sonderlich erbaut über diese Tatsache und sie fragte sich bis heute noch, wie man so etwas nur tun konnte und es erschien ihr nicht normal.

Mandy versuchte währenddessen, Jasmin wieder auf die Beine zu helfen.

“Was ist denn mit dir passiert?”, fragte sie dann und half Jasmin dabei, sich auf dem geschlossenen Toilettendeckel nieder zu lassen.

“Keine Ahnung. Als ich über den Wannenrand gestiegen bin, bin ich wohl ausgerutscht und hingefallen.”, erklärte Jasmin mit zitternder Stimme und lachte darauf wieder.

Mandy schüttelte lächelnd ihren Kopf.

“Das kommt davon, wenn man keine Handtücher vor die Badewanne legt.”, meinte sie dann. “Ist ja auch egal. Jedenfalls weiß ich es jetzt wieder.”, erwiderte Jasmin und zog das Handtuch, in dem sie eingewickelt war, fester, weil sie das Gefühl hatte, es würde zu locker sein. Mandy hingegen warf ihrer Schwester nur einen verdutzten Blick zu. “Du weißt was wieder?”, fragte sie. Jasmin lachte, nachdem sie sich die letzten Tränen aus dem roten Gesicht wischte und tippte Mandy vorsichtig gegen die Stirn.

“Na, das mit PSCompany, du Ei.”, meinte sie dann und brachte Mandy somit ein Lächeln auf die Lippen. “Ah, ja. Was ein Sturz nicht alles auslösen kann.”, sagte sie dann und verschwand in Windeseile aus dem Badezimmer. Vielleicht handelte es sich nur um wenige Sekunden, als Mandy dann auch schon im Schneidersitz vor ihrer Schwester saß und ein immer breiter werdendes Grinsen im Gesicht trug. Daraufhin las sie Jasmin das Schreiben vor, worauf selbst Jasmin’s Augen immer größer wurden.

“Das’n Traum, oder? Wie kommt so ein Schreiben ausgerechnet zu uns, hä? Ich kapier’s nicht.”, meinte Jasmin, die es wie Mandy, gar nicht wahrhaben wollte.

“Ich weiß es doch selbst nicht. Kurz nach dem du weg warst, stand so’n komischer Kerl mit Anzug und Sonnenbrille vor der Tür und hat mir dieses Schreiben in die Hand gedrückt. .Er meinte nur, das man dieses Schreiben wohl lieber nicht mit der Post verschicken sollte. Tja, und dann war er weg und um ehrlich zu sein, war er mir mit seinem Anzug etwas…naja halt…Vor allem, er trug eine Sonnenbrille und das im Winter.”,“Schon unheimlich.”, sagte sie dann und verschwand aus dem Badezimmer. Jasmin, die nur die Stirn runzelte, hörte kurz darauf nur, wie Mandy im Flur stand und telefonierte. erklärte Mandy dann und seufzte, hielt darauf kurz inne und stand dann wieder vom Boden auf.

“Mit wem telefonierst du?”, rief sie, doch sie bekam noch keine Antwort darauf. Die Antwort bekam sie erst einige Minuten darauf.

“Ich habe eben bei PSCompany angerufen. Ich wollte nur sicherstellen, dass man uns auch nicht verkohlt. So’ne freundliche Frau erklärte mir auch den Plan, der morgen ansteht und das bereits alles mit unserer Chefin geklärt wurde.”,“Gott,…was ist das hier eigentlich?”, fragte Mandy dann ihre Schwester, die nur mit den Schultern zuckte. erklärte Mandy darauf und räusperte sich kurz, bevor sie weiter sprach.

“Ich werd’s sicher nicht wissen.”, seufzte Jasmin bloß und beobachtete Mandy dabei, wie diese nervös auf den weißen Fliesen hin und her lief.

“Ich muss noch etwas besorgen, schließlich können wir da nicht einfach ohne ein kleines Geschenk auftauchen. Das sieht unverschämt aus.”, meinte Mandy dann und ohne, das Jasmin noch etwas erwidern konnte, hatte sie die Wohnung verlassen.

Jasmin seufzte nur wieder und schüttelte ihren Kopf.

Sie ließ Mandy einfach machen, schließlich wusste diese auch, was sie tat.

Und es waren weniger als zwei Stunden vergangen, als Mandy wieder zurückkam. Als sie die Haustür öffnete, war bereits alles dunkel. Nur das laute Ticken der Uhr, die auf der kleinen Kommode aus beigefarbenen Holz im Flur stand, war zu hören. Jasmin schien bereits zu schlafen und auch Mandy überkam nun die Müdigkeit, obwohl es erst kurz vor 23.00Uhr war. So schnell konnte der Tag an einem vorbeiziehen und das stellte auch Mandy fest, nachdem sie später aus der Dusche kam und nun in ihrem Bett lag. Wahrscheinlich würde der Versuch zu schlafen fehlschlagen, denn die Aufregung bewohnte sie und Jasmin jetzt schon. Der nächste Morgen, nachdem das Frühstück beendet und man sich fertig gemacht hatte, verlief sehr hektisch. Die Aufregung war nicht verschwunden, sondern war nur stärker geworden. Jasmin hatte Mandy gebeten, das Auto zu fahren, da Jasmin ständig am Zittern war. Das es Mandy wahrscheinlich auch nicht anders ging, schien sie in ihrer Aufregung einfach zu ignorieren.

Die Straßen waren leerer als am Vorabend, man musste nicht Ewigkeiten darauf warten, dass man von A nach B gelangen konnte.

Jasmin hatte Mandy währenddessen erklärt, wo sie lang musste, damit sie sich nicht verfahren konnte. Aber selbst das hätte sogar mit einem Stadtplan vorkommen können, den Jasmin und Mandy auch besaßen. Schließlich lebten sie noch nicht all zu lange in Tokio und da war es noch normal, dass man sich hin und wieder verfuhr. An diesem Vormittag im März verlief jedoch alles reibungslos und nach etwa einer Stunde standen sie auf dem Parkplatz vor dem gewünschtem Ziel - dem Gebäude, in dem die PSCompany ihren Sitz hatten. Es war ein großes, ja sehr großes Gebäude und es war mit einem hohen Zaun, sowie Sicherheitskameras und Laternen versehen. Niemand wollte dieses Gebäude schlecht reden, aber Mandy und Jasmin erinnerte es an ein Gefängnis, da es nach außen einen sehr kühlen Eindruck hinterließ.

“Und was nun?”, fragte Jasmin, nachdem Mandy den Motor abgestellt und die Fahrertür geöffnet hatte. “Und nun betreten wir die Höhle des Löwen.”, antwortete Mandy und stieg aus dem Auto aus.

Als sie einen ersten Blick auf das große Tor warf, sah sie neben dem, zum einem Haufen zusammengekehrten, Schnee am Straßenrand auch schon, wie eine etwas ältere Dame, die sie höchstens für fünfundfünfzig schätzte, sich auf Mandy und Jasmin zu bewegte.

Sie lächelte freundlich und verbeugte sich vor Mandy und Jasmin, als diese vor den Beiden stand. Natürlich erwiderten sie die Geste dieser alten Dame.

“Sie müssen die beiden erwarteten Damen sein, habe ich Recht? Mein Name ist Noriko Kubota, aber es reicht mir aus, wenn Sie mich Noriko nennen.”, meinte sie dann und sah darauf in die Gesichter von Mandy und Jasmin.

“Vielen Dank.”, sagten Mandy und Jasmin im Chor und bescherten Noriko darauf ein Lächeln im Gesicht. Kurz darauf führte Noriko die beiden ins Gebäude, bis Mandy dann plötzlich stehen blieb. “Hast du was vergessen?” fragte Jasmin, die zusammen mit Noriko stehen blieb.

Sie sah Mandy nur nicken. “Ich habe die Geschenke im Auto vergessen.”, antwortete diese dann und sah Jasmin nur ihren Kopf schütteln, während Noriko freundlich lächelte.

“Wie viele sind es denn?”, fragte Noriko dann, die plötzlich ein Funkgerät hervorgeholt hatte. Mandy staunte nicht schlecht, als sie diese alte Dame mit einem Funkgerät in den Händen sah. Es ergab schon ein recht seltsames Bild. Aber das war jetzt nicht Mandy’s Gedanke.

Sie räusperte sich kurz und wandte sich dann wieder Noriko zu.

“Na ja, da ich nicht genau wusste, wie viel Mann hier arbeiten, habe ich einfach mal zweihundert besorgt.”, erklärte Mandy und senkte beschämt ihren Kopf, als sie sah, das Noriko’s Augen und auch die ihrer Schwester immer größer wurden.

“Darf man fragen, was du besorgt hast?”, fragte Jasmin erstaunt und sah Mandy darauf nur lächeln. “Das wirst du noch früh genug sehen.”, antwortete Mandy. Somit war das Thema auch schon vom Tisch und Noriko sagte darauf einem Mitarbeiter von PSCompany bescheid, damit dieser Mandy unter die Arme greifen konnte.

“Kommen Sie dann ins Zimmer 111, dort erwarten wir Sie dann. Ihre Schwester nehme ich dann jetzt mit.”, hatte Noriko erklärt, bevor Mandy nochmals das Gebäude verlassen hatte und nun auf dem Parkplatz auf Hilfe wartete, die wenig später auch eingetroffen war. Derselbe Mann von gestern stand vor ihr und lächelte freundlich, bevor er sich verbeugt hatte. Mandy lächelte.

“Ich dachte wirklich, das man mich verkohlen will, als ich den Brief gelesen hatte.”, meinte Mandy, die in das Gesicht des Mannes vor ihr sah. Er lachte.

“Das tut mir wirklich schrecklich leid, junge Frau. Aber wie dem auch sei, ich habe gehört, Sie brauchen Hilfe?”, fragte er dann nur und beobachtete Mandy dabei, wie diese die Kofferraumtür des schwarzen Combis öffnete und die Kisten mit den Geschenken zum Vorschein kamen.

“Das kann man wohl so sagen.”, meinte Mandy. Aber das Problem schien sich von allein gelöst zu haben, nachdem der junge Mann im schwarzen Anzug ihr versicherte, die Geschenke sicher unterzubringen und ihr dann den Autoschlüssel vorbeizubringen, nachdem alles erledigt wurde. So kehrte Mandy dann auch schon zurück in das Gebäude und stand nun, nachdem die Eingangstür ins Schloss fiel, wie eine Axt im Walde. Das Schlimmste für sie in diesem Moment war, das man niemanden sah, der ihr eventuell Auskunft darüber geben konnte, wo sich das Zimmer 111 befand.

Demnach musste sich Mandy wohl alleine durch das Gebäude schlagen und das hatte sie auch getan, hatte Etage für Etage nach der Zahl 111 abgesucht.

“Wo soll das denn sein?”, murmelte Mandy, die seufzend nach links gebogen war und sie nun lautes Gelächter, sowie schnelle Schritte wahrnahm. Aber sie ließ sich davon nicht irritieren und führte ihren Weg weiter. Plötzlich ging alles rasend schnell und Mandy verspürte darauf nur diesen harten Aufprall auf ihrem Hintern und das Geräusch, als wenn etwas auseinander gefallen wäre, ertönte. Gleichzeitig nahm sie einen angenehmen Geruch über sich wahr und als sie die Augen öffnete, blickte sie in ein Gesicht, welches beinahe einem Engel gehören konnte und welches ihr augenblicklich das Herz höher in der Brust schlagen ließ.

“Tut mir leid, ich hatte keine Augen im Kopf.”, ertönte dann diese sanfte Männerstimme, die Mandy bei jeder einzelnen Silbe Gänsehaut bereitete.

“Haben Sie sich wehgetan?”, ertönte es wieder und Mandy fuhr erschrocken zusammen, nachdem sie so fasziniert in das Gesicht des Mannes über sich geblickt hatte.

“Was? Nein, mit mir ist alles in Ordnung.”, stotterte Mandy.

Sie kannte den Mann, der über ihr kniete und in ihr Gesicht sah. als wäre er gerade alles anderen als einem Menschen begegnet.

“Aoi, du Idiot, hast du keine Augen im Kopf?”, ertönte es von hinten und es brachte dem Mann über Mandy, der Mann mit dem Namen Aoi, ein Lächeln auf die Lippen, welches ihr fast das Herz in die Kniekehlen rutschen ließ.

Mandy wurde nervös und wollte nichts weiter, außer aufstehen und von hier verschwinden. “Würde es Ihnen etwas ausmachen, mich aufstehen zu lassen? Ich habe es eilig.”, stammelte sie dann und hörte Aoi bloß lachen.

Natürlich stand er auch auf und er war freundlich, reichte Mandy die Hand, um ihr beim Aufstehen zu helfen. Kurz darauf sah Mandy, dass es ihr Handy war, welches beim Aufprall aus der Tasche gefallen sein musste und es herunterfiel, sodass es gar auseinander fiel.

“Och, nee…”, stöhnte Mandy und suchte sofort die Teile ihres Handys wieder zusammen.

“Na toll, jetzt hast du’s kaputt gemacht.”.

“Reita, sei doch einfach mal still.”, zischte Aoi und warf Reita einen Blick zu.

Dieser grinste aber nur.

“Das Handy ist nicht kaputt, es ist nur auseinander gefallen.”, fuhr Mandy dazwischen und warf den beiden Männern, die ihr unmittelbar gegenüberstanden, ein Lächeln zu.

“Wie dem auch sei, ich muss jetzt weiter.”, fuhr sie dann fort und wollte soeben ihren Weg fortführen, wenn sie nicht doch noch stehen geblieben wäre.

“Darf ich Ihnen allerdings noch eine Frage stellen?”, fragte Mandy dann und trug dabei ein beschämtes Lächeln auf den Lippen.

“Die wäre?”, erwiderten Aoi und Reita im Chor und brachte Mandy zum Auflachen.

“…wo ist das Zimmer 111?”, fragte Mandy dann und konnte darauf nur beobachten wie Aoi und Reita in die von Mandy entgegen gesetzte Richtung zeigten.

Mandy lächelte und verbeugte sich mit einem leisen “Danke”, bevor sie dann fast schon rennend ihren Weg fortführte.

“Wer war das?”, fragte Reita und sah Aoi darauf abwartend an.

“Yoriko hat vorhin erwähnt, das wir höchstwahrscheinlich Neuzugang im Doppelpack bekommen. Und da ich die Kleine von eben noch nie hier gesehen habe, denke ich, dass sie eine davon ist.”, erklärte Aoi, bis er plötzlich etwas vor seinen Füßen liegen sah. Und ohne noch etwas darauf zu geben, hob Aoi einen Handyanhänger vom Boden auf. Wahrscheinlich war es von dem Handy der “Kleinen”, die er umgerannt hatte. Es war ein Anhänger in Form einer “Japanese Bobtail”, der traditionell japanischen Katze, die mit Strasssteinchen verziert war. Wie gebannt starrte Aoi auf den Anhänger mit dem schwarzen Bändchen, bis er aus seinen Gedanken gerissen wurde, als Reita ihn in die Seite piekste und Aoi erschrocken auffuhr. “Hä?!”, reagierte Aoi erschrocken und blickte in Reita’s grinsendes Gesicht.

“Sag mal, was ist denn auf einmal mit dir los? Völlig in Gedanken versunken.”, meinte Reita. Doch Aoi schüttelte nur seinen Kopf und führte seinen Weg fort.

Währenddessen hatte Mandy nun auch endlich ihr Ziel erreicht und klopfte nun an die Tür, bis sich diese dann öffnete und eine Frau, die höchstens sechsundzwanzig war, vor Mandy stand. Ohne ein weiteres Wort, bat sie Mandy mit einer Geste in das Zimmer. Sie konnte sehen, dass Jasmin bereits am Arbeiten war. Natürlich wurde Mandy daraufhin aufgefordert, nun ebenfalls mit ihrer Arbeit zu beginnen und das der Rest danach erledigt werden würde.

Daraufhin vergingen viele Stunden, bis das Ergebnis ausgewertet werden konnte. Die beiden “Opfer”, die selbst Stylisten waren, wurden in kräftigen Farben und somit in einem Abend-Make-up geschminkt. Für Asami wählte Jasmin genau ihre Lieblingsfarben - Pink und Schwarz - während Mandy eher in einem kräftigen pink-violett geblieben war.

Beide hatten immenses Herzklopfen, als dann ein Mann das Zimmer betrat und die beiden aufgefordert hatte, das Zimmer doch solange zu verlassen, bis man soweit war, das Ergebnis zu verkünden. Mandy und Jasmin erinnerte es irgendwie an ihre damalige Schulzeit. Nachdem man seine Prüfung abgelegt hatte, so wurde man vorerst auch aus dem Zimmer geschickt. “Wo warst du eigentlich so lange?”, fragte Jasmin Mandy, die sich auf dem Boden niederließ und sich mit dem Rücken gegen die Wand lehnte.

“Ich hab nach diesem Zimmer hier gesucht.”, antwortete Mandy dann nur teilnahmslos und kramte ihr immer noch auseinander gefallenes Handy aus ihrer Jackentasche. Jasmin runzelte bei dem Anblick des Handys ihrer Schwester die Stirn.

“Hast du dein Handy weggeschmissen, oder warum sieht das so aus?”, fragte Jasmin dann weiter und brachte Mandy zum Seufzen.

Konnte sie auch etwas anderes, außer Fragen stellen?

“…nein, ich wurde über den Haufen gerannt und da ist es mir aus der Tasche gefallen.”, antwortete Mandy und im selben Augenblick öffnete sich die Tür. Die junge Frau von vorhin bat die beiden wieder ins Zimmer und als sie es betraten, wurden sie von allen mit einem Lächeln angesehen und von Applaus überflutet. Mandy und Jasmin verwirrte es sichtlich, aber es ließ ihre Herzen gleichzeitig schneller in der Brust schlagen.

“Meine Damen, wir würden Sie gerne in unserem Team haben.”,“alter Hase” bezeichnet wurde - und Yoriko, die noch nicht all zu lange dabei war. Würden Mandy und Jasmin wirklich eine feste Anstellung bekommen, so wären es fünf Personen und so ginge auch alles automatisch schneller. erklärte der Mann, welcher zuletzt das Zimmer betreten hatte und sich kurz darauf als Mitsuyo Tsuji vorgestellt hatte. Mitsuyo war Mitglied des Stylistenistenteams. Es war ein kleines Team, das aus drei Personen bestand: Mitsuyo, als einziges männliches Mitglied - Asami, die als

“Ist das…Ihr Ernst?”, stotterte Jasmin und sah Mitsuyo, sowie die anderen beiden, nur lächelnd nicken. “Sie müssen nur noch ´Ja´ sagen, das andere würden die Chefs dann schon regeln. Es hängt jetzt ganz allein von Ihnen ab.”, antwortete Mitsuyo und lächelte nochmals.

“Also, was ist?”, fragte er dann und sah Mandy, sowohl Jasmin abwartend an.

Mandy wusste in diesen Moment gar nicht, was sie sagen sollte. Sie hatte das Gefühl, als würde ein dicker Kloß in ihrem Halse stecken und sie daran hinderte, zu sprechen. Sie nickte bloß mit tränengefüllten Augen und nun lag es nur noch an Jasmin.“Sie wollen uns sicher nicht verkohlen, oder?”, fragte Jasmin nur und hörte Mitsuyo lachen.

“Nein, wie kommen Sie denn darauf?”, entgegnete Mitsuyo und kurz darauf nickte Jasmin ihm bloß zu. Alles weitere erfolgte in Windeseile, die Verträge wurden unterschrieben, alles Wichtige wurde geklärt und nun sollte es an die Arbeit gehen.

Doch vorher wurden Mandy und Jasmin erklärt, dass ein “Sie”“Du” geeinigt. Und nun wurden sie ihren neuen “Schützlingen” vorgestellt… hier nicht Gang und Gebe war, da man tagtäglich miteinander zu tun hatte und man hatte sich auf ein

Sie würden von nun an die Stylisten sein, die nur für diese Band zuständig waren.

“So meine Damen, ich stelle euch jetzt unsere ’Jüngsten’ vor. Sie sind ziemlich chaotisch, aber man kann sie sich noch erziehen.”, sagte Mitsuyo lächelnd und führte Mandy und Jasmin wenig später in ein Zimmer, aus dem deutlich ein lautes Gelächter zu hören war.

“Jungs, Besuch für euch.”, rief Mitsuyo in den Raum, während er laut an den weißen Türrahmen klopfte, worauf plötzlich alles still wurde.

“Hä?” reagierte nur jemand verwirrt.

“Das sind ab heute eure Stylisten.”, meinte Mitsuyo dann und trat zur Seite, sodass Mandy und Jasmin zum Vorschein kamen.

Das Zimmer, in dem Mandy und Jasmin dann standen, war ein normales, aber nicht zu großes, Aufenthaltszimmer. Dort standen zwei aneinander gestellte buchefarbene Tische mit Stühlen in der gleichen Farbe, eine schwarze Ledercouch und eine kleine Kommode auf der eine Stereoanlage der Marke JVC stand. Die Zimmerwände wurden ursprünglich komplett weiß gehalten, doch die Bands, die bei PSCompany unter Vertrag standen, konnten es einfach nicht unterlassen, diese Wände zu kennzeichnen - entweder mit Signaturen, Sprüchen oder irgendwelchen Zeichnungen. Bilder, Pflanzen oder Fenster gab es hier nicht. Die Fenster wurden durch Lüftungen ersetzt und um die Wärme im Sommer und die schlechte Luft durch Zigarettenqualm zu “vertreiben”, gab es einen Entlüftungsschacht.

“So, das sind die Jungs von Gazette. Ihr werdet sicher das ein oder andere von ihnen schon gehört haben.”, fuhr Mitsuyo fort und stellte Mandy und Jasmin jeden einzeln der Jungs vor, obwohl dies eigentlich nicht hätte sein müssen - aber woher sollte Mitsuyo das wissen?

“Schön, euch kennen zu lernen.”, sagten Mandy und Jasmin darauf im Chor und verbeugten sich vor den Jungs, die es nur mit einem lauten Gepfeife und Applaus beantworteten.

“Wir sind uns ja vorhin schon begegnet…auch wenn es auf etwas unsanfte Weise war.”, sagte Aoi darauf, der lächelnd in Mandy’s erschrockenes und gleichzeitig gerötetes Gesicht sah.

“Ihr habt euch schon gesehen?”, plärrte Kai darauf und alle Anwesenden lachten mit einem Mal los. Jasmin, die schweigend das Szenario zwischen ihrer Schwester und Aoi beobachtete hatte, wäre am liebsten auf Kai zugestürmt, hätte diesen umarmt und die Wangen getätschelt. Sie und Mandy fanden Kai von Anfang an “knuffig”, denn er war auch unglaublich niedlich. Viel zu niedlich, als das man irgendwelche anderen Gedanken hegen konnte, aber selbst hier konnte man sich irren. Anders war es bei Uruha, welcher Jasmin nur prüfend angesehen und gemustert hatte, bevor er ihr ein sanftes und fast schon engelgleiches Lächeln, welches seine schönen und strahlend weißen Zähne entblößte, zuwarf, welches Jasmin sofort nervös machte und sie näher an ihrer Schwester heranrücken ließ. Sie konnte darauf nur beobachten, wie Uruha Reita, der neben ihm saß, etwas zugeflüstert hatte, worauf Reita nur grinsend nicken musste. Jasmin’s Herz ließ es augenblicklich höher schlagen.

“So, geht‘s hier endlich mal los?”, ertönte plötzlich eine tiefe Männerstimme, die dennoch mit einem immer noch jungenhaften Unterton versehen war, die Mandy und Jasmin zusammenzucken ließ. Als alle ihre Blicke zur Tür richteten, stand dort Ruki mit Yoriko, die zuvor von Mandy geschminkt wurde. Mandy und Jasmin war es in ihrer Aufregung gar nicht aufgefallen, dass er gefehlt hatte, dabei war Ruki immer einer derjenigen, die auffielen.

“Okay, Mädels…”, begann Mitsuyo und hielt einen Moment lang inne.

“Ihr werdet zusammen mit Yoriko jetzt die Jungs ordentlich stylen.”, fuhr Mitsuyo dann fort und obwohl er noch etwas sagen wollte, wurde er von Ruki unterbrochen, als dieser sich frech grinsend in die Mitte des Raumes stellte. “Und danach wird der Einstand kräftig gefeiert.”, sagte Ruki dann laut und das laute Gegröle der Jungs ertönte. Mitsuyo, der auf Ruki zukam, lachte bloß, während er in die Hände klatschte. Mandy und Jasmin lachten auf, dennoch merkten sie, dass sie sich an die Art Verhältnis noch gewöhnen mussten, da sie es bisher ganz anders kannten. Das, was sie bisher kannten, war einfach nur ein berufliches Verhältnis - fast schon kalt, sodass ein freundschaftliches, ja, beinahe schon familiäres Verhältnis, gar nicht in Frage kommen durfte. Doch selbst das würde sich alles ändern.

“Okay Jungs, ihr verschreckt uns noch die Mädels.”, lachte Mitsuyo und stützte sich, weil Ruki ja viel kleiner als er war, auf diesem ab. Es sah recht amüsant aus, sodass Mandy kurz davor war, einen Lachkrampf zu bekommen.

“Reiß dich zusammen.”, sagte Jasmin nur, die alles Mögliche versuchte, um “erwachsen” vor Uruha zu wirken, denn schließlich war es dieser in gewisser Hinsicht auch.“Dürfen wir uns aussuchen, wer uns befummeln darf?”, fragte Kai, der anschließend wie ein kleiner Junge vor Mitsuyo stand und diesen angrinste.

Mitsuyo blickte durch den Raum. Während Yoriko schon mit Reita verschwunden war, standen die anderen vier Jungs immer noch abwartend da.

“Kloppt euch drum.”, meinte Mitsuyo nur, der die Frage von Kai zwar recht kindisch fand .

“Ich brauch mich nicht kloppen.”, grinste Ruki, der sich aus Mitsuyo’s Fängen befreite und sofort zu Mandy stürmte, diese an der Hand packte und sie hinter sich her aus dem Zimmer zerrte. Mitsuyo schüttelte nur mit dem Kopf. “Der Junge ist heute mal wieder aufgedreht. Habt ihr ihm zu viel Kaffee gegeben?”, fragte Mitsuyo dann, bis er endlich registriert hatte, dass er mit Aoi allein im Zimmer stand.

“Gib dir keine Mühe, sie sind alle schon weg.”, seufzte dieser dann und zündete sich eine Zigarette an.

“Ich merk’s.”, sagte Mitsuyo.

Nun waren sie alle “ausgeschwärmt”. Kai hatte sich Jasmin geschnappt, Uruha hatte Asami aufgesucht, Yoriko war mit Reita beschäftigt, Ruki war mit Mandy verschwunden und Aoi blieb bei Mitsuyo. Währenddessen wurden die mitgebrachten Geschenke, die Mandy am Vorabend besorgt hatte, von Noriko und ein paar anderen Angestellten, verteilt. Es blieb sogar so viel übrig, dass sogar die Bands, die bei PSCompany unter Vertrag standen, etwas davon hatten.

Die letzten, die ihre Geschenke wohl erhalten würden, waren die Jungs von “the Gazette“. “Das nächste Mal sagen Sie mir vorher bescheid, wenn Sie so eine Aktion starten wollen.”, seufzte Mandy, als sie zusammen mit Ruki in einem kleinen Zimmer stand und nach Atem rang. Sie musterte dabei kurz diese kleinen vier Wände, in denen sie sich nun befand. Anders als das Aufenthaltszimmer, sah es hier mehr freundlicher aus - was wahrscheinlich an dem beleuchteten Spiegeltisch lag, der so ein angenehm warmes Licht ausstrahlte. Allerdings existierten hier ebenfalls keine Fenster, was aber nicht so schlimm war, da die Belüftung sehr gut in Betrieb war. Die Wände hier waren auch in einem warmen cremefarbenen Ton gehalten, was die Umgebung, trotz ohne Pflanzen oder Bildern, freundlicher erscheinen ließ. Es war angenehm und der Duft von Haarspray lag noch deutlich in der Luft.

Ob die anderen Räume, bis auf den Aufenthaltsraum, auch so gehalten wurden?

Ruki drehte sich zu Mandy um und sah sie mit gerunzelter Stirn an.

“Mitsuyo hat doch sicher erklärt, wie es hier abgeht, oder?”,“Okay, dann heißt es also auch nicht ’Sie’, sondern ’Du’.”, fuhr Ruki dann fort und trat näher an Mandy heran. Sie nickte nur schweigend und beobachtete Ruki dabei, wie dieser sich auf dem Drehstuhl niederließ, der mit schwarzem Leder bezogen war und Mandy zu sich heranwinkte, nachdem er sich von seiner schwarzen Blazerjacke befreit hatte. fragte Ruki dann und sah Mandy nicken.

“Würdest du mir eventuell den Nacken massieren?”, fragte Ruki und sah Mandy mit aufgesetzter Unschuldsmiene an. “Bitte.”,“Dackelblick” auf, der Mandy zum Lachen brachte. sagte er dann und setzte nur noch vermehrt seinen

“Dabei sollte ich dich doch eigentlich stylen, oder?”, fragte sie dann, nachdem sie ihre Hände auf Ruki’s Nacken gelegt hatte und trotz, dass sie warm waren, bekam Ruki plötzlich Gänsehaut und überspielte dies mit einem Lächeln.

“Ach was, das ist jetzt nicht nötig. Mir reicht das aus, was ich bereits im Gesicht hab. Mein Nacken ist mir jetzt wichtiger.”, erklärte Ruki bloß und schloss seine Augen, als Mandy dann angefangen hatte, seinen Nacken zu massieren.

Im Zimmer neben an wurde das Gelächter lauter, als man Ruki laut aufstöhnen hörte.

Auch dieses Zimmer war angenehm in seiner Umgebung gehalten - ebenfalls mit einem beleuchteten Spiegeltisch, guter Belüftung und Wände, die hier wiederum in einem warmen Orange gehalten wurden. Das einzige Problem an diesen Räumen war, dass die Wände nicht schalldicht waren. “Darf man eventuell fragen, was die beiden da machen?”, fragte Kai, nachdem Jasmin sein Gesicht abgepudert hatte und nun zum Lidschatten griff. “Das klingt ja fast schon so, als würden die hemmungslos übereinander herfallen.”, fuhr Kai dann fort und brachte Jasmin ein Lächeln auf die Lippen. “Jetzt nichts gegen Ruki, aber ich würde ihm schon so etwas zutrauen.”, meinte Kai dann und brachte Jasmin dann zum Auflachen, während sie ihren Kopf dabei schüttelte.

“Na, Ruki ist doch ein Fall für sich, oder? Ich denke auch, dass meine Schwester voll sein Geschmack ist. Aber das er gleich so rangehen soll, glaube ich eher weniger und meine Schwester würde ihm eher die Finger abhacken, als das Ruki sie lang machen könnte.”, erklärte Jasmin und blickte in Kai’s lächelndes Gesicht - es war so unglaublich niedlich, das es Jasmin Gänsehaut bereitete.

“Was denn? Ich bin ein Hobbypsychologe.”, sagte Jasmin dann und brachte Kai zum Auflachen.

“Wie süß.”, grinste er dann und sah, dass es Jasmin wohl verwirrte.

“Hä?”, reagierte sie darauf nur und brachte Kai erneut zum Lachen, bis man es von neben an erneut laut aufstöhnen hören konnte.

“Gut,…bist du dir immer noch so sicher, dass die beiden nichts machen?”, fragte Kai, der sich das Lachen verkneifen musste, während er Ruki wieder laut aufstöhnen hörte. Als sich dann plötzlich die Tür öffnete, zuckten Kai und Jasmin erschrocken zusammen. Man hörte darauf aber nur ein lautes Lachen.

“Oh, haben wir euch erschreckt?”, ertönte Reita’s jungenhaft klingende Stimme, die Kai und Jasmin erneut zum Aufschrecken brachte. Beide blickten in Richtung Tür, in der Reita und Aoi standen.

Erneut hörte man Ruki aufstöhnen und nun wunderten sich Reita, als auch Aoi und es brachte ihnen ein breites Grinsen auf die Lippen.

“Was machen die denn da?”, fragte Aoi dann und ließ die Tür hinter sich ins Schloss fallen. Kai und Jasmin zuckten nur mit den Schultern.

“Haben die Sex?”, grinste Reita und wurde darauf mit einem Puderpinsel von Jasmin beworfen. Sie grinste ihn frech an und schüttelte ihren Kopf.

“Ey, wie stellst du meine kleine Schwester denn hin?”, fragte Jasmin, denn sie hasste es, wenn man gleich auf solche Gedanken kam - obwohl es nur Spaß war.

Reita lachte und bewarf nun Jasmin mit dem Puderpinsel.

“Ich kenne deine Schwester doch gar nicht.”, meinte Reita dann und bekam erneut den Puderpinsel entgegen geworfen. Plötzlich öffnete jemand die Tür und Aoi, der unmittelbar vor dieser stand, wurde so kräftig geschubst, dass dieser auf Reita fiel und ein lautes Gelächter ausbrach. Uruha, welcher die Tür geöffnet hatte, stand nun mit einem peinlich berührten Lächeln auf den Lippen, im Zimmer.

“’tschuldigung!”, sagte er laut und ließ hinter sich die Tür ins Schloss fallen.

“Reita, ich wusste gar nicht, wie bequem es sich auf dir liegen lässt.” lachte Aoi und richtete sich auf, blieb allerdings auf Reita’s Rücken sitzen.

Alle lachten, bis dieses verstummte, als Ruki erneut aufstöhnte.

“Okay, Ruki stöhnt und das nicht gerade zu leise. Darf man fragen, was da abgeht?”, fragte Uruha dann auch schon. Alle zuckten nur mit den Schultern.

“Ich würde vorschlagen, dass mal jemand nachgucken geht.”, seufzte Reita, der immer noch unter Aoi lag. Aoi nickte darauf nur, während er seine Zigarettenschachtel hervorholte und sich eine Zigarette anzündete.

“Ich denke, das wäre eine gute Idee. Außerdem, es ist schwachsinnig zu sagen, das wir sie bei irgendetwas erwischen könnten.”, fügte Kai hinzu, während Jasmin immer noch mit seinem Lidschatten beschäftigt war. Sie nickte ihm zu, ohne, dass er es sehen konnte.

“Wer hat überhaupt behauptet, dass sie etwas ‘derartiges’”, fragte Aoi dann und machte es sich weiterhin bequem auf Reita, was diesen wohl überhaupt nicht zu stören schien.“Es klingt eben pervers, was Ruki da von sich lässt und die Wände sind nun mal nicht schalldicht. Logisch, dass da jeder so seine Gedanken hat, oder?”, meinte Reita dann und rappelte sich nun doch unter Aoi, sodass dieser auf seinem Hintern landete. machen?

Das Thema war dann aber auch schon vom Tisch, als es nebenan völlig ruhig geworden war. Niemand verlor noch ein Wort darüber.

“Darf ich dich mieten? Du hast Hände aus Gold, ehrlich.”, sagte Ruki, der immer noch die Augen geschlossen hatte, obwohl Mandy bereits ihre Hände von seinem Nacken gelöst hatte. “Übertreib’s bloß nicht.”, meinte Mandy und lachte auf, als plötzlich die Tür aufging und Kai, Aoi, Reita, Uruha und Jasmin im Zimmer standen und die beiden frech angrinsten.

“Was habt ihr für Schweinereien gemacht?”, fragte Jasmin auch sofort und kam in rasenden Schritten auf Mandy zu, die erschrocken zusammenfuhr und anschließend verwirrt in das Gesicht ihrer älteren Schwester blickte.

“Nichts. Wir haben nichts gemacht.”, sagte Mandy dann.

“Na ja, nicht ganz.”, fuhr Ruki dazwischen und drehte sich samt Drehstuhl zu den anderen um.“Aha?”, reagierte Jasmin zusammen mit den anderen im Chor.

“Ich hab’s doch gewusst.”, flüsterte Reita, der unmittelbar neben Kai stand.

“Du hast was gewusst?”, fragte dieser dann nur und sah Reita nur grinsen.

“Das da was lief.”, antwortete Reita, was auch Mandy gehört hatte und große Augen bekam.

“Ich weiß ja nicht, was ihr für Phantasien habt, aber mit denen habe ich definitiv nichts zu tun.”, sagte Mandy und verschränkte wie ein bockiges Kind ihre Arme, während sie die anderen so musterte.

Sie wurden so geschminkt, wie es Mandy nicht anders kannte - schwarzer Lidschatten, dessen Highlighter dezent in größtenteils bronzefarbenen Tönen gehalten wurde.

“Sollten wir euch nicht eigentlich stylen?”, fragte Mandy dann, nachdem sie ihren Blick von den anderen abgewendet hatte und nun einen Blick in den Spiegel warf.

“Wofür eigentlich?”, fragte sie weiter.

Von hinten hörte man Kai nur, wie er sich räusperte.

“Mit dem Wort ‘Stylen’ sollte man vorsichtig umgehen. Stylen ist nicht immer gleich stylen.”, versuchte Kai zu erklären, was Mandy allerdings nicht viel brachte.

“Okay. Noch einmal für die, die es nicht verstanden haben.”, warf Jasmin darauf dazwischen.

Im Gegensatz zu Mandy, wusste sie, was Kai meinte.

Kai seufzte. “Wir wollten euch bloß testen, ob ihr auch sofort einsatzbereit seid. Natürlich können wir nicht gleich am ersten Tag verlangen, dass ihr euch so ins Zeug legt, als wenn ihr uns für ein Photoshooting, Interview oder Konzert hättet schminken müssen. Das war nur eine Art Probe unsererseits. Und außerdem wollen wir doch toll aussehen, wenn wir den Einstand feiern wollen.”, erklärte Kai dann und grinste dabei über beide Ohren. Er sah dabei wie ein kleiner Junge aus.

“Wie dem auch sei, von dieser Frau müsst ihr euch unbedingt massieren lassen. Ich glaub ihr wollt sie anschließend mit Handschellen an euch festbinden, damit sie euch nicht wegrennen kann und nur euch massieren darf.”, warf Ruki dazwischen und zog jeden einzelnen Blick auf sich. Er grinste frech und beobachtete nur Mandy dabei, wie ihr Gesicht hochrot anlief.

“Kommt drauf an, was sie massieren durfte.”, lachte Jasmin auf und schubste ihre kleine Schwester, die peinlich berührt ihren Kopf gesenkt hatte. Alle anderen hatten darauf auch lautstark losgelacht.

“Na ja, wenn Ruki schon so einen Spruch loslässt, muss es ja schon weit gewesen sein.”, lachte Reita. Mandy war das ganze Szenario mehr als nur unangenehm geworden, trotz, dass sie wusste, dass es nur Spaß war. Aber auch jemand wie sie, einer 23jährigen jungen Frau, erreichte irgendwann seine Grenzen. Und Mandy war kurz davor, diese zu erreichen, denn irgendwo hörte der Spaß auch auf.

“Hört schon auf, so einen Unsinn zu reden.”, sagte sie laut und versuchte dabei zu lächeln. “Ist schon in Ordnung.”, meinte Jasmin nur und lächelte.

“Tjaha, was machen wir jetzt? Ich würde doch glatt den Vorschlag abgeben, dass wir jetzt Happi Happi machen?”, warf Kai dann dazwischen, als sein Magen dann auch schon knurrte und alle anderen lachten.

“Hm, ja, das ist doch eine gute Idee, oder? Kai, wollen wir das machen?”, fragte Jasmin auch gleich und kam auf Kai zugestürmt. Dieser wusste in diesem Moment nicht, was oben und unten war. Aber er überspielte es mit einem Lächeln und nickte dabei. “Hai.”, grinste er dann auch schon und kurz darauf war er zusammen mit Jasmin verschwunden.

“…ich werde mich nach meinen Autoschlüsseln erkundigen.”, sagte Mandy dann und verließ als nächste und ohne weitere Worte das Zimmer. Daraufhin waren Uruha und Reita verschwunden, um die Kantine schon auf Vordermann bringen zu können. Aoi und Ruki machten sich als letzte auf die Suche nach einer Digicam, um den Einstand von Mandy und Jasmin festhalten zu können.

Anders konnte man keine schönen Erinnerungen nicht festhalten…

Wenig später standen Kai und Jasmin in der kleinen Kantinenküche. An den Wänden hingen die Pfannen und die Töpfe, sowie andere Kochgerätschaften und blau-weiß-karierte Topflappen. Mit den Händen in seine schmalen Hüften gestützt stand Kai nun da, während Jasmin bereits nach Tellern suchte.

“Was wollen wir eigentlich machen?”, fragte er dann und drehte sich zu Jasmin, die ihm nur ein Lächeln entgegenbrachte, um.

“Da gibt es so ein leckeres Gericht, welches aus einfachen Sachen zubereitet werden kann.”, begann Jasmin lächelnd zu erklären, nachdem sie endlich die gesuchten Teller gefunden hatte und diese auf einer marmorierten Ablage stellte.

“Man nehme lediglich Eier, Salz, Butter und Toastbrot.”, fuhr Jasmin dann fort und konnte Kai beobachten, wie dessen Grinsen im Gesicht immer breiter wurde.

“Ich glaub, ich weiß was du meinst.”, sagte er dann und begann nun in den Schränken nach den benötigten Zutaten für das “Kai-Toast” zu suchen. Natürlich fand er auch alles und das Kochen konnte beginnen. Es war sehr amüsant zu beobachten, das stellten auch Aoi und Ruki fest, die die Digicam gefunden und nun begonnen hatten, Kai und Jasmin bei ihren Kochversuch zu filmen.

“Die tun ja gerade so, als würden sie sich ewig kennen.”, flüsterte Ruki, der neben Aoi stand und in die Kantinenküche lugte.

“So ein Verhältnis ist jedenfalls besser, als wenn man abweisend zueinander ist. Und wenn sie sich gut verstehen, ist das doch in Ordnung.”, sagte Aoi und räusperte sich kurz. “Und außerdem bist du auch nicht sehr viel besser.”, fuhr dieser dann fort und hörte Ruki nur leise kichern. “Hm, bist du eifersüchtig?”, fragte er und konnte darauf nur beobachten, wie Aoi grinste. “Blödsinn.”, sagte er dann nur und filmte weiterhin das Szenario zwischen Jasmin und Kai. “Kai, die Herdplatte brennt!”, plärrte Jasmin, der versehentlich Butter auf die Herdplatte gekleckert war und dies dann begonnen hatte, kleine Flammen zu werfen. Kai hatte rasch reagiert und doch war die gesamte Kantinenküche “blau” vor Rauch geworden. “Hast du dir wehgetan, hast du dich verbrannt?”, fragte Kai darauf nur, nachdem dieser alles wieder in den Griff bekommen hatte und sich nun selbst hinter den Herd stellte.

Jasmin schüttelte lächelnd ihren Kopf und dekorierte währenddessen die Teller mit Petersilie und anderen Kräutern, die den Anblick etwas abrundeten.

“Mit den Tellern hast du’s weg.”, grinste Kai, der anschließend die dekorierten Teller mit den Toasts betrachtete. “Hast du mal in der Küche gearbeitet?”, fragte er dann, während Jasmin kopfschüttelnd auflachte. “Was? Nein, nicht das ich wüsste.”,’s grinsendes Gesicht. Sie hielt darauf einen Moment lang inne und lächelte, während sie vor Kai, der zudem viel größer als sie war und dies amüsant aussehen ließ, stand. antwortete Jasmin und blickte in Kai

“Ich wollte schon immer mal mit dir zusammen etwas kochen.”,“Hä?”. sagte sie dann bloß schüchtern und sah, dass es Kai verwirrte.

Plötzlich ging die Kantinentür auf.

“Erwischt!”, lachte Aoi, der die Digicam genau auf Kai und Jasmin, die rasch ihren Kopf gesenkt hatte, richtete. Ruki, der unmittelbar neben Aoi stand, grinste nur frech, während er sich einige seiner Haarsträhnen aus dem Gesicht strich. “Haben wir vergessen, anzuklopfen?”, fragte dieser dann.

“Ja, das habt ihr.”, seufzte Kai und stützte darauf seine Hände in die Hüften.

“Gibt’s jetzt Happi?”, ertönte es dann auch schon aus dem kleinen Kantinensaal, der ungefähr die doppelte Größe des Aufenthaltsraumes hatte, bis dann auch schon Uruha und Reita in der Kantinenküche, in der es mittlerweile auch ziemlich eng wurde, standen und den anderen nur entgegengrinsten.

“Außerdem ist die ‘Blumenfee’ auch schon da.”, sagte Reita dann und zeigte mit dem Finger in den Kantinensaal, in den alle anderen einen Blick warfen. Aoi, der immer noch die Digicam laufen hatte, lugte in den Saal und konnte Mandy, die mittlerweile auch eingetroffen war, dabei beobachten, wie sie kleine weiße Bouquetsträuße, an denen kleine Tülltäschchen befestigt waren, an fünf Plätzen verteilte.

“Was macht sie da?”, fragte Aoi dann nur, während die anderen nur lachten oder grinsten. “…Blumen verteilen.”, meinte Reita darauf.

“Das sehe ich auch.”, erwiderte Aoi und hatte darauf ein kurzes, aufgesetztes Lächeln auf den Lippen, welches aber auch rasch wieder verblasste.

“Na, was fragst du dann so doof?”, fragte Reita, der darauf nur die Digicam von Aoi in die Hände gedrückt bekam und dieser sich dann in den Saal schlich, ohne, das es Mandy mitbekam, da sie mit ihrem Handy beschäftigt war.

Reita musste sich, während er nun mit den anderen ebenfalls in den Saal getreten war, das Lachen verkneifen, als Aoi sich einen der Bouquetsträuße nahm und angefangen hatte, damit durch den Raum zu tanzen und zu hüpfen. Es sah wirklich amüsant aus und als es dann auch Mandy mitbekommen hatte, hatte man das Gefühl, als würde sie ihr Grinsen gar nicht mehr aus dem Gesicht bekommen können.

Sie kannte Aoi nicht anders - er war zwar älter alle anderen, aber dafür auch das größte Kind. Aber es war immer ein sehr niedlicher Anblick, egal, was Aoi machte.

Kurz darauf brach ein lautes Gelächter und Applaus aus, nachdem Aoi den Bouquetstrauß zurück an seinen Platz gelegt hatte.

“Gelungener Auftritt. Wieso bist du nicht zum Männerballett gegangen?”, grinste Reita hinter der Digicam und bekam aber nur von Aoi die Zunge entgegengestreckt.

“Bin ich schwul, oder was?”, erwiderte er dann und ließ sich auf einen der der Stühle, die an den Tischen standen, nieder. Reita grinste nur wieder.

“Öhm,…wie wär’s mit Essen?”, fuhr Kai darauf dazwischen und ohne, das noch jemand etwas erwidern konnte, so war er auch schon wieder mit Jasmin in der Küche verschwunden. Und ohne weiteres hatten sich alle auf den Stühlen niedergelassen und warteten nun auf das, was Kai wohl mit Jasmin gezaubert hatte.

“Et voila.”, sagte Kai Minuten später, als er mit den ersten beiden garnierten Tellern, auf denen fünf kleine goldbraun gebratene Toastquadrate lagen, servierte.

Es verging darauf auch nicht viel Zeit, als alle gut gesättigt auf ihren Plätzen saßen und das Essen lobten. “So, wollen wir dann noch abwaschen?”, fragte Jasmin, die unmittelbar neben Kai saß und diesen ansah.

“Na ja,…”, stammelte Kai, der mit seiner Serviette in den Händen spielte und dabei auf den Tisch starrte. Kurz darauf räusperte Uruha sich und warf Jasmin Blicke zu, die deutlich zeigten, dass ihn irgendetwas zu stören schien.

“Es tut mir leid, das jetzt sagen zu müssen, aber weißt du, dass es mich nervt, wie du mit Kai umgehst? Kai hier, Kai da. Du tust ja beinahe schon so, als würdest du ihn schon ein Leben lang kennen und außerdem ist er nicht dein Eigentum, also hör auf über ihn zu bestimmen. Du solltest wohl besser erst einmal lernen, wie man Berufliches und Privates auseinander hält.”,’s Worte? sagte Uruha darauf und zog alle Blicke auf sich. Waren das wirklich Uruha

Uruha war eigentlich immer derjenige, der sich aus vielem heraushielt. Er war sanft und zurückhaltend. Sollte das jetzt sein wahres Gesicht sein?

Ein Mensch mit einem Engelsgesicht, was nichts weiter als eine Maske war?

Jasmin verstand es in diesem Moment nicht und wollte es auch gar nicht, doch betrachtete sie es mit einem Lächeln. “Ich bestimme nicht über Kai. Ich habe ihn lediglich gefragt.”,“Ich erledige den Abwasch.”, fuhr Mandy dazwischen, um dieses Szenario schnellstens zu unterbrechen und verschwand darauf mit dem schmutzigen Tellerstapel in der Küche. Sie störte so etwas immer sehr, worauf sie immer versuchte, es doch noch irgendwie schlichten oder wenigstens davon abzulenken. Das Einzige, was an diesem Tisch herrschte, war Schweigen und irgendwie fühlte es sich unerträglich an - Blicke durch die Gegend schweifen lassen und schweigen. konterte sie dann, womit Uruha eigentlich am wenigsten gerechnet hatte.

“Bevor mich dieses Schweigen noch umbringt, gehe ich lieber.”, seufzte Aoi, der nach der Digicam, die er auch sofort wieder einschaltete, griff und damit in der Küche verschwand.

“Was machst du da?”, grinste Aoi, als er in der Küche stand und Mandy dabei beobachtete, wie sie Wasser in das Waschbecken einließ und nun verzweifelt nach Spülmittel suchte.

“Ich wollte abwaschen.”, antwortete Mandy, während Aoi nur grinste.

“Auf dem Regal über dem Waschbecken steht eine Flasche mit Spülmittel.”, sagte Aoi und brachte Mandy ein peinlich berührtes Lächeln auf die Lippen. Und nachdem sie das Wasser abgestellt und Spülmittel ins Waschbecken gegeben hatte, verschwand sie nochmals aus der Küche und kam nur Sekunden später mit den schmutzigen Gläsern zurück.

Sie grinste. “Sie haben aufgehört zu schweigen.”.

Aoi lachte auf. “Echt?.”, reagierte er darauf nur verwundert und sah Mandy bloß schweigend nicken. Sie wollte in diesem Augenblick nicht wahrhaben, dass sie ab dem heutigen Tag fast vierundzwanzig Stunden mit den Jungs von “the Gazette” zusammen sein würde. Das sie näher an ihnen als manch andere Menschen sein würde.

“Sieh’s dir an und glaub mir, du wirst lachen.”, meinte Mandy, die soeben das Geschirr beiseite legte und auf Aoi zukam, den sie am Hemdärmel zur Tür zog und mit dem Finger auf Reita und Kai zeigte.

“Sagt bloß, ihr kennt Shakespeare ?”, fragte Jasmin erstaunt, als sie Reita und Kai dabei beobachtete, wie diese versuchten für etwas Unterhaltung zu sorgen, bis Aoi und Mandy wieder anwesend waren. Reita grinste frech, als er sich auf einen der Stühle stellte und dabei einen der weißen Bouquetsträuße in den Händen hielt, während Kai mit einem breiten Grinsen vor ihm stand.

“Romeo, oh Romeo…”,. ertönte es von Reita, der jedoch nicht wirklich zu wissen schien, wie es weiterging und umso amüsanter sah es aus, als er plötzlich rot anlief und Kai ihm nur zunickte, während er etwas Abstand nahm und seine Arme nach Reita ausstreckte.

“Gott, was soll das werden?”, flüsterte Aoi hinter der Digicam, während Mandy nur kicherte, als sie sagte “Sie versuchen eine Szene aus “Romeo und Julia” zu inszenieren. Aber daraus wird nur eine Szene made by Reita und Kai.”.

“…und ich bin nicht länger eine Capulet…”, fuhr Reita dann fort und sprang darauf vom Stuhl in Kai’s Arme. Das Ergebnis brachte alle zum Lachen, denn Reita hatte Kai zu Boden gerissen und saß nun mit gespreizten Beinen auf diesem. “So war das eigentlich nicht geplant.”, jammerte Kai, nachdem Reita wieder von ihm runtergegangen war. Jasmin war darauf nur zu Kai gestürmt und tätschelte tröstend seinen Kopf, was Uruha, der es schweigend beobachtete, dazu brachte, den Saal zu verlassen. Ruki, der ihm zuvor gegenüber saß, sah die anderen nur verwirrt an - doch die Antwort war klar. Ja, sie war mehr als klar.

Wie war es, man sollte Berufliches und Privates auseinander halten?

Niemand fragte, was plötzlich mit Uruha los war - sie ließen ihn einfach machen.

Doch das hinderte den Tag nicht daran, einfach an einem vorbeizuziehen und es immer später werden zu lassen…

“Sollen wir euch das Gebäude zeigen?”, fragte Kai wenig später und natürlich hatten Jasmin und Mandy, die mittlerweile mit dem Abwasch fertig geworden war, eingestimmt.

Schließlich mussten sie sowieso lernen, sich an die Umgebung zu gewöhnen.

“Achtung, ich komme!”, plärrte Jasmin, als sie später mit den anderen schon einige Etagen und Zimmer gesehen hatte, bevor sie Kai einfach von hinten angesprungen war und sich nun auf dem Rücken von ihm durch die Gegend tragen ließ.

Ruki folgte ihrem Beispiel und ließ sich von Reita durch die Gegend tragen.

Und spätestens jetzt fragte man sich , womit Uruha ein Problem hatte.

War es wirklich nur die Tatsache, dass man versuchte, sich mit den Leuten zu verstehen? Das Jasmin versuchte, sich mit Kai zu verstehen? Wollte er es wirklich nicht verstehen?

Es waren so viele Fragen, zu denen es doch irgendwie keine Antwort gab.

Vielleicht musste man erst nach ihr suchen.

“Woll’n wir heute einen Trinken?”, fragte Aoi in die Menge, nachdem er prompt Mandy die Digicam in die Hände gedrückt und nun vor ihr herlief, während die anderen lachend nebeneinander her liefen. Der Ausdruck, den er dabei im Gesicht trug, konnte glatt dem eines Kindes gehören. Mandy lachte nur.

“…und morgen mit einem Kater aus den Federn kommen?”,’s Gezappel gar nicht bemerkt zu haben. fuhr Aoi fort und brachte Mandy nochmals zum Lachen, als die anderen plötzlich stehen blieben und Aoi Reita, der immer noch mit Ruki auf dem Rücken herumlief, anrempelte. Dieser schien es jedoch durch Ruki

“Yoshi! Yoshi!”, plärrte Ruki auf Reita’s Rücken wie ein kleines Kind los und zappelte mit den Beinen. Man könnte ihn tatsächlich für ein Kind halten, aber irgendwie war es niedlich.

“Habt ihr nichts zu tun?”, fragte darauf der Mann, von dem Ruki mit “Yoshi” angesprochen worden ist, und lächelte.

“Yoshi”, der mit vollen Namen eigentlich Yoshiyuki Kawasaki hieß, war Mitglied der Roadcrew und kümmerte sich um die Jungs von Gazette, wenn diese auf Tour waren. Und eigentlich war er alles auf einmal für die Jungs, besonders für Ruki - Vater und großer Bruder zugleich. Yoshi machte jeden Spaß, den die Jungs anzettelten, mit und mit ihm konnte man auch sonst Pferde stehlen, auch wenn er bereits ein Familienvater mit Verpflichtungen war. “Doch, wir zeigen unseren neuen Stylisten das Gebäude.”, erklärte Kai darauf und zog darauf Yoshi’s Blick auf sich. Er grinste und kam auf Kai, der Jasmin nach wie vor auf dem Rücken hatte, zu. Yoshi war um einiges größer als Kai und durch die weiße Strickmütze die er trug, sah es umso amüsanter aus, als Yoshi dann vor Kai stand und diesen angrinste.

“Lass mich raten, die Dame, die du da auf deinem Rücken mit dir umherschleppst, ist eine von ihnen. Ich habe durch eure Managerin davon erfahren.”, sagte Yoshi und nickte Jasmin freundlich zu. “Aber sollten es nicht eigentlich zwei sein?”, fragte er dann und blickte durch die kleine Gruppe. “Hier.”, machte sich Aoi darauf bemerkbar und deutete auf Mandy, die mit der Digicam in den Händen, neben ihm stand. Aoi nahm ihr darauf die Digicam aus den Händen, sodass Yoshi einen Blick auf die “Zweite” werfen konnte. Mandy lächelte schüchtern, bevor sie sich verbeugte. Aber sollte man sich nicht spätestens jetzt die Frage stellen, warum alle bereits von Mandy und Jasmin wussten?

Es war beinahe schon so, als wäre alles ein Plan gewesen, dass diese beiden jetzt hier und dann auch noch die Visagisten von Gazette geworden sind. Ein seltsames Gefühl machte sich plötzlich in Mandy und Jasmin breit, doch konnten sie es nicht wirklich mit Worten beschreiben.

Doch das alles wie geplant zu sein schien, war ein großer Teil von diesem Gefühl.

“Okay, ich will euch dann auch nicht weiter aufhalten. Ich wünsch euch dann noch viel Spaß.”, meinte Yoshi dann und verschwand darauf in einem der Zimmer.

Minuten später hatte man, bis auf Mandy, sein Treiben vorgeführt. Mandy hatte ihre Jacke im Zimmer 111 vergessen und wollte diese holen, da es ihr irgendwie unangenehm wurde, ihre Sachen in fremden Räumen liegen zu lassen. Für sie machte es keinen besonders guten Eindruck und deshalb trennte sie sich von den anderen, die sich nach dem Rundgang auch wieder im Aufenthaltsraum zurückziehen wollten.

Und kurz darauf stand Mandy auch schon vor der Tür, an der mit vergoldeter Schrift 111 stand. Sie nahm Uruha’s sanfte Männerstimme wahr - jedoch klang es so, als würde er sich bei jemanden beschweren. Vielleicht über Jasmin’s Benehmen?

Vielleicht wegen ihrem Verhältnis zu Kai?

Zumal hatte Mandy gar nicht bemerkt, das Uruha überhaupt verschwunden war und abgesehen davon, Konnte es so viel sein, was Uruha störte und Mandy war es plötzlich so unangenehm, das sie viel lieber bei den anderen geblieben wäre. Trotzdessen klopfte sie an der Tür, auch wenn es wohl niemand wahrgenommen hatte, so öffnete sie diese. Darauf sah Mandy nur Uruha mit Zigarette im Mundwinkel und wie er sich mit Yoriko, der eigentlich Jüngsten aus dem Stylistenteam, über etwas unterhielt, es aber rasch unterbrach, als Mandy plötzlich im Zimmer stand.

“Wir reden ein anderes Mal darüber, ja? Viel Spaß dann noch.”, sagte Yoriko, die Mandy ein fast schon aufgesetztes Lächeln entgegenwarf, bevor sie aus dem Zimmer verschwand. Uruha seufzte nur und zog an seiner Zigarette.

“Gibt’s was?”, fragte er nur und irgendwie brachte es Mandy zum Zusammenzucken.

“Äh,…”, reagierte sie und merkte schon selbst, das es ihr sehr unangenehm war, hier zu stehen und einem Uruha zu begegnen, den sie zuvor anders eingeschätzt hatte - es war sein Lächeln, seine Art.

Mandy konnte Jasmin von Anfang an verstehen, warum diese ausgerechnet vom Uruha so fasziniert war. Sollte das alles jetzt wie ein Spiegel in Scherben zerbrechen?

“Na, was denn?”, riss Uruha’s Stimme Mandy aus den Gedanken.

“ich wollte nur meine Jacke holen.”, antwortete sie darauf stotternd und stürmte zu ihrer schwarzen, bis zur Hüfte reichenden Jacke mit Fellapplikation an der Kapuze und griff nach dieser, drückte sie fest an sich, als wolle man sie ihr entreißen.

“Ach so.”, sagte Uruha und wirkte dabei irgendwie interesselos.

Nein, so war der Uruha nicht, wie ihn Mandy kannte und wie Jasmin ihn “liebte”…

Mandy, die soeben das Zimmer wieder verlassen wollte, blieb in der Tür stehen und drehte sich nochmals zu Uruha, der soeben seine Zigarette im Aschenbecher ausdrückte, um.

“Uruha, die anderen freuen sich sicher auch, wenn du dich wieder blicken lassen würdest.”, sagte Mandy dann und warf Uruha ein schüchternes Lächeln zu. Uruha aber erwiderte nichts, außer, dass er schwieg und später langsam hinter Mandy hinterher trottete, als diese den Aufenthaltsraum aufsuchte.

Ihr fiel auf, dass es draußen bereits dämmerte und bald würden die Lichter im gesamten Gebäude eingeschaltete werden. Mandy konnte sich auch gut vorstellen, dass es bestimmt ein schöner Anblick sein musste, wenn man die Sonne durch die vielen Fenster untergehen sehen konnte und wie die Wände in einem malerischen rot-orange getaucht wurden. Es brachte Mandy ein sanftes Lächeln auf die Lippen….

“Sie hat Uruha mitgebracht!”, plärrte Aoi, der zwischen Flur und Aufenthaltsraum hin- und herpendelte, während Reita mit der Digicam dessen übertrieben “kindisch erfreutes Benehmen” filmte.

“Hallo!!!”, plärrte Aoi dann, der plötzlich eine bunte Luftschlange in der rechten Hand hielt, damit herumwedelte und gleichzeitig Luftsprünge machte, während er auf Mandy und Uruha zukam.

Man konnte ihm schon deutlich anmerken, dass er etwas getrunken haben musste - was machte das schon? Man wollte unbedingt den Einstand von Mandy und Jasmin feiern, also war man auch bereits kräftig dabei, genau das zu tun.

“Ich dachte schon, du hättest dich wieder verlaufen.”, meinte Aoi, der Mandy die Jacke abnahm, diese Uruha gegen die Brust drückte und sich Mandy schnappte, die er dann anschließend auf Händen durch den Flur trug. Ihr Gesicht war puterrot und wahrscheinlich würden die anderen über ihren Anblick lachen, oder ihre Witze reißen.

“Lass mich runter.”, sagte Mandy, bevor Aoi überhaupt in die Nähe des Aufenthaltes gekommen war. Er schüttelte nur grinsend seinen Kopf und Mandy’s Herz drohte davor, in die Kniekehlen zu rutschen, wenn Aoi sie nicht endlich wieder herunterlassen würde. Sie konnte sich nicht einmal dagegen wehren, denn jedes einzelne Körperglied fühlte sich in diesem Moment wie Gummi an.

Sie fühlte sich plötzlich wie ein Teenager, der soeben seinem größten Idol begegnet war und diesem die Hände schütteln durfte. Mandy brachte dieser Gedanke zum Lächeln und sie dachte sich:”Nein, das ist viel besser, als ihm nur die Hände zu schütteln.”, bis plötzlich ein lautes Gelächter ausgebrochen war, welches Mandy erschrocken auf Aoi’s Armen zusammenzucken ließ.

Mandy hatte gar nicht bemerkt, dass sie sich bereits im Aufenthaltsraum befand und jeder einzelne Blick auf sie und Aoi gerichtet war.

“Bräutigam trägt Braut über die Schwelle.”, sagte Reita, der die Digicam direkt auf Aoi und Mandy gerichtet hatte. “Das muss gefilmt werden.”, fuhr er dann fort und kam noch näher mit der Digicam heran. Wieder lachten alle, nur Mandy wurde wahrscheinlich nur noch röter im Gesicht, als sie es ohnehin schon war.

“Der Bräutigam muss die Braut aber doch noch küssen, sonst ist es nicht glaubwürdig!”, plärrte Jasmin, die in ihren transparenten Becher aus Plastik starrte und dabei über beide Ohren grinste. “Los, küsst euch mal!”, lachte Kai.

“Küssen.”, sagte Reita. Nur Ruki schwieg, auch wenn er ebenfalls ein breites Grinsen im Gesicht trug. “Später.”, meinte Aoi, der Mandy’s Unbehagen spürte und sie nun endlich wieder runterließ. Allerdings rechnete keiner damit, dass Mandy sofort auf die Knie rutschen würde und ein noch viel größeres Gelächter ausbrechen ließ. Schlimmer wurde es, als jemand ihre Jacke auf sie sinken ließ.

“Jetzt hast du aber was angestellt.”, sagte Jasmin, die zu Mandy gekrochen war und die Jacke von ihrem Kopf zog, die Uruha auf ihr sinken gelassen hatte.

“Auch wieder da?”, bemerkte Ruki und reichte Uruha auch sofort einen Becher mit “Moet & Chandon”, denn dieser war Uruha’s Lieblingssekt.

Nun bemerkte auch Mandy, das die Tische verschoben wurden und alle auf irgendwelchen Kissen in einem Kreis auf dem Boden saßen, bevor sie einen Becher gereicht bekam, während Reita immer noch ihr gerötetes Gesicht im Blickwinkel der Digicam hatte, als er sich neben ihr niederließ. “Ihr sorgt ja für tolle Stimmung. Könnt ihr auch mal was anderes, als Blödsinn treiben?”, fragte Uruha in die Runde, doch niemand schien seine Frage beantworten zu wollen. “Ich würde vorschlagen, wir machen jetzt ein Spiel.”, sagte Kai, der neben Jasmin saß und diese nur grinste. Mandy würde sagen “Du hast einen im Tee, oder?”, wenn sie es beobachten würde. Mandy war jedoch immer noch nicht völlig bei der Fassung, auch wenn es den Anschein hatte. “Flaschendrehen!”, plärrte Jasmin darauf schon und auch wenn es den Jungs bekannt war, so lag es doch schon einige Zeit zurück und Jasmin erklärte kurz die Regeln, bevor es nun zur “Sache “ging.

Keiner hatte etwas dagegen, selbst Uruha nicht.

Mandy, war allerdings die erste, die die Flasche zum Drehen und eine Aufgabe erteilen durfte. Und da es Mandy störte, wie Uruha mit Jasmin umging, so sollte dieser auch seine gerechten”Strafe” dafür erhalten. Natürlich blieb auch genau der Flaschenhals in Uruha’s Richtung stehen. “So, Uruha…”, begann Mandy und hielt einen Moment lang inne, zog dabei alle Blicke auf sich.

“Du darfst jetzt zwei Minuten lang küssen und das mit Jasmin.”, fuhr Mandy fort und konnte Uruha beobachten, wie dessen Augen mit einem Mal größer wurden. Auch Jasmin war nun mehr als nur erschrocken.

Ihr Herz pochte wie verrückt, doch wagte sie es nicht, etwas zu erwidern.

“Wie du willst.”, murmelte Uruha, der seinen Becher mit einen Hieb geleert hatte und sich dann darauf neben Jasmin niederließ. Einen Moment lang sah er Jasmin an und er sah ihr an, dass sie nervös war und wahrscheinlich hatte sie sogar etwas Angst. Innerlich tat es ihm auch eigentlich schon leid, dass er so gemein ihr gegenüber war. Was sollte er denn anderes tun?

War es denn falsch, Privates und Berufliches zu trennen?

Doch dann spürte Jasmin auch schon Uruha’s warme und unglaublich weiche Lippen auf die ihren und wie er vorsichtig seine Zunge in ihren Mund schob.

Die anderen waren erstaunt, dass Uruha es wirklich getan hatte und dennoch beobachteten sie es mehr oder weniger schweigend, während Mandy auf die Uhr sah…

“Zwei Minuten sind um.”, sagte sie dann - weder Jasmin, noch Uruha hörten diese Worte, sie machten einfach weiter und es schien ihnen egal zu sein, dass die anderen bereits grinsten und sich nach fünf Minuten immer noch das Lachen verkneifen mussten “Wenn wir euch allein lassen sollen, ist das kein Problem.”, meinte Ruki, der Uruha einen Schubs verpasst hatte, sodass dieser nun regelrecht auf Jasmin lag. Umso schlimmer machte es die Tatsache, dass ihr Herz zu schmerzen begann und sie kaum noch wusste, was sie dagegen tun sollte.

“Gehst du bitte von mir runter?”, fragte Jasmin dann und sah Uruha dabei an, dieser erwiderte ihren Blick nur mit einem peinlich berührten Lächeln und den Worten “Tut mir leid.”, bis er dann auch letztendlich wieder von ihr runterging und Ruki schubste, auf dessen schwarzen, kragenlosen Pullover mit der Aufschrift “Creamsoda” Sekt verkippt wurde.

“Pass doch auf!”, jammerte er dann los und sprang vom Boden auf.

“Selbst schuld.”, grinste Uruha ihm darauf nur entgegen.

“Manchmal bist du echt ein Arschloch.”, sagte Ruki, der sich dann den Pullover auszog und sich anschließend nur noch mit einem der Band-T-Shirts, welches die Aufschrift “Black Moral” hatte, wieder auf den Boden niederließ. Die anderen lachten bloß. Was aber niemand so wirklich wahrzunehmen schien, war, dass Jasmin völlig neben sich stand und nur vor sich hinstarrte. Sie war immer noch nervös und ihr Herz raste immer noch, trotz, dass es schon vorbei war und man bereits zur nächsten Runde übergriff, was sie wohl wieder aus ihren Gedanken riss.

“Okay, Reita.”, grinste Aoi frech, der als nächste die Flasche zum Drehen gebracht hatte und diese bei Reita stehen blieb. “Komm ja nicht auf dumme Ideen, wag es ja nicht.”, drohte Reita grinsend hinter der Digicam. Aoi grinste nur wieder frech. “Ausziehen.”, sagte Aoi dann und alle lachten laut. “Nein, oder?”, fragte Reita dann, dem es wohl plötzlich so peinlich sein musste, dass er rot anlief.

“Er hat noch alles an und wird trotzdem schon rot.”, lachte Mandy, die sich endlich gefangen hatte, zwischen Aoi und Reita saß, den sie darauf nur angesehen hatte.

“Alles?”, fragte Reita aber nur und bemerkte, dass Aoi sein Grinsen gar nicht mehr aus dem Gesicht bekam. “Das ist nicht dein Ernst?! Sag bitte, dass das nicht dein Ernst ist?!”, fuhr er dann fort und brachte Aoi und alle anderen zum Auflachen.

“Bis zur Unterwäsche sollte es reichen.”, sagte Aoi und leerte seinen Becher mit einem Hieb.

“Das wirst du mir büßen.”, murmelte Reita, der, bevor er die Digicam Mandy in die Hand drückte, einen Moment lang inne hielt und in die Runde blickte. “Jetzt guckt mich nicht so an.”, sagte Reita, der sich dann endlich in Bewegung setzte und langsam angefangen hatte, sich zu entkleiden.

“Mir wäre das so peinlich, mich ausziehen zu müssen.”,“Wie lange? Eine Stunde?”, fragte Reita, nachdem er sich wirklich nur noch in Boxershorts wieder auf dem Boden niederließ und Mandy die Digicam abnahm. bemerkte Kai grinsend, der dicht neben Jasmin saß und diese nur leicht anstieß, damit sie aufhören würde, in Gedanken zu schwelgen. Sie lächelte Kai darauf nur peinlich berührt an und leerte darauf ihr Glas in einem Hieb, während sie Reita dabei beobachtete, wie dieser sich mit hochrotem Kopf ausziehen musste und alle anderen ihn dabei anstarrten. Für ihn war es wirklich kein schönes Gefühl, auch wenn er so kein Problem damit hätte, wenn nicht ausgerechnet zwei Frauen hier wären.

Aoi grinste ihm entgegen und die Runden darauf vergingen rasend schnell, sodass Reita auch rasch erlöst wurde. In dieser Zeit hatte man auch zwei Flaschen Sekt geleert und das merkte man auch, denn Kai störte es nicht, dass er jeden aus der Runde zwei Mal küssen musste, während Aoi von Reita dazu verdonnert wurde, eine Stunde lang darauf verzichten zu müssen, seine Hände zu benutzen und für jemanden, der es sein Leben lang gewöhnt war, war es schwer und Aoi fluchte auch, doch musste er sich damit abfinden - so waren die Spielregeln. Ruki hingegen musste jedem, der sich in dem Stockwerk des Aufenthaltsraumes, einen Heiratsantrag machen und ihn danach fragen, ob er mit ihm fünf Kinder haben wollte - es war egal, ob es sich hierbei um eine Frau oder einen Mann handelte. Die meisten lachten nur und wussten auch, dass es nur ein Scherz war.

Aber Ruki hatte mit dieser Aufgabe kein Problem, machen musste er es doch, denn Reita folgte ihm auf Schritt und Tritt mit der Digicam und genau deshalb war schummeln nicht möglich gewesen.

Man war darauf nur erstaunt, als Ruki und Reita zurück in den Aufenthaltsraum kamen und, bis auf Jasmin und Kai, niemand mehr da war.

“Äh,…”, reagierte Ruki nur verwirrt und sah Kai nur grinsen, als er Ruki zu winkte.

“Alle ausgeflogen. Uruha und Aoi sind für kleine Mädels und Mandy…keine Ahnung, wahrscheinlich auch für kleine Mädels.”,’s rechter Schulter sinken. erklärte Kai darauf und ließ seinen Kopf auf Jasmin

“Apropos,…ich müsste auch mal.”, bemerkte Reita, der Ruki dann einfach am Ärmel hinter sich her aus dem Zimmer zerrte. “Wir geh’n jetzt auch für kleine Mädels.”, fuhr er dann fort. Dabei merkte Ruki nicht einmal, dass es Reita’s Absicht war, Jasmin und Kai alleine zu lassen. Er stellte keine Fragen, sondern folgte Reita weiter…

In Wirklichkeit wollte Uruha lediglich Bescheid geben, dass man doch das Gebäude zur Sicherheit abschließen und einen Schlüssel hier lassen solle, damit die Jungs, sowohl Jasmin und Mandy, später das Gebäude verlassen konnten, weil es an diesem Abend wohl etwas später werden konnte. Wo Aoi abgeblieben war, war unklar und genauso unklar war, wo Mandy abgeblieben war.

Dabei wollte sie einfach nur an die frische Luft, denn der Aufenthaltsraum war durch die Wärme und dem Zigarettenqualm stickig geworden. Sie wollte das Gebäude nicht verlassen, also hatte sie sich einen anderen Weg gesucht und befand sich somit kurz darauf auf dem mit Schnee bedeckten Dach, welches zur Sicherheit von einem Zaun umgeben war. Dort hatte sie nun den wunderbaren Blick der leuchtenden Stadt direkt vor sich, genauso wie den dunklen und von Wolken bedeckten Nachthimmel.

Die Luft war kalt, aber auch angenehm klar - bis plötzlich ein Räuspern erklang, welches Mandy erschrocken zusammenfahren und sie ruckartig zur Tür umdrehen ließ.

“Was machst du hier oben?”.

Es war Aoi, der da plötzlich auf dem Dach stand und Mandy, die ihn nur erschrocken ansah, sanft anlächelte, während er auf sie zukam.

“Ich brauchte frische Luft, aber deswegen brauchst du mich nicht so erschrecken.”, meinte sie und ließ sich mit dem Rücken gegen den Zaun sinken und es hinterließ ein leises Klappergeräusch, was aber niemand so wirklich wahrnahm.

“Die Aussicht bei Nacht ist von hier wirklich schön, hätte ich nicht gedacht.”, bemerkte Aoi darauf und näherte sich dem Zaun, an dem er sich abstützte und auf die Stadt blickte.

Was machte er eigentlich hier?

War es ein Zufall?

“Ich habe dich hier rauf gehen sehen, deswegen bin ich dir gefolgt.”, sagte Aoi darauf, sein Blick war dabei immer noch starr auf die Stadt gerichtet, während Mandy einfach nur in den Himmel schaute und dem Klang von Aoi’s Stimme lauschte. Für sie hatte seine Stimme etwas besonderes, sie war anders als die anderen und es war auch das erste Mal für Mandy, dass sie wegen einer Männerstimme Gänsehaut bekam. Es war schon ein seltsames Gefühl, welches Mandy hatte und es schien für sie nicht normal zu sein. Nein, es war viel zu surreal, als das es real sein könnte. “Warum habe ich das dumpfe Gefühl, dass das alles hier ein abgemachtes Spiel ist? Jeder, den ich bis jetzt hier getroffen habe, wusste, dass wir heute hier her kommen würden. Warum?”, fragte Mandy plötzlich und brachte Aoi zum Auflachen.

“Was?!”, reagierte er aber bloß und brachte Mandy darauf nur dazu, sich in seine Richtung zu drehen. “Was ist hier los? Ich fühle mich so, als wäre das hier nicht wahr. Als wäre das hier einfach nur ein Spiel, was sich jemand ausgedacht hat.”, sagte Mandy und begann, auf dem Dach hin und her zu laufen.

“Die Chefs von PSCompany hatten euch schon lange im Auge und wollten euch als Stylisten haben und da sie Kontakt zu dem Kabukitheater hatten, in dem ihr gearbeitet habt, war es nur noch eine Frage der Zeit. Aber wenn ihr nicht für PSCompany arbeiten wollt, müsst ihr euch auch nicht dazu zwingen. Ihr müsst nicht hier sein, wenn ihr das nicht wollt und unserhalber braucht ihr das nicht machen. Wir kamen bisher auch immer mit dem zurecht, was wir hatten. Obwohl es schöner wäre, wenn ihr bleiben würdet.”, erklärte Aoi und hatte dabei einen Schneeball geformt, den er Mandy entgegen warf.

Erschrocken und dennoch mit einem Lächeln auf den Lippen, blickte sie zu Aoi.

“Wie würdest du dich fühlen, wenn du plötzlich dem so nahe wärst, nachdem du dich schon so lange gesehnt hast?”, fragte Mandy und hatte nun auch Aoi mit einem Schneeball beworfen. “Wahrscheinlich hätte ich Angst, alles zu vermasseln und ich wüsste nicht, wie ich mich verhalten sollte.”, antwortete Aoi und bewegte sich vorsichtig im Schnee auf Mandy zu. Mandy lächelte verlegen.

“Siehst du? So fühlt sich meine Schwester und so fühle auch ich mich. Das alles hier, diese ganzen Leute und diese ganze Umgebung…das ist alles so freundlich und ich weiß nicht, wie ich mich daran gewöhnen soll. Ich kann auch nicht einfach so tun, als würde ich das alles hier schon mein Leben lang kennen. Dass Jasmin das kann, bewundere ich nur. Aber ich habe Angst davor, wenn ich es tun würde, viel zu viel falsch zu machen. Vielleicht hat Uruha auch gar nicht mal so Unrecht damit, dass man wohl Privates und Berufliches auseinander halten sollte…”, sagte Mandy dann mit leicht heiserer Stimme, bevor sie ihren Kopf senkte und den weiß glitzernden und zertretenen Schnee vor ihren Füßen anstarrte.

“Wieso Uruha?”, fragte Aoi daraufhin, als er unmittelbar vor ihr stand und nicht so recht zu begreifen schien, was Mandy wohl meinte.

“Ich weiß nicht, was es ist…”, begann Mandy nervös zu stammeln.

Ja, irgendwie hielt sie es noch immer für fast schon unreal, hier mit Aoi zu stehen und sich mit ihm zu unterhalten, als würde sie ihn schon ewig kennen..

“Ich weiß auch nicht, ob du oder die anderen es schon gemerkt haben, aber für mich hat es den Anschein, als würde sich meine Schwester mit Uruha nicht so wirklich verstehen. Sie versteht sich sehr gut mit Kai und das scheint ihn wohl zu stören. Deshalb hat er sie auch so angefahren. Ist das seine Art oder was hatte die Aktion heute Mittag zu bedeuten? Normalerweise ist sie nicht besonders gut darin, alles, was man zu ihr sagt, in sich rein zu fressen. Ich bin erstaunt darüber, dass sie es mit einem Lächeln einfach so hingenommen hat. Eigentlich ist sie immer richtig wild darauf, das, was man ihr an den Kopf wirft, sofort bis aufs kleinste Detail auszudiskutieren….”, fuhr sie fort, bevor sie husten musste.

Aoi spürte, dass Mandy sich Sorgen um ihre große Schwester machte. Und irgendwie war es für ihn auch klar verständlich, dass die beiden Mädchen Schwierigkeiten damit haben werden, alles unbekümmert und nach heiler Welt aussehen zu lassen. Während Jasmin wohl weniger Probleme damit zu haben schien, war wohl Mandy die Einzige, die mühevoll mit sich zu kämpfen hatte. Sie würde wohl immer das Gegenteil von ihrer Schwester sein - vorsichtig, zurückhaltend und ängstlich.

“Ich mach mir Sorgen…”, sagte Mandy fast flüsternd, als sie daraufhin durch eine ruckartige Bewegung plötzlich Aoi´s angenehme Körperwärme an ihrem Gesicht spüren konnte. Er hatte sie einfach an sich gedrückt und seine Arme um sie gelegt, während sie aufgrund seines angenehmen Geruchs fast den Verstand zu verlieren drohte.

Und die Worte, die sie eigentlich noch aussprechen wollte, versiegten in der angenehmen Weichheit seines schwarzen Pullovers.

“Ich weiß, dass ihr euch das alles, um bis hier her zu kommen, schwer erarbeiten musstet. Und was Uruha angeht…”, sagte Aoi leise, als er plötzlich die sanften und kühlen Berührungen von Schneeflocken auf seinem Gesicht spürte, während er in den dunklen, klaren Nachthimmel blinzelte.

Ja, es schneite, und die Schneeflocken fielen seicht und unbekümmert auf die Beiden herab, während sie sich dort ruhig und schweigend in den Armen lagen.

“…glaub ich, dass es vielleicht ganz gut ist, dass er an deine Schwester geraten ist. Auch wenn es vielleicht nicht danach aussieht, bin ich der Überzeugung, dass die Beiden sich sehr mögen.”, sagte Aoi weiterhin, in dem er Mandy über das feuchtkalte Haar strich.

Währenddessen konnten beide nicht ahnen, dass sie aus weiterer Entfernung von Ruki und Reita beobachtet wurden.

Reita stand neben Ruki an der grau betonierten Wand, die sich so eiskalt anfühlte, dass man es sogar durch mehrere Schichten Oberbekleidung spüren konnte, während Ruki direkt an der offen stehenden, schwarzen Stahltür stand und einen sehr guten Ausblick auf Mandy und Aoi hatte. Es war schon seltsam für ihn, plötzlich so etwas wie Eifersucht zu spüren, wenn er die beiden so betrachtete. Auch wenn man sicher sein konnte, dass nichts zwischen den Beiden lief, schien es ihn wie einen Blitz getroffen zu haben, als er dann auch noch beobachten konnte, wie Mandy von selbst ihre Arme um Aoi´s Hüften klammerte.

Ja, eigentlich war es viel zu verrückt, als das Ruki´s Eifersucht wirklich wahr sein konnte, schließlich war kaum ein Tag nach der Ankunft von Mandy und Jasmin vergangen. Und trotzdem schien es wie ein Vulkan in ihm zu brodeln.

“Was machen die da?”, fragte Ruki mit leiser Stimme und hoffte bei Reita auf eine Antwort, als er sich zu diesem umdrehte. Reita zuckte jedoch nur mit den Schultern.

“Wonach sieht es denn aus?”, entgegnete er und ließ sich auf den Stufen nieder, während Ruki fast das Gefühl hatte, das ihn innerlich etwas zerreißen wollte. Er verstand es nicht und schien es auch nicht verstehen zu wollen. Für ihn war es ein Ding der Unmöglichkeit und doch war es viel real, als das man es unreal erscheinen lassen könnte.

“Sag mal, bist du eifersüchtig? Du siehst aus, als würdest du jeden Moment losheulen.”, bemerkte Reita dann, als er Ruki von der Seite im hellen Licht der Neonröhren, die an der Decke befestigt waren, musterte und lächeln musste.

“Warum sollte ich eifersüchtig sein?”, fragte Ruki nur und warf Reita einen kurzen Blick zu. “Warum?”, fragte Ruki wieder und eigentlich stimmten Reita’s Worte in gewisser Hinsicht, Ruki wollte es nur nicht wahrhaben.

Nichts von alledem, was er gesehen hatte, wollte er wahrhaben.

“Weil du ganz danach aussiehst.”, antwortete Reita und stand, weil es ihm zu kalt wurde, wieder vom Boden auf.

Er schien Ruki’s plötzliches Verhalten nicht ganz verstehen zu wollen.

“Hör mal,…”, begann Reita dann und hielt einen Moment lang inne, um für Ruki die passenden Worte finden zu können und lächelte dann.

“…du kennst sie doch gar nicht, also erhoffe dir nicht zu viel.”, fuhr Reita dann fort und brachte Ruki nur dazu, ihn mit weit aufgerissenen Augen anzusehen.

Er lachte plötzlich. “Du redest so einen Stuss, Reita.”.

“Schon mal was davon gehört, das getroffene Hunde bellen?”, fragte Reita dann auch schon und brachte Ruki nun wahrhaftig einen Moment lang zum Schweigen - wenn nicht plötzlich alles anders kam, als es vielleicht hervorgesehen war.

Mandy hatte ruckartig von Aoi abgelassen, als dieser ihr Gesicht berühren wollte.

“Was ist los?”, fragte Aoi dann nur und plötzlich das laut knallende Geräusch der Stahltür ertönte , als diese gegen die Wand geprallt war und Ruki nun im Schnee kniete. “…hi!”, grinste er bloß und richtete sich vom Boden auf.

“Ich hoffe, es hat dir Spaß gemacht, zu lauschen?”, fragte Aoi, dem die Tatsache, dass Ruki plötzlich hier war, störte und er sich nur mit beiden Händen über das Gesicht rieb. “Dafür war’s leider zu leise.”, konterte Ruki mit einem frechen Grinsen, welches seine weißen Zähne entblößte. Darauf machte sich auch auf Aoi’s Lippen ein aufgesetztes Lächeln breit.

“Schade, nicht? Egal, ich geh wieder rein.”, sagte Aoi, der Mandy nochmals lächelnd übers Haar strich und mit den Worten “Bleib nicht so lange hier oben, sonst macht sich deine Schwester noch Gedanken.” dann nach drinnen verschwand. Man konnte darauf auch nur Reita’s Stimme hören, die sich dann aber immer mehr zu entfernen schien, bis sie ganz und gar verschwunden war.

Mandy warf sich dann nur die Hände vors Gesicht und es erschien beinahe so, als wäre sie unglücklich. Doch dem war nicht so.

“Was hattet ihr hier oben eigentlich zu suchen?”, riss Ruki’s Stimme sie dann aus den Gedanken und brachte Mandy zum Zusammenzucken.

“Was?”, entgegnete sie bloß und blickte zu Ruki, der vorsichtig auf sie zukam.

“Habe ich euch bei irgendetwas gestört? Aoi machte nicht gerade einen erfreuten Eindruck.”, bemerkte Ruki dann, der nun am Zaun angelehnt neben Mandy stand.

“Wir haben nur geredet….”, sagte Mandy und hielt einen Moment lang inne, bevor sie sich dann zu Ruki umdrehte und ihn anlächelte. “Aber wieso interessiert dich das?”, fragte sie dann und brachte somit ein sanftes Lächeln auf Ruki’s Lippen, bevor er leicht beschämt den Kopf sinken ließ und ihm dabei einige braune Haarsträhnen ins Gesicht fielen. “Soll ich ehrlich sein?”, entgegnete Ruki, der seinen Kopf wieder hob und Mandy zu sich herangerissen und vorsichtig gegen den Zaun gedrückt hatte.

Als er ihr dann in das erschrockene Gesicht blickte, trug er einen Blick im Gesicht, der fast einem Engel gehören konnte. Und doch war Ruki nicht diese Art von Engel, wie man es hätte in diesem Moment denken können.

Ruki war ein Mensch, der niedliche und wunderbare Personen mochte - vielleicht hatte er das Gefühl, in Mandy so einen Menschen gefunden zu haben? Vielleicht entbrannte deshalb in ihm plötzlich so etwas wie Eifersucht, als er Mandy in Aoi’s Armen sah?

“Ich bin eifersüchtig.”, sagte Ruki plötzlich und ließ Mandy’s Augen nur noch größer werden. “Was redest du denn da? Du hast nur zu viel getrunken, oder?”, stammelte Mandy und wollte sich aus Ruki´s “Fängen” befreien, wenn dieser sich nicht mit aller Macht dagegen wehrte. “Nein.”, sagte Ruki und sah Mandy mit ernster Miene an. Ruki gab ihr das Gefühl, dass er es wirklich ernst zu meinen schien. “Ich bin wirklich eifersüchtig geworden, als ich gesehen hab, das….”, stammelte er dann plötzlich und sah Mandy darauf, ohne seinen Satz zu beenden, einfach nur an. Er hob darauf nur seine rechte Hand und berührte damit vorsichtig Mandy’s linke Wange, von der er eine Schneeflocke wegstrich.

“Du denkst bestimmt, ich sei kindisch, oder? Sicher denkst du das, sonst würdest du mich jetzt nicht so ansehen.”, meinte Ruki, dessen Stimme plötzlich so leise und dennoch gut hörbar klang. Mandy lächelte nur leicht und schüttelte ihren Kopf. Gleichzeitig fragte sie sich aber, warum immer nur sie in solche “Rangeleien” verwickelt wurde. Einerseits fand sie es aber unglaublich niedlich, als Ruki seine Eifersucht gestand, obwohl sie selbst nicht einmal wirklich begriff, weshalb er eigentlich eifersüchtig war. Sie hatte nichts getan, was dieses Gefühl bei Ruki auslösen konnte. Oder vielleicht doch?

Währenddessen lief es bei Jasmin etwas anders und weniger komplizierter ab. Sie machte sich wohl weniger Gedanken darüber, dass eventuell jemand eifersüchtig sein könnte. Sie saß einfach nur schweigend neben Kai, der seinen Kopf auf ihrer Schulter sinken ließ und natürlich ließ es Jasmin’s Herz augenblicklich schneller schlagen, doch wollte sie es sich nicht anmerken lassen.

“Kraulst du mir den Rücken?”, fragte Kai und sah Jasmin kurz mit aufgesetzter Unschuldsmiene an. Was sollte die Frage denn auf einmal?

“Bitte.”, flehte Kai, der dabei wie ein kleiner Junge auf Jasmin wirkte. Doch eigentlich war Kai schon lange nicht mehr dieser “kleine Junge”, für den er von vielen immer noch gehalten wurde. Ja, Kai war niedlich. Er war auf seine eigene Art und Weise niedlich, sodass man es nicht nachahmen konnte. Kai war Kai. Und Kai war kein kleiner Junge, nur seine Art machte ihn für viele zu diesem kleinen Jungen. Dabei war Kai auch nur ein Mann, der auch das Bedürfnis hatte, sich nach Nähe und Zärtlichkeit sehnen zu können. In diesem Moment hatte Kai genau dieses Bedürfnis, auch wenn vielleicht der Alkohol seinen Teil dazu beigetragen hatte. Aber war das in diesem Moment so wichtig?

Für Kai war es unwichtig, er wollte einfach nur Nähe spüren.

Natürlich gab Jasmin nichts weiter darauf, sie erfüllte ihm diese Bitte und kroch mit einem Lächeln auf den Lippen unter Kai’s schwarzen Pullover. Seine Haut war unglaublich weich und warm und es bereitete Jasmin unerklärlicher Weise Gänsehaut.

Es war Kai’s Wärme, welche so unglaublich angenehm war und natürlich kraulte sie ihm auch vorsichtig den Rücken, sodass auch Kai Gänsehaut bekam.

“Schön…”, murmelte er an Jasmin’s Schulter und viel lieber würde Kai diesen Moment festhalten. Es war schon zu lange her, als Kai das letzte Mal auf diese Art berührt wurde. Doch plötzlich zog Jasmin ruckartig ihre Hand unter Kai’s Pullover hervor, als Kai Jasmin nach hinten auf den Boden drückte und sie ernst ansah. Es war ein fast schon ungewohnter Anblick von Kai. Sonst lächelte er nur, egal, wie schlecht es ihm ging. Nur dieses Mal schien es irgendwie anders zu sein. Jasmin allerdings wusste bereits, dass Kai sich verändert hatte. Andere sahen es vielleicht nicht oder wollten es irgendwie wahrhaben. Dabei war es doch normal, dass man sich mit der Zeit veränderte. Kai’s Blick in diesem Moment sagte “Es tut mir leid, aber ich kann jetzt nichts anderes, als das zu tun.”, bevor er sie dann einfach küsste, während er mit seinen Händen nach ihren Händen suchte und diese in seinen vergrub. Es war kein schlechtes Gefühl, Kai’s Lippen zu spüren. Es war nur seltsam, denn Jasmin hatte nie wirklich ernsthaft darüber nachgedacht und wenn sie es dann doch tat, so äußerte sie sich nie dazu und behielt es ganz einfach für sich.

“Tut mir leid.”, sagte Kai darauf nur und ließ von Jasmin ab. “Ich weiß nicht, es kam einfach so über mich.”, fuhr er dann fort und fuhr sich nervös durch die Haare. Jasmin brachte es jedoch nur ein Lächeln auf die Lippen.

“Wieso versuchst du dich dafür zu rechtfertigen? Ich find es nicht schlimm.”, meinte Jasmin nur und versuchte einen Blick von Kai zu erhaschen.

“Findest du es etwa schlimm?”, fragte sie dann und sah nur, wie Kai seinen Kopf schüttelte. Sie hatte plötzlich das Gefühl, in Kai wieder diesen “kleinen Jungen” zu sehen, als sie ihn so ansah und als Kai plötzlich lächeln musste.

“Auch wenn ich dich noch gar nicht richtig kenne, bin ich gerne in deiner Nähe. Das ist komisch, oder? Mir ist so etwas noch nicht passiert und es verwirrt mich etwas.”, sagte Kai lächelnd, als er in Jasmin’s Gesicht blickte.

“So was ist doch dumm, nicht wahr?”, fragte Kai und man erkannte darauf auch schon die Unsicherheit in seinen Augen wieder. Jasmin schüttelte aber nur ihren Kopf.

“Ich find’s niedlich.”, meinte sie bloß und streichelte Kai’s Wange.

“Aber weißt du,…” stammelte sie dann und blickte in Kai’s verwundertes Gesicht.

“Was?”, fragte er dann und sah Jasmin abwartend an, während sie leicht beschämt lächelte und dabei nach passenden Worten suchte.

“Du bist niedlich, das sage ich dir offen und ehrlich. Aber viele scheinen das mit völlig falschen Augen zu sehen. Man verdreht einfach die Realität, nur weil’s einem vielleicht gerade in den Kram passt. Dabei vergessen viele jedoch immer, wer du wirklich bist. Sie sehen in dir einen kleinen Jungen, den man verhätscheln und vertätscheln möchte. Dass du aber ein erwachsener Mann bist, der seine Bedürfnisse hat, sehen sie nicht. Solche Menschen sind in meinen Augen dumm.”, erklärte Jasmin darauf. Doch worauf wollte sie hinaus?

Sie wollte Kai einfach nur begreiflich machen, dass es völlig in Ordnung ist, hin und wieder seinen Bedürfnissen nachzugehen, statt diese immer wieder zu verdrängen.

“Es ist in Ordnung, manchmal einfach nur das zu tun, wonach man sich sehnt.” fuhr Jasmin fort und griff mit ihren Händen nach denen von Kai. Er wirkte keinesfalls überrascht oder durcheinander über diese Worte. Er nahm sie mit einem sanften Lächeln hin und warum sollte er nicht wirklich einfach mal das tun, wonach er sich schon so lange sehnt.

Warum nicht die Situation einfach ausnutzen? Er hatte die Möglichkeit, die er auch einfach ergriffen hatte, bevor es dafür zu spät sein würde. Natürlich wehrte auch Jasmin sich nicht dagegen, denn sie fühlte sich ähnlich wie Kai…

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