Start

Startseite
Abonnieren
Fan-Mail
Gästebuch

Yami wo & Jiyuue

Cassis

yami (wo) alias Jasmin
NAMONAKI JIYUUE alias Mandy

Stuff

Wallpapers

Chaptors

Prolog
1.Kapitel
2.Kapitel
3.Kapitel
4.Kapitel
5.Kapitel
6.Kapitel
7.Kapitel
8.Kapitel
9.Kapitel

Made by

Snowwhite-Innocence

Kapitel 2

Vielleicht war seit diesem Abend ein Monat vergangen, es war nun Anfang April. Der Schnee war getaut und der Frühling machte sich nun bemerkbar, ließ die Abende nicht mehr so lang erscheinen und die Tage wurden länger, wärmer und ließen das trübe Wintergrau nun endlich ersterben.

Heute. Heute war einer der Tage, an dem viel los war. Das Drumherum der anderen Bands interessierte hierbei aber wenig, Jasmin und Mandy waren nur darauf bedacht, ihre Jungs für ein Interview ordentlich herauszuputzen…

“Jetzt hör doch endlich auf, in deiner Tasche herumzukramen. Du kannst später immer noch darin herumwühlen.”, stöhnte Jasmin genervt und hatte dabei ihre Hände in die Hüften gestützt, während sie Kai dabei beobachten konnte, wie er in seiner beigefarbenen Tragetasche herumwühlte. Er war bereits den ganzen Morgen nervös und aufgekratzt, weil er sein Portmonait  vermisste und er einfach keine Ruhe fand, bis es endlich wieder da war.

“Nein…”, murmelte er, als plötzlich ein Foto aus der Tasche und direkt vor Jasmin’s Füße fiel. Ohne weiteres hob es Jasmin auf und ein breites Grinsen machte sich auf ihren Lippen breit. Es war ein Kinderfoto von Kai, auf dem er in einem Kinderstuhl saß und an einer Schnabeltasse nuckelte.

“Oh, Gott! Das ist ja niedlich!”, kreischte Jasmin fast schon und fuchtelte mit dem Foto hin und her, während Kai versuchte, ihr das Foto wegzunehmen.

“Komm schon, gib mir das Foto wieder.”, sagte Kai und seufzte, doch Jasmin tat nichts dergleichen. Auch wenn es vielleicht etwas gemein von ihr war, so war Jasmin einfach aus dem Zimmer verschwunden und suchte anschließend das Zimmer auf, in dem sich Mandy aufhielt, die gerade dabei war, Reita zu überreden, das er doch mal seine Nasenbedeckung abnehmen solle.

“Benimm dich nicht wie ein Mädchen, du musst doch geschminkt werden.”, meinte Mandy, die schon alles Mögliche versucht hatte, Reita zu überzeugen. Doch beide fuhren erschrocken zusammen, als Jasmin plötzlich in das Zimmer gestürmt war und man Kai auch bereits plärren hörte.

“Mandy, guck dir das mal an.” sagte Jasmin und hielt Mandy direkt das Foto vor die Nase. Auch Reita versuchte  einen Blick zu erhaschen und musste grinsen, als er den “kleinen Kai”, auf dem Foto sah.

“Wie süß, wo hast du das denn her?”, fragte Mandy mit einem breiten Grinsen, als man im Flur erneut Kai plärren hörte und dieser darauf nur mit hochrotem Kopf im Zimmer stand.

“Das ist aber ein tolles Foto, Kai.”, bemerkte Reita grinsend, während Kai ihm nur frech die Zunge entgegenstreckte und auf Jasmin zugestürmt kam.

“Jetzt zeig es nicht überall rum.”, sagte Kai und riss Jasmin das Foto, welches sie eben noch ihrer Schwester gezeigt hatte, aus den Händen.

“Mir wäre das allerdings auch peinlich.”, bemerkte Reita nur wieder grinsend, was Kai jedoch in diesem Moment nicht interessierte. Er war nur auf Jasmin fixiert, die ihm einen nach Verzeihung flehenden Blick zugeworfen hatte.

“Ich hatte es nur für dich mitgebracht. Aber hätte ich gewusst, das du gleich damit durch die Gegend rennst, um es jedem zu zeigen, dann hätte ich es gelassen.”,  sagte Kai, der einen fast schon enttäuschten Eindruck machte, als er das Kinderfoto gegen seine Brust gedrückt hatte.

Jasmin senkte beschämt ihren Kopf und sank vor Kai auf die Knie. ”Tut mir leid, Kai.”, sagte sie  und hob ihren Kopf. Man konnte darauf deutlich in Kai’s Gesicht erkennen, dass sich dieses gerötet hatte und er rasch dabei war, Jasmin wieder auf die Beine zu helfen.

“Schon gut, deswegen musst du aber nicht vor mir auf die Knie gehen.”, meinte er dann, während er Mandy und Reita einen leicht beschämten Blick zuwarf, während diese Beiden nur lächelten.

“Ich find’s süß. Aber wisst ihr, ihr haltet mich von meiner Arbeit ab.”, fuhr Mandy dazwischen,  die das Verhältnis zwischen Kai und ihrer Schwester zwar wirklich sehr süß fand, es aber in diesem Moment sehr unpassend war und noch unpassender war es, als Aoi plötzlich im Zimmer stand und die Vier abwartend angesehen hatte.

“Mädels, es wird Zeit. Wir müssen bald los.”, meinte er nur und verließ darauf wieder das Zimmer, um Uruha und Ruki aufzusuchen.

“…das meinte ich, also raus mit euch.”, sagte Mandy darauf und “scheuchte” Kai, sowie ihre Schwester aus dem Zimmer, um sich weiter mit Reita’s Sturkopf herumzuquälen. Doch dieser gab nun, auch weil es die Zeit nicht anders verlangte, endlich auf und ließ sich von Mandy herrichten. Sie fragte sich dabei, was Reita so “schlimm” daran fand, seine Nasenbedeckung abzunehmen. Damals kamen Mandy und ihrer Schwester einige Gerüchte diesbezüglich zu Ohren, an die die Beiden jedoch nie geglaubt hatten.

Wenig später stand man wartend vor der Eingangstür des PSC-Gebäudes und nichts schien in Bewegung zu gelangen.

“Wisst ihr eigentlich, das wir zwei Stunden zu früh dran sind…”, bemerkte Ruki, der einen Blick auf das Display seines Handys  geworfen hatte.

“Wir müssen noch nach Osaka fahren.”, fügte Aoi hinzu und kaum hatte er diese Worte ausgesprochen, so wurde es auch schon in die Tat umgesetzt. Die Fahrt nach Osaka nahm auch nicht viel Zeit in Anspruch, auch wenn es die eigentlich viel zu kräftigen Verkehr ehr anders erscheinen ließ.  Und kaum eine Stunde war vergangen, als Ruki wenig später auf die Idee kam, die restliche Zeit sinnvoll in einem Eiscafe zu nutzen, welches man darauf gefunden und die Bedienung gebeten hatte, für die nächste 1h 30min  das Cafe zu schließen. Der Grund dafür war, dass man größere Fanansammlungen vermeiden wollte und anschließend saß man auch in gemütlicher Runde auf einer mit dunkelroten Samtpolstern bezogenen Sitzecke aus beigefarben lackiertem Holz. Dennoch waren die Jungs immer darauf bedacht, nicht erkannt zu werden, was das Ambiente etwas unruhig erscheinen ließ, was aber nicht der störende Faktor war. Das Einzige, was in diesem Moment störte, war Uruha’s stechender Blick, den Jasmin, die dicht neben Kai saß, zu spüren bekam und was sie deutlich zeigte. Langsam ließ sie ihren Eislöffel im Becher sinken und sah Uruha prüfend und gleichzeitig abwartend an, als sie ihn fragte “Habe ich irgendetwas im Gesicht, oder warum starrst du mich die ganze Zeit an?”.

Uruha verzog jedoch keine Miene, sondern blieb völlig gelassen, sodass es beinahe schon kalt erschien. Kalt, ein Wort, womit man Uruha nie wirklich beschreiben konnte. Er war nie kalt, sondern eher gefühlsbetont und trug dabei dennoch immer ein Lächeln auf den Lippen. Erst seit jenem Augenblick, als Jasmin und Mandy von PSCompany aufgenommen wurden, hatte sich alles schlagartig geändert. Man konnte es auch nicht in Worten fassen, auch wenn man es verzweifelt versuchte.

“Darf ich mir nicht die Leute ansehen, die dabei sind, einigen von uns den Kopf zu verdrehen? Muss ich mir dafür jetzt schon eine Erlaubnis holen?”, entgegnete Uruha dann und man sah darauf auch schon die Wut in Jasmin’s Augen auflodern.

“Leute, jetzt fangt bloß nicht an zu streiten.”, fuhr Aoi dazwischen, dem dieses Hin und Her zwischen Uruha und Jasmin schon seit Anfang an störte und er es doch nicht schaffte, etwas daran zu ändern. Es würde immer wieder passieren, wenn diese beiden aufeinander stoßen würden. Dabei war es unvermeidlich und es würde auch so bleiben, wenn sich nicht endlich etwas änderte. “Wir sind hier hergekommen, um gemütlich Eis zu essen, die freie Zeit zu genießen und nicht, damit gestritten wird.”, fuhr Aoi anschließend fort und starrte dabei auf seinen noch halbvollen Eisbecher. “Du magst vielleicht Recht haben, Aoi. Aber muss ich mir deswegen trotzdem so etwas anhören? Muss ich das wirklich?”, fragte Jasmin dann, die Aoi abwartend ansah.

“Schluss jetzt!”, plärrte Ruki dann dazwischen und schlug mit beiden Fäusten auf den Tisch. “Das ist doch kindisch, oder? Ihr zickt euch doch nur gegenseitig an, aber muss das auch wirklich sein? Ich glaube eher nicht. Ihr sollt euch verstehen und euch nicht gegenseitig die Augen auskratzen.”, fuhr Ruki dann fort und ließ seinen Blick von Jasmin zu Uruha und dann anschließend zu Aoi, der eigentlich überhaupt nichts mit der Sache zu tun hatte, wandern.

Und Ruki unterbrach auch Uruha sofort, als dieser etwas erwidern wollte. “Komm jetzt bloß nicht auf die Idee, irgendetwas Dummes zu sagen, Uruha. Vergiss es lieber sofort.”. Es waren beinahe schon drohende  Worte, die Ruki über seine Lippen kommen ließ. Dabei meinte er es nicht so und Ruki war auch gar nicht der Typ dafür, aber wie es alle anderen störte, so störte es auch Ruki.

“Ihr schiebt euch gegenseitig die Schuld in die Schuhe, findet ihr das etwa in Ordnung? Könnt ihr nicht nach einen Monat endlich einen Kompromiss finden? Mehr, als euch aus dem Wege zu gehen, geht doch gar nicht und irgendwie will das nicht in meinen Kopf rein.”,  meinte Ruki dann und konnte darauf nur beobachten, wie Uruha schweigend aufgestanden und in Richtung Männertoilette verschwunden war.

“…er glaubt doch allen Ernstes, dass ich mich an irgendjemanden von euch ranschmeißen will. Er sagte damals doch selbst zu mir, ich solle doch erst einmal das Berufliche vom Privaten trennen. Dabei will ich mich doch nur mit euch allen verstehen können. Außerdem hätte er nicht nur mich damit ansprechen müssen, meine Schwester ist doch da auch nicht anders.”, sagte Jasmin mit gesenktem Kopf und ließ mit ihren Worten Mandy, die völlig in Gedanken versunken war, zusammenzucken und mit ihren leicht verwirrten Gesichtsausdruck brachte Mandy den anderen ein kurzes Auflachen, welches aber rasch wieder verklang.

“Ich mach gar nichts, also halt mich gefälligst da raus.”, meinte Mandy nur und löffelte weiter an ihrem Eis. Wieder erklang nur ein kurzes Auflachen der anderen.

“Nein, es ist wegen mir.”, fuhr Kai dann dazwischen und trug dabei ein fast schon aufgesetztes Lächeln auf den Lippen. “Ich versteh mich gut mit Jasmin, das scheint Uruha wohl zu stören.”, fuhr Kai fort.

“Das klingt ja fast so, als wäre unser Uruha eifersüchtig...”, warf Reita mit dem Löffel im Mund dazwischen. “…sonst würde er ja nicht so abgehen und Jasmin versuchen, die Hölle heiß zu machen. Er ist schon irgendwie eigenartig geworden und das ist nicht nur mir aufgefallen.”, fuhr Reita dann fort und bekam von allen anderen nur ein zustimmiges Nicken. “Unserer Managerin war es auch schon aufgefallen und sie hat schon nachgefragt, ob wohl wieder alles in Ordnung mit Uruha ist.”, bemerkte Aoi, der sich eine Zigarette angezündet hatte. Ja, Uruha´s “Wandel”, schien jeder bemerkt zu haben, doch fragte niemand nach, weil man der Meinung zu sein schien, dass schon alles wieder in Ordnung käme.

Aber ob das auch wirklich so sein würde?

“Kai, du bist nicht daran schuld, das Uruha momentan so tickt.”, sagte Mandy und das war darauf auch der letzte Satz, der  von ihr fiel. Sie war darauf nur damit beschäftigt, Ruki´s rechte Hand  von ihrem Oberschenkel fernzuhalten, da Ruki ständig dabei war, Mandy’s Oberschenkel zu streicheln oder versuchte,  weiter als erlaubt zu gehen, während die anderen immer noch über das Thema “Jasmin und Uruha” diskutierten und auch Uruha  endlich wieder am Tisch saß und das Szenario schweigend über sich ergehen ließ.

“Jetzt nimm endlich deine Hände da weg!”, fauchte Mandy nun und zog darauf auch schon die Blicke der anderen auf sich. Doch niemand sagte etwas dazu, sondern schwieg einfach. Wenig später war man auch dazu gezwungen zu schweigen.

Mandy und Jasmin waren darauf auch nur dabei, ihre Jungs regelmäßig abzupudern, damit die Photoaufnahmen für das Interview in der Zeitschrift SHOXX auch als gelungen bezeichnet werden konnten. Der Photograf, Susumu Miyawaki, kannte die Jungs von “the Gazette” auch gut genug und wusste bereits vor den Aufnahmen, das  die Photos gut werden würden. Er hatte auch noch nie große Mühe damit, die Jungs geeignet posieren zu lassen und das anschließende Interview verging bis in den späten Abend hinein, wie alles andere auch,  rasend schnell und ohne Schwierigkeiten. Nach einigen Blödeleien, die die Jungs veranstaltet hatten und die auch von Susumu  spaßeshalber photographiert wurden, entschied man sich, bei McDonalds vorbeizuschauen, bevor man sich im vom Management organisierten Hotel zurückzog und sich auf das am nächsten Morgen stattfindende Fernsehinterview vorbereiten würde.

Natürlich hatte man auch hier die Bedienung gebeten,  das Restaurant solange zu schließen, bis die Jungs von “the Gazette” mit ihren Visagistinnen und einigen Leuten der Crew, die darauf jedoch an einem Einzeltisch saßen,  dieses wieder verlassen würden. Nach einer ausgiebigen Pommesschlacht, die von Yoshi unterbrochen werden musste, wollte Kai schlagartig die Flucht in Richtung Männertoilette ergreifen, wenn Jasmin ihn nicht am Ärmel seines rechten Armes festgehalten hätte und ihn mit einem aufgesetzt flehenden Blick angesehen hätte.

“Du darfst nicht gehen!”, sagte sie dann nur laut und sah darauf nur in Kai’s erschrockenes Gesicht, während alle anderen, bis auf Uruha,  laut loslachten.

“Äh,…ich wollte eigentlich nur zur Toilette.” reagierte Kai etwas verwirrt und trug dabei trotzdem ein Lächeln auf den Lippen.

“Dann nimm sie doch mit.”, warf Aoi dazwischen und merkte darauf nur, wie er von jemandem mit einem Strohhalm beworfen wurde.

“Bist du pervers, oder was?”, grinste Ruki, der Aoi gegenüber am Tisch saß,  frech entgegen. “Na, wenn sie es nicht mehr aushalten, dann müssen sie es halt auf der Toilette tun.”,  meinte Aoi dann und spürte darauf nur einen kräftigen Tritt auf seinen linken Fuß.

 

“Halt doch endlich die Klappe und hör auf, so einen Blödsinn zu labern. Das hält doch niemand mehr aus. Der Einzige, der wahrscheinlich so schwanzgesteuert ist, bist du!”, reagierte Uruha, der Aoi absichtlich auf den Fuß getreten war, genervt und es erschien beinahe schon gereizt. Ja, so ziemlich vieles reizte ihn heute und dennoch nahm er es einfach so hin, ließ einfach alles über sich ergehen. Nur würde Uruha das bald nicht mehr können und wahrscheinlich würde er schon sehr bald ausbrechen.

“…ich kann nichts dafür, wenn du schon gar nicht mehr weißt, wie du deinen Druck ablassen sollst.”, konterte Aoi darauf nur frech grinsend und am liebsten wäre Uruha aufgestanden und hätte sich wie eine Hyäne auf Aoi gestürzt, wenn er sich nicht zusammengerissen hätte.

“Jungs, es reicht.”, fuhr Mandy dazwischen, doch schien man sie gar nicht wahrnehmen zu wollen. “Ach, du redest sicher gerade von dir, oder?”, entgegnete Uruha und es schien, als wolle er Aoi provozieren, wenn Mandy nicht ruckartig aufgestanden wäre und mit beiden Fäusten auf den Tisch geschlagen hätte.

“Könnt ihr jetzt endlich mal aufhören, euch anzuzicken?!”, wurde Mandy dann laut und ließ ihren Blick von Aoi zu Uruha, der wie ein bockiges Kind seine Arme verschränkt hatte, schweifen.

“Ich geh dann mal zur Toilette…”, bemerkte Kai währenddessen und war dann auch schon vom Tisch in Richtung Männertoilette verschwunden. Man merkte ihm deutlich an, dass er sich wohl die Schuld für jegliche Streitereien an diesem Tag gab. Dabei hatte er gar keine Schuld und das wussten alle.

“…ich bin satt.”, sagte Mandy darauf nur, die ihren Milchshake geschnappt hatte und  Yoshi aufsuchte, dem sie dann den Autoschlüssel für den Bus entlockte und anschließend nach draußen verschwand. Mittlerweile hatte es draußen mit regnen begonnen, während die anderen sich nun schweigend gegenüber saßen.

“Ich geh das richten.”, meinte Jasmin darauf und wollte nun ebenfalls vom Tisch verschwinden, wenn Reita sie nicht zurückgehalten hätte und daraufhin meinte, sie solle es doch jetzt dabei lassen. Natürlich richtete Jasmin sich auch danach, denn vielleicht hatte Reita ja auch Recht.

“Ist sie immer so?”, fragte darauf jemand aus der Runde und brachte Jasmin nur schweigend zum Nicken. “Wenn ihr etwas zu viel wird, zieht sie sich gern zurück.”, sagte Jasmin dann und konnte darauf nur beobachten, wie Ruki aufgestanden und ohne ein Wort nach draußen verschwunden war.

“Okay, irgendwie kapier ich gerade gar nichts.”, seufzte Reita dann und konnte nur beobachten, wie nun auch Aoi aufgestanden war und mit dem  Satz “Das brauchst du auch nicht.” zur Männertoilette verschwand. Aoi hatte in diesem Moment wohl als einziger gemerkt, dass Kai etwas verletzte. Aoi kannte zwar keinen genauen Grund, aber es reichte aus, dass er Kai unter dieser ständigen Streiterei zwischen Jasmin und Uruha leiden sah. Vorsichtig hatte er dann auch die Tür geöffnet und sah nur, wie Kai  zusammengekauert auf dem gefliesten Boden saß.

“Alles in Ordnung?”, fragte Aoi und schien Kai damit erschrocken zu haben.

“Was?”, fuhr Kai darauf nur auf und erhob sich rasch vom Boden, während Aoi ihn nur anlächelte. “Du hast doch irgendetwas, Kai.”, meinte Aoi dann und warf einen kurzen Blick in den Spiegel, der ihm gegenüber über einem der Waschbecken hing.

“Warum sollte ich?”, entgegnete Kai darauf nur und wollte soeben den Raum verlassen, wenn Aoi ihn nicht am rechten Arm festgehalten und zurückgezogen hätte.

“Weil ich es dir ansehe.”, sagte Aoi mit ernster Miene und sah Kai darauf nur abwartend an.

“Ich weiß und ich sehe, das dich etwas stört.”, fuhr Aoi fort und beobachtete Kai nur darauf, wie dieser seinen Kopf senkte.

“…bin ich daran Schuld, das Jasmin und Uruha sich ständig in den Haaren liegen? Jedes Mal, wenn ich mit Jasmin zusammen bin, oder sie nur ansehe, dreht Uruha am Rad und geht auf Jasmin los wie eine Bestie.”, sagte Kai darauf und Aoi kam es beinahe schon so vor, als hätte er plötzlich den Kai  von damals vor sich stehen - schüchtern und in sich gekehrt, weil er von vielen Fans noch nicht akzeptiert wurde. Ja, so wirkte Kai in diesem Moment auf Aoi.

“Natürlich kann es nur an mir liegen, woran denn sonst?”, fuhr Kai fort und hörte Aoi auflachen. Er wollte nicht verstehen, wie Kai solche Gedanken haben konnte.

“Kai, du bist nicht daran schuld. Wenn du deine Augen richtig aufmachen würdest, könntest du auch sehen, das Uruha nur eifersüchtig ist. Das sieht jeder Blinde, glaub mir. Er kommt einfach nicht damit klar, das du dich so gut mit Jasmin verstehst.”, meinte Aoi und lächelte, während er Kai freundschaftlich auf beide Schultern klopfte und anschließend wieder zu den anderen an den Tisch zurückkehrte.

“Bist du dir da auch wirklich so sicher?”, murmelte Kai, der starr seinen Blick zur Tür richtete, bevor er dann auch zu den anderen zurückkehrte.

 

Zur gleichen Zeit saß Mandy im Bus, hatte sich auf ihrem Sitz zusammengekauert, während erbarmungslos der Regen auf das Dach des kleinen blaugrauen Tourbusses niederprasselte und ein dumpfes Geräusch dabei hinterließ. Es hatte auch angefangen zu gewittern und bei jedem Blitzschlag zuckte Mandy erschrocken zusammen, als sich plötzlich die Schiebetür öffnete und diese  sich dann auch rasch schon wieder geschlossen hatte. Im schwachen Licht der Laternen und der Blitze erkannte Mandy, dass es Ruki war, der sich nun auch zu ihr umgedreht hatte.

“Wieso bist du abgehauen?”, fragte er und hatte es nun irgendwie geschafft neben Mandy zu sitzen. Sie sah ihn nur verdutzt an und als hätte sie seine Frage nicht verstanden.

“Was?”, entgegnete Mandy darauf nur und beobachtete Ruki nur dabei, wie er nach seiner Jacke kramte und er dabei auflachte.

“Ich kann schon verstehen, dass dich diese ständigen Streitereien nerven, doch deswegen musst du nicht gleich abhauen.”, meinte Ruki dann und spürte nur, wie Mandy ihm etwas warmes über die Schultern legte und er deutlich den süß-verschlungenen Duft von Parfum wahrnahm, welcher ihm schlagartig Gänsehaut bereitete und erschaudern ließ.

“Sonst erkältest du dich noch.”, sagte Mandy leise, als Ruki bemerkte, dass Mandy ihm ihre Jacke gegeben hatte.

“Außerdem hast du deine Jacke über deinem Stuhl hängen gelassen.”, fuhr Mandy dann fort und hielt einen Moment lang inne. Sie spürte nur, das Ruki zu zittern schien. Er war nur in T-Shirt bekleidet durch den strömenden Regen gelaufen, er war nass und ihm war kalt, genau deshalb gab Mandy ihm ihre Jacke.

“Was  rennst du eigentlich auch durch den Regen?”, fragte Mandy dann und ließ sich dabei mit verschränkten Armen wieder in ihrem Sitz sinken und zuckte erneut zusammen, als ein Blitz den dunklen Himmel durchfuhr. Es brachte Ruki zum Lachen.

“Hast du etwa Angst vor Gewitter? Wie süß.”, meinte er dann und streifte sich Mandy’s Jacke von den Schultern, rückte dabei näher an Mandy heran, ohne, dass diese es bemerkt hatte.

Und Ruki konnte es, seit er Mandy das erste Mal sah, einfach nicht unterlassen, sich ihr zu nähern. Mandy realisierte das oftmals gar nicht und tat es auch als Spaß von Ruki’s Seite ab. Genau wie in diesen Moment, als Ruki  Mandy’s linke Wange zu streicheln begann.

“Ruki, was soll das werden?” seufzte Mandy und strich Ruki’s Hand aus ihrem Gesicht, während sie ihn dabei ansah. Ruki grinste nur frech und berührte darauf prompt Mandy’s Lippen mit seinem Mund, während er dabei mit beiden Händen nach ihrem Gesicht suchte.

Mandy hingegen wusste nicht, wie sie reagieren sollte, ohne, dass sie Ruki vielleicht dabei verletzen würde. Ihr schien es unmöglich, denn es fühlte sich viel zu unbeschreiblich an, als das sich Mandy davon lösen wollte.

Allerdings ahnten, oder wussten die anderen nicht, was hier vorfiel.

Niemand ahnte, was danach vorfallen würde…

Es schien mittlerweile schon nichts neues mehr zu sein, Uruha mit Jasmin streiten zu sehen. Oft waren es Kleinigkeiten, die eigentlich überhaupt keine Gründe für irgendwelche Streitigkeiten darstellten.

Aber offenbar reichte es für Jasmin und Uruha vollkommen aus, um sich wieder einmal in recht aggressivem Ton aneinander auszulassen.

Man dachte schon gar nicht mehr daran, wie es angefangen hatte - wie es überhaupt dazu gekommen war, dass beide bei allen den Eindruck hinterließen, als würden sie nicht wirklich gut miteinander auskommen.

Auch an diesem besagten Abend befand sich Jasmin wieder einmal in einer Situation, in welcher sie Uruha viel lieber geohrfeigt hätte.

Man konnte beide mittlerweile überhaupt nicht mehr lange zusammen in einem Raum allein lassen. Und auch dieses Mal schien es wohl wieder einmal so weit zu sein.

Nachdem Jasmin mit den Jungs, der Crew und ihrer Schwester gemeinsam in der Bar eines Hotels in Osaka noch einige Drinks zu sich genommen hatte, war sie in ihr Hotelzimmer geflüchtet, um so weiteren Sprüchen von Uruha aus dem Weg zu gehen.

Ja, zumindest glaubte sie, es zu können, wenn er ihr nicht nachgelaufen wäre, um mit ihr das letzte und wohlmöglich auch einzige Gesprächsthema auszudiskutieren.

Wieder einmal ging es darum, das Private vom beruflichen zu trennen.

Das war die Tatsache, welche Uruha von Anfang an zu bemängeln schien.

Des Weiteren warf er ihr oft genug an den Kopf, dass er mit ihrer kindischen Art und Weise nicht klar käme. Und deshalb hatte Uruha es wieder einmal geschafft, Jasmin so derartig zu provozieren, das sie vor Wut sogar einfach angefangen hatte zu weinen.

"Warum lässt du mich nicht einfach in Ruhe? Du beschwerst dich immer nur über mich! Kümmere dich erst mal um dich, bevor du deine Nase in Sachen steckst, die dich nicht betreffen. Vielleicht merkst du dann auch endlich mal, dass du der Jenige bist, welcher wohl anfangen sollte, privates vom beruflichen zu trennen!", hatte Jasmin ihn angefahren, bevor sie ihm eigentlich ihre Zimmertür vor der Nase zuschlagen wollte, wenn

Uruha nicht seinen rechten Fuß dagegen gestemmt hätte.

Jasmin wehrte sich nicht weiter dagegen. Sie wollte es nicht. Denn offenbar dachte sie, dass er sie dann vielleicht eher in Ruhe lassen würde.

Allerdings schien wohl viel mehr das Gegenteil der Fall zu sein.

Nachdem Jasmin von der Tür aus zum Doppelbett geflüchtet war und sich darauf niederließ, war Uruha einfach ins Zimmer gekommen und hatte die Tür hinter sich geschlossen, an welcher er dann gelehnt stand.

"Es wäre vielleicht besser, wenn du jetzt gehst.", seufzte Jasmin, die sich nach hinten sinken ließ und am liebsten alles um sich herum vergessen würde.

Ja, am liebsten würde sie all die sinnlosen Streitigkeiten mit Uruha vergessen, alles einfach wie Wasser herunter schlucken, nur, damit es endlich ein Ende gäbe.

Doch würde es wirklich irgendwann ein Ende geben? Auf diese Frage schienen wohl beide selbst keine Antwort zu wissen.

"...sehe ich anders.", meinte Uruha leise.

Jasmin wusste nicht so recht, wie er das meinte. Erst recht nicht, als sie wieder ihre Augen öffnete und ihn unmittelbar vor sich stehen sah, während er mit verschränkten Armen und ernster Miene auf sie herab sah.

"Das ist mir egal. Oder willst du jetzt wie eine Bestie über mich herfallen?", zischte Jasmin, welche Mühe hatte, sich aufzurichten. Sie spürte, dass sie müde wurde und kaum noch die Augen offen halten konnte. Gleichzeitig jedoch versuchte sie sich auch krampfhaft dagegen zu wehren, ihre Augen länger geschlossen zu halten.

Vermehrt verspürte sie nämlich das Gefühl, Achterbahn zu fahren. In ihrem Kopf drehte sich alles, ihr war übel, während sie des weiteren auch irgendwie kurz davor war, den Verstand zu verlieren, wenn Uruha nicht endlich gehen würde.

Jasmin sah Uruha lächeln, als sie ihm erneut ins Gesicht sah, in der Hoffnung, dass er endlich das tun würde, was sie von ihm verlangte.

Nein, er tat nichts dergleichen, sondern machte plötzlich viel mehr den Eindruck, als würde er darüber nachdenken, was er ihr wohl als nächstes an den Kopf werfen könnte. „Los, mach dich vom Acker!“.

Jasmin war erneut kurz davor, wieder in Tränen auszubrechen.

Sie hatte keine Ahnung, warum. Vermutlich lag es daran, dass sie nun dabei war, ihn mit aller Kraft zur Tür zu zerren, was ihr aber irgendwie zu misslingen schien. Uruha bewegte sich keinen Zentimeter. Nein, er stand noch immer mit verschränkten Armen vor ihr und grinste bis über beide Ohren.

„Mensch, Uruha! Warum haust du nicht einfach ab?“, schluchzte Jasmin dann einfach los. Nun fand es auch Uruha nicht mehr so wirklich lustig.

Er mochte es noch nie, Mädchen weinen zu sehen. Und das schon gar nicht, wenn er der Grund dafür war. Somit versuchte er, sich mit seinen Blicken an der beigefarbigen, kahlen Zimmerwand ihm gegenüber festzuhalten, nur um Jasmin nicht weinen sehen zu müssen.

Sie stand vor ihm, wie ein dummes Mädchen. Ja, und eigentlich konnte man ihr Verhalten in der Tat als ziemlich dumm und albern bezeichnen.

Aber wenn ihr eine Sache zurzeit wirklich sehr schwer fiel, dann die, es auch nur länger als fünf Minuten in Uruha´s Nähe aushalten zu müssen.

Niemand schien die Gründe dafür zu kennen - nicht einmal sie selbst.

„Wenn du nicht gehst...“, begann sie, ohne ihn anzusehen.

„...werde ich es tun. Ganz einfach.“, fuhr Jasmin dann fort, bevor sie nach ihrer schwarzen Reisetasche auf dem Bett gegriffen hatte und Uruha daraufhin einfach im Raum stehen lassen wollte, wenn dieser sie nicht plötzlich festgehalten und ihr die Tasche wieder aus den Händen gerissen hätte.

„Willst du zu Kai, ja? Damit du ihm weiterhin den Kopf verdrehen kannst, ja? Hast du das nicht schon zur Genüge getan? Das Einzige, was du tun sollst, ist, ihn für unsere Termine zu stylen, nicht mehr und nicht weniger. Ich glaub nicht, dass unsere Firma einen Vertrag mit dir gemacht hat, in dem steht, dass du ihn ins Bett kriegen darfst!“, fuhr Uruha sie plötzlich an.

Er hatte sie daraufhin einfach grob an den Armen gepackt und sie zum Bett geschoben. Jasmin konnte gar nicht so schnell dagegen reagieren, wie sie dann auch schon von ihm unsanft an den Schultern aufs Bett gedrückt wurde.

Und als sie ihn ansah, in seinem Gesicht eigentlich das Gegenteil von dem, was er vorzugeben versuchte, zu erkennen schien, umso fassungsloser war sie im Endeffekt.

Es fiel ihr in diesem Moment nicht wirklich leicht, das Gefühl, was in diesem Augenblick in ihr wütete, zu definieren. Es schien so viel, und gleichzeitig noch viel zu wenig zu sein, um den Versuch zu wagen, Uruha vom ganzen Gegenteil zu überzeugen. Nein, eigentlich war ihr völlig egal, was er von ihr dachte, auch wenn er im Unrecht war.

Aber wiederum schmerzte es so stark, dass sie gar keine andere Möglichkeit sah, als sich gegen ihn zu wehren.

„Hör endlich auf, dich in meine Angelegenheiten einzumischen! Kapierst du nicht, dass du der Einzige bist, der solche bekloppten Gedanken hat? Ich will von überhaupt niemandem hier irgendetwas! Ich will einfach nur meine Arbeit machen und mich nebenbei vielleicht noch mit den Leuten hier verstehen. Und wenn du schon von irgendwem hier verlangen musst, privates vom beruflichen zu trennen, dann solltest du vielleicht mal endlich bei deinem Bandkollegen Ruki anfangen. Er ist im Moment der Einzige, der hemmungslos an jemandem von uns herumgräbt. Oder bist du so blind, dass du noch nicht gesehen hast, wie er sich an meine Schwester heranmacht?“, fuhr Jasmin ihn an, während sie krampfhaft versuchte, Uruha von sich fernzuhalten.

„Halt den Mund!“, zischte er allerdings bloß, als er sie an den Schultern zu rütteln begann und dabei plötzlich das Gleichgewicht verloren hatte.

Jasmin hatte Angst vor ihm, als er plötzlich wie ein finsterer Schatten auf ihr lag und ihr dabei ins Gesicht sah, als würde er in diesem Augenblick ähnliche Gefühle haben.

Sie spürte seine Schwere, seine Wärme, während sie gleichzeitig versuchte, die Worte über die Lippen zu bringen, dass er doch von ihr herunter gehen solle.

Es gelang ihr nicht und somit schien sie wohl weiterhin mit den Blicken in seinem Gesicht gefangen zu sein. Ihr Herz begann zu rasen, während zwischen beiden plötzlich ein eigenartiges Schweigen herrschte.

Vielleicht sollte Uruha´s unschuldig erscheinende Engelsmiene eine Täuschung sein.

Vielleicht war es aber auch seine Absicht, sie anzusehen und ihr damit wohl das Gefühl zu vermitteln, diese momentane Situation zur Ewigkeit werden lassen zu wollen.

Ihr Herz schlug noch schneller, während der übrige Teil ihres Körpers unter ihm leicht zu zittern begann. Die Luft zwischen ihnen wurde immer heißer, während sich Jasmin´s Brustkorb mit jedem Mal immer schneller zu heben und zu senken schien.

Uruha war wohl ebenfalls kurz davor, den Verstand zu verlieren. Er konnte sich nicht bewegen, sich nicht wirklich konzentrieren und ebenso war er wohl nun endgültig davor, die Kontrolle über sich zu verlieren.

Alles um ihn herum schien zu verschwinden, als er die glühende Hitze ihres Atems auf seinen Wangen spürte. Es war beinahe so, als würde ihn jemand führen, als er mit seinen Händen ihre warmen, weichen Wangen berührte und alles in ihm, wie durch einen Stromschlag, zusammenzuckte.

„Wir können das nicht machen...“, brachte Uruha dann allerdings doch über seine zitternden Lippen, ohne aber wirklich den Versuch zu wagen, von ihr abzulassen.

„Bitte geh von mir runter.“, sagte Jasmin leise, die mittlerweile schon regelrecht jegliche Luft zum Atmen verloren hatte.

Wie gerne hätte er in diesem Moment zu ihr gesagt, dass er nichts lieber tun würde, als ihrem Wunsch nachzukommen. Jedoch hatte sich zuvor schon die Erkenntnis in ihm bemerkbar gemacht, dass er diese Art des Zusammenseins mit ihr sehr genoss.

Für ihn schien es gar nicht mehr in Frage zu kommen, in den nächsten Stunden ohne Jasmin sein zu wollen. Weder Jasmin, noch er kannte die Gründe dafür.

Sie wussten lediglich beide, dass sich dieses Gefühl zwischen ihnen irgendwie besser anfühlte, als das, was sonst zwischen ihnen war.

Auch wenn Jasmin in diesem Augenblick innerlich vielleicht nach Vergebung schrie, konnte man dennoch keinerlei Fünkchen Reue gegenüber dem, was sie urplötzlich unbedingt tun wollte, erkennen. An das, was vielleicht Stunden später oder am Morgen nach dem, was jetzt noch in den Sternen zu stehen schien, passieren würde, dachte niemand. Nur das „Jetzt“ schien für sie wohl in diesem Moment die größte Bedeutung zu haben. Alles andere um sie herum versank im blassen Licht der in dünnem Glas eingefassten Wandleuchte über dem Bett.

„Bitte verzeih mir...“, flüsterte Uruha, bevor er sie dann einfach auf den Mund geküsst hatte. Jasmin erwiderte dem nichts und genauso wenig hatte sie das Bedürfnis danach, über das, was er gesagt hatte, nachzudenken.

Somit nahm sie es einfach hin, wobei sie nicht leugnen konnte, dass ihr gefiel, wie er mit seinen starken, warmen und weichen Händen unter ihre schwarze Bluse kroch, während er ihren Hals liebkoste.

Dass sie auch verwirrt war, sah man deutlich, denn irgendwie schien sie nicht so recht zu wissen, wohin sie mit ihren Händen sollte. Natürlich wollte ihr Körper, der innerlich wie ein Vulkan brodelte, jede einzelne seiner Berührungen erwidern, dennoch musste es wohl ihr Verstand sein, der versuchte, sich gegen all das, was gerade zwischen Uruha und ihr passierte, zu wehren.

Unzählige Fragen tauchten in ihrem Kopf auf. Es waren Fragen, auf die es wohl keine Antwort zu geben schien. Fragen, die man vielleicht nicht aussprechen sollte. Fragen, die vielleicht gar nicht existieren sollten.

Jasmin versuchte krampfhaft, all das in ihrem Kopf bei Seite zu schieben und es zu ignorieren. Es ähnelte einem Krampf aus Verzweiflung, als sie dann einfach ihre Arme um seinen Hals gelegt und ihre Lippen gegen seinen warmen Hals gepresst hatte.

Der Geruch seines weichen Haares gemischt mit dem seines Parfums verursachte Gänsehaut überall an ihrem Körper.

Wie lange würde es noch dauern, bis sie wie ein Vulkan ausbrechen würde?

Wie viele Sekunden, Stunden, Tage oder Wochen würden vergehen?

„Ich bin ein Arschloch, ich weiß...“ , flüsterte Uruha an ihrem Hals, als er begonnen hatte, ihr die Bluse aufzuknöpfen.

Erneut erwiderte Jasmin dem nichts, aber dennoch war sie überrascht und fassungslos zugleich, als Uruha daraufhin den Kopf hob, ihr ins Gesicht schaute und dann von ihr abrückte. Was war passiert? Was hatte sie falsch gemacht? Hatte sie überhaupt etwas falsch gemacht? Es waren Fragen, die sich wie ein Karussell in ihrem Kopf zu drehen begannen, während er von ihr herunter ging und sich mit eiligen Schritten zur Tür bewegte.

Auch wenn das, was er gesagt hatte, vielleicht stimmen mag, wollte Jasmin dennoch nicht, dass er jetzt einfach aufhörte, sie zu berühren und zu küssen.

Sie wollte nicht, dass er geht. Sie wollte nicht, dass es jetzt schon ein Ende hatte.

Es hatte noch nicht einmal richtig begonnen.

Hastig hatte sie sich von ihrer Bluse befreit, bevor sie ihm zur Tür gefolgt war.

„Lass mich nicht allein.“, sagte sie, als sie hinter ihm stand und ihre Arme um seine Hüften geschlungen hatte, während sie ihr Gesicht fest gegen seinen warmen Rücken gepresst hatte. Er roch so verdammt gut, dass es ihr nicht mehr nur den Verstand raubte, sondern vermutlich auch noch jede einzelne Faser ihrer kleinen, zerbrechlichen Seele. „Ich wollte nur die Tür abschließen.“, bemerkte Uruha mit einem sanften Lächeln auf den Lippen, nachdem er sich zu ihr herumgedreht hatte.

Erst jetzt schien man so richtig den Größenunterschied zwischen beiden zu erkennen, und dennoch war es ein fast schon eigenartig schöner Anblick, zu sehen, wie der große Uruha vor der deutlich kleineren Jasmin stand und seine Hände zu ihren Hüften wandern ließ, um sie fest an sich zu pressen.

An den Händen hatte er sie daraufhin in Richtung Bett hinter sich hergezogen, bevor er sich dann darauf niedergelassen und Jasmin an sich gezogen hatte.

Während er sein warmes Gesicht gegen ihren nackten Bauch lehnte, dabei seine Lippen darüber wandern ließ, hatte Jasmin plötzlich erhebliches Bauchkribbeln.

Natürlich verspürte sie es so ähnlich bereits die ganze Zeit über, in der sie mit ihm zusammen war, aber in diesem momentanen Augenblick spürte sie es noch stärker, als zuvor. Ihr Körper begann etwas zu zittern, obwohl sie nicht fror.

Uruha spürte ihr Unbehagen, unterdrückte dieses Mal aber jeglichen Kommentar.

Sie hatte ihre Hände in seinen Haaren vergraben, während sie ihr Gesicht ebenfalls gegen sein Haar presste und den süßlichen Geruch von Kokos einatmete.

Die Zeit schien stehen geblieben zu sein, aber dennoch vergingen die Minuten wie im Flug. Beide konnten sich plötzlich gar nicht schnell genug von ihren Klamotten befreien, trotz der Erkenntnis, dass dieser Moment wohlmöglich nicht von Dauer sein würde. Sie waren sich mittlerweile darüber im Klaren, dass sie miteinander schlafen würden. Genau so waren sie sich bewusst, dass es das erste und vermutlich letzte Mal sein würde.

Diese Erkenntnis schmerzte bei beiden, während sie sich kurz darauf ausgiebig in den beigefarbigen Leinentagesdecke aalten und versuchten, diese kurze Zeit zu einem Stückchen Ewigkeit werden zu lassen.

Viel zu schnell war es vorüber. Viel zu schnell verging die Zeit, obwohl beide sie doch eben noch versucht hatten, festzuhalten.

Es war bittere Realität, als Jasmin die Augen öffnete und sah, wie Uruha, welcher ihr gegenüber auf dem Bett saß, sich in seine Klamotten zwängte.

Durch den dunklen, rotorangefarbigen Himmel außerhalb des Hotelfensters, welches mit goldenem Rahmen verziert war, konnte man erkennen, dass der Morgen nicht mehr länger auf sich warten ließ.

„Wenn du die Zeit anhalten könntest, würdest du es tun?“, fragte Jasmin, während sie näher an Uruha herangerückt war, um mit ihrer linken Hand seinen Rücken zu streicheln. Wie sehr hatte sie ihn all die Jahre in seiner privaten Kleidung auf tausend von Fotos, die sie gesammelt hatte, vergöttert. Für sie war Uruha nicht die feminine Persönlichkeit in Strapsen. Er war für sie immer ein Mann mit ausreichend Sexappeal.

Sie wusste nicht, wie lange sie diese Meinung noch haben würde, während sie ihm mit den Fingerspitzen über das graue, ärmellose Shirt wanderte. Wohlmöglich würde alles, sobald Uruha dieses Zimmer verlassen hatte, anders sein. Sein Schatten, welcher von der Wandleuchte über dem Bett an die Wände geworfen wurde, wäre dann wohlmöglich auch nichts mehr weiter, als eine Erinnerung, welche nur in diesem Zimmer existieren konnte. „Ich würde sie viel lieber zurückdrehen, wenn ich gewusst hätte, dass ich mit dir vögeln will.“, erwiderte Uruha hingegen nur eiskalt.

Warum bestätigte sich nur das Gefühl, dass es nicht das war, wonach es sich angefühlt hat? Nach all den Jahren harter Arbeit und festgewachsenen Gefühlen hatte Jasmin nichts anderes verdient, als so von dem Mann behandelt zu werden, von dem sie es am wenigsten erwartet hätte?

Ja, warum sollte sie auch so naiv sein und glauben, dass das Verhältnis zu ihm ein besseres sein würde, wenn sie mit ihm schläft?

Uruha war vom Bett aufgestanden und hatte sich in ihre Blickrichtung gedreht, um auf sie herabzusehen. Jasmin lag nackt und zusammengekauert unter der beigefarbigen Leinendecke, während sie seinen ernsten Blick mürrisch erwiderte.

„Bitte behalte es für dich, okay? Und bitte hab jetzt nicht das Gefühl, dass es schlecht war. Das war es überhaupt nicht. Nur finde ich, dass es nicht hätte passieren dürfen. Ich werde mir noch lange Vorwürfe machen, schließlich hab ich damit angefangen. Wir haben beide Schuld daran...“, sagte Uruha in unerwartet ruhigem und fast schon sanftem Ton.

Nur änderte dieser Ton nicht mehr viel an der Tatsache, dass Jasmin innerlich zu kochen begann. Er zeigte ihr deutlich das Verhalten eines typischen Mannes, so wie sie ihn nie anders kennen gelernt hatte.

„Das ist typisch für euch Männer. Nimm es mir nicht übel, aber versprechen werde ich dir nie etwas. Jetzt erst recht nicht mehr...“, begann Jasmin plötzlich zu schluchzen. Sie hatte sich die Decke bis zum Kinn hochgezogen, während sie sich gleichzeitig darin festkrallte, um nicht endgültig die Fassung zu verlieren.

„Weißt du, dass es schon Jahre sind, in denen ich dich nie als feminine Persönlichkeit in Strapsen oder als gewöhnlichen Gitarristen gesehen habe? Für mich warst du zwar ein Mann, wie jeder andere auch. Allerdings mit dem Unterschied, dass du etwas an dir hast, was ich bislang noch bei keinem anderen Mann gefunden habe. Es ist nicht dein Sexappeal. Es ist nicht dein Aussehen oder dein Charakter. Um genau zu sein weiß ich nicht, was es ist. Aber jetzt wünschte ich mir nichts sehnlicher, als das ich nie hier gelandet wäre, wenn ich gewusst hätte, dass mir meine Arbeit so viel kostet. Warst du nicht der Jenige, der meinte, dass nicht in meinem Vertrag stehen würde, ich dürfe mit Kai schlafen? Ich hatte nie solche Absichten, bis du dir von mir das genommen hast, was du gar nicht verdient hast. Ich will einfach nur meine Arbeit machen. Ist das denn zu viel verlangt? Hast du keine Ehre? Macht dir das Spaß, so mit mir umzugehen?“, schluchzte Jasmin.

Sie rang hastig nach Atem, um nicht einfach los zu schreien. Sie versuchte, sich zu zügeln, um nicht einfach aus dem Bett und Uruha an den Hals zu springen.

Am liebsten würde sie ihn ohrfeigen, ihm die Augen auskratzen und ihm jedes Haar einzeln vom Kopf reißen. Nur war es dann auch Uruha, der plötzlich mit den Tränen zu kämpfen hatte, als er Jasmin so verzweifelt vor sich liegen sah. Er wollte nie irgendjemanden die Art von Tränen zeigen, schon gar keiner Frau, wenn es nicht die ist, die er liebte. Und somit war er mit den leisen Worten „Bitte verzeih mir.“ aus dem Zimmer gestürmt, während Jasmin daraufhin noch heftiger zu weinen begann.

Dabei hatte sie geglaubt, das erste Mal, seit sie bei PS Company arbeitete, richtig gut mit Uruha auskommen zu können. Natürlich hatte sie nie damit gerechnet, dass sie von Anfang an ein eher negatives Verhältnis zu ihm haben würde.

Es lag nicht wirklich an ihr, denn schließlich war Jasmin nun mal so, wie sie war. Nie würde sie sich für jemanden verstellen oder ändern wollen.

Schon immer war sie der Meinung, dass man sie so akzeptieren sollte, wie sie war und bislang hatte sie auch damit reichlich positive Erfahrungen im Umgang mit Menschen gemacht.

 

Man hörte nur das prasselnde Geräusch des Wassers, welches aus dem Badezimmer ertönte. Es glich dem Prasseln des Regens.

Mandy hatte die Lobby verlassen, nachdem sie als Einzige dort gesessen und draußen das wütende Unwetter beobachtet hatte,  und war anschließend unter der Dusche verschwunden. Sie und Ruki  hatten, nachdem Ruki sie einfach geküsst hatte, kein einziges Wort mehr miteinander gewechselt. Warum es plötzlich so war und warum es überhaupt passierte, wusste Mandy nicht und es war eigentlich auch sinnlos, sich danach zu fragen. Sie würde keine Antwort darauf finden. Daraufhin war nur ein Klopfen an der Tür wahrzunehmen, doch das laute Prasseln des Wassers verdrängte es. Als Mandy kurz darauf aus der Dusche kam und nur im Handtuch eingewickelt das Zimmer, in dem ein großes Doppelbett stand,  betrat, schien ihr Herz stehen bleiben zu wollen, als sie Aoi inmitten des Zimmers stehen sah.

“Was machst du denn hier? Hättest du nicht vorher anklopfen können?!”, reagierte Mandy beinahe schon aufgebracht, als sie rasch nach einigen Klamotten griff und wieder im Badezimmer verschwand. Aoi hingegen lächelte nur in sich hinein und ließ sich anschließend auf dem Bett nieder.

“Das nächste Mal machst du dich gefälligst bemerkbar.”, meinte Mandy, die kurz darauf wieder aus dem Badezimmer kam.

“Meinst du, ich hätte dich dabei erwischen können, wie du splitterfasernackt in deinem Zimmer herumläufst?”, fragte Aoi nur mit einem frechen Grinsen im Gesicht.

“Zum Beispiel.”, sagte Mandy und rubbelte sich dabei ihr nasses Haar mit einem der roten Gästehandtücher, während Aoi sie immer noch angrinste.

“Ich hätte kein Problem damit.”, meinte er und bekam darauf auch schon Mandy’s nasses Handtuch ins Gesicht geworfen.

“Das war ja klar. Seid ihr Kerle denn wirklich alle gleich? Ich fasse es nicht.”, sagte Mandy, die sich darauf zum Fenster hinbewegte und ins Dunkle starrte, während sie ihre Hände in die Hüften gestützt hatte und es beinahe schon den Eindruck hinterließ, als wäre Aoi’s bloße Anwesenheit ihr unangenehm.

“Was willst du eigentlich hier?”, fragte Mandy darauf und drehte sich zu Aoi um.

“Ich wollte sehen, wie es dir geht.”, antwortete Aoi und beobachtete Mandy dabei, wie sich ein aufgesetztes Lächeln auf ihren Lippen breit machte.

“Danke der Nachfrage. Mir geht es sehr gut. Ich habe etwas zu viel getrunken und ich bin müde. Deswegen würde ich jetzt auch gerne schlafen gehen.”, erklärte Mandy darauf und wirkte auf Aoi aufgekratzter als sonst und es schien beinahe so, als wollte Mandy ihn um jeden Preis loswerden.

Dabei stimmte das, was sie sagte. Mandy hatte in der Lobby wirklich etwas zu viel getrunken, aber den anderen erging es  wahrscheinlich auch nicht anders.

Jetzt war sie einfach nur müde.

“Das ist aber nicht der wirkliche Grund, weshalb du einfach so hier auftauchst, oder?”, fragte Mandy dann und sah Aoi, welcher aufgestanden war, abwartend an. Er hatte darauf nur seinen Kopf geschüttelt und beschämt gelächelt.

“Ich wollte mich entschuldigen.”, sagte er dann und es machte Mandy wirr.

“Entschuldigen? Wofür das denn?”, fragte Mandy und man sah ihr deutlich an, dass sie verwirrt war. Dabei wusste Aoi selbst nicht einmal genau, wofür er sich eigentlich entschuldigen wollte. Vielleicht wegen dem Vorfall zwischen Uruha und ihm?

Vielleicht, weil Aoi glaubte, es würde ihr nahe gehen? Vielleicht wollte Aoi auch nur sagen, “Tut mir leid, aber irgendwie kann ich auch nichts gegen den Streit zwischen Uruha und deiner Schwester machen.”.

Es könnte eigentlich so viele Gründe geben, doch keiner erschien Mandy bis jetzt wirklich sinnvoll. Sie lächelte nur.

“Du hast zu viel getrunken. Ich seh’s dir an  und außerdem solltest du jetzt auch schlafen  gehen. Ihr tretet morgen schließlich im Fernsehen auf.”, meinte sie dann, nachdem sie sich Aoi genähert hatte.

“Ich hab’s begriffen.”, sagte Aoi in einem fast schon beleidigten Ton, der Mandy dazu brachte, Aoi’s Wangen zu tätscheln.

“Du wirst jetzt schlafen gehen und ich auch. Also komm jetzt nicht auf die Idee, dich wie ein beleidigtes Mädchen zu benehmen.”, meinte Mandy dann und schob Aoi vorsichtig zur Tür.  “Mach dir keine Mühe.”, sagte Aoi, der von selbst Mandy’s Zimmer verlassen hatte. Natürlich war Aoi nur einer derjenigen, die zu viel getrunken hatten und dies machte sich nun auch bei ihm bemerkbar. Mandy sah auch nicht wirklich einen Grund, sich den Kopf darüber zu zerbrechen, das Aoi eventuell eingeschnappt  sein könnte und zumal es auch kindisch wäre.

Seufzend hatte Mandy ihre Tür geschlossen und steuerte auf das Bett zu, welches sie angefangen hatte, aufzuschütteln, als wenige Minuten später erneut die Tür aufging. Das Erste, was Mandy in die Hände kam, war eines der Federkissen, welches sie zur Tür geworfen hatte.

“Draußen bleiben!”, zischte Mandy auch sofort, ohne, das sie sich zur Tür umdrehte.

“…nette Begrüßung.” ertönte Ruki’s Stimme plötzlich, dabei dachte Mandy, das es wieder Aoi war, der zur ihr ins Zimmer wollte. Umso erschrockener war Mandy, als sie nun sah, dass Ruki bei ihr im Zimmer stand und das Kissen wieder auf das Bett warf, während hinter ihm die Tür ins Schloss flog. Mandy sah auch, dass Ruki eine Sektflasche und zwei Sektgläser dabei hatte. Bei diesem Anblick wurde ihr sofort anders. “Was soll das werden?”, fragte Mandy darauf auch schon, als sie Ruki dabei beobachten konnte, wie dieser Sektflasche und Gläser auf dem Boden abstellte.

“Ich wollte nur sehen, wie es dir geht.”, meinte Ruki und hörte Mandy darauf nur auflachen. “Okay, du und Aoi, ihr habt euch abgesprochen, oder?”, fragte Mandy weiter und sah nur, wie Ruki sichtlich verwirrt in ihr Gesicht blickte.

“War er hier?”, entgegnete Ruki nur und hockte sich darauf auf den Boden, öffnete die Sektflasche und füllte die Gläser halbvoll. Mandy fuhr sich nur seufzend über das Gesicht. Das alles konnte doch gar nicht wahr sein.

“Trotzdem habe ich mich nicht mit ihm abgesprochen.”, sagte Ruki dann und  reichte Mandy, nachdem er vor ihr stand, eines der beiden Sektgläser, welches Mandy nur stutzig ansah. “Ruki, was soll das? Ich habe jetzt wirklich keine Lust mehr, auf irgendwelche Spielchen. Ich bin müde und will schlafen.”,  seufzte Mandy darauf und sah Ruki jedoch nur frech grinsen.

 

“Ich werde dir dabei einfach Gesellschaft leisten.”, bemerkte er dann auch schon, nachdem er sein Glas mit einem Zug geleert hatte. Mandy wäre am liebsten an die Decke gesprungen, in ihr kochte es bereits.  Warum konnte man sie nicht einfach in Ruhe lassen?

 “Nein, das wirst du definitiv nicht…”, erwiderte Mandy, die trotzdessen einen Schluck aus ihrem Glas nahm und es anschließend auf dem Nachtisch, welcher sich auf der rechten Bettseite befand, abstellte.

“…und ich werde auch dafür sorgen, dass du es nicht tust.”, fuhr Mandy dann fort und bewegte sich auf Ruki, der sein leeres Glas auf dem Boden abstellte, zu. Er grinste jedoch nur.

“Sicher?” fragte er bloß und es erschien beinahe so, als wäre er sich hundertprozentig sicher. Mandy, die wie ein dummes Mädchen vor ihm stand, sah ihn nur an und musste plötzlich feststellen, dass sie eigentlich gar nicht allein sein wollte - nicht in diesem Moment, auch wenn es vielleicht nicht den Eindruck hinterließ.

Sie musste auch feststellen, dass sich Ruki sehr verändert hatte, im Gegensatz zu dem, was sie in vielen Interviews sah. Er war nicht mehr dieser kleine Junge von damals, nein, Ruki schien in gewisser Hinsicht reifer geworden zu sein und doch hatte er seinen Humor nicht verloren.

Und ohne, das jemand damit gerechnet hatte, begann plötzlich das Licht zu flackern und das Grollen des Donners schien lauter als zuvor, sodass es Mandy zum Zusammenzucken brachte. “Ich weiß, dass du Angst hast.”, meinte Ruki dann nur und erneut flackerte das Licht, bis es letztendlich völlig erloschen war. Nur die Blitze, die den Himmel durchfuhren, erhellten das Zimmer ein wenig.

“Ist das auf deinen Mist gewachsen, Ruki? Hast du das veranlasst?”, fragte Mandy und schien beinahe schon außer sich zu sein.

Ruki lachte nur. “Traust du mir wirklich so etwas zu?”, entgegnete er dann und bewegte sich vorsichtig auf Mandy zu, suchte dabei mit seinen Händen nach ihr und spürte darauf auch schon ihre weiche Haut unter seinen Fingerspitzen.

“Ich wollte einfach nur sehen, wie es dir geht.”, meinte er dann und zog Mandy an sich heran. “Ich will diese Spielchen nicht, nicht mit mir.”, bemerkte Mandy darauf und spürte nur, wie Ruki mit seinen Händen nach ihrem Gesicht suchte, welches er dann festhielt, während er mit beiden Daumen über Mandy’s Wangen streichelte.

“Glaubst du wirklich, ich spiele nur?”, fragte er.

Mandy, die lediglich das Glänzen seiner Augen und die Umrisse seines warmen Körpers erkennen konnte, wusste in diesem Moment nicht, was sie sagen sollte.

Sie blieb stumm und innerlich verwirrt.

War sie sich wirklich so sicher, dass Ruki so etwas tun würde?

Eigentlich war es kindisch.

 

“Würde ich spielen wollen, hätte ich schon längst damit angefangen.”, meinte Ruki dann und zog Mandy, nachdem er von ihrem Gesicht abließ, dichter an sich heran.

Es war diese Wärme und der angenehme Geruch des Parfums, welches Ruki trug und welches bei Mandy schlagartig für Gänsehaut sorgte. Es waren seine weichen, warmen Hände, die sanft über ihre Haut streichelten und ihr das Gefühl gaben, als würde jeden Moment ihr Herz stehen bleiben. Es waren plötzlich so viele Dinge, die ihr beinahe den Verstand raubten.

Sie wollte es und eigentlich wollte sie es auch nicht. Mandy war hin- und hergerissen, sodass man es ihr sogar anmerken konnte.

Ruki behielt seine Gedanken für sich und sagte nur “Ich will nicht spielen, egal, ob du es mir nun glaubst, oder nicht.”, bevor er sie dann einfach geküsst und auf das Bett gedrückt hatte.

 

Ruki schien ebenfalls nicht ganz nüchtern zu sein, dass dachte Mandy jedenfalls, denn sonst würde er so etwas hier nicht tun. Aber vielleicht irrte sie sich auch nur.

Mandy’s Gedanken schienen wie benebelt, ließen ihr Herz in ihrer Brust rasen, als Ruki’s Hände unter ihr schwarzes Tanktop wanderten, während er sie immer und immer wieder küsste und es in Mandy plötzlich Angst auslöste.

Auch wenn Mandy kurz vor ihrem 24.Lebensjahr stand und schon die ein, oder andere  Beziehung hatte, so kam es nie wirklich zum Eigentlichen. Für sie reichte kuscheln, küssen und fummeln aus - bis zu einer gewissen Grenze. Sie wollte ihre Unschuld nicht an irgendjemanden verschwenden, sie wollte sie dem Mann geben, an dem sie ihr Herz verlieren würde. Doch bislang war Mandy diesem Mann noch nicht begegnet.

“Ruki, lassen wir das, ja? Das ist nicht richtig.”, meinte Mandy im Flüsterton und stoppte Ruki, als seine Hände zum Bund ihrer Hose wanderten.

“Hast du Angst?”, fragte er darauf und blickte in Mandy’s Gesicht. Mandy schwieg und nickte nur, bevor Ruki sie erneut küsste. So war es okay und mehr brauchte Mandy nicht. Vielleicht irgendwann, aber nicht jetzt.

“Du brauchst mir nichts zu erklären, ich weiß es bereits und ich will dir auch nicht wehtun. Ich hatte nie vor, dir weh zutun und schon gar nicht so.”, meinte Ruki dann und es erschrak Mandy, sodass sie gar unter Ruki zusammenzuckte.

Merkte man es ihr so sehr an?

Sie hielt es bislang für unmöglich und doch fiel ihr gleichzeitig ein Stein vom Herzen. Sie hatte mit einer völlig anderen Reaktion gerechnet. In ihrem Heimatland hätte der ein oder andere vielleicht darüber gelacht, hier schien man dem mit Verständnis gegenüberzutreten.

Natürlich konnte es nur so sein, die Menschen und ihre Werte waren hier völlig anders.

“Ich kann dir leider nicht das geben, was du gerne hättest.”, flüsterte Mandy und sie spürte darauf nur, wie sich Ruki’s Hände in ihren vergruben und Ruki seinen Kopf vorsichtig auf Mandy’s Brust sinken ließ. Ruki spürte deutlich, dass sich Mandy’s Brustkorb rasch hob und senkte und es war ein angenehmes Gefühl, einfach hier zu liegen. “Du scheinst auch nur Vorurteile gegen Männer zu haben, oder? Sonst würdest du nicht denken, dass ich vorhatte, dich umzulegen.” meinte Ruki dann und wanderte anschließend mit seinen Fingerspitzen auf Mandy’s rechten Unterarm, bis er sich aufgerichtet hatte, um in Mandy’s Gesicht blicken zu können.

“Warum seid ihr nur so?”. fragte Ruki dann und erschien dabei beinahe schon ungeduldig. Mandy lächelte schwach. “Weil Männer nichts besseres zutun haben, als die Frauen zu verarschen.”. antwortete Mandy dann und spürte nur wieder, wie Ruki sie erneut küsste und darauf mit seinen Lippen zu ihrem Hals wanderte, den er nun zärtlich liebkoste. Mandy drohte den Verstand zu verlieren. Warum tat Ruki so etwas?

Eigentlich war es sinnlos, sich darüber Gedanken zu machen und Mandy schob es beiseite und erwiderte nun auch Ruki’s Berührungen. Es wäre eine glatte Lüge gewesen, zu behaupten, dass es ihr nicht gefiel.

Es war eine Tatsache, nach der sie sich schon so lange gesehnt hatte.

Doch sollte es wirklich so schnell gehen? Mandy schien es nun völlig unmöglich zu sein, sich aus dieser Misere zu befreien.

Ähnliche Gedanken schien Ruki auch zu haben.

Anders lief es im selben Moment bei Reita, welcher sich hellwach in seinem Bett hin- und herwälzte und nur darauf wartete, dass der Stromausfall endlich vorbei sein würde.

Und kaum war dieser Gedanke verflogen, so brannte überall wieder Licht.

“Na endlich.”. murmelte Reita, der sich rasch aufgerichtet hatte und anschließend aus dem Bett kroch. Der 25jährige Bassist räkelte sich kurz und griff nach seinen beiden Kissen, mit denen er anschließend sein Zimmer verlassen hatte. Würde man Reita so sehen, würde man sich sicher fragen, was er wohl vorhatte.

Mit einem breiten, frechen Grinsen stand Reita nun vor der Zimmertür von Aoi.

Er klopfte, doch Aoi schien es gar nicht wahrgenommen zu haben und statt weiter vor der Tür stehen zu bleiben, öffnete Reita diese einfach und trat in das Zimmer.

Nachdem er einfach das Licht eingeschalten hatte, sah er nur zu Aoi, welcher zusammengekauert und aufgedeckt im Bett lag. Es war ein eigenartiger Anblick, aber Reita war dieser nicht fremd.

“Aoi? Pennst du schon?”, ertönte Reita’s Stimme und ein noch breiteres Grinsen machte sich in seinem Gesicht breit, als er Aoi einfach mit einem seiner Kissen beworfen hatte und dieser erschrocken zusammenfuhr. Völlig perplex und verschlafen richtete Aoi sich auf und blickte direkt in Reita’s frech grinsendes Gesicht. Viel lieber wäre er ihm jetzt an die Kehle gesprungen.  Was sollte dieser Unsinn überhaupt? Das dachte auch Aoi in diesem Moment.

“Hast du’s in der Birne, oder wieso tauchst du hier einfach so auf und bewirfst mich mit Kissen?”, fragte Aoi und rieb sich verschlafen die Augen, bevor er überhaupt realisieren konnte, dass Reita schon nach seinem Kissen gegriffen hatte und kichernd aus Aoi’s Zimmer verschwunden war. “Du hast sie doch nicht mehr alle!”, rief Aoi ihm dennoch nach und Reita schien nach Aoi nicht halt machen zu wollen.

Er war darauf auch bei Kai im Zimmer aufgetaucht, hatte ihn darauf ebenfalls gefragt, ob er noch wach sei. Doch vergebens. Auch Kai schien schon zu schlafen und plötzlich musste Reita laut loslachen, sodass er damit Kai geweckt hatte und dieser sich nun völlig verschlafen aufgerichtet hatte.

“Was willst du denn hier? Hast du dich im Zimmer geirrt?”, gähnte Kai darauf und hörte Reita nur wieder lachen. Kai stöhnte genervt und rieb sich die Augen. “Du hast doch‘n Knall. Sieh zu, dass du verschwindest, bevor ich mich vergesse.”, knurrte Kai darauf und bemerkte nun, dass Reita mit seinen Kissen bei ihm im Zimmer stand. Nun verstand er gar nichts mehr und der Gedanke, dass Reita viel zu viel getrunken hatte, schob sich dazwischen.

“Du bist besoffen…”, gähnte Kai kopfschüttelnd und sah Reita weiterhin nur grinsen, bis dieser wieder lachte und es beinahe schon einem Lachanfall glich.

“Nein.”, kicherte Reita und bewarf Kai mit einem seiner Kissen. Er benahm sich beinahe schon wie ein kleiner Junge, der Spaß daran hatte, andere mit seinen Streichen zu ärgern. Kai empfand es im Gegensatz zu Reita weniger lustig und hatte ihm darauf das Kissen direkt ins Gesicht geworfen. Er war eigentlich viel zu müde, als das er noch irgendetwas großartig ausrichten könnte. Kai sah Reita darauf nur abwartend an. “Du stehst ja immer noch hier….und irgendwie nervt es mich.”, murmelte Kai und gähnte darauf nur wieder. Viel lieber würde er jetzt die Augen schließen und einfach wieder einschlafen.

“…sag mal, Kai, schläfst du eigentlich nackt?”, fragte Reita darauf und kicherte wieder. Kai hätte in diesem Moment am liebsten laut losgeschrieen.

“Okay, jetzt reicht es mir…”, sagte Kai und war kurz davor, laut zu werden, wenn Reita noch länger in seinem Zimmer stehen bleiben würde. Im selben Moment, als Kai aufstehen wollte, hatte Reita auch schon fluchtartig und mit einem lauten Lachen sein Zimmer verlassen. Und Kai war irgendwie froh, als Reita endlich wieder verschwunden war. Ihn machte nicht die Tatsache wütend, dass Reita ihn danach fragte, ob er eventuell nackt schlafen würde. Es war eher die Tatsache, dass Reita ihn aus dem Schlaf riss und Kai es nicht sofort schaffte, wieder einzuschlafen, sodass er sich nun in seinem Bett hin- und herwälzte.

“Du bist so ein Arsch…”, murmelte Kai und hatte darauf einfach die Augen geschlossen, in der Hoffnung, er würde von alleine wieder einschlafen.

Währenddessen hatte Reita nun Jasmin’s  Zimmer aufgesucht, in dem er dann auch schon stand. Jasmin, die noch wach dagelegen hatte und an die Zimmerdecke starrte, bemerkte Reita zuerst gar nicht, bis dieser plötzlich kicherte.

“Hallo.”, kicherte er und sah, dass Jasmin ihn bloß teilnahmslos angesehen hatte.

“Hast du dich verlaufen?”, fragte sie dennoch und hatte sich aufgerichtet.

Reita schüttelte grinsend seinen Kopf. “Nö.”, sagte er dann und das Grinsen, welches er in seinem Gesicht trug, wurde immer breiter, dass es fast schon komisch aussah und es Jasmin plötzlich zum Lachen brachte.

“Gott, siehst du eigenartig aus, Reita.”, meinte sie dann, jedoch schienen Reita diese Worte nicht zu beirren. Schließlich war es nur Spaß, trotz, dass Jasmin eigentlich nicht danach war. Nachdem sie mit Uruha geschlafen hatte, schien sowieso alles anders zu sein und nicht nur, weil sie jetzt nicht wusste, wie sie sich ihm gegenüber verhalten sollte. Jasmin’s plötzliches Schweigen machte Reita stutzig, doch machte er sich weiterhin einen Spaß daraus, die Leute mit seinen Kissen zu bewerfen.

Natürlich durfte auch Jasmin daran glauben und bevor sie noch etwas sagen konnte, wurde sie von Reita mit einem Kissen beworfen. Sie hörte Reita darauf nur laut lachen und wahrscheinlich hörte man es sogar bis in den Flur, aber das interessierte Reita nicht. Was mit Reita jedoch plötzlich los war, würde niemand verstehen und wenn, dann würde man es auf den übermäßigen Alkohol schieben.

“Ich hoffe, du hast deinen Spaß daran, die Leute früh am Morgen mit Kissen zu bewerfen?”, fragte Jasmin und Reita bemerkte, dass er mit dieser Aktion nicht bei Jasmin punkten konnte. Denn kaum hatte Reita nach seinem Kissen greifen können, so war Jasmin auf ihn zugestürmt und war ihm auf den Rücken gesprungen, als Reita versuchte, aus dem Zimmer zu flüchten.

“Du denkst wohl, dass du so einfach davonkommst, ja?” grinste Jasmin und zerwühlte Reita’s Haare, während er nur quengelte.

“Geh von mir runter, du bist schwer.”.

Aber wahrscheinlich war selbst dieser Versuch zwecklos. Jasmin zerwühlte umso mehr seine Haare und verpasste Reita, nachdem sie von ihm runterging, einen leichten Klaps auf dem Hinterkopf. “Und vergiss das hier nicht.”, sagte Jasmin dann, nachdem sie Reita’s Kissen aus ihrem Zimmer geholt und ihn damit beworfen hatte. “Und wag es ja nicht, noch mal hier aufzutauchen.”, fuhr sie anschließend fort und verschwand wieder in ihrem Zimmer. Reita, der sich den Kopf rieb, stand nun wie ein dummer Junge, der nicht wusste, wohin er sollte, im Flur . Dieser Anblick verging jedoch rasch und Reita plante bereits sein nächstes “Attentat”, welches er an Uruha ausüben wollte. Und kaum kam ihm dieser Gedanke in den Sinn, so wollte er diesen so schnell wie möglich ausführen.

“Uruha? Bist du noch wach?”, plärrte Reita, nachdem er einfach in Uruha’s Zimmer geplatzt war und diesen dabei beobachten konnte, wie dieser ebenfalls vor sich hinschweigend an die Zimmerdecke starrte. 

“Eh? Ist das dein Ernst?”, reagierte Uruha und verwirrte Reita damit.

“Was?”, reagierte Reita und grinste darauf nur wieder.

“Das du dich benimmst, als hättest du was genommen.”, antwortete Uruha und es schien beinahe so, als würde Reita hier an der falschen Adresse für seine Späße sein. Denn auch Uruha schienen Gedanken zu plagen und Fragen zu quälen. Warum hatte er es getan? Warum, wenn es doch eigentlich verkehrt war?

Uruha, der bei allen anderen den Eindruck hinterließ, sich nicht wirklich mit Jasmin zu verstehen. “Sag mal, du und Jasmin, ihr seid die Einzigen, die noch wach sind. Ist das normal?”, fragte Reita und riss Uruha aus seinen Gedanken.

“Was?”. Reita brachte es zum Lachen, aber nicht dazu, Uruha mit einem seiner Kissen zu bewerfen.

“Gott, warum seid ihr alle nur so verpeilt? Muss ich das verstehen?”, entgegnete Reita und schüttelte seinen Kopf. Auch wenn Reita vielleicht etwas zu viel getrunken hatte, so bemerkte er trotzdem, dass irgendetwas in der Luft lag. Er hatte es Jasmin bereits angesehen und Uruha sah er es genauso an. Das Einzige, was Reita nicht tat, war, das er nachbohrte. Er hielt sich einfach aus diesen Angelegenheiten heraus, obwohl er nicht wusste, was passiert war.

“Würdest du jetzt bitte wieder gehen? Ich würde jetzt gerne schlafen.”, sagte Uruha nur, der auf Reita zukam und diesen ohne weiteres aus seinem Zimmer schob.

“Du solltest auch besser ins Bett gehen, statt hier weiter herumzugeistern.”, meinte Uruha, bevor er einfach seine Tür geschlossen hatte.

Reita stand nun da und überlegte, zu wem er als nächstes gehen sollte. Und das war Ruki. Doch als Reita im Zimmer von Ruki stand, hatte er das Gefühl, eine Bombe hätte eingeschlagen. Überall lagen Klamotten auf dem mit dunklem Teppich ausgelegten Boden und Reita nahm verstärkt den Duft des Parfums wahr, welches Ruki immer benutzte. Gleichzeitig fiel ihm auf, dass Ruki gar nicht anwesend und auch nichts aus der Dusche zu hören war. Und nun fiel Reita ein, wo Ruki sein konnte. Er konnte nur bei Mandy sein und Reita sah von Anfang an, dass Ruki ein Auge auf sie geworfen hatte. Doch dass es wirklich so schnell gehen sollte, wollte selbst Reita nicht begreifen und es brachte ihn dazu, erst recht bei Mandy auftauchen zu wollen. Vielleicht irrte sich Reita auch, als er dann kurze Zeit darauf vor der Zimmertür von Mandy stand. Er lauschte, nahm aber nichts wahr und so riss er grinsend prompt die Tür auf. “Ach du scheiße!”, fuhr er dann auch schon erschrocken auf, als er sah, wie Ruki gerade dabei war, über Mandy “herfallen” zu wollen, wenn beide nicht ruckartig und völlig erschrocken über Reita’s plötzliches Auftauchen voneinander abließen. “Äh…, äh…”, reagierte Reita bloß verwirrt und mit hochrotem Kopf, während Ruki sich stöhnend über das Gesicht fuhr und Mandy sich rasch unter ihrer Decke verkrochen hatte.

“Was machst du hier? Kannst du nicht anklopfen?”, löcherte Ruki Reita und kroch aus dem zerwühlten Bett.

“Das Selbe könnte ich dich auch fragen.”, meinte Reita dann und krallte sich immer noch völlig erschrocken in seine Kissen.

Ruki, der nur sein schwarzes T-Shirt in den Händen hielt und angefangen hatte, damit herumzuwedeln, trug darauf bloß ein aufgesetztes Lächeln auf den Lippen.

“Das geht dich gar nichts an, klar? Und jetzt zieh Leine.”, zischte Ruki und schob Reita darauf aus Mandy’s Zimmer. Reita, der plötzlich lachen musste und es aber rasch verklang, schloss, nachdem er zusammen mit Ruki im Flur stand, die Tür und drückte Ruki unsanft, beinahe schon grob dagegen.

 

“Ich habe zwar etwas zu viel getrunken, aber immerhin weiß ich noch, was ich da eben gesehen habe. Ruki, was soll das? Bist du noch ganz dicht?!”, zischte Reita darauf und schüttelte dabei energisch seinen Kopf.

“Ich hatte dir eben schon mal gesagt, dass es dich nichts angeht.”, sagte Ruki und blickte in Reita’s Gesicht. Er sah ihm deutlich an, dass Reita es nicht in Ordnung fand, was Ruki da tat.

Und  Reita nahm darauf prompt Ruki’s Gesicht zwischen seine Hände und sah ihn unverstanden an. “Du machst einen großen Fehler. Sie ist eine unserer Stylisten und nicht etwa irgend’ne Tussi, die du eben mal umlegen kannst. Das kann Ärger geben, für dich und für sie.”, sagte Reita darauf. Natürlich machte er sich in diesem Moment mehr als nur einen Kopf darum, dass das, was vielleicht zwischen Ruki und Mandy lief, rauskommen und dass es für Ärger, oder vielleicht sogar  für Schlimmeres sorgen könnte. Es ging ihm dabei nicht nur um einen eventuellen Rausschmiss für Mandy, bei dem gar ihre Schwester vielleicht mit hineingezogen werden könnte, sondern auch um den Ruf der Band und vielleicht schien genau das Ruki in diesem Moment nicht zu realisieren.

 

“Habe ich gesagt, dass ich sie umlegen will, oder dass ich es bereits getan habe, nur weil ich mich etwas vergnüge? Wenn du deine Klappe hältst, wird auch nichts davon herauskommen. Oder bist wirklich so scharf darauf,  tratschen zu gehen?”, fragte Ruki und strich Reita’s Hände aus seinem Gesicht. 

“Und seit wann bist du so verbohrt? Sonst war es dir auch immer scheißegal, wenn ich mich vergnügt habe.”, fuhr Ruki daraufhin fort und sah Reita abwartend an. Reita lachte.

“Ich bin nicht verbohrt und mir ist es auch nie scheißegal gewesen, wenn du unbedingt den Stecher spielen musstest. Denkst du zur Abwechselung auch mal daran, dass es eventuell den Ruf der Band schaden könnte? Oder bist du wirklich so dauergeil, dass du dir jedes Mal eine andere Tussi krallen und sie die halbe Nacht durchvögeln musst? Und muss es dieses Mal wirklich eine unserer  Stylisten sein?”, fragte Reita darauf und sah Ruki dabei beinahe schon fassungslos an. Ruki kannte Reita gut genug und er wusste, dass dieser auch ernst sein konnte, wenn er nicht gerade am herumalbern war. Aber musste es ausgerechnet jetzt sein? Musste es ausgerechnet in dieser Nacht sein?

Ruki grinste und schob Reita von sich. “Mir kommt es beinahe schon so vor, als wärst du eifersüchtig, Reita. Kommt das im Suff öfters bei dir vor?”.

Es hinterließ fast schon den Eindruck, als wolle Ruki Reita provozieren, wenn nicht plötzlich Mandy die Tür geöffnet hätte und mit dem Sekt, den Ruki mitgebracht hatte, in den Flur getreten war. “Es ist besser, wenn ihr beiden jetzt ins Bett geht. Ich werde auch schlafen gehen. Wir sehen uns in ein paar Stunden wieder.”, erklärte Mandy, die die Sektflasche auf den Boden abstellte und wieder in ihrem Zimmer verschwand. Man hörte nur noch, wie sie ihre Tür von innen abgeschlossen und die beiden Jungs davor stehen gelassen hatte. Ruki stützte sich darauf mit beiden Händen an der dunkelbraun lackierten Tür ab und hinterließ den Eindruck, er müsse sich irgendwo abstützen, um nicht jeden Moment umzufallen. Dabei kochte der 25jährige innerlich und er begriff nicht, warum Reita ihn nicht einfach das machen ließ, was er wollte. “Wie war das, du willst dich vergnügen?”, grinste Reita fast schon schadenfroh, als er Ruki darauf beobachten konnte, wie dieser sich sein schwarzes T-Shirt übergezogen und nach der Sektflasche griff. Er murmelte dabei irgendetwas vor sich hin, was Reita allerdings nicht verstand und vielleicht war es auch besser so.

“Das war das erste und letzte Mal, dass du mir meinen Abend versaust!”, zischte Ruki dann, während er Reita einen wütenden Blick zuwarf, als dieser immer noch grinste. Natürlich war der Abend, oder besser gesagt die Nacht, für Ruki gelaufen und doch stellte er sich plötzlich die Frage, was mit ihm los war. Mit einem Mal sehnte er sich nach Nähe, dass es ihn beinahe schon verrückt machte und er dabei wie ein kleiner, verwirrter Junge aussah, der nicht wusste, was er jetzt machen sollte.

Reita, der schweigend neben Ruki lief und dabei immer noch die Finger in seine Kissen krallte, als wolle man sie ihm wegnehmen, bemerkte sofort, dass Ruki etwas zu beschäftigen schien. Er kannte Ruki lange und um genau zu sein, war es mittlerweile eine halbe Ewigkeit. Ruki war in gewisser Hinsicht wie ein kleiner Bruder für Reita und vielleicht kannte er Ruki auch schon besser, als dieser sich selbst und genau aus diesem Grund würde Ruki ihm auch nichts vormachen können, wenn er sagen würde, dass alles in Ordnung war.

“Ruki, warte mal…”, sagte Reita dann auf einmal und blieb inmitten des Ganges stehen, während er kurz an die mit hellen Lampen versehene Decke starrte, bevor er seinen Blick wieder auf Ruki sinken ließ.

Ruki sagte nichts. Er sah nur müde in Reita’s Gesicht, während er sich dabei nervös auf die Unterlippe biss.

“…ich wollte dich nicht so anfahren. Du bist alt genug, um zu wissen, was du tust. Ich habe nur Angst, wenn es wirklich rauskommen würde, dass wir uns vor Ärger kaum retten können.”, fuhr Reita anschließend fort, während er weiterhin in Ruki’s Gesicht, welches in diesem Moment mehr als nur teilnahmslos wirkte, blickte.

“Aha.”, bemerkte Ruki und strich sich einige braune Haarsträhnen, die ihm ins Gesicht fielen, weg und klemmte anschließend die halbvolle Sektflasche unter seinen rechten Arm. Reita trat währenddessen ein Stückchen näher an Ruki heran, mit dem Gefühl, dass dieser ihm nicht richtig zuzuhören schien.

“Nimm mich bloß nicht für voll.”, sagte Reita  und schien fast schon beleidigt zu sein. Ruki lachte gespielt. “Erst hü, dann hot, nicht wahr?”.

Das verstand Reita nicht auf Anhieb, woraufhin er Ruki wie einen dummen Jungen angesehen hatte.

“Weißt du überhaupt, was du willst? Erst fährst du mich an und jetzt lässt du solche Sprüche gucken. Das kotzt mich an. Das kotzt mich einfach nur an, Reita.”, meinte Ruki darauf und seufzte, hielt darauf einen Moment lang inne, bevor er weiterreden wollte. “Merkst du das überhaupt noch?”, fragte Ruki und sah Reita darauf abwartend an. “Und ich frage mich gerade, was du hier für eine Show abziehst. Ruki, ich mache mir Sorgen um dich, kapierst du’s nich’, oder was?”, zischte Reita, der seine Kissen auf den Boden warf und sich auf Ruki zubewegte. “Kapierst du nich’, dass ich mich für vorhin bei dir entschuldigen möchte? Und warum lässt mich das Gefühl nicht los, dass, wenn du einem Weib begegnest, ein völlig anderer Mensch wirst? Wo bleibt dann der Ruki, den ich damals kennen gelernt habe? Wo bleibt der kleine Taka-chan?”. Es schien fast so, als wollte Reita bei seinen Worten in Tränen ausbrechen. Doch er war einfach nur außer sich, dass er es schon selbst gar nicht mehr wahrnahm. Ruki lachte und musste sich dabei zusammenreißen, um nicht laut zu werden.

Er fand Reita’s Worte lächerlich, obwohl sie eigentlich die Wahrheit sprachen.

Eine Wahrheit, die Ruki vielleicht nicht wahrhaben wollte - wenn es ihn nicht plötzlich wie einen Blitz traf, der ihn schlagartig zusammenfahren ließ.

Dabei war es nur Reita’s verzweifelter Blick, den er seit langer Zeit das erste Mal wieder zu Gesicht bekam.

Rasch senkte Ruki seinen Kopf, um Reita nicht mehr länger ansehen zu müssen.

“Weißt du,…”, begann Ruki und starrte dabei den dunklen Teppichboden an, als schien dieser ihn zu hypnotisieren.

“…versetz dich doch einmal in meine Lage, Reita. Wie würdest du dich fühlen, wenn  du dich Nacht für Nacht in deinem Bett wälzt und dich ständig dabei fragst, warum du hier alleine liegst?”, fragte Ruki darauf und blickte nun wieder in Reita’s Gesicht.

“Wahrscheinlich beschissen.” meinte Reita und ließ sich auf einem seiner Kissen nieder. “Siehst du. Du würdest dich beschissen fühlen.”, sagte Ruki mit einem flüchtigen Lächeln auf den Lippen. “Aha, deswegen krall ich mir auch gleich die nächstbeste Tussi, ja? Sehr einfallsreich, Ruki.”, bemerkte Reita und seufzte darauf.

Ruki verleierte genervt seine Augen. Begriff Reita denn immer noch nichts?

“Irgendwie hat es keinen Sinn, weiter mit dir darüber zu diskutieren. Du kapierst es einfach nicht. Gute Nacht.”, sagte Ruki und wollte soeben weitergehen, wenn Reita nicht aufgesprungen wäre und ihn am Gehen gehindert hätte.

Reita hatte Ruki an den Schultern gepackt und in seine Blickrichtung gedreht.

“Wie soll ich dich verstehen,  wenn wir nicht ständig dabei wären, aneinander vorbei zu reden?”, fragte Reita dann und sah Ruki lächeln.

Es war ein Lächeln, welches rasch wieder verblasste.

“Reita, ich fühle mich ganz einfach nur einsam.”, sagte Ruki dann einfach und löste sich von Reita, der nun wieder nach seinen Kissen gegriffen hatte.

“Reichen wir dir nicht aus?” fragte Reita weiter und hörte Ruki bloß auflachen.

“Das was ich meine, hat damit nichts zu tun. Ich will mich einfach wieder unsterblich verlieben, es ist schon so lange her. Und irgendwie habe ich auch das Gefühl, schon gar nicht mehr zu wissen,  wie es ist, sich richtig zu verlieben.”, erklärte Ruki mit gesenktem Kopf und brachte Reita ein Lächeln auf die Lippen.

Er musste darauf  plötzlich loslachen und hatte seinen Kopf dabei geschüttelt.

“Daher weht also der Wind…”, bemerkte Reita nur und somit war das Thema nun endlich vom Tisch. Hätte Ruki nicht einfach das gesagt, was er dachte, so hätten Reita und er vielleicht immer noch diskutiert. Doch das war nun endlich vorbei.

 

Mit den Worten “Wir sehen uns in ein paar Stunden” hatte Ruki sich dann anschließend von Reita verabschiedet, seither waren Stunden vergangen und der angrauende Morgen nahm immer mehr Gestalt an.

 

Irgendwo hörte man das laute Gelächter von Kai, welches durch den Flur hallte. Trotz, dass auch er am Abend zuvor zu viel getrunken hatte, so schien er doch keinen Kater zu haben. Er stand vor Jasmin’s Zimmertür, die er ohne anzuklopfen geöffnet hatte und hereingeplatzt war. Es war noch dunkel und der vermehrte Duft von Frauenparfum lag in der Luft.

“Jasmin? Bist du schon wach?”, ertönte Kai’s sanfte Stimme, die Jasmin jedoch nicht wahrzunehmen schien. Es brachte Kai lediglich dazu, sich auf Jasmin’s Bett niederzulassen und sie schweigend von der Seite zu betrachten. Unmöglich konnte er sie wecken, denn er war viel zu fasziniert von ihrer schlafenden Gestalt.

Er lächelte und streichelte mit seiner rechten Hand über den nackten Oberarm, welcher aus der Bettdecke hervorlugte. Vielleicht würde Jasmin dadurch jeden Moment aufwachen.

“Du musst aufstehen.”, flüsterte Kai nun, als er beobachtete, wie Jasmin erschrocken zusammenzuckte und nun langsam die Augen öffnete.

“Was?”, stöhnte Jasmin und streckte ihre Beine von sich, während sie die Augen dabei zugekniffen hatte und dies sehr amüsant aussehen ließ.

“Du musst aufstehen.”, wiederholte Kai lächelnd, als er vom Bett runterging und sich zu den großen Zimmerfenstern bewegte, deren Vorhänge er aufgerissen hatte und das Zimmer damit ein wenig erhellte.

“Wie spät ist es denn?”, fragte Jasmin gähnend weiter, nachdem sie sich endlich aufgerichtet und sich müde die Augen gerieben hatte.

“Es ist kurz nach zehn.” antwortete Kai und beobachtete Jasmin nur dabei, wie diese sich seufzend in ihre Kissen zurücksinken ließ.

“Okay,…”, sagte Jasmin leise und blickte von ihrem Bett aus nach draußen. Es regnete und das Grau der Wolken ließ alles viel dunkler und irgendwie trauriger  erscheinen. Und alles ging darauf schleppend voran, da man auch verzweifelt versuchte, Reita aus seinem Bett zu bekommen. Doch dieser schien wie tot und es hatte beinahe schon den Anschein, als würde man ihn auch nicht so schnell wieder wach kriegen. Aber das war eher weniger das Problem von Mandy und Jasmin, sondern eher von Yoriko, welche an diesem Morgen zusammen mit Mitsuyo angereist war und sich nun damit abmühen durfte, Reita wach zu bekommen. Jasmin war mehr mit sich beschäftigt und würde sich anschließend Kai widmen. Niemand fragte an diesem Morgen, was mit ihr los war und warum sie die ganze Zeit über schwieg. Niemand wagte es, sich ihr zu nähern, aus Angst, vielleicht etwas Falsches zu sagen. Nicht einmal Kai hatte sie gelöchert, er hatte  auch nicht versucht, sie irgendwie aufzumuntern, denn er hatte das Gefühl, dass es dieses Mal fehl am Platze schien.

Und doch ließ es ihm einfach keine Ruhe und er wurde plötzlich nervös, begann zu zappeln. “Halt doch mal still.”, sagte Jasmin, die Kai’s Gesicht nun mit der linken Hand festhielt, während ihr aus der anderen der Lidschattenpinsel fiel.

“Was ist los mit dir?”, fragte sie nachdem sie den Pinsel vom Boden aufgehoben und anschließend in Kai’s Gesicht geblickt hatte.

Ein flüchtiges Lächeln huschte ihm über die Lippen.

“Was ist mit dir los?”, antwortete er mit einer Gegenfrage und zog Jasmin, die sich verzweifelt dagegen zu wehren versuchte, zu sich auf den Schoß.

“Was soll mit mir sein? Ich habe schlecht geschlafen, dass ist alles.”, meinte Jasmin seufzend. “Sicher?”, fragte Kai weiter und sah Jasmin darauf nur nicken. Sie konnte ihm unmöglich sagen, dass Uruha der Grund dafür war, dass sie sich an diesem Morgen so schlecht fühlte und sich viel lieber den ganzen Tag in ihrem Hotelzimmer verkriechen wollte. Kai würde es vielleicht nicht verkraften, denn wie es schien, hing er viel zu sehr an Jasmin, als das er sich einfach damit abfinden würde. Jasmin nickte und befreite sich aus Kai’s Fängen.

“Ziemlich sicher und jetzt halt endlich still.”, meinte Jasmin dann und wollte ihrer eigentlichen Arbeit nachgehen, wenn Kai sie nicht wieder daran gehindert hätte und sie abwartend ansah. Was wollte er denn noch?

Was verlangte er für eine Antwort?

“Kai, lass das.”, sagte Jasmin, nachdem Kai diese einfach an den Handgelenken festgehalten und sie erneut zu sich herangezogen hatte. Er schüttelte seinen Kopf.

“Irgendetwas stimmt heute nicht mit dir. Ich sehe es dir an.”, meinte Kai und sah ein flüchtiges Lächeln über Jasmin’s Lippen huschen. Ihr war das alles schon wieder zu viel und sie wollte einfach nur weg. Weg von all dem hier und vor allem weg von Uruha. Ja, ihre Gedanken kreisten plötzlich nur um Uruha und schlagartig rollte ihr eine Träne nach der anderen über das blasse Gesicht.

“Hey, alles in Ordnung? Was hast du denn?”, fragte Kai darauf und war erschrocken von seinem Stuhl aufgesprungen. Jasmin schüttelte jedoch nur energisch ihren Kopf und war darauf fluchtartig aus dem Zimmer gestürmt.

Kai fuhr sich über das Gesicht, sein Blick hing immer noch erschrocken an der Tür, durch die Jasmin eben geflüchtet war.

“Was ist nur los mit dir? Wieso redest du nicht mit mir?”, murmelte Kai vor sich hin, als plötzlich die Türe aufging und Ruki grinsend im Zimmer stand.

Er bemerkte sofort, dass irgendetwas nicht stimmte. Zu deutlich konnte man Kai diese Tatsache ansehen, als dass man sich irren würde.

“Bist du einem Geist begegnet, oder weshalb siehst du so erschrocken aus?”, bemerkte Ruki und sah abwartend in Kai’s Gesicht.

“Hast du Jasmin gesehen?”, fragte dieser aber nur und bewegte sich zur Tür, deren Klinke Kai auch sofort in die Hand nahm, während er Ruki abwartend dabei angesehen hatte. Ruki schüttelte seinen Kopf. “Nein, ich habe niemanden gesehen. Du bist der erste, den ich heute zu Gesicht kriege.”, meinte Ruki seufzend und warf einen Blick in den Kommodenspiegel. Als er sich wieder in Richtung Tür drehte, war Kai bereits verschwunden. Er machte sich Sorgen, zu viele Gedanken um Jasmin, als das er jetzt einfach seelenruhig dasitzen und sich stylen lassen könnte. Kai würde es vielleicht gar nicht aushalten, einfach nur still da zu sitzen, wenn er wusste, dass irgendetwas nicht stimmte. Und sein erster Gedanke war darauf Uruha. Ja, Uruha könnte wohlmöglich der Grund für Jasmin’s Verhalten sein. Das dachte Kai jedenfalls und hatte nichts anderes mehr im Sinn, als Uruha aufzusuchen, egal, ob er gerade gestylt wurde, oder nicht. Verzweifelt suchte er jedes einzelne Zimmer ab, bis Uruha ihm darauf auch schon regelrecht in die Arme gelaufen war.

“Suchst du jemanden?”, fragte Uruha und blickte verwundert in Kai’s Gesicht.

“Das hat sich eben erledigt.”, meinte Kai und hatte dabei seine Hände in die schmalen Hüften gestützt, während er Uruha dabei ernst ansah. “Aber,…”, begann Kai darauf und hielt einen Moment lang inne. “…was hast du mit Jasmin gemacht?”, fragte er dann auch schon und sah, wie Uruha bei dieser Frage erschrocken zusammenfuhr und ein beinahe schon entsetztes Gesicht machte. Er überspielte es aber rasch mit einem lauten Lachen.

“Was soll diese Frage denn? Ich habe sie gestern in der Hotellobby das allerletzte Mal gesehen.”, sagte Uruha, der auch nicht wirklich begriff, worauf Kai eigentlich  hinauswollte. Hatte Jasmin ihm vielleicht etwas erzählt? Unmöglich.

“Sie ist den ganzen Morgen schon so komisch.” meinte Kai, dessen Blick immer noch abwartend an Uruha hing.

“Und daran soll ich schuld sein?” fragte Uruha und trug dabei einen beinahe schon wütenden Blick im Gesicht. Er verstand nicht, warum man ihn beschuldigen wollte.

Die Wahrheit sah allerdings  ganz anders aus. Natürlich war er schuld, doch sah er keinen Grund dazu, jemanden davon wissen zu lassen.

“Schon mal daran gedacht, dass sie sich eventuell mit ihrer Schwester gestritten oder vielleicht einfach nur schlecht geschlafen hat?”, fragte Uruha dann weiter.

Kai schüttelte aber nur seinen Kopf und seufzte.

“Das glaube ich eher weniger. Aber wie dem auch sei,…”, sagte Kai mit einem skeptischen Blick und hielt darauf erneut einen Moment lang inne. “…ich behalt dich im Auge.”, fuhr er anschließend fort und ging nun wieder seine Wege, versuchte Jasmin zu finden und vielleicht etwas von ihr zu erfahren.

Uruha stand nun wie eine Axt im Wald da, sein Blick dabei erinnerte an einen dummen Jungen. Sein Herz begann zu rasen, sodass es gar schmerzte und Uruha ruckartig zusammenfuhr. Er schien plötzlich Angst zu haben. Ja, Uruha hatte Angst, dass Kai eventuell etwas erfahren könnte. Das er das erfahren könnte, was niemand erfahren durfte. “Uruha? Alles in Ordnung?”, ertönte eine tiefe Männerstimme neben Uruha und ließ diesen erschrocken zusammenzucken. Als Uruha sich darauf umsah, blickte er in das freundlich lächelnde Gesicht von Mitsuyo.

“Alles in Ordnung?”, fragte dieser nochmals und sah Uruha nur nicken.

Zur gleichen Zeit versuchte Yoriko Reita immer noch aus dem Bett zu kriegen, doch das Einzige was sie  von ihm zu hören bekam waren Worte wie “Noch fünf Minuten…”, oder einfach nur ein müdes Gestöhne.

Verzweifelt seufzte die junge Stylistin und hatte ihre Hände in die Hüften gestützt, als plötzlich jemand in das Zimmer kam.

“Der pennt ja immer noch.”, ertönte Ruki’s Stimme und brachte Yoriko dazu, sich zu Ruki umzudrehen, während dieser ihr nur frech entgegengrinste.

“Darf ich fragen, was ihr gestern noch gemacht habt?”, fragte Yoriko und sah Ruki abwartend an. Ruki jedoch schüttelte immer noch grinsend seinen Kopf und bewegte sich auf Reita’s Bett zu, auf das er sich auch sofort niederließ.  Er blickte in Reita’s schlafendes Gesicht. Ruki hatte darauf seine Hände nach Reita’s Gesicht ausgestreckt und kniff diesem dann in die Wangen.

Man konnte nur wieder ein Stöhnen wahrnehmen, worauf Ruki ihm die Decke wegnahm und selbst das Reita nicht zu stören schien.

“Ey, du Penner, steh gefälligst auf!”, plärrte Ruki. Nichts.

“Okay, ich bin gleich wieder da.”, sagte Ruki und verschwand darauf aus Reita’s Zimmer. Yoriko seufzte, blickte zu Reita  und anschließend wieder zur Tür.

Es waren kaum fünf Minuten vergangen, als Ruki mit einem noch breiteren Grinsen wieder im Zimmer stand.

“Jetzt geht’s dem Reita an die Nudel.”, kicherte Ruki, welcher  zwei Eiswürfel in der rechten Hand hielt und sich damit auf Reita zu bewegte.

“Du willst ihm doch nicht wirklich…”, Yoriko stoppte ihren Satz, als sie Ruki dabei beobachtete, wie dieser erneut zu Reita auf das Bett kroch und ihn prüfend angestarrte hatte. Er grinste, als seine linke Hand etwas am Bund der bordeauxfarbenen  Boxershorts, die Reita trug, zog und ihn darauf immer höher zog.

 

“Ruki, dass ist nicht dein Ernst…” stammelte Yoriko, deren Gesicht bei diesem Anblick puterrot angelaufen war.

“Oh doch.”, bemerkte Ruki flüsternd und steckte Reita darauf hastig beide Eiswürfel in die Boxershorts. “Und jetzt raus hier.”, fuhr Ruki anschließend fort, nachdem er von Reita’s Bett gekrochen war, Yoriko an der Hand hinter sich aus dem Zimmer zerrte und sich das rasende Gefühl bei beiden ausbreitete, als würde jeden Moment einen Bombe hochgehen. “Warum steht ihr wie Ölgötzen in der Gegend rum?”, bemerkte Mandy, die darauf zusammen mit Aoi vor den Beiden stand.

“Ähm,…”, stammelte Yoriko und schielte dabei zu Ruki, der in diesem Moment genau wie Yoriko, puterrot angelaufen war.

“Was habt ihr schon wieder angestellt?”, fragte Aoi, der zu merken schien, dass irgendetwas nicht in Ordnung war und kaum waren zwei Minuten vergangen, ertönte ein lauter Schrei aus Reita’s Zimmer.

Erschrocken zuckten alle zusammen und  Reita’s lauter Schrei veranlasste Aoi sofort dazu, reflexartig zur Tür zu stürmen, die er auch sofort aufgerissen hatte. Sein Blick hing sofort an Reita, welcher sich im gleichen Moment seine Boxershorts heruntergezogen hatte.

“Ach du scheiße!”, bemerkte Aoi, der sofort die Türe wieder geschlossen hatte und in die verwunderten Gesichter der anderen blickte.

“Was war denn?”, fragte Mandy und sah darauf in Aoi’s rot angelaufenes Gesicht.

“Er hat sich eben die Boxershorts heruntergezogen…”, stotterte Aoi, worauf Ruki in schallendes Gelächter ausgebrochen  und Reita kurz darauf in den Flur getreten war.

Man sah ihm deutlich an, dass er wütend war.

“Ihr seid solche Arschlöcher!”, zischte er.

Und Ruki, der immer noch laut lachend im Flur stand, konnte sich kaum noch auf den Beinen halten. Doch als er sah, wie wütend Reita ihn angestarrte hatte, verstummte sein Lachen schlagartig. Er dachte, sofort im Erdboden versinken zu müssen, als Reita ihn so angesehen hatte.

“Du wirst bereuen, dass getan zu haben, Ruki!”, wurde Reita laut, worauf er auch kurz in die Gesichter der anderen geblickte hatte und anschließend Türe knallend wieder in seinem Zimmer verschwand. Wahrscheinlich würde er auch kein einziges Wort mit Ruki reden, denn das, was Ruki getan hatte, war ihm zu viel und überhaupt schien bereits an diesem Morgen alles schief zu laufen.

“Was  habt ihr angestellt?”, fragte Aoi und sah dabei Ruki abwartend an.

Ein flüchtiges Lächeln huschte ihm über die Lippen, während Yoriko ihren Kopf senkte.

“Ich hab ihm Eiswürfel in die Boxershorts gesteckt.”, antwortete Ruki kleinlaut und wahrscheinlich lief er nun selbst rot an.

Aoi grinste. “…dann würde ich an deiner Stelle aufpassen, dass er sich nicht auf die gleiche Art und Weise an dir rächt.” .

Ruki winkte mit den Worten “Der kriegt sich schon wieder ein.” ab und trat weiter in den Flur, blickte dabei kurz zu Mandy und verschwand anschließend in Richtung Fahrstuhl. “Und was machen wir jetzt?”, fragte Yoriko, die wie ein dummes Mädchen angelehnt an der Wand neben Reita’s Zimmertür stand. Aoi zuckte mit seinen Schultern, während er an seinem schwarzen Blazer herumzupfte.

“Ihr  sollet  in die Lobby gehen, die anderen warten sicherlich auch schon. Ich kümmere mich um Reita, schließlich muss er noch gestylt werden.”, meinte Mandy, die sich Reita’s Zimmertür genähert hatte.

“Okay.”, sagte Yoriko leise und verschwand anschließend mit Aoi in Richtung Fahrstuhl. Mandy stand daraufhin einige Minuten wartend vor Reita’s Zimmertür, bevor sie anklopfte und einfach in Reita’s Zimmer getreten war. Aus der Dusche hörte man deutlich das laute Geräusch prasselnden Wassers und Reita’s lautes Fluchen. Reita schien sehr wütend geworden zu sein, was klar verständlich für Mandy war. Man hatte ihm Eiswürfel in die Boxershorts gesteckt und dies schien mehr als nur unangenehm für den 25jährigen Bassisten gewesen zu sein. Dabei fragte sich Mandy, warum selbst Ruki nicht einmal Halt vor gewissen Dingen machen konnte. Es erinnerte sie an Streiche eines kleinen Jungen, der Spaß an den Schaden anderer hatte. Ja, und auf gewisse Art und Weise enttäuschte es Mandy.

Allerdings stellte diese im Moment des Schwelgens ihrer Gedanken fest,  dass Reita’s Zimmer sehr ordentlich für seine  Verhältnisse war, im Gegensatz zu dem, was sie bei Aoi zu sehen bekam. Aoi’s Zimmer glich beinahe schon einem Chaos aus Klamotten, die auf dem Boden lagen und einem zerwühlten Bett. Reita’s Zimmer hingegen war bereits komplett aufgeräumt, und Mandy bildete sich ein, vermehrt den Duft von Männerparfum wahrzunehmen. Sie war verwundert, denn Reita war immer derjenige, der selten Parfum benutzte und doch war es irgendwie sehr angenehm.

“Was machst du denn hier?”, riss Reita’s Stimme Mandy aus ihren Gedanken, als er nur in schwarzer Boxershorts bekleidet aus der Dusche kam.

Mandy lächelte schüchtern. “Du musst noch gestylt werden.”.

“Sind die anderen schon fertig?” fragte Reita weiter, während er versuchte seine Haare mit einem der Hotelhandtücher trocken zu rubbeln. Er sah Mandy nur zögernd nicken und ein leises “Ja.” huschte ihr dabei über die Lippen.

“Ich zieh mich an, hol du dein Zeug.”, meinte Reita tonlos und sah Mandy erneut nicken. Sie war darauf auch schon hastig aus seinem Zimmer verschwunden und hatte es in kurzer Zeit darauf wieder betreten.

Es war plötzlich so seltsam. Alles war seit dem gestrigen Abend seltsam geworden, ohne, dass man es selbst gar nicht realisieren wollte.  Es war eine Tatsache, die Mandy  wenige Minuten später während ihrer Arbeit an Reita zum Schweigen brachte.

“Worüber denkst du nach? Du bist so still.”, meinte Reita,  als er einen kurzen Blick aus dem Hotelfenster warf. Es regnete immer noch und der Regen schien sich erbarmungslos über die Erde ergießen zu wollen. Mandy zuckte erschrocken zusammen, ließ dabei das Schminkschwämmchen, welches sie in der rechten Hand gehalten hatte, fallen. “Was? Nein.”, reagierte  Mandy verwirrt und brachte Reita zum Lachen.

“Wie süß, da ist aber jemand verwirrt.”, meinte Reita kopfschüttelnd und griff nach dem Schwämmchen vor seinen Füßen. “Was hat Ruki mit dir angestellt, hm?”, fragte Reita anschließend und drückte Mandy das Schwämmchen zurück in die  Hand. Mandy sah Reita darauf an, als würde sie nicht wissen, wovon Reita redete. Dabei wusste sie genau, was er meinte. Es war eine bewusste Anspielung auf gestern Abend, die Mandy soeben mit einem Lächeln betrachtete, während sie in Reita’s  Gesicht blickte.

“Ich weiß ganz genau, dass du wütend auf Ruki bist und ich kann es verstehen. Aber ich würde dich trotzdem bitten, nicht schlecht über Ruki zu reden. Im Innern ist er wahrscheinlich immer noch ein kleiner Junge, der versucht, den Ernst des Lebens zu verdrängen.”, sagte Mandy und hielt einen Moment lang inne. “Ihr seid doch Freunde, oder?”, fragte sie dann und sah Reita abwartend an. Er sah in diesem Moment sehr nachdenklich aus, ein Blick, den Mandy oft schon auf Bildern sah.

Reita seufzte und versuchte dabei eine Möglichkeit zu finden, sich richtig auszudrücken.

“Ich kenne diesen Knallkopf schon länger als fünf Jahre und trotzdem ist das kein Grund, anderen Leuten Eiswürfel in die Unterwäsche zu stecken. Ich weiß nicht, was in Ruki’s Kopf momentan vorgeht und eigentlich will ich es auch, denn ich würde es nicht verstehen können. Seine Gedanken und Gefühle…sie sind mir manchmal viel zu wirr.” erklärte Reita, während sein Blick starr zum Fenster gerichtet war.

“Reita,…” begann Mandy, welche sich schließlich vor Reita hinhockte und sich an seinen Knien festhielt, um Halt zu finden. “…du machst dir Sorgen um Ruki, nicht wahr? Vielleicht solltet ihr einfach mal miteinander reden.” fuhr Mandy fort und sah Reita’s in Gedanken schwelgenden Blick. Es brachte sie zum Lächeln.

“Reden. Es würde nur wieder wie gestern enden.” meinte Reita, welcher nun wieder in Mandy’s Gesicht blickte. Prompt berührte er mit seinen Händen ihr Gesicht und schüttelte seinen Kopf.  “Wir würden nur streiten und vielleicht soll es ja auch so sein.” fuhr Reita fort. Doch Mandy brachten seine Worte weiterhin zum Lächeln. “Ich weiß nicht, was gestern noch vorgefallen sein muss. Aber ich weiß, dass ihr momentan sehr viel Stress habt. Ihr hockt beinahe schon vierundzwanzig Stunden am Tag aufeinander. Es ist normal, wenn man sich da streitet.” erwiderte Mandy, die Reita’s Hände aus ihrem Gesicht strich und wieder aufgestanden war. “Versucht wenigstens miteinander zu reden, statt euch jetzt pausenlos anzuschweigen. Ihr habt euch doch lieb, oder nicht?” fragte Mandy mit einem schüchternen Lächeln auf den Lippen, bevor sie ihre eigentliche Arbeit fortführte.

Reita antwortete nicht auf ihre Frage. Er meinte darauf nur “Wenn er etwas tut, was du nicht willst, dann kleb ihm eine.” und schwieg die restliche Zeit.

Wahrscheinlich war es wieder eine Anspielung auf das, was gestern zwischen Ruki und ihr vorgefallen war. Es war das, was Reita ungewollt zu sehen bekam…

  Zur gleichen Zeit hatte Ruki seinen Spaß dabei, sich laut lachend darüber zu äußern, wie er Reita ohne Zögern Eiswürfel in die Boxershorts steckte und Reita fast den Eindruck hinterlassen hatte, jeden Moment erbarmungslos auszurasten.

“…und dann hatte er geschrieen, als wäre er einer Leiche begegnet.”, teilte Ruki Kai und Uruha von dem Geschehen, welches sie mit einem Lächeln betrachteten, mit und brach erneut in lautem Gelächter aus.

“Kann es vielleicht sein, dass du schadenfroh bist, Ruki?”, fragte Kai lächelnd und dieses kurz darauf verstummte, als sie Reita zusammen mit Mandy die Hotellobby betreten sahen und Ruki dies in seinem lauten Gelächter nicht zu realisieren schien.

“Sein Blick sah darauf einfach nur genial aus. Vor allem, Aoi ist in sein Zimmer gestürmt und Reita hatte genau in diesem Moment seine Hose runtergelassen.”, fuhr Ruki lachend fort, als er plötzlich einen unsanften Druck auf seinen beiden Schultern spürte. Als Ruki sich erschrocken umdrehte, blickte er in Reita’s wütendes Gesicht.

“Du bist schon fertig? Das ist ja toll. Yoshi hatte uns eben mitgeteilt,  dass unser TV-Auftritt um einige Stunden verschoben wurde und wir erst zu einem Photoshooting müssen.”, erklärte Ruki mit einem flüchtigen Lächeln auf den Lippen und befreite sich fluchtartig aus Reita’s Fängen.

“Ich hoffe, du machst dir einen Spaß daraus, dich über mich lustig zu machen?” fragte Reita mit einem aufgesetzten Lächeln im Gesicht. Ruki antwortete  nicht auf diese  Frage und auch die anderen flehten regelrecht darum, endlich mit diesem Thema aufzuhören und sich wie “erwachsene” Menschen zu benehmen. Wenig später, nachdem man auch Jasmin endlich gefunden hatte, hatte man sich auf den Weg in die alte Fabrik gemacht, in der die Photoaufnahmen stattfinden sollten. Die Zeit darauf verging wie im Flug und auch die Jungs waren an diesem späten Nachmittag zufrieden mit den Photoergebnissen. Das Einzige Problem waren Ruki und Reita. Auch wenn es vielleicht gestern noch den Anschein hatte, alles wäre in Ordnung, so war diese Tatsache wie ein Spiegel in tausend Scherben zerbrochen und diese klirrend zu Boden gefallen. Sie waren seither ständig dabei, sich irgendwelche Sprüche an den Kopf zu werfen. Selbst während des TV-Auftritts von BARKS für die Werbung der im Juni erscheinenden DVD des Tourfinales der “Decompomsition Beauty” - Tour hatten die Beiden nichts Besseres zu tun, als sich anzuschweigen oder man das Gefühl hatte, dass sie sich jeden Moment die Köpfe einschlagen wollten.

Nachdem sie dann den Auftritt, welcher sich im Endeffekt doch als sehr amüsant herausstellte,  hinter sich gebracht hatten, waren sie nun tatkräftig dabei, es sich bei der danach stattgefundenen After-Show-Party richtig gut gehen zu lassen. Nur Aoi war seither  anderweitig beschäftigt. Schon den ganzen Morgen hatte er herumgenörgelt, während Mandy ihn stylen durfte, dass er  mal wieder in einem CD-Laden herumstöbern könnte und Mandy fragte, ob sie ihn begleiten würde. Natürlich hatte sie ihm zugesagt, denn vielleicht würde ihr diese Abwechslung auch ganz gut tun, denn schon seit langem hatte sie keine Möglichkeit mehr gefunden, ausgiebig shoppen oder wenigsten  durch die Stadt schlendern zu können. Und der Abend  kam schneller als erwartet, niemand wusste genau, wie viel Zeit vergangen war, seit man angefangen hatte, zu feiern und genauso unklar war, wann Mandy wieder mit Aoi aufgetaucht war. Wahrscheinlich  lag es nur noch an dem Auftauchen von den Beiden, welche die restlichen Jungs von Gazette und den Mitgliedern vom Staff dazu veranlasste, zurück in das Hotel zu fahren.

Nachdem Yoshi auch sofort diese Tatsache verkündigt hatte, verging kaum eine Stunde und man hatte das gemütliche Beisammensein der After-Show-Party in die Hotelbar  verlegt. Jasmin, welcher das alles zu viel geworden war, hatte sofort fluchtartig ihr Zimmer aufgesucht. Man hatte sie darauf auch in Ruhe gelassen. Selbst Kai wagte es im Moment nicht, sich ihrem Zimmer zu nähern und er hoffte einfach nur inständig, dass die Welt morgen wieder völlig anders aussehen würde. Vielleicht würde Jasmin dann wieder so lachen, wie sie es am aller ersten Abend ihrer Begegnung getan hatte. “Und, hast du eine CD gefunden?”, fragte Kai Aoi, welcher nur nickend aufgestanden und  zum Fahrstuhl getaumelt war. Man sah und merkte ihm an, dass Aoi, nachdem er mit den anderen in der Hotelbar angekommen war, zu schnell Alkohol verzehrt hatte. Doch wo war Mandy seither abgeblieben? Sie war, genau wie ihre Schwester, in ihrem Zimmer verschwunden. Sie war müde und das hatte sie auch oftmals im Beisein von Aoi  mitgeteilt.

Zur gleichen Zeit erhob sich nun auch Reita, der den ersten Gang zur Toilette betätigte. Mit lautem Gelächter begegnete er dort Yoshi und Mitsuyo, die wie die anderen auch, schon viel zu viel getrunken haben mussten.

“Was?! Du kriegst keinen mehr hoch?”, lallte Yoshi, der gerade dabei war, seinen Hosenstall zu schließen, während Mitsuyo über seine eigenen Worte zu lachen begann.

Reita, beobachtete dieses amüsante Szenario der beiden Männer mit einem breiten Grinsen. “Ich nehme ja auch schon seit Monaten…Viagra.”, bemerkte Mitsuyo anschließend und blickte in Yoshi’s verwundertes Gesicht. Reita’s Grinsen hingegen wurde dabei immer breiter und er näherte sich den beiden Männern, die nun am Waschbecken standen und sich immer noch laut lachend über Mitsuyo’s Problem der Impotenz unterhielten.

“Ähm,…”, machte sich Reita kleinlaut bemerkbar.

“…hallo Reita.”, bemerkte Mitsuyo und sah Reita nur schüchtern lächeln.

“Hast du was?”, fragte Mitsuyo weiter, während Yoshi bereits aus der Männertoilette verschwunden war. Reita, der wie ein schüchterner Junge vor Mitsuyo stand, hatte in diesem Moment ein seltsames Gefühl. Es war das Gefühl, sich rächen zu wollen und das, obwohl er nie der Typ für so etwas war. Ja,  er wollte sich an Ruki rächen.

“Du nimmst Viagra?”, fragte Reita auch sofort und bemerkte, dass Mitsuyo erschrocken  bei diesen Worten zusammenfuhr und ihn anschließend verwundert ansah.

“Ja, warum?”, fragte Mitsuyo und er wirkte in diesem Moment mehr als nur verwirrt.

“Könntest du mir….”, stammelte Reita und hielt darauf einen Moment lang inne. “…könntest du mir eine geben?”, hatte er dann plötzlich gefragt.

Mitsuyo begann laut zu lachen und klopfte Reita auf die Schultern.

“Was willst du mit Viagra? Du bist doch noch jung!”, meinte Mitsuyo und blickte unverstanden in Reita’s Gesicht.

Er lächelte nur und stammelte wie ein kleiner, schüchterner Junge weiter vor sich hin.

“…na ja, momentan läuft nicht alles so, wie es sein soll.”, meinte Reita mit gesenktem Kopf. Mitsuyo lachte  weiterhin laut und konnte sich kaum noch zurückhalten, nicht noch lauter dabei zu werden. “Du willst mich verarschen, oder? Sag mir, dass das nur ein schlechter Scherz ist?!”, flehte Mitsuyo schon regelrecht, als dieser auch schon sein Portmonait aus seiner Hosentasche kramte. Reita schüttelte darauf nur seinen Kopf und plötzlich wurde es ihm unangenehm, doch wollte er die Sache einfach durchziehen, ohne, einen Rückzieher zu machen. Ja, Reita wollte das durchziehen, was er sich vorgenommen hatte. Das die Konsequenzen im Endeffekt schmerzhaft sein könnten, ignorierte Reita in diesem Moment.

Er verstand sich selbst nicht mehr, doch er wollte es einfach tun.

“Bist du dir sicher, dass du das tun willst? Ich meine, du kennst die Wirkungen von Viagra, oder?”, fragte Mitsuyo darauf skeptisch und holte etwas aus seinem Portmonait. “…und überhaupt, ich verstehe nicht, wozu ein junger Kerl wie du Viagra braucht. Vor allem, wen willst du umlegen?”, Mitsuyo’s Blick hing immer noch abwartend in Reita’s schwach lächelndem Gesicht.

“Egal, das geht mich nichts an. Mach doch was du willst. Aber zieh mich nicht zur Verantwortung, wenn etwas schief geht.”, meinte Mitsuyo, bevor er Reita schweigend eine der blauen Pillen in die rechte Hand drückte und fluchtartig die Männertoilette verlassen hatte. Reita lächelte in sich hinein, als er die kleine, blaue Pille in seiner Handfläche betrachtete. Er glich in diesem Moment einem Drogenabhängigen, der sich soeben einen Schuss verpasst hatte und nun auf die  positive Wirkung wartete, die ihn benommen lächeln ließ. Ein Lächeln, welches Reita nicht gehörte…

Gratis bloggen bei
myblog.de