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Yami wo & Jiyuue

Cassis

yami (wo) alias Jasmin
NAMONAKI JIYUUE alias Mandy

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Snowwhite-Innocence

Kapitel 3

Lautes Gelächter war zu hören, als Reita zu den Jungs zurückkehrte und diese sich beinahe schon krümmten vor Lachen. Reita grinste bei diesem Anblick, als wolle er damit eine Weltmeisterschaft gewinnen. Im selben Augenblick kamen ihm auch schon Ruki und Aoi entgegen. Aoi, der kaum noch gerade gehen und sich vor Lachen halten konnte, musste sich regelrecht von Ruki stützen lassen. Es war ein amüsantes Bild, welches Reita nur noch mehr grinsen ließ, dass es fast schon unheimlich wirkte.

“Hallo Reita.”, lallte Aoi grinsend und blickte müdewirkend in Reita’s Gesicht.

“Bist du besoffen?”, fragte Reita darauf und sah Aoi leicht nicken, während Ruki nervös an diesem herumzog und hinter sich her auf die Männertoilette zerrte.

Reita schüttelte seinen Kopf, bestellte daraufhin bei einer Kellnerin, die gelangweilt am Tresen stand und eine Zigarette rauchte, einen Orangensaft, den er auch sofort bekam und mit diesen zu den anderen an den Tisch wanderte.

“Du und Orangensaft?” fragte Kai verwirrt. Auch er schien bei bester Laune zu sein und das merkte man Kai an, als er zusammen mit Uruha lautstark darüber lachte, wie es wohl ausgesehen haben musste, als Reita vor Aoi’s Augen seine Hose heruntergezogen hatte. Reita störte es in diesem Moment wenig, dass Kai sich darüber lustig zu machen schien. Er war ganz allein mit dem Orangensaft und damit beschäftig, die blaue Pille in seiner rechten Hand klein zukriegen, damit diese sich anschließend im Orangensaft auflösen konnte.

“Was machst’n du da?”, lallte Kai ihm grinsend ins Ohr, worauf Reita erschrocken zusammenfuhr und anschließend in Kai’s Gesicht blickte.

“Ich will jemanden überraschen.”, meinte Reita dann, der weiterhin von Kai und Uruha beobachtet wurde und es die beiden gar nicht zu stören schien, dass Reita wohl Gemeinheiten im Kopf zu hatte. “Deswegen zerhechselst du dieses komische Zeug und kippst es dann in den Orangensaft, ne?”, bemerkte nun Uruha, der genau wie Kai hinter Reita stand und über dessen Schulter lugte.

“Das sind aber keine fiesen Drogen, oder?”, fragte Kai darauf und langsam nervte Reita die ständige Fragerei, was er da machte und warum. Schweigend hatte er dann einfach die zerpulverte Pille in den Orangensaft gegeben und rasch mit dem Strohalm darin herumgerührt. Innerlich flehte Reita aber bereits nach Vergebung und plötzlich stellte sich bei ihm das Gefühl ein, dass Mandy recht mit dem haben könnte, was sie zu ihm gesagt hatte. Doch war es bereits zu spät, als Reita reflexartig das Glas auf Ruki’s Platz gestellt hatte. “Ist der für mich?”, fragte Ruki, als dieser auch schon wieder auf seinem Platz saß und verwundert den Orangensaft anstarrte.

“Ich hab ihn dir bestellt.”, meinte Reita und lächelte beinahe schon scheinheilig in Ruki’s Gesicht. “Das heißt, du bist gar nicht sauer?”, fragte Ruki nun und blickte dabei in Reita’s lächelndes Gesicht. Er schüttelte seinen Kopf, während er dabei verzweifelt nach seiner Zigarettenschachtel suchte.

“Warum sollte ich? Das ist doch Kindergarten.”, meinte Reita darauf und zündete sich eine Zigarette an. Man konnte die nächsten Minuten darauf beobachteten, wie Ruki an dem Glas nippte, während Kai und Uruha sich bereits die Bäuche vor Lachen hielten und ihnen bereits Tränen in die Augen stiegen. Ruki fragte sich in diesem Moment nicht, warum Kai und Uruha in schallendes Gelächter ausgebrochen waren und Reita ständig dabei war, ihn penetrant zu beobachten. Ruki war an diesem Abend schließlich derjenige, der vollkommen nüchtern zu sein schien, während die anderen sich maßlos betrunken hatten.

“Wo is’ Aoi hin?”, fragte Reita und Ruki darauf nur mit zuckenden Schultern antwortete. “Vielleicht is’ er ja ins Klo gerutscht und stecken geblieben.”, meinte Ruki dann teilnahmslos, obwohl er doch eigentlich wusste, wo er war. Aoi war, nachdem er mit Ruki von der Männertoilette kam, zum Fahrstuhl getaumelt, um sich aus seinem Zimmer eine Jacke zu holen, weil er meinte, ihm wäre kalt.

Dabei fragte Ruki sich in diesem Moment lächelnd, ob Aoi überhaupt noch in der Lage war, allein und ohne Getaumele in sein Zimmer zu gelangen.

In diesem Augenblick kümmerte es kaum jemanden, denn jeder schien mit sich beschäftigt zu sein. Uruha und Kai lachten über Dinge, die für andere vielleicht überhaupt nicht zum Lachen waren. Ruki war mit seinem Orangensaft beschäftigt und Reita starrte sinnlos in der Gegend rum, beobachtete die Leute, die in die Hotelbar kamen und die diese verließen.

Aoi, welcher nun in dem Stockwerk angekommen war, in dem auch sein Zimmer lag, hatte das Gefühl, dass dieses Kilometer weit weg zu sein schien.

Er seufzte, während er sich mit beiden Händen über sein blasses Gesicht rieb und im nächsten Moment Mandy erblickte, welche aus ihrem Zimmer kam.

“Wieso bist du nicht bei den anderen?”, fragte Mandy sofort, als sie darauf verwundert Aoi angesehen hatte, als dieser auf sie zukam. Er lächelte und rieb sich darauf noch mal über sein Gesicht.

“Ich wollte mir nur eine Jacke holen.”, meinte er und lehnte darauf mit den Rücken an der Wand neben Mandy’s Zimmertür. Er hinterließ einen leicht müden Eindruck und als könnte er sich nicht mehr wirklich fortbewegen. Sein Anblick brachte Mandy zum Lachen. “Da hat wohl jemand zu viel getrunken?”, fragte sie darauf kichernd. Aoi nickte schweigend. “Wolltest du weg?”, fragte Aoi Mandy darauf und sah sie nur leicht nicken, sowie ein leises “Ja.” über ihre Lippen huschen.

“Ich wollte mal sehen, was ihr unten so treibt.”, meinte sie dann und sah Aoi Lächeln, was unglaublich hübsch an ihm aussah. “Blödsinn.”, antwortete er weiterhin lächelnd und versuchte nun seinen Weg fortzuführen.

“Warte, ich helfe dir.”, meinte Mandy, worauf Aoi nur abwinkte und die Tür seines Zimmers öffnete. Abwartend hatte Mandy Aoi dann dabei beobachtet, wie er verzweifelt nach seinem Lichtschalter suchte, den er nach langem Hin und her auch endlich gefunden hatte. Es war amüsant anzusehen, wie Aoi in sein Zimmer taumelte und den Anschein machte, selbst im Stehen einschlafen zu können.

“Willst du nicht doch lieber schlafen gehen? Du siehst müde aus.”, bemerkte Mandy, nachdem Aoi mit einer eigenartig violetten Jacke aus seinem Zimmer kam und diese sich auch sofort übergezogen hatte. Aoi schüttelte nur seinen Kopf und lief darauf schweigend neben Mandy, die nur ein breites Lächeln auf ihren Lippen trug.

Als Aoi sie kurz angesehen hatte, runzelte er die Stirn. Warum lächelte sie?

“Hab ich irgendetwas an mir, was dich freut?”, fragte Aoi verdutzt und sah Mandy nur, wie diese nun lachend ihren Kopf schüttelte, als sie kurz darauf die Knöpfe des Fahrstuhls betätigte. “Die Jacke sieht eigenartig an dir aus.”, meinte sie dann und lehnte sich mit den Rücken gegen die verchromte Wand.

“Hauptsache, mir ist nicht mehr kalt.”, sagte Aoi und blickte dabei wie ein kleiner, schmollender Junge in Mandy’s Gesicht. Erneut lachte sie.

“Hör auf zu lachen.” sagte Aoi und piekste Mandy in beide Seiten, doch sie lachte immer weiter. “Tut mir leid, tut mir wirklich leid. Aber dein Gesichtsausdruck war einfach klasse!”, kicherte Mandy, bis es plötzlich schlagartig nachließ. Sie spürte eine ruckartige Bewegung, die sie in Aoi’s Armen fallen ließ und man darauf ein lautes, grollendes Geräusch wahrnahm. Das Licht flackerte, bis es letztendlich ganz erlosch und der Fahrstuhl zum Stehen kam. “Was war das?”, fragte Mandy, bis darauf die Stimme einer Frau im ganzen Gebäude widerhallte.

Sehr verehrte Damen und Herren, wir würden Sie bitten, Ihre Plätze und Zimmer nicht zu verlassen. Wir müssen Ihnen leider mitteilen, dass ein Blitz die Stromleitung vor unserem Gebäude beschädigt hat. Gedulden Sie sich, bis die Notstromversorgung eingeschaltet wurde. Vielen Dank.”.

“…das heißt also, wir stecken in diesem Kasten hier fest?”, fragte Mandy weiter und sich an Aoi’s Jacke festkrallte. Sie machte den Eindruck, als würde sie tatsächlich Angst haben. Sie spürte darauf nur das Vibrieren, welches durch das Lachen von Aoi’s Körper ausging.

“Sag bloß, du hast Angst vor Gewitter?”, fragte er, während er in das rot leuchtende Lämpchen hinter Mandy blickte und es den Anschein machte, als schien dieses Licht ihn hypnotisieren zu wollen. Es war das einzige Licht, welches diesen kleinen Raum erhellte und Aoi die Möglichkeit gab, in Mandy’s glänzende Augen zu sehen. Er spürte, wie sie zitterte und sich dabei immer mehr in seiner Jacke festkrallte.

Aoi lächelte und legte vorsichtig seine Arme um Mandy und drückte diese fest an sich. “Das Licht wird sicher gleich wieder angehen.”, flüsterte Aoi darauf in den Raum und spürte Mandy nur zögernd nicken. Aber aus Sekunden wurden Minuten und diese schienen sich immer weiter in die Länge ziehen zu wollen. Es gab in diesem Moment kein Entrinnen, sondern nur Dunkelheit, welche immer mehr zu zunehmen schien. Vielleicht handelte es sich bereits um eine Viertelstunde oder gar mehr und doch war es, als wäre man von der Ewigkeit gefangen worden. Ein Seufzen erklang und unterbrach für einen Moment die mörderisch erscheinende Stille, in der man nur leise Atemgeräusche wahrnehmen konnte. Irgendwo grollte Donner in der Ferne und ließ Mandy, die bereits dicht neben Aoi am Fahrstuhlboden saß, zusammenzucken.

“Ich will hier endlich weg.”, ein Zittern lag in Mandy’s Stimme und sie suchte verzweifelt nach etwas, woran sie sich festhalten und ihre Angst ersticken konnte. Aoi lächelte, während er seinen Kopf schüttelte. “Was soll ich denn machen, damit du aufhörst, Angst zu haben?”, fragte er leise und suchte im Dunkeln nach einer von Mandy’s Händen, die er dann fest in seine geschlossen hatte. Ja, was sollte er machen, um der jungen Frau, die da neben ihm saß, die Angst zu nehmen? Es schien ihm in diesem Augenblick nicht möglich zu sein, ein geeignetes Mittel zu finden. Er seufzte, während er mit seinem Daumen sanft über Mandy’s Handrücken streichelte. “Was hast du solange in deinem Zimmer gemacht, ich dachte, du wärst müde?”, fragte Aoi darauf und streckte seine Beine, die er soeben noch an sich herangezogen hatte, von sich, während er dabei in den dunklen Raum starrte.

“…war ich auch. Ich hatte geduscht und mich anschließend hingelegt, bin auch sofort eingeschlafen. Ich weiß nicht, woran es lag, dass ich aufgewacht bin. Und dann hab ich an euch gedacht und wollte sehen, was ihr macht.”, antwortete Mandy mit leiser Stimme und räusperte sich darauf. In ihr machte sich plötzlich dasselbe Gefühl von damals, als sie mit Aoi alleine auf dem Dach des PSCompanygebäudes war, breit und ließ ihr Herz in ihrer Brust rasen. Es schmerzte und ließ sie wie einen Nadelstich auf der Haut zusammenzucken. “Wir haben viel gelacht, du hättest sicher auch deinen Spaß gehabt.” meinte Aoi und ließ seinen Kopf gegen die verchromte Wand sinken.

“Reden Ruki und Reita wieder miteinander?”, fragte Mandy darauf und hatte ihren Kopf auf Aoi’s rechter Schulter sinken lassen. “ Ich meine, das ist doch kindisch.” fuhr sie fort und seufzte, während sie Aoi neben sich leise kichern hörte.

“Ich weiß ja nicht, was Ruki geritten hat, dass er Reita unbedingt Eiswürfel in die Boxershorts stecken muss. Vor allem, dass das wehtut, scheint er vergessen zu haben.”, meinte Aoi und schien wohl, wenn es Mandy nicht viel besser wüsste, wie ein Weltmeister zu grinsen. Im selben Moment spürte man nur wieder eine ruckartige Bewegung, die Aoi und Mandy erschrocken auffuhren ließ. Selbst das Licht ging an und schien viel zu grell, dass es blendete.

“Das wurde ja auch langsam Zeit.”, sagte Mandy, die erleichtert aufatmete und dabei in Aoi’s lächelndes Gesicht blickte. Er nickte und versuchte anschließend vom Boden aufzustehen, während Mandy noch da saß und zu ihm hinaufsah.

Ja, sie sah in Aoi’s bildhübsches Gesicht und ihr Herz schlug nur noch mehr in ihrer Brust. Dabei fragte sie sich, warum es so schwer war, sich ihm zu nähern, wo es doch bei Ruki so einfach erschien. Nein, Ruki hatte sich ihr genähert. Vielleicht war die Distanz von ihr zu Aoi viel zu groß und genau diesen Gedanken schob Mandy rasch beiseite. Als sie kurz darauf wieder vor Aoi stand, wünschte sie sich, dass die Zeit jetzt einfach stehen geblieben wäre. Viel zu sehr wünschte sie sich, ihn einfach festzuhalten und nicht wieder loslassen zu müssen. Doch was war mit Ruki?

Mandy schüttelte ihren Kopf, als sich Ruki in ihre Gedanken drängen wollte. Ja, Ruki verwirrte sie, brachte sie durcheinander und machte sie nervös, so lange sie mit ihm zusammen war. Aber es war ein völlig anderes Gefühl, welches sie bei ihm empfand. Es war nicht so, wie sie es bei Aoi empfand. Ja, was empfand Mandy überhaupt?

Mandy spürte nur einen sanften Druck auf ihrer rechten Schulter, der sie zusammenzucken und erschrocken in Aoi’s Gesicht blicken ließ. Er lächelte und machte eine Kopfbewegung, die ihr sagte, sie können nun den Fahrstuhl wieder verlassen.

“Sorry.”, bemerkte Mandy, als sie neben Aoi lief. Dieser schüttelte aber nur seinen Kopf. “Schon in Ordnung, aber denk nicht zu viel nach.”, meinte er dann und hielt Mandy darauf die große Flügeltüre, die zur Hotelbar führte, auf. Sie konnte bereits das schallende Gelächter der anderen hören und ein Lächeln breitete sich auf ihren Lippen aus.

“Ein Lächeln sieht an dir viel hübscher aus.”, sagte Aoi und ließ sich anschließend wieder auf seinem Platz nieder. “Du hast Besuch mitgebracht?”, fragte Reita mit einem verräterisch breiten Grinsen im Gesicht, dass Aoi, der ihm sofort ins Gesicht geblickt hatte, bei seinem Anblick loslachen musste. Doch Aoi’s Lachen verblasste, als er darauf Reita’s ernsten und gleichzeitig prüfenden Blick, der wie eine Klette an Aoi hängen bleiben wollte, anstarrte.

“Ich kenne diese Jacke.” meinte Reita und zupfte darauf an Aoi’s rechten Ärmel.

Aoi verstand nicht ganz, worauf Reita hinaus und was er überhaupt von ihm wollte.

“Aoi, das ist meine Jacke.”, sagte Reita dann und stand auf, während Aoi ihn nur grinsend ansah, bevor auch er wieder aufgestanden und um das schwarze Ledersofa, auf dem Ruki saß, gewandert war.

“Und ich hab sie schon vermisst. Du Penner, das werde ich dir heimzahlen.”, . Reita war, nachdem Aoi vor ihm aus der Hotelbar flüchtete, hinter ihm hergerannt. Alle wussten, dass es natürlich nur Spaß war. Mandy, die bei den Anblick der beiden kicherte, war darauf zum Tresen gesteuert, um sich dort etwas zu Trinken zu holen.

“Wie spät ist es?”, fragte währenddessen Uruha gähnend in die Runde.

“Kurz nach….zwei.”, sagte Kai, der auf seinem Sessel hing, als würden ihm jeden Moment die Augen zufallen.

“Doch schon so spät? Wie lange war der Strom denn ausgefallen?”, fragte Mandy, nachdem diese vom Tresen wieder zurückgekehrt war und sich neben Ruki auf dem Ledersofa niederließ. “Mindestens’ne Dreiviertelstunde.”, murmelte dieser dann und griff nach seinem Glas, welches er dann auch schon in einem Zug gelehrt hatte.

“Warum hast du Jasmin nicht mitgebracht?”, fragte Kai Mandy und sah diese nur an ihrem Glas mit einer Whisky-Colamischung nippen, bevor sie ihren Kopf schüttelte.

“Wenn ich weiß, dass sie nicht gut drauf ist, lasse ich sie meistens in Ruhe.”, antwortete Mandy und nippte erneut an ihrem Glas, worauf Kai aufgestanden und mit den Worten “Ich geh mal schauen, wie es ihr geht.” verschwunden war.

“Gott, die kleben ja fast schon wie Kletten aneinander.”, seufzte Uruha und streckte seine Beine von sich. Mandy kicherte, während sie erneut an ihrem Glas genippt hatte und dieses anschließend auf den Glastisch abstellte.

“Ist da jemand eifersüchtig?”. Mit einem Lächeln im Gesicht hatte Mandy Uruha nach diesen Worten angesehen. Er lachte und schüttelte dabei seinen Kopf, während er aufgestanden war und sein Glas im Stehen geleert hatte.

“Warum sollte ich eifersüchtig sein? Sollen sie doch machen.”, meinte Uruha beinahe schon angegriffen von Mandy’s Worten und verschwand anschließend in Richtung Männertoilette.

Nun waren sie weg - erst Reita, Aoi, Kai und nun auch Uruha. Vielleicht würde keiner von ihnen zu einem späteren Zeitpunkt wiederkommen, weil sie viel zu müde waren. Vielleicht kamen sie aber wieder und man würde weiterhin gemeinsam lachen. Doch im Moment war es still, nur die leise Musik, die aus den Boxen der Anlage ertönte, war zu hören. Ruki seufzte, während er seinen Kopf nach hinten auf die Rückenlehne sinken ließ.

“Wieso bist du nicht schon eher gekommen? Diese Kerle haben sich halb totgelacht und ich wusste nicht mal warum.”, begann Ruki und gähnte anschließend.

Mandy kicherte. “Muss ich jetzt Mitleid haben?”, fragte sie und blickte in Ruki’s müdewirkendes Gesicht.

Er grinste. “Ja, ganz doll.”, meinte er dann und hielt einen Moment lang inne, worauf er seinen Kopf wieder gehoben und in Mandy’s Gesicht geblickt hatte.

“Tut mir leid wegen gestern Abend.”, sagte Ruki dann und sah die Überraschung seiner Worte in Mandy’s Gesicht. Sie verstand überhaupt nicht, warum und vor allem für was er sich entschuldigte.

“Ich weiß nicht, was du meinst.”, erwiderte Mandy und griff nach ihrem Glas, aus dem sie einen großen Schluck nahm, bevor sie es dann einfach nur anstarrte. Sie spürte, wie Ruki näher an sie herangerückt und ihr Gesicht in seine Blickrichtung gedreht hatte. Mandy starrte in seine Augen. In diese wunderschönen, blauen Augen, die jedoch nur Kontaktlinsen waren und doch nicht von dieser Welt schienen. Sie blickte darauf auf seine Lippen, die etwas sagen wollten und Ruki es doch mit einem Schweigen abgetan hatte.

“Ruki?”. Verwundert hatte Mandy ihn angesehen, als er sie von Kopf bis Fuß gemustert hatte. Sie hatte augenblicklich das Gefühl, als stimmte etwas mit Ruki nicht und vorsichtig berührte Mandy darauf sein Gesicht mit ihren kalt gewordenen Händen. Ruki zuckte erschrocken zusammen, überspielte die Tatsache aber mit einem sanften Lächeln.

“Was gestern lief, hätte wohl nicht sein sollen, oder? Ich meine,…”, stammelte Ruki plötzlich wie ein schüchterner, kleiner Junge, der nicht wusste, was er jetzt machen sollte.

“Ja, ich war gestern etwas überrumpelt, das stimmt. Aber deshalb bin ich nicht gleich wütend auf dich.”, beendete Mandy Ruki’s Satz und nahm darauf erneut einen großen Schluck aus ihrem Glas, während Ruki neben ihr begonnen hatte, nervös zu zappeln.

Rasch kramte er seine Zigarettenschachtel hervor und zündete sich mit zittrigen Händen eine Zigarette an. Mandy hatte ihn nur fragend angesehen.

In Ruki schien gerade etwas vor sich zu gehen, was Mandy und was wahrscheinlich Ruki nicht einmal selbst deuten konnte.

“Alles in Ordnung?”, fragte Mandy und sah über Ruki’s Lippen ein flüchtiges Lächeln huschen, während er an seiner Zigarette zog.

“Du zitterst ja…”, fuhr Mandy anschließend fort und umso nervöser schien Ruki plötzlich zu werden. Währenddessen hatte Kai Mühe, Jasmin dazu zu überzeugen, mit ihm in die Hotelbar zu gehen. Wie ein kleiner Junge hatte er sich vor Jasmin, die zusammengekauert auf ihrem Bett lag, niedergekniet und nach ihrer Hand gegriffen, die er fest in seine schloss. “Ich habe nein gesagt.”, sagte Jasmin in einem beinahe schon schroffen Ton, der ihr im Nachhinein aber schon wieder Leid tat.

“Bitte.”, flehte Kai, der begonnen hatte, sanft mit seinen Daumen über Jasmin’s Handrücken zu streicheln. “Ich würde dich sogar runtertragen.”, meinte er dann und sah ein blasses Lächeln auf Jasmin’s Lippen.

“Lass mich doch einfach ein in Ruhe. Ich bin müde und mir ist heute nicht nach feiern, versteh das doch.”, seufzte Jasmin, die das Gefühl hatte, einen dummen Jungen vor sich sitzen zu haben, der nicht wirklich das vertrauenerregende Gefühl in ihr erweckte, dass er sie wirklich verstehen würde. “Kai, bitte.”, flehte nun Jasmin und beobachtete Kai, wie dieser aufgestanden und schweigend zur Tür gelaufen war, vor der er anschließend stehen blieb. “Ich wünsche dir eine gute Nacht.”, hatte Kai darauf tonlos gesagt und öffnete die Tür einen Spalt, bevor er dort einen Moment lang inne hielt. “Schlaf schön.”, fuhr er fort und trat in den Flur, ließ Jasmin’s Tür darauf laut ins Schloss fallen und bewegte sich nun in Richtung Fahrstuhl. Er dachte nach, schon seit heute Morgen dachte er nach und vielleicht schien dies vergebens. Kai machte sich Gedanken um Jasmin, die nach wie vor nicht darüber reden wollte, was mit ihr los war und warum sie in Tränen ausbrach.

Doch würde er jemals eine Antwort auf seine Fragen bekommen?

“Kai, warte!”, rief Jasmin, die ihm plötzlich entgegengerannt kam und sich ihm anschließend in die Arme warf. “Bitte warte doch mal!“, keuchte sie, während Jasmin an Kai’s Brust hastig nach Atem rang.

“…hast du’s dir auf einmal anders überlegt, oder was?”, fragte Kai darauf und ein beinahe schon siegessicheres Lächeln breitete sich auf seinen Lippen aus. Als Jasmin in Kai’s Gesicht blickte, nickte sie, ohne, dass ein Wort über ihre Lippen kam. Kai streichelte sanft ihre Wangen, während er weiterhin lächelte und in Jasmin plötzlich das Gefühl aufstieg, als würde ihr jemand den Boden unter den Füßen wegreißen wollen.

“Es tut mir leid, ich wollte dich nicht so anfahren.”, meinte Jasmin dann, nachdem sie Kai im Fahrstuhl gegenüberstand. Schweigend hatte Kai seinen Kopf geschüttelt. Für ihn war es jetzt kein Thema, welches man bis auf das kleinste Detail ausdiskutieren musste.

Kai hatte darauf einfach nur gemeint, es wäre in Ordnung, wenn sie einfach nur bei ihm bleiben würde. Mehr wünschte sich Kai in diesem Augenblick nicht. Anders war es bei Ruki. Er wollte plötzlich weg, doch das Gefühl, sich nicht mehr rühren zu können, wurde von Sekunde zu Sekunde stärker.

“Ruki, was ist denn los mit dir? Du siehst blass aus…”, bemerkte Mandy, die Ruki dabei beobachtete, wie dieser sich erneut eine Zigarette angezündet hatte und dabei den Eindruck hinterließ, als hätte er seit Wochen nicht mehr rauchen können.

“Mit mir ist alles in Ordnung.”, sagte Ruki, welcher nervös in den Raum starrte und jede Berührung, die er darauf zu spüren bekam, brachte ihm zum Zusammenzucken.

Es war, als wollten sich Millionen Nadeln durch seine blasse Haut bohren.

“Nein, irgendetwas stimmt mit dir nicht.”, widersprach Mandy kopfschüttelnd, als sie Ruki’s Gesicht zwischen ihre Hände nahm und dieses in ihre Blickrichtung drehte.

Sie erkannte deutlich ein zitterndes Leuchten in Ruki’s Augen.

“Ich weiß nicht, warum du nervös bist, oder wovor du Angst hast. Aber wenn du willst, kann ich wieder gehen.”, meinte Mandy darauf und wollte sich vom Sofa erheben, wenn Ruki sie nicht am Handgelenk festgehalten und zu sich heran gezogen hätte. Ihre Hände stützen sich an seinen Schultern ab, während sie in Ruki’s Augen starrte.

“Nein, ich will doch gar nicht, dass du gehst.”, flüsterte Ruki regelrecht, als man plötzlich ein lautes Pfeifen wahrnehmen konnte, welches Ruki in diesem Moment jedoch zu ignorieren schien. Er sah Mandy einfach nur an.

Sah sie an, als wollte er sie hypnotisieren - wollte sie in seinen Bann ziehen, aus dem man sich nicht mehr so leicht befreien konnte.

“Ruki, Ruki, kannst du auch mal deine Finger von den Weibern lassen?”, ertönte Yoshi’s lautes Gelächter, als er gerade auf dem Weg zur Männertoilette war. “…na ja, einen süßen Arsch hat sie ja!”, grinste Yoshi, der Mandy nicht zu erkennen schien und war darauf verschwunden. Ein Lachen kam über Ruki’s Lippen, welches aber rasch wieder verblasste - selbst, als er in Mandy’s leicht gerötetes Gesicht blickte. “Er ist betrunken, das ist alles.”, meinte Ruki seufzend und drückte Mandy neben sich auf das Sofa. “Er ist einfach nur betrunken.”, wiederholte Ruki und rieb sich darauf über sein Gesicht. Vielleicht lag es an seinen Händen, aber Ruki hatte das Gefühl, als würde sein Gesicht glühen. Ihm wurde plötzlich warm und es fühlte sich an, als wollte jede einzelne Faser seines Körpers verbrennen. “Es ist warm…”, murmelte Ruki, welcher sich hastig das schwarze Hemd aufgeknöpft hatte und sich erneut über das Gesicht fuhr. In Mandy erweckte Ruki jedoch immer noch das Gefühl, als würde etwas nicht mit ihm stimmen. “Rukilein, was ist denn mit deiner Hose los?”, ertönte nun Uruha’s Stimme. “Sieht irgendwie eigenartig aus…”, fuhr dieser dann fort, als er mit einem bis zum Rand gefülltem Glas Smirnoff Ice vor Ruki stand und prüfend in dessen Schritt starrte, während er an seinem Strohalm nuckelte. Ruki blickte nur verwirrt in Uruha’s Gesicht. “Häh? Was starrst du mich so an?”, fragte Ruki darauf und sah nur ein breites Grinsen von Uruha. “Es sieht beinahe so aus, als wärst du gerade dabei, einen Ständer zu kriegen.”, kicherte Uruha dann und nuckelte darauf wieder an seinem Strohalm, trank gelegentlich etwas aus seinem Glas und starrte dann wieder in Ruki’s Schritt. “Du bist doch pervers.”, gab Ruki als Antwort, bevor er sich von seinem Platz erhob und anschließend vor Uruha, der jedoch nur wieder grinste, stand.

“…ich weiß ja nicht, was du für unanständige Gedanken hast. Ich meine, es ist normal, aber muss das hier und jetzt sein?”, fragte Uruha, welcher sich taumelnd auf dem Sessel, der hinter ihm stand, niederließ und erneut anfing, an seinem Strohhalm zu nuckeln.

Ruki lächelte. “Du musst nicht immer von dir ausgehen.”.

“Äh,…Jungs?”, machte sich Mandy darauf bemerkbar, doch keiner schien sie in diesem Moment wahrnehmen zu wollen.

“Ey, Ruki, was ist denn mit dir los?”, plärrte Reita, der plötzlich hinter Uruha stand und darauf in lautem Gelächter ausgebrochen war. Irgendetwas stimmte nicht, dass wurde Ruki nun immer mehr bewusst. Andere sahen und fühlten es. Doch was war es?

Ruki schien auf diese Frage keine Antwort finden zu können. Er hatte nur noch ein immer seltsam werdendes Gefühl, welches er sonst nur mit dem Angenehmen in Verbindung brachte und nun mit dem Unangenehmen verband.

Jede einzelne Berührung - sei es das ständige Gezerre an seinem Hemdärmel - oder allein nur ein Gedanke daran, hinterließ bei ihm den Anschein, als wollte nur eine dieser Kleinigkeiten ihn zu einem Orgasmus treiben. Er hielt es für Unmöglich, worauf Ruki einfach nur seinen Kopf schüttelte und perplex in die Gesichter von Uruha und Reita starrte. “Ruki! Ruki!”, schien jemand aus weiter Entfernung zu rufen, immer und immer wieder. Das Gefühl, jeden Moment wegzutreten, verstärkte sich.

“Ruki? Alles in Ordnung?”, ertönte darauf Mandy’s Stimme, während Uruha und Reita laut lachten. Ruki fühlte sich plötzlich unwohl in seiner eigenen Haut und er begann zu zittern, als hätte er Angst. Zunehmende Blässe machte sich in seinem Gesicht breit und hinterließ den Anschein, als würde er jeden Moment in Ohnmacht fallen.

“Hey! Hörst du mich? Ruki, was hast du?”, fragte Mandy weiter, die nun vor Ruki stand und an diesem herumzerrte.

“Der steht ja völlig neben sich.”, bemerkte Reita, der sich eine Zigarette anzündete und anschließend einen Blick zur Flügeltüre warf.

“Und die Beule in seiner Hose wird auch größer.”, lachte Uruha und klopfte sich dabei mit der freien Hand auf seinen rechten Schenkel. “Rukilein, du hast doch sicher zwei gesunde Hände, oder? Sieh zu, dass du deinen momentanen Zustand unter Kontrolle kriegst. Es sieht nicht gerade schön aus, wenn du mit’nem in deiner Hose eingequetschten Ständer da stehst. Was sollen denn die Leute denken? Das ist peinlich.”, meinte Uruha darauf und zeigte dabei mit seinem Finger auf Ruki’s Schritt.

Uruha schien auch recht mit dem zu haben, was er sagte. Ruki’s “Beule” hinterließ auf die anderen Gäste einen peinlichen Eindruck, auch wenn es Ruki in diesem Moment selbst nicht realisierte.

“Jetzt hört auf, über Ruki herzuziehen!”, fuhr Mandy dazwischen, als sie bemerkte, wie Uruha Ruki erneut einen seiner dummen Sprüche an den Kopf werfen wollte, während Reita sich kaum vor Lachen halten konnte.

“Ich weiß leider nicht, was mit Ruki los ist. Aber ich weiß, dass etwas nicht mit ihm stimmt. Das gibt euch jedoch nicht das Recht, euch über ihn lustig zu machen. Vielleicht bin ich ja jetzt eine Spaßbremse, doch irgendwo solltet selbst ihr eure Grenzen kennen.” meinte Mandy, welche ihre Hände in die Hüften gestützt hatte und abwartend in die Gesichter von Uruha und Reita sah. Sie lachten, als wäre das, was Mandy eben sagte, völliger Unsinn. Man konnte darauf nur beobachten, wie Ruki fluchtartig die Hotelbar verlassen hatte und man ihm nur verwirrt hinterher blicken konnte. Es schien, als hätte ihn das, was Uruha und Reita sagten verletzt und Ruki war in gewisser Hinsicht sehr empfindlich.

“Wenn ihr wüsstest, wie es sich langsam in einem verkrampft und schmerzt…”.

Ja, vielleicht war das Ruki’s Gedanke. Vielleicht dachte er aber auch etwas anderes.

Er wollte sich jetzt einfach nur in eine dunkle Ecke verkriechen, denn das Gefühl, welches ihm fast den Verstand raubte, wurde mit jedem Atemzug schlimmer - es war unerträglich, dass es Ruki Tränen in die Augen trieb und ihn wie einen hilflosen, kleinen Jungen erscheinen ließ.

“Ihr seid Idioten!”, zischte Mandy, die nach Ruki’s schwarzer Jacke griff und anschließend ebenfalls die Hotelbar verließ. Auf dem Weg zum Fahrstuhl begegnete sie Kai, Aoi und Jasmin, die vergnügt über irgendetwas lachten und sich darüber zu amüsieren schienen, was Aoi für seltsame Grimassen machte.

“Willst du weg?”, fragte Kai mit einem unverschämt breiten Grinsen im Gesicht. Mandy jedoch lief schweigend an den dreien vorbei und verschwand im Fahrstuhl.

Kai blickte nur fragend in das Gesicht von Jasmin, doch schien diese ebenso verwirrt zu sein wie Kai, während Aoi es mit einem Schweigen betrachtete.

“Was hat sie denn?”, fragte Kai nur und bekam lediglich ein Schulterzucken als Antwort, während man Mandy dabei beobachtete, wie diese sich an die Fahrstuhlwand lehnte und sich die Tür schloss. Hastig und beinahe schon nervös drückte Mandy darauf den Knopf für das Stockwerk, in dem Ruki’s Zimmer lag. Es war schon eine Weile her, als sie sich krampfhaft Sorgen um jemanden machte. Der Gedanke an Ruki verursachte bei ihr ein schmerzhaftes Herzklopfen, welches Mandy zusammenzucken ließ. Mit den Händen vors Gesicht geschlagen lehnte Mandy an der verchromten Fahrstuhlwand, während sie immer noch hastig atmete und es aussehen ließ, als wollte ihr jemand die Luft zum Atmen nehmen. Und nur wenige Minuten darauf stand sie im Flur des Stockwerks, suchte sofort nach der Zimmertür von Ruki und riss diese ohne Zögern auf. Es war stockdunkel und Mandy suchte nach dem Lichtschalter, den sie soeben betätigen wollte, wenn nicht bereits das Licht des Nachttischlämpchens das Zimmer erhellte. Mandy sah Ruki. Sah, wie dieser zusammengekauert auf seinem Bett saß und zu schluchzen schien.

“Ruki?”. Mandy erschrak vor dem Anblick des jungen Mannes, den sie eigentlich ganz anders kennen gelernt hatte. Sie sah nun einen zerbrechlichen Jungen - einen Jungen, der einfach nur hilflos war. Ohne, dass Ruki ein Wort zu Mandy gesagt hatte, bewegte diese sich, nachdem sie die Tür hinter sich verschloss, schweigend auf Ruki’s Bett zu. Es war eigenartig, ihn so zu sehen.

“Ich weiß nicht, was es ist. Aber ich weiß, dass du weinst.”, sagte Mandy, nachdem sie sich auf Ruki’s Bett niedergelassen hatte und daraufhin den dunklen Teppich anstarrte.

Sie spürte plötzlich Wärme an ihrer Seite und zwei Hände, die ihre Schultern berührten. “Ich weiß nicht….”, wimmerte Ruki, nachdem er sich neben Mandy niedergelassen hatte. “Ich habe Angst…nimm mich in den Arm, bitte…”, flehte er darauf und blickte in Mandy’s erschrockenes Gesicht. Es tat ihr plötzlich ungemein weh, als sie Ruki so sah. Sie wusste nach wie vor nicht was es war. Doch sie wusste, dass es Ruki zu quälen schien. Mandy nickte schweigend und Ruki hatte sich darauf von selbst in ihre Arme geworfen, hatte begonnen, nur noch mehr an ihrem Hals zu schluchzen. Mandy wusste nicht, was sie tun sollte. Sie fühlte sich plötzlich so hilflos, dass es ihr bereits selbst Angst einjagte.

“Was soll ich machen? Wie kann ich dir helfen? Ruki, sag irgendetwas…”, sagte Mandy beinahe schon flüsternd, als sie in Ruki’s glasige Augen blickte.

“Sag es mir.”, fuhr sie fort und berührte mit beiden Händen Ruki’s nassgeweinte Wangen. Wie sollte Mandy ihm helfen? Sie wusste es nicht. Es war dem Gefühl der Leere ähnlich, welche Mandy empfand und Ruki plötzlich mit seinen Lippen die ihre berührte, sie mit seinen Tränen benetzte.

“Bleib bei mir…”, flüsterte Ruki und zog Mandy so dicht an sich heran, dass man glauben konnte, man wolle sie ihm wegnehmen.

“Bleib einfach nur bei mir.”, wiederholte er und zog Mandy nur noch dichter an sich heran. Sie spürte Ruki’s heißen Atem an ihren Hals, der ihr Gänsehaut verursachte.

“…heute Nacht.”, flüsterte Ruki und ließ darauf seine Hände unter Mandy’s schwarzes T-Shirt wandern. Und das Gefühl, dass das alles nur gespielt war, schien in ihr zu wachsen. “Warte.”, stoppte Mandy und blickte darauf in Ruki’s verwirrtes Gesicht.

“Verarsch mich nicht.”, sagte Mandy ernst und ließ ein flüchtiges Lächeln über Ruki’s Lippen huschen.

“Ich weiß nicht, ob ich deinen Tränen Glauben schenken soll.”, fuhr Mandy fort und senkte ihren Kopf. “Ich spiele nicht mit dir. Ich habe auch nicht vor, dich zu verarschen.”, sagte Ruki und nahm Mandy’s Gesicht zwischen seine Hände, hob es, damit er sie ansehen konnte. Mandy wünschte sich ein sanftes Lächeln auf Ruki’s Lippen, doch stattdessen sah sie erneut vereinzelt Tränen über seine blassen Wangen rollen.

“Ich brauch jemanden, der bei mir bleibt…, denn ich habe Angst vor dem, was gerade mit mir passiert.”, versuchte Ruki darauf zu erklären und stand auf. Er legte seine Hände auf Mandy’s Schultern und berührte erneut mit seinen Lippen ihren Mund.

“Ich will dir nicht wehtun, aber irgendwie steigert sich in mir das Gefühl, dass ich es dieses Mal nicht vermeiden kann.”, sagte Ruki dann und griff nach Mandy’s Händen, die er zu seiner Brust führte. Dabei sah er deutlich die Verwirrung in Mandy’s Gesicht. Im Inneren wusste Mandy jedoch, worauf Ruki hinaus wollte und das Gefühl, Angst zu haben, ähnelte einem Krampf. Alles zog sich plötzlich in Mandy zusammen, worauf sie Ruki einfach von sich gestoßen und sich zur Tür bewegt hatte. Energisch schüttelte sie ihren Kopf.

”Das kann ich nicht tun. Was verlangst du da von mir, Ruki?”, fragte Mandy, nachdem sie ihm den Rücken kehrte, in einem fast schon aufgebrachten Ton, den Ruki jedoch erwartete hatte. Ein flüchtiges Lächeln huschte über Ruki’s Lippen, an denen seine Tränen hängen blieben, während er aufgestanden war und Mandy daran hinderte, die Tür zu öffnen.

Er hatte sie mit einem kräftigen Ruck zugeschlagen und erweckte dabei in Mandy den Anschein, dass Ruki sie so schnell nicht wieder gehen lassen wollte. Er hatte Mandy darauf in seine Blickrichtung gedreht und ihr in die Augen gesehen. Ruki sah, dass sie Angst hatte. Sah, dass sie Angst vor dem hatte, was wohl als nächstes passieren könnte.

“Bitte verzeih mir…”, hatte Ruki dann geflüstert, bevor er Mandy’s Gesicht erneut zwischen seine zittrigen Hände nahm und seine Stirn vorsichtig gegen die von Mandy lehnte. “Verzeih mir einfach.”, wiederholte Ruki und spürte darauf ein ängstliches Nicken von Mandy. Er hatte diese darauf gegen die Tür gedrückt und ließ dabei seine Hände zu ihrer Taille gleiten, die anschließend unter ihr T-Shirt wanderten. Ruki küsste Mandy, immer und immer wieder, bis seine Lippen letztendlich ihr rechtes Ohrläppchen berührten. Mandy krallte ihre Finger in Ruki’s Hemd und dieser merkte, dass sie zu zittern begann.

“Ruki…”, flüsterte Mandy ängstlich, als Ruki begonnen hatte, ihren Hals zärtlich zu küssen, während seine Hände sanft über ihren Rücken streichelten.

Er lächelte an ihrem Hals, bevor seine Hände, die zuvor noch ihren Rücken gestreichelt hatten, nach denen von Mandy griff und sie zum Bett zog, auf dass Ruki sie anschließend drückte. Innerlich schrie Ruki immer wieder nach Vergebung, denn das, was er wollte, was er von Mandy verlangte, würde er wahrscheinlich nie wieder gut machen können. Es war nicht seine Absicht, geschweige denn ein Gedanke, den Ruki hatte. Nie wollte er jemandem wehtun - nicht auf diese Art und Weise, auf das es einem schon grausam erschien.

Doch Ruki konnte nicht anders.

Er musste es tun, um das, was in ihm vorging, endlich zu stoppen.

“…du wirst mich hassen.” murmelte Ruki, nachdem er Mandy beinahe schon hastig das T-Shirt ausgezogen und damit begonnen hatte, seine warmen und weichen Lippen über ihr Dekollete wandern zu lassen, während seine Hände nach denen von Mandy suchten, die er zu seiner Brust führte. Wie ein ängstliches Mädchen hatte Mandy in das Gesicht von Ruki geblickt und fing darauf nun von selbst an, sein Hemd aufzuknöpfen. Mandy sah keinen Ausweg mehr und vielleicht war sie auch selbst daran schuld.

Sie hätte Ruki einfach stehen lassen und verschwinden können. Jedoch war es nicht Mandy’s Art. Sie wäre in diesen Augenblick nicht die gewesen, für die man sie eigentlich hielt. Mandy war einer der Menschen, die versuchten, es anderen einfach nur recht zu machen. Vielleicht war das oftmals ein Fehler, für den Mandy in früheren Jahren von anderen oft ausgenutzt wurde. Und nun gab es kein zurück mehr. Sie hatte sich selbst in diesen goldenen Käfig gesperrt, den Schlüssel hatte sie bereits verloren.

Mandy hatte darauf einfach nur geschwiegen. Irgendetwas schnürte ihr die Kehle zu, nahm ihr die Luft zum atmen.

Ihr Herz raste, als Ruki sich von seinem Hemd befreite und seinen schlanken Oberkörper entblößte. Ein Zeitraffer ließ darauf alles gnadenlos an einem vorbei ziehen. Man konnte flehen und schreien, doch die Zeit blieb nicht stehen.

Es war grausam, grausam für Ruki - grausam für Mandy.

Es glich an Wahnsinn und dennoch war das alles viel zu real, als das man es als einen Traum bezeichnen könnte. Ruki verlor die Kontrolle. Der innerliche Wunsch, dass es endlich aufhören würde, zersprang in tausend kleine Glasscherben und diese fielen klirrend zu Boden. Warum hörte es nicht endlich auf?

Wieso quälte es ihn so?

Wieso quälte er Mandy?

Es waren einfach nur Fragen. Fragen, zu denen Ruki keine Antwort fand und mittlerweile wimmerte er wie ein kleiner Junge, während er Mandy’s gequälten Gesichtsausdruck sah.

“Es tut mir leid.”, hatte er dann immer und immer wieder gesagt, in der Hoffnung, so Mandy’s Schmerzen lindern zu können. Ein schwaches Lächeln breitete sich auf ihren Lippen aus, während ihr der Schweiß an den Schläfen hinabrann. Mandy zog Ruki darauf dichter an sich heran, berührte seine Lippen - seine zittrigen und dennoch warmen, weichen Lippen. Und der Augenblick, als Ruki ihr die Unschuld nahm, glich dem einer schmerzenden Ewigkeit. Alles schmerzte, egal, was man versuchte, dagegen zu unternehmen. Ruki schluchzte leise und der Versuch, seine Tränen vor Mandy zu verstecken, scheiterte immer und immer wieder. Und niemand wusste, wie viel Zeit seither vergangen war oder, wie viel Zeit jetzt noch vergehen würde.

Es waren lediglich die Schatten, welche diese Nacht kennzeichneten und versuchten, alles um sich herum zu verschlingen…

“Aufstehen!”, plärrte Kai, der an diesem mit Sonnenstrahlen durchfluteten Morgen nichts Besseres zu tun hatte, als die Jungs von Gazette und ihre beiden Damen zu wecken und bei jedem einzeln im Zimmer zu erscheinen. Nur die Verwunderung, welche sich immer mehr in seinem Gesicht widerspiegelte, schien nicht verblassen zu wollen, als er Mandy’s Zimmer betreten hatte. Es war aufgeräumt, dass Bett jedoch war leer und auch kein Geräusch aus dem Badezimmer ertönte. “Hä?”, reagierte Kai verwirrt, nachdem er Mandy’s Zimmer verlassen hatte und in den Flur trat.

“Suchst du jemanden?”, fragte Reita, welcher ebenfalls in den Flur getreten war und laut gähnend dabei seine Arme in die Luft streckte.

Kai lächelte und bewegte sich auf Reita zu. “Hast du Mandy gesehen? Sie ist nicht in ihrem Zimmer.”, antwortete Kai und ließ seine Hände in die Hosentasche seiner schwarzen Jeans wandern, während er dabei beinahe schon nervös seinen Oberkörper von links nach rechts schwenken ließ. Reita gähnte nochmals und rieb sich darauf müde die Augen.

“Nein, seit gestern Abend habe ich sie nicht mehr gesehen. Ich habe nur beobachten können, wie sie Ruki hinterher rannte, als wir ihn ein wenig hochleben ließen und er beleidigt abgehauen ist.”, meinte dieser dann und sofort schossen Reita die Ereignisse vom vorigen Abend durch den Kopf. Er wollte sich rächen, hatte Mitsuyo bei seinem Gespräch mit Yoshi belauscht und erfuhr von Mitsuyo’s Impotenz. Fragte diesen nach einer der kleinen, blauen Pillen. Doch Reita erschrak plötzlich vor sich selbst, als er zu realisieren schien, dass er wirklich diese kleine, blaue Pille zerpulvert und einen Orangensaft, den er Ruki bestellt hatte, damit manipuliert hatte. Die Konsequenzen nahm Reita nur teilweise wahr. Er erinnerte sich nur noch an Ruki’s zunehmende Blässe und den Eindruck, den er dabei hinterließ. Ja, es erinnerte ihn an jemanden, der jeden Augenblick in Ohnmacht fallen würde. Und Reita schien plötzlich so etwas wie Reue gegenüber dem zu empfinden, was er getan hatte.

Er wusste von Anfang an, dass sein Verhalten kindisch war. Das er von Anfang an falsch gehandelt und nun das Gefühl hatte, einfach nicht nachgedacht zu haben und umso größer war nun das Verlangen danach, Ruki aufzusuchen und ihn, wenn es sein musste, auf Knien nach Verzeihung anzubetteln. Doch vielmehr, Mandy schien an diesem Abend ebenfalls “gelitten” zu haben.

Wahrscheinlich trat genau das ein, worüber Reita mit Ruki diskutiert hatte.

Genau das, was Reita versuchte Ruki auszureden.

“Reita? Alles in Ordnung?”, riss Kai Reita, welcher völlig in Gedanken versunken war, zurück in die Wirklichkeit und ließ ihn erschrocken zusammenfahren.

“Ich weiß nicht, wo sie steckt.”, hatte dieser dann nur gesagt, bevor er fluchtartig wieder in seinem Zimmer verschwunden war und Kai das Gefühl hatte, überhaupt nichts mehr zu verstehen. Doch statt sich weiter über Mandy’s Verschwinden und Reita’s seltsames Verhalten Gedanken zu machen, beschloss Kai, die nette Dame aus der Hotelküche anzuflehen, um für seine Jungs, Mandy, Jasmin und den Jungs von Staff Frühstück machen zu dürfen.

Die Sonnenstrahlen, die sich durch die Vorhänge des Hotelzimmers kämpften, schienen an diesen Morgen anders als sonst auszusehen. Jedoch war es nur ein Gefühl, welches Mandy hatte, die soeben ihre Augen geöffnet hatte und an die helle Zimmerdecke starrte.

Sie spürte eine warme Hand auf ihrem Bauch, welcher sich mit jedem ihrer Atemzüge hob und senkte. Schlagartig hatte es ihr plötzlich Tränen in die Augen getrieben, die sie jedoch rasch wegwischte, bevor sie überhaupt über ihre Wangen rollen konnten. Ein ersticktes Schluchzen ertönte, welches Ruki, der eben noch seelenruhig neben ihr gelegen hatte und schlief, aufwecken ließ. Als er vorsichtig seinen Kopf von Mandy’s rechter Schulter hob, blickte er in diese glasigen Augen und doch schien ihn dieser Anblick nicht zu wundern.

Nein, es wunderte ihn überhaupt nicht und umso größer wurde der Anschein, der stetig in ihm wuchs, als wolle ihn innerlich etwas zerreißen.

Innerlich hatte er “Es tut mir leid.” zu ihr gesagt. Ja, er hatte es auch am Abend zuvor, bis in die tiefen Morgenstunden zu ihr gesagt und nichts schien diese Schmerzen, die Mandy empfand, lindern zu können. Selbst jetzt nicht, als Ruki versuchte, ihr Gesicht mit seinen Händen zu berühren.

“Fass mich nicht an!”, schluchzte Mandy darauf und schlug Ruki’s Hände weg.

Mandy wirkte wie ein verstörtes Mädchen, als sie aus dem Bett gekrochen und im Badezimmer verschwunden war. Seufzend und mit den Händen vors Gesicht geschlagen hatte Ruki sich nach hinten zurück in die Kissen sinken lassen. Viel zu große Schuldgefühle schienen ihn in diesem Moment zu plagen, als dass er noch irgendeine Hoffnung sah, dass man sie so einfach verschwinden lassen könnte. Für ihn stellte es beinahe schon eine Unmöglichkeit dar - wie etwas, was er nicht wieder gut machen konnte.

“Was habe ich getan?”, ja, dass war Ruki’s Gedanke, der in seinem Kopf umherkreiste und ihm Kopfschmerzen bereitete. Er hatte das Gefühl, sich nicht mehr rühren zu können und jede einzelne Bewegung, war sie noch so klein, schmerzte.

Ruki wusste nicht, woran es lag und ihn schien dieses Problem weniger Kopfzerbrechen zu bereiten, als die Tatsache, dass er jemanden verletzt hatte. Es war ihm unwichtig, wie nah ihm diese Person stand. Ruki war nur wichtig, was er ihr angetan hatte. Wahrscheinlich würden ihn diese Schuldgefühle, die er Mandy gegenüber empfand, wie einen endlosen Alptraum verfolgen. Er könnte versuchen, davor wegzulaufen, doch dieser Versuch würde immer und immer wieder fehlschlagen. Es gab kein Entkommen, denn alles würde ihn wieder einholen.

Sein Herz schlug plötzlich unglaublich schnell in seiner Brust und ließ ihn zusammenzucken, als dann auch schon das erwartete, prasselnde Geräusch des Wassers aus dem Badezimmer ertönte. Aber wie würde es nun weitergehen?

Wie sollte er sich Mandy gegenüber verhalten?

Ruki hatte wenig später das Gefühl, dass sein Kopf jeden Moment platzen würde und er sich wie ein kleines Kind zusammengekauert hatte. An der Bettwäsche hing deutlich Mandy’s Parfumgeruch, der ihm schlagartig Gänsehaut bereitete und Ruki spürte im nächsten Moment etwas Kaltes in seinem Gesicht. Erschrocken richtete Ruki seinen Blick in Mandy’s Gesicht. Ein aufgesetztes Lächeln hatte sich auf ihren Lippen ausgebreitet, während sie mit ihren rotgeweinten Augen in die von Ruki sah.

“Du solltest jetzt duschen und ich werde dann in mein Zimmer gehen, bevor noch jemand etwas merkt.”, meinte Mandy, während sie ihre nassen Haare, mit denen sie soeben Ruki’s Gesicht leicht benässt hatte, mit einem Handtuch rubbelte und es sich anschließend über die Schultern legte. Und Mandy hatte in gewisser Hinsicht Recht, würde man sie bei Ruki erwischen und merken, dass sie die ganze Nacht bei ihm war, würde es sicher großen Ärger geben. Ruki nickte, ohne, dass Mandy ihm noch einen weiteren Blick schenkte.

Er war dann auch schon samt seinen Klamotten, die zerstreut auf dem Boden gelegen hatten, im Badezimmer verschwunden.

Mandy seufzte, bevor sie die Vorhänge aufriss und plötzlich die Zimmertür aufging.

“Guten Morgen, ich habe gehört, du willst nicht aufstehen, Rukilein?”, ertönte plötzlich die Stimme von Jasmin, die Mandy erschrocken zusammenfahren und zur Tür drehen ließ. Jasmin hatte ein breites Grinsen im Gesicht, welches schlagartig verschwunden war, als sie in Mandy‘s Gesicht geblickt hatte.

“Was machst du denn hier?”, fragte sie sofort und sah ihre Schwester abwartend an.

Doch statt sofort zu antworten, wie es Jasmin erwartet hatte, schwieg Mandy und bekam erhebliches Herzklopfen, als sich der Gedanke in ihren Kopf schob, dass jetzt alles vorbei sein würde. Völlig in Gedanken versunken starrte sie in Jasmin’s Gesicht.

“Was ist denn mit dir los? Hast du einen Geist gesehen, oder ist es wirklich so schwer, mir zu antworten?”, fragte Jasmin, während sie ihre Schwester leicht rüttelte und sie wieder aus ihren Gedanken riss.

Mandy zuckte zusammen und vertuschte ihre Geistesabwesendheit mit einem Lächeln, während ihr Blick auf die Badezimmertür fiel.

“Äh,…”, stammelte Mandy nun und suchte nach einer passenden Antwort. “…na ja, ich wollte Ruki wecken.”, sagte diese dann darauf. Das Jasmin es nicht glauben würde, war Mandy klar - denn Mandy war nicht die Art von Mensch, der mit Ausreden nicht immer überzeugend auf andere wirkte.

“Sicher?”, fragte Jasmin darauf skeptisch weiter und sah ihre Schwester darauf nur energisch Nicken, sodass Jasmin das Gefühl hatte, ein Kind würde vor ihr stehen.

“Ich bin mir total sicher.”, meinte Mandy, die darauf ihre Arme verschränkt hatte. “Und wo ist Ruki? Ist er duschen, oder was? Komm, irgendetwas stimmt hier doch nicht.”, meinte Jasmin und genau das hatte Mandy bereits erwartet. Und was sollte sie jetzt tun?

Sie konnte nichts tun, schließlich war Jasmin nicht dumm und würde ihrer Schwester abkaufen, dass diese Ruki wirklich nur wecken wollte. Nein, schon seit dem gestrigen Abend hatte sie sich zu viele Gedanken über die beiden gemacht, als dass Jasmin jetzt noch an der Tatsache zweifeln würde, dass Mandy etwas mit Ruki haben musste. Es war viel zu offensichtlich, schon allein aus dem Grunde, wie die beiden zueinander waren.

“Das besprechen wir später unter vier Augen, okay? Beeilt euch und kommt dann frühstücken.”, meinte Jasmin seufzend und verschwand aus Ruki’s Zimmer.

Mandy wäre jetzt viel lieber auf Knien zusammengesunken, wenn sie sich nicht krampfhaft einredete, es nicht zu tun. Erneut ging die Zimmertür auf, was Mandy in diesem Moment schon gar nicht mehr wunderte. Schlimmer, als es war, konnte es jetzt ohnehin nicht mehr werden. Jasmin hatte es bemerkt und warum sollte Mandy dann auch die anderen zum Narren halten können? Ihr würde niemand glauben, da man es ihr einfach ansah.

Auch Reita, der nun im Zimmer stand, war alles andere als verwundert. Er schien in diesem Moment auch der Einzige zu sein, der wusste, was wirklich zwischen Mandy und Ruki ablief. Er hatte darauf lächelnd und gleichzeitig kopfschüttelnd Ruki’s Zimmertüre geschlossen, bevor er Mandy angesehen hatte.

“Warum wundert es mich bloß nicht, dass ich statt Ruki, dich hier stehen sehe?”, fragte Reita darauf und sah Mandy abwartend an. Sie hatten ihren Kopf gesenkt und umso größer war nun der Wunsch, einfach im Erdboden zu versinken.

“Ist das jetzt wirklich noch so wichtig?”, antwortete Mandy mit einer Gegenfrage und obwohl es unhöflich gegenüber Reita war, hatte sie es doch einfach getan.

Reita lachte und bewegte sich darauf ein weiteres Stück auf Mandy zu. Er war nicht dumm und schon gar nicht blind, als er Mandy’s unsichere Gestalt vor sich stehen sah. Innerleich ahnte er bereits auch, dass etwas zwischen den beiden gelaufen sein musste - aber intensiver als am Abend zuvor.

Ja, Reita ahnte, dass Ruki mit Mandy geschlafen haben musste und er war daran schuld.

Reita gab sich allein die Schuld dafür und doch wollte er es gegenüber Mandy nicht zugeben, denn es würde allein ausreichen, wenn es Ruki wusste, oder wissen sollte. “Nein, eigentlich nicht. Es ist nun mal eine Tatsache, die man auch nicht wegdenken kann.”, antwortete Reita nach seinem kurzen Zögern und versuchte nun, einen Blick von Mandy zu erhaschen. Diese hatte jedoch immer noch ihren Kopf gesenkt und schien wie gebannt auf den dunklen Teppich zu starren. Sie fragte sich innerlich, wie sie sich aus dieser Misere herausretten sollte.

So einfach, wie man es vielleicht denken würde, war es nicht. Es erwies sich für Mandy als eine große Hürde, die sie erst überwinden musste, damit sie das Schlimmste hinter sich hatte. Doch war es wirklich so leicht, diese hohe Mauer zu überwinden? Mandy zweifelte erneut und sie fand in diesem Augenblick, in dem sie von Reita permanent beobachtet wurde, keinen Ausweg. Sie brauchte Hilfe - schon immer brauchte sie Hilfe von anderen, denn sie selbst war zu schwach, diese großen Hürden, diese hohen Mauern, allein überwinden zu können und manchmal hasste Mandy sich dafür.

Und statt etwas auf Reita’s Worte zu erwidern, brach sie plötzlich auf Knien zusammen und warf sich schluchzend die Hände vors Gesicht. Reita wusste nicht, wie ihm geschah. Wie lange war es her, als er das letzte Mal eine weinende, junge Frau gesehen hatte? Für Reita war es eine Ewigkeit und dies machte sich auch in seinem Verhalten bemerkbar. Er war verwirrt, irritiert und fühlte sich hilflos. Der Umgang mit Frauen war ihm beinahe schon zum Fremdwort geworden und selbst das sah man Reita an.

“Hey, nicht weinen.”, reagierte Reita fast schon bestürzt über Mandy’s Reaktion und kniete sich vor ihr hin, versuchte, ihre Hände aus dem Gesicht zu ziehen. Ein schüchternes Lächeln machte sich dabei auf seinen Lippen breit, als er in Mandy’s weinendes Gesicht blicken konnte. “Es ist nicht schlimm, was du getan hast. Niemand wird dir den Kopf abreißen, solange du deinen Mund hältst.”, versuchte Reita Mandy zu beruhigen, während diese immer wieder ihren Kopf schüttelte und dabei “Du hast doch gar keine Ahnung!” schluchzte.

“Komm schon, so gefühlskalt, wie du mich eben indirekt hingestellt hast, bin ich nicht, klar?! Ich weiß ganz genau, wie du dich fühlst…für dich war es das erste Mal, oder?”, fragte Reita vorsichtig und wischte dabei mit beiden Händen Mandy’s Tränen von den Wangen. Er musste einige Minuten auf Mandy’s Antwort warten, bis diese dann nickte und sich einigermaßen wieder gefangen hatte.

“Ihr denkt jetzt sicher, dass ich Schmutziges getan habe…”, wimmerte Mandy mit der naiven Art eines Teenagers, die Reita zum Auflachen und Kopfschütteln brachte.

“Was erzählst du da, Mädchen? Das ist Unsinn, totaler Unsinn!”, verneinte Reita Mandy’s Behauptung und warf dabei einen raschen Blick zur Badezimmertüre, die leicht geöffnet war. Natürlich. Ruki belauschte wahrscheinlich ihr Gespräch, was allerdings nichts Schlimmes war, schließlich befanden Reita und Mandy sich in seinem Hotelzimmer.

Aber Reita verkniff sich jegliche Bemerkungen, um Ruki aus seinem Badezimmer zu locken. Es reichte schon aus, wenn er ihn und Mandy belauschte.

“Ich weiß es nicht.”, murmelte Mandy, welche verwirrt ihren Kopf schüttelte und dabei in Reita’s Gesicht blickte. “Ich weiß es nicht.”, wiederholte sie dann und sah nur wieder ein Lächeln über seine roten Lippen huschen.

“Hör mal…”, begann Reita, bevor er darauf einen Moment lange inne hielt, um die passenden Worte zu finden, die Mandy weder angriffen, noch falsch zu verstehen waren. Reita versuchte immer bedacht zu sein, auch wenn ihm das nicht immer gelang.

“…ich werde sicher nicht derjenige sein, der euch verpfeift. Ihr seid erwachsen und könnt machen, was ihr wollt. Das einzige Besorgnis ist eben nur, dass, wenn es wirklich jemand mitkriegt, großen Ärger geben könnte. Um das aber zu verhindern, solltet ihr euch nicht zu auffällig benehmen.”, versuchte Reita zu erklären.

Doch es wirkte beinahe schon so, als würde Reita nicht mit einer gebildeten, jungen Frau, sondern mit einem geistigunterbelichteten Menschen reden, dem man alles genau erklären musste, damit er es auch endlich kapieren würde.

Das merkte Mandy natürlich sofort und lächelte schwach.

“Du musst nicht mit mir reden, als sei ich total bescheuert. Ich weiß, worauf du hinaus willst und außerdem war mir das von Anfang an klar.”, meinte Mandy, die sich die letzten Tränen aus ihrem Gesicht wischte.

“Und du hast mir eine Szene gemacht, von wegen, sie ist unsere Stylistin und nicht irgend’ne Tussi, die ich eben mal so umlegen kann.”, beschwerte sich Ruki, der mit einem um die schmalen Hüften gewickeltes, weißes Handtuch im Zimmer stand und ein beinahe schon verräterisches Lächeln auf seinen Lippen trug. Er sah Reita’s überraschten Gesichtsausdruck und umso breiter wurde sein Lächeln, welches nun auch seine strahlend-weißen Zähne entblößte. Aber Reita’s Gesichtsausdruck veränderte sich schlagartig und er wirkte nun ernst, dass es beinahe schon finster erschien.

“Na ja, so ganz Unrecht hast du nicht.”, gab Reita zu und erhob sich vom Boden, was sich nicht als einfach erwies, da er das Gefühl hatte, seine Beine wären eingeschlafen.

“Ich habe dir eine Szene gemacht, da ich enttäuscht von dir war und hoffte, du würdest nicht so weit gehen. Aber wie ich sehe, habe ich mich da geirrt.”, fuhr Reita seufzend fort und wanderte mit verschränkten Armen an Mandy vorbei, um an das große Zimmerfenster zu gelangen, aus dem Reita anschließend nach draußen sah.

Trotz, dass die Sonne schien, blieb der azurblaue Himmel nicht davon verschont, dass ihn vereinzelt graue und weiße Wolken bedeckten, die sich versuchten wie ein dunkler Schatten über den Himmel auszubreiten.

“Du hast ihr wehgetan, ist dir das bewusst? Du hast ihr das genommen, was nicht für dich bestimmt war.”, sagte Reita etwas schroffer, jedoch ohne sich zu Ruki umzudrehen.

Und natürlich hatte Reita recht, dass musste er Ruki nicht mehr vorhalten.

“Erzähl mir was Neues.”, konterte Ruki dann und warf Mandy einen ausdruckslosen Blick zu. Doch auch ihr Gesicht verriet in diesem Moment, als Ruki sie so ansah, nicht, was sie dachte. Anders war es bei Reita, der sich bei Ruki’s Worten umgedreht und entsetzt in dessen Gesicht geblickt hatte.

Reita kam es beinahe so vor, als nahm Ruki das alles auf die leichte Schulter.

Nervös fuhr er sich darauf mit der rechten Hand über sein Gesicht, während er mit der linken nach dem Fensterbrett suchte, damit er sich daran abstützen konnte.

“Weißt du eigentlich, was du da von dir gibst?”, fragte Reita in einem äußerst ruhigen Ton, den er selbst nicht von sich erwartet hatte. Er seufzte, hielt einen kurzen Moment lang inne und warf einen Blick auf Mandy, die immer noch am Boden kniete und schweigend das Szenario zwischen Reita und Ruki beobachtete. Was sollte sie auch dazu sagen?

Sie wusste, dass das, was Reita sagte, stimmte und genauso wusste sie, dass man nichts mehr daran ändern konnte. Doch die darauf folgenden Worte, die aus Reita’s Mund ertönten, war wie ein kräftiger Schlag ins Gesicht und genauso schmerzte es auch, sie zu hören. Reita lachte auf, fuhr sich dabei nochmals über das Gesicht und sagte darauf “Eigentlich hast du gar keine Schuld an dem, was gestern passiert war.”.

Ein Moment des Schweigens trat auf, der jedoch rasch wieder gebrochen wurde. Ruki stand die Verwirrung förmlich ins Gesicht geschrieben. Worauf wollte Reita hinaus?

Nein, Reita wollte dieses Vergehen von gestern aus der Welt schaffen, bevor ihn das schlechte Gewissen innerlich zerreißen und ständig verfolgen würde - mittlerweile war es ihm auch unwichtig gewesen, dass Mandy noch hier war. Aber Reita konnte es auch nicht weiter aushalten. “Was meinst du?”, fragte Ruki dann auch schon und wanderte mit dieser im Raum stehenden Frage zum Nachttisch, auf dem seine Zigarettenschachtel lag und er sich eine Zigarette herausnahm. “Schweig mich nicht an.”, forderte Ruki nun, nachdem er sich eine Zigarette angezündet und intensiv daran gezogen hatte.

Nun lag es an Reita - wie würde er sich jetzt am besten ausdrücken können?

Wie würde er es am besten erklären?

Das Risiko, dass Ruki aus allen Wolken fallen würde, müsste er eingehen und auch, dass Mandy wütend auf ihn sein würde, hätte er akzeptieren müssen.

Reita schloss wenige Sekunden seine Augen und man sah ihm deutlich an, dass er am Überlegen war, bis plötzlich die entscheidenden Worte fielen.

“Ich weiß, dass es falsch war und ich weiß, dass ich dir damit großen Schaden hätte antun können. Und einerseits habe ich auch Schaden angerichtet…”, stammelte Reita los und benahm sich nun alles andere als bedacht und ernst. Dabei schien in ihm nun so etwas wie Angst aufzusteigen und der Gedanke, dass das alles in einem Streit ausarten könnte, drängte sich in seinen Kopf und ließ sich auch nicht ignorieren.

Ruki stöhnte darauf nur genervt “Komm endlich zur Sache.”.

“Gestern Abend…ich bin für dein seltsames Verhalten verantwortlich gewesen. Ich bin auch für deine ’Beule’ in der Hose verantwortlich gewesen.”, stammelte Reita weiter und trotz alledem kam Ruki mit Reita’s Worten kaum voran.

Warum konnte er nicht einfach im Klartext reden?

“Wohl kaum.”, bemerkte Ruki dennoch teilnahmslos und Reita nur energisch seinen Kopf schüttelte. “Ich habe dir…Ich habe mir von Mitsuyo Viagra geben lassen und sie dir ins Trinken gemischt.”, plärrte Reita es einfach heraus und auch wenn er jetzt eigentlich das Gefühl haben sollte, dass ihm ein Stein vom Herzen fiel, so war dem nicht so.

Ein drückender Schmerz machte sich in Reita bemerkbar und Ruki’s entsetzter Blick machte es noch schlimmer, viel schlimmer.

“D-Du hast was?!”, kreischte Ruki beinahe und brachte Mandy mit seiner Lautstärke zum Zusammenzucken. Ruki allerdings hatte das Gefühl, als wollte jeden Moment der Boden unter seinen Füßen zerbrechen. Er spürte, wie seine Knie weich wurden und sie zu zittern begannen. Mit Mühe und entsetztem Gesichtsausdruck hatte es Ruki geschafft, sich auf seinem Hotelbett niederzulassen und sein Gesicht in die Hände gleiten ließ.

“Wieso Viagra? Wieso hast du das getan?”, fuhr nun Mandy dazwischen, die es endlich geschafft hatte, sich vom Boden aufzurichten und in Reita’s Gesicht zu blicken.

“Es tut mir leid.”, hatte Reita dann mit gesenktem Kopf gesagt, doch machte dies auch nichts mehr rückgängig und dass wusste er.

“Es tut dir leid? Ich weiß, dass es dir verdammt noch mal Leid tut! Aber das ändert nichts an der Tatsache, dass du Ruki Viagra gegeben hast.”, fuhr Mandy Reita an und kehrte diesem den Rücken zu, während sie ihren Kopf senkte und wie so oft den dunklen Teppich anstarrte. In ihr brodelte es und drohte davor, wie ein Vulkan auszubrechen.

Ja, sie war wütend - jedoch nicht auf Reita, sondern mehr auf sich selbst.

Hätte sie es früher bemerkt oder gesehen, hätte sie etwas unternehmen können.

Allerdings geschah weder das eine, noch das andere.

“Viagra…wieso Viagra? Warum hast du ihm Viagra ins Trinken gemischt? Angenommen, er hätte es nicht vertragen, was hätten wir dann getan? Verdammt, Ruki hätte sterben können!”, Mandy versuchte ruhig zu bleiben, was ihr sehr viel Mühe machte. Auch wenn sie selbst nicht viel über diese kleine, blaue Pille wusste, so kannte sie doch einige der vielen Nebenwirkungen. Viagra war schließlich nur für Männer gedacht, die unter Impotenz litten. Eine halbe Stunde nach Einnahme von Viagra machte sich eine Erektion bemerkbar, die je nach Körperbau und Größe unterschiedlich sein und für vier Stunden oder länger anhalten konnte. Für Männer wie Ruki, die völlig gesund waren, hätte es nach einer halben Stunde den Tod bringen können. War das Reita überhaupt bewusst gewesen, als er Ruki Viagra in den Orangensaft mischte? Das fragte sich auch Mandy, die stumm und immer noch Reita den Rücken kehrend da stand und den dunklen Teppich anstarrte, während ihre Hände nervös durch ihre feuchten Haare fuhren.

“Ich weiß.”, machte Reita sich dann kleinlaut bemerkbar, als er spürte, dass das Schweigen im Raum immer größer werden wollte. Mandy kicherte, als sie Reita’s Worte hörte und schüttelte darauf ihren Kopf, bis sie sich endlich dazu entschloss, wieder in Reita’s Gesicht zu blicken. “Du weißt es? Du weißt es?! Warum hast du es dann getan? Warum, verdammt noch mal?!”, wurde Mandy nun immer lauter und drohte davor, auszubrechen. Sie wollte nicht verstehen, wie Reita so leichtfertig damit umgehen konnte. Vor allem, war im Endeffekt auch Reita daran schuld, dass Ruki ihr die Unschuld nahm.

Wäre die Viagra-Pille nicht gewesen, wäre es wahrscheinlich ganz anders gekommen.

Ja, es konnte nur so sein. Mandy hätte nicht mit Ruki geschlafen und Jasmin hätte sie an diesem Morgen auch nicht in diesem Zimmer hier aufgefunden. Mandy hätte sich viele Fragen ersparen können. Doch Reita hatte alles kaputt gemacht. Er hatte auch für Ruki alles kaputt gemacht - denn jetzt würde ihn kein schlechtes Gewissen gegenüber dem haben, was er Mandy angetan hatte, plagen.

“Verschwindet!”, fuhr Ruki dazwischen, als er seinen Kopf gehoben hatte und beinahe schon geistesabwesend in das Zimmer starrte. Seine Hände hatten sich zu Fäusten geballt und lagen zitternd auf seinen Oberschenkeln, während sein Blick immer finsterer wurde.

Er schien voller Ungeduld, während er vor sich hinstarrte und darauf wartete, dass Mandy und Reita endlich verschwinden würden.

Er wollte keinen hier sehen, einfach niemanden und viel lieber hätte er es laut herausgeschrieen, doch verkniff Ruki es sich verzweifelt.

“Ihr sollt verschwinden, hab’ ich gesagt!”, forderte Ruki nun nochmals und der erste, der endlich einen Schritt zur Tür wagte, war Mandy. Ihr war in diesem Moment nichts lieber, als von ihr zu verschwinden - und nach alledem hätte es auch für immer sein können. Doch der Gedanke, endlich das erreicht zu haben, was sie versucht hatte sich zu erkämpfen, einfach wegzuwerfen, drängte sich in ihren Kopf.

“Ihr solltet dann wohl auch endlich frühstücken gehen.”, meinte Mandy und öffnete die Tür, an der sie immer noch stehen blieb und einen Moment lang inne hielt. “Und Reita…”, begann Mandy anschließend und verließ dann, ohne ihren Satz zu beenden, Ruki’s Zimmer. Nachdem die Tür ins Schloss gefallen war, konnte sie nur Ruki’s laut gewordener Stimme wahrnehmen und sie konnte von einen Streit zwischen ihm und Reita nun nicht mehr ausschließen. Es war wahrscheinlich auch ganz gut so, dass sie gegangen war, um sich das übrige zu ersparen. Noch schlimmer, als es war, konnte es ohnehin nicht mehr werden. Wie sollte Mandy jedoch damit abschließen können, wenn sie wusste, dass sie etwas verloren hatte? Ihr schien es, als sie völlig in Gedanken versunken ihren Weg fortführte, nicht möglich zu sein, eine Antwort darauf zu finden. Sie würde daran nichts ändern können und genauso wenig konnte sie vermeiden, sich daran zu erinnern - verdrängen, aber nicht vergessen…

Kurze Zeit später saß Mandy, genau wie Jasmin, Uruha, Kai und Aoi im Speisesaal. Das Frühstücksbuffet war herrlich hergerichtet worden, sodass man regelrecht den Drang dazu entwickelte, immer wieder zugreifen zu wollen. Angefangen von Cornflakes und Müsli war alles vorhanden, was man im normalen Leben gar nicht zu Gesicht bekam - von daher war es amüsant mit anzusehen, wie Jasmin in eine Schale mit eigenartig in bräunlichen Blättern eingehüllte Früchten griff und diese fragend angestarrt hatte.

“Was’n das?”, fragte sie und betrachtete zwei von den Früchten auf dem weißen Porzellanteller in ihren Händen. “Sind die angegammelt, oder so?”, fragte Jasmin weiter, während die anderen, bis auf Mandy, in schallendes Gelächter ausgebrochen waren. Kai, welcher darauf kopfschüttelnd und mit einem breiten Grinsen im Gesicht aufgestanden war, bewegte sich darauf auf Jasmin zu. Wie ein dummes, hilfloses Kind hatte sie in Kai’s Gesicht geblickt. “Also…”, begann er und nahm sich ebenfalls eine dieser Früchte aus der Schale, die er anschließend Jasmin vor die Nase hielt.

“…das ist eine südländische Frucht, aus Italien oder Spanien. Deshalb bekommt man sie auch schwer und nur zu teuren Preisen bei uns. Diese Frucht reift in ihrem eigenen Blattwerk und wird Physalis genannt. Sie ist nicht jedermanns Geschmack, aber ich find sie lecker.”, erklärte Kai dann und sah Jasmin nur ständig nicken. “Und wie isst man die?”, fragte Jasmin weiter und sah Kai darauf nur wieder grinsen.

“Das ist doch ganz einfach, du pellst das Blattzeug weg und dann kannst du das kleine, gelb-orangefarbene Früchtchen essen.”, meinte Kai, der die Frucht von seinen Blättern entfernte und anschließend Jasmin damit fütterte. Und man konnte Jasmin deutlich ansehen, dass Kai ihren Geschmack getroffen hatte.

Erneut brach schallendes Gelächter aus..

“Warum merkt man dir nur immer wieder an, dass du mal in einem Restaurant gearbeitet hast?”, warf Aoi mit einem breiten Grinsen in den Raum.

Kai kicherte, während er Jasmin dabei beobachtete, wie sie versuchte eine Physalis-Frucht von ihren Blättern zu entfernen.

“Na ja…”, sagte Kai und räusperte sich kurz darauf. “… im Gegensatz zu dir stand ich nicht gelangweilt hinter der Kasse und musste darauf warten, dass endlich mal ein Kunde kommt und einkauft.”, grinste Kai dann, worauf Aoi ihm nur die Zunge herausstreckte und sich anschließend wieder seiner Tasse Kaffee widmete.

“Ärgere ihn doch nicht.”, meinte Jasmin grinsend und fütterte Kai mit einer Physalis. Darauf hörte man bloß das Klirren von Geschirr und das Geräusch, wenn ein Stuhl jeden Moment drohte, umzukippen, wenn man es nicht noch rechtzeitig verhindern konnte.

“Ich bin fertig.”, machte sich Uruha bemerkbar und verschwand ohne ein weiteres Wort aus dem Speisesaal. Ihm folgten nur fragende Blicke, denn niemand wusste, was plötzlich mit ihm los war. Und es schien auch beinahe so, als würde der heutige Tag nicht einer dieser Tage sein, die man sich gewünscht hatte. Viel lieber würde man ihn vergessen und nicht mehr daran denken müssen. Doch so vieles schien wie heute unmöglich zu sein.

“Was hat er denn?”, fragte Aoi und sah Mandy dabei abwartend an. Diese zuckte jedoch nur mit den Schultern und stand ebenfalls auf, um sich vom Buffet ein paar frische Erdbeeren, die man um diese Jahreszeit in deutschen Märkten noch nicht bekommt, zu holen und es Aoi ihr gleichtat, während Kai und Jasmin sich lachend zu ihren Plätzen zurückbegeben hatten.

“Alles in Ordnung?”, hatte Aoi dann auch schon gefragt und naschte bereits vergnügt an den frischen Erdbeeren. Teilnahmslos nickte Mandy ihm zu, während sie die roten Erdbeeren, die sich vor ihren Augen in einer dekorativen Schale befanden, anstarrte und das Rot vor ihren Augen plötzlich leicht verschwamm.

“Sicher?”, fragte Aoi weiter, während er sich nun frischen Kaffee in seine Tasse goss. Mandy nickte ihm erneut zu und ihr teilnahmsloses, stummes Verhalten machte sie verdächtig. Man sah ihr sofort an, dass irgendetwas nicht in Ordnung sein musste.

“Lüg mich nicht an.”, sagte Aoi dann beinahe schon im Flüsterton und versuchte einen Blick von Mandy zu erhaschen, wenn Kai ihn dabei nicht unterbrochen hätte.

“Aoi, kennst du den Plan für heute schon?”, fragte Kai lautstark. Wären noch weitere Hotelgäste hier gewesen, so hätten sie die beiden jungen Männer wahrscheinlich verdutzt und kopfschüttelnd angesehen. Aoi überlegte kurz, bevor er seine Gedanken ausgesprochen hatte, um eventuellen Missverständnissen aus dem Wege gehen zu können. “Yoshi erzählte mir, dass unsere Managerin angerufen hat und uns noch einige Photoshootings und Fernsehauftritte untergeschoben haben soll, damit wir nicht nur faul herumsitzen und Däumchen drehen.”, erklärte Aoi und fummelte dabei den kleinen, grünen Stängel einer Erdbeere ab und steckte diese anschließend in seinen Mund. Manchmal fragte man sich, ob Aoi wirklich schon achtundzwanzig war. Sein beinahe schon manierenloses Benehmen schloss dies nämlich sofort aus und ließ den Gitarristen viel jünger erscheinen. “Das heißt also, wir bleiben noch länger hier…”, seufzte Kai und nippte an seiner Kaffeetasse. “Ein oder zwei Tage.”, sagte Aoi und ließ seinen Blick über den langen Buffettisch wandern.

“Was war gestern Abend eigentlich passiert, weshalb du es so eilig hattest, die Hotelbar zu verlassen?”, fragte Aoi dann auch schon wieder und langsam passte es Mandy überhaupt nicht mehr, dass Aoi ständig nur dabei war, sie auszufragen. Wie konnte man nur so neugierig sein? Das dachte auch Mandy, obwohl sie wusste, dass Aoi sich nur nach ihrem Befinden erkundigen wollte. Und statt zu antworten, hatte Mandy ihr Geschirr fallen lassen. Das Klirren des zerbrochenen Geschirrs hallte noch ewig im Raum, den Mandy fluchtartig verlassen hatte. Aoi starrte erschrocken und verwundert zugleich zur Flügeltüre, bis er seinen Blick senkte und auf den Scherbenhaufen vor seinen Füßen anstarrte.

Ihm wurde nun immer klarer, dass etwas vorgefallen sein musste, doch bevor er darauf reagieren und Mandy folgen konnte, sah er Jasmin ebenfalls fluchtartig den Speisesaal verlassen. Aoi’s Blick wanderte zu Kai, der nur mit seinen Schultern zuckte.

“Versteh’ einer mal die Frauen.”, seufzte er dann und nippte wieder an seiner Tasse.

“Ist irgendetwas vorgefallen?”, fragte Aoi dann doch und begann den Scherbenhaufen vor seinen Füßen aufzusammeln, wobei er sich in den Daumen schnitt und zusammenzuckte. Ohne auf eine Antwort von Kai zu warten starrte Aoi den Daumen seiner rechten Hand an, aus dessen Schnitt vermehrt Blut hervorquoll.

“Ich weiß es nicht.”, sagte Kai dann und sah Aoi mit dem Daumen im Mund am Buffettisch stehen. Kai musste bei diesem Anblick grinsen - Aoi sah aus wie ein kleiner, dummer Junge. Währenddessen lief Jasmin ihrer Schwester nach und hielt diese, nach dem sie Mandy endlich erreicht hatte, am rechten Arm fest und drehte sie in ihre Blickrichtung. Und ohne auf Mandy’s Tränen einzugehen, oder andere Diskussionen zu führen, kam Jasmin sofort zum Punkt.

“Was hattest du bei Ruki im Zimmer zu suchen?! Komm mir nicht noch mal mit der Ausrede, dass du ihn wecken wolltest.”, forderte Jasmin und drückte ihre Schwester gegen die Wand und hielt sie weiterhin fest, damit Mandy nicht flüchten konnte. Doch Jasmin bekam keine Antwort, solange Mandy sich selbst nicht einigermaßen unter Kontrolle hatte. “Hast du bei Ruki geschlafen? Oder, hast du mit ihm geschlafen? Verdammt, rede endlich!”, forderte Jasmin nach wie vor und rüttelte Mandy leicht. Als Mandy ihren Kopf hob und in Jasmin’s Augen blickte, konnte sie sofort das leichte Entsetzen darin auflodern sehen. Mandy wusste jedoch nicht, wie sie es Jasmin erklären sollte - natürlich musste sie mit der Wahrheit herausrücken, etwas anderes wäre ihr gar nicht möglich gewesen.

“Ich…”, begann Mandy schluchzend und wischte sich mit der freien Hand die Tränen aus dem Gesicht, während die andere immer noch von Jasmin festgehalten wurde.

Jasmin sah Mandy abwartend an und jede darauf vergehende Minute war wie eine Ewigkeit. Man zählte bereits die Sekunden, die verstrichen, bis Mandy endlich weiterredete. “Ja, ich…ich habe mit Ruki geschlafen…”, stammelte Mandy los und spürte darauf nur, wie Jasmin den Kopf auf ihrer rechten Schulter sinken ließ und begonnen hatte, loszukichern.

“Das’n Witz, oder? Du willst mich doch bloß verarschen.”, behauptete Jasmin, nachdem sie Mandy wieder angesehen hatte.

“Du hast nicht mit Ruki geschlafen. Ich glaub dir das jetzt nicht.”, fuhr Jasmin fort und ließ nun von Mandy ab. Sie glaubte bislang nicht daran, dass Mandy wirklich dazu in der Lage sein konnte. Sie wusste genau, dass Mandy erst dann ihre Unschuld aufgeben würde, wenn sie sich unsterblich verliebt hatte und dies auf Gegenseitigkeit beruhte. Flirterein waren in Ordnung, doch alles, was tiefer ging, ließ Mandy nie zu - Jasmin wollte nicht verstehen, dass es wirklich dazu kam. Ihre kleine Schwester hatte leichtfertig ihre Unschuld weggegeben. “Warum?”, fragte Jasmin, nachdem diese sich nervös über das Gesicht fuhr und Mandy erneut abwartend ansah. Diese erkannte deutlich, dass Jasmin enttäuscht war und das war auch ihr Recht. Doch würde sie erfahren, aus welchen Gründen es dazu kam, würde sie nicht nur von Mandy enttäuscht sein. Nein, über den wahren Grund wollte Mandy schweigen, niemand weiter sollte davon erfahren und wenn es sein musste, würde Mandy es mit ins Grab nehmen.

“Weil ich es wollte.”, sagte Mandy prompt, auch wenn sie eigentlich wusste, dass es nicht stimmte. Sie hatte nie vorgehabt, mit Ruki zu schlafen - aber wahrscheinlich sollte es passieren. Jasmin lachte und in ihrem Gesicht machte sich deutlich Skepsis breit.

“Du wolltest es? Komm schon, du hattest mir selbst gesagt, dass du für niemanden die Beine breit machst, so lange keine Gefühle im Spiel sind.”, erwiderte Jasmin und hatte dabei ihre Hände in die Hüften gestützt, während ihr einige der pinkfarbenen Haarsträhnen fielen. “Ja, ich wollte es, wie oft denn noch?!”, stöhnte Mandy beinahe schon genervt. Sie spürte deutlich eine gewisse Ruhe ihren Körper hinaufsteigen, die sie seufzen ließ.

“Also darf ich annehmen, dass du dich in Ruki verliebt hast?”, antwortete Jasmin mit einer Gegenfrage und ließ abwartend ihren Blick auf Mandy sinken, nachdem sie in beide Flurseiten geblickt hatte. Und ihr wurde klar, dass Mandy mit einem “Nein.” antworten würde, welches sie auch mit einem Kopfschütteln bestätigt hatte. Mandy wollte nun auch nicht mehr weiter darauf eingehen, bevor alles noch schlimmer werden könnte.

“Sag aber niemandem etwas.”, forderte Mandy und sah ein flüchtiges Lächeln über die Lippen ihrer Schwester huschen. “Damit wir beide Ärger bekommen? Nee, lass mal gut sein.”, winkte Jasmin ab und es war sehr beruhigend, wenn man wusste, dass man Menschen kannte, die nicht einfach Geheimnisse verrieten, von denen niemand etwas erfahren durfte. Zumal Jasmin sich in einer ähnlichen Lage befand, in die sie durch Uruha hineingerutscht war. Jasmin sah von daher keinen Anlass, Mandy’s Geheimnis an die große Glocken zu hängen, wenn es ihr auch nicht viel besser erging. Der einzige Unterschied war nur, dass Mandy nichts von dem, was zwischen Jasmin und Uruha lief, wusste und es war auch gut so. So würde sich Mandy nicht darüber aufregen können und genauso war es umgekehrt, wenn Jasmin wissen würde, dass Viagra dafür verantwortlich war, dass Mandy ihre Unschuld verloren hatte. “Wenn du dran bist, bin ich automatisch mit dran…darauf habe ich keine Lust.”, ließ Jasmin seufzend von sich. Sie schien sich genug darüber geäußert zu haben und rückgängig konnte sie auch nichts mehr machen.

“Du bist alt genug, ich kann nicht ständig deine Amme spielen.”, lächelte Jasmin dann und sah in Mandy’s verblüfftes Gesicht.

Mandy hatte sich alles viel Schlimmer vorgestellt, als es in Wahrheit war.

“Und zugegeben, Ruki is’ schon ein Hübscher.”, Jasmin’s Lächeln verwandelte sich schlagartig in ein freches Grinsen, welches Mandy unheimlich war und sie glaubte, nicht ihre Schwester vor sich stehen zu haben.

Und bevor Mandy noch etwas erwidern konnte, war Jasmin mit den Worten “Wir sehen uns später.” bereits verschwunden. Mandy stand nun wie eine Axt im Walde da und war wohl mehr verwirrt, als es vielleicht den Anschein hatte. Sollte sie aufhören, aus einer Mücke einen Elefanten zu machen? Sie sah vieles zu engstirnig und genau dies schien sie wohl manchmal in eine falsche Richtung zu leiten.

Doch was war nun mit Ruki? Was war mit Reita?

Mandy schüttelte ihren Kopf, hörte darauf das laute Gelächter ihrer Schwester, die gerade mit Kai herumalberte.

“Geh weg! Hör auf mich zu kitzeln!”, plärrte Jasmin, sodass man es gar bis in den Flur, in dem Mandy immer noch stand, hören konnte. Die Gäste, die an diesem späten Morgen aus ihren Zimmern kamen, schüttelten nur ihre Köpfe und warfen Mandy unverstandene Blicke zu. Blicke, die ihr sagten “Was stehst du hier wie ein Ölgötze rum?!”. Aber davon ließen sich Kai und Jasmin nicht irritieren. Sie alberten weiter im Treppenhaus des Hotels und es störte sie auch nicht, dass die Gäste, die ebenfalls das Treppenhaus betreten hatten, sie beinahe schon abwertend angestarrt hatten. Ja, als wären Kai und Jasmin keine Menschen.

Sie benahmen sich wie kleine Kinder und genauso unschuldig und zerbrechlich war auch der Moment, als Kai es geschafft hatte, Jasmin festzuhalten und ihr in die Augen zu sehen.

Es wurde plötzlich ganz still und nur die leisen Atemgeräusche waren zu hören - bis diese Stille wie Glas zerbrochen wurde.

“Ist etwas nicht in Ordnung?”, fragte Jasmin sichtlich nervös und bereitete Kai ein beinahe schon verräterisch süßes Lächeln auf die Lippen.

“Was sollte denn nicht in Ordnung sein? Ich möchte dich nur ansehen.”, meinte Kai immer noch lächelnd. “Ich habe nur gute Laune.”, fügte Kai darauf hinzu und griff nach Jasmin’s Händen, die er fest in seine schloss. Seit geraumer Zeit war das Verhältnis zwischen ihm und Jasmin anders als sonst - wie kam es dazu? Niemand erinnerte sich daran, es war von heute auf morgen einfach so. Dass Kai in gewisser Hinsicht für Uruha’s Benehmen verantwortlich zu sein schien, sah jeder. Man sprach es lediglich nicht aus und behielt es ganz einfach in Gedanken. Es reichte vollkommen aus, dass man es sah. Ob es irgendwann ein Ende haben würde, wusste noch niemand. “Das habe ich auch schon bemerkt.”, sagte Jasmin und versuchte sich vorsichtig aus Kai’s Fängen zu befreien. Stutzig hatte Kai sie dann angesehen. “Stimmt etwas nicht?”, fragte dieser darauf und sah nur, wie Jasmin ihren Kopf schüttelte, während sie ihren Weg fortführen wollte.

“Yoshi meinte doch eben, wir sollen unsere freie Zeit genießen. Also werde ich das jetzt tun und heute Abend geht’s dann wieder an die Arbeit.”, erklärte Jasmin lächelnd und hielt dabei einen Moment lang inne. “Wie wäre es mit einem kleinen Stadtbummel?”, plärrte Kai wie ein kleines Kind los und zerrte an Jasmin’s Ärmel. Sie nickte ihm zustimmend zu und kaum war es gesagt, waren die beiden auch schon mit Security im Rücken und Yoshi’s Erlaubnis verschwunden.

Da Kai von Anfang an bevorzugte, mit Jasmin allein zu sein, war es ihm im Nachhinein auch erfolgreich gelungen, die Security loszuwerden.

Und Jasmin wusste auch, dass Kai jedes Mal, wenn er mit ihr allein war, keine Möglichkeit ausließ, ihr auf irgendeine Art und Weise zu beweisen, wie gern er sie mochte.

Natürlich genoss sie seine Gesellschaft mit jeder Sekunde, allerdings hatte Jasmin auch mittlerweile das Gefühl, dass sich ihre Gefühle mit jedem Mal zu ändern schienen.

Es war ganz eigenartig, in diesem Augenblick starke Zuneigung für ihn zu empfinden, wenn es in einigen Stunden wieder nur Freundschaft sein würde.

Eine Erklärung dafür fand sie nicht und Kai danach zu fragen würde im Endeffekt nur für Verwirrung und eventuelle Missverständnisse sorgen.

Und so saßen sich Kai und Jasmin später in einem Cafe in der Nähe des Stadtparks gegenüber, erzählten sich die unmöglichsten Dinge, lachten viel, oder schwiegen sich auch einfach nur an.

Beide schienen in den zuletzt vergangenen Stunden wieder einmal die Vielseitigkeit ihrer Interessen ausgiebig genossen zu haben. Und in dieser Zeit wurden wieder einmal die Züge ihrer Ideale deutlich - deutlich genug, um beide sich selbst unbewusst noch enger aneinander zu binden.

Sich einfach auch einmal an den Händen halten - ja, für beide sollte diese Tatsache kein großes Problem sein, während sie über die menschenleere Stadtbrücke liefen und von dort aus einen seltenen, aber sehr schönen Anblick vom Untergang der orangerotfarbigen Sonne erhaschen konnten.

“Schön...”, bemerkte Jasmin leise, die sofort stehen geblieben war, um den Anblick noch etwas länger genießen zu können.

Augenblicke, wie diese, genoss sie bislang immer ohne Gesellschaft und ihr wurde ganz plötzlich warm ums Herz, als sie realisiert hatte, dass ihr die Anwesendheit von Kai diesen Moment erheblich versüßte.

“Magst du Sonnenuntergänge?”, fragte Jasmin kurz darauf, bevor sie in Kai’s Gesicht ein zufriedenes, aber auch lieblich verträumtes Lächeln erkennen konnte.

“Sie sind schön. Aber noch schöner sind sie für mich, wenn ich sie mit einer nahe stehenden Person erleben kann.”, antwortete Kai, bevor er seinen Blick sofort wieder auf Jasmin gerichtet hatte und diese zufrieden anlächelte.

Sie war immer sofort Feuer und Flamme, wenn sie es wieder einmal geschafft hatte, ihn für etwas Neues zu begeistern.

Ja, Kai war ohnehin ein Mensch, welchen man für fast alles begeistern konnte.

Und während er nach Minuten noch recht starr erscheinend den rosafarbigen Himmel betrachtete, so, als würde er ins Nichts schauen, begann der seichte Wind in den einzelnen Haarsträhnen, welche ihm in der Stirn hingen, zu spielen.

Sein Blick wirkte traurig, als Jasmin ihm vorsichtig mit ihrer rechten Hand die einzelnen Strähnen aus der Stirn gestrichen hatte.

Bevor er allerdings ihren besorgten Blick erhaschen konnte, senkte sie ihren Kopf und starrte nun auf seine Brust, die aufgrund der oberen, offenen Hemdknöpfe ein wenig nackte Haut entblößte.

Ein langes Schweigen trat daraufhin ein, während Jasmin nicht länger zögerte, bevor sie sich einfach an ihn schmiegte und seine angenehme Wärme einatmete.

Warum nur fühlte sie sich in seiner Nähe so sorglos, so unbeschwert und leicht?

Er war wie ein Engel, welcher stets nur für sie seine weichen, leuchtend weißen Flügel ausbreitete, um sie darin schützend zu bewahren.

Es waren immer nur kleine Dinge, die liebevollen Gesten, die er ihr gab und für sie aber schon ausreichten, um sich nach all der vergangenen Zeit deutlich mehr zu ihm hingezogen zu fühlen. Liebevoll hatte er dann einfach seine Arme um sie gelegt und ihr über das Haar gestreichelt, woraufhin Jasmin ihm dann einen zärtlichen Kuss auf die linke Wange gedrückt hatte und ihn dann ansah, als wäre sie nicht in der Lage, ihre momentanen Gefühle in Worte zu fassen.

Ja, so schien es auch den Eindruck zu hinterlassen, als wäre sie nie wirklich in der Lage gewesen, es wirklich zu können oder zu dürfen.

Die Tatsache, dass sie ihn ansah, als würde sie weinen wollen, es aber nicht können, machte ihn traurig. Er sah, dass sie plötzlich traurig war.

Auch jeder andere aus der Gruppe hatte bereits bemerkt, dass Jasmin launischer und empfindlicher geworden war.

An den Gedanken, dass Uruha Schuld daran hatte, wollte sich Kai einfach nicht gewöhnen.

Würde er die Wahrheit kennen, würde wohlmöglich auch er daran zerbrechen.

Innerlich betete Jasmin bereits dafür, dass Kai niemals davon erfuhr.

Und so wurde in den darauf folgenden Minuten auch der Nachthimmel von einem schwarzen Schleier bedeckt, während man schon kurz darauf die Motten dicht unter der Laterne im Licht unmittelbar neben Kai und Jasmin tanzen sehen konnte.

Im Hotel wartete man bereits schon seit wenigen Stunden auf die Beiden.

Besonders bei Uruha sorgte es für Unruhe. Allerdings bemühte er sich sichtbar darum, es nicht so deutlich den anderen gegenüber zu zeigen, während die übrigen aus der Band sich wohl einen Spaß daraus zu machen schienen, Uruha mit möglichen Gedanken, welche die lange Abwesendheit von Jasmin und Kai erklären könnten. aufzuziehen.

“Eine bessere Möglichkeit, um miteinander zu vögeln, konnte sich beiden nicht bieten. Das nutzen die jetzt richtig aus.”, grinste Reita, bei dem man, egal, was er sagte, den typischen Kanagawa - Akzent immer heraushören konnte.

Die Angespanntheit, welche sich am Morgen in ihm ausgebreitet hatte, schien verschwunden zu sein. Doch war es viel mehr so, dass er es gegenüber den anderen nicht zeigen wollte.

“Du bist ja bloß neidisch, weil du nicht an Kai’s Stelle sein konntest.”, grinste nun Aoi auf seinem Stuhl, der gegenüber dem von Reita stand.

Die Welt schien plötzlich wieder in Ordnung zu sein, obwohl dies nur der äußere Schein dieser Fassade, die Mandy in diesem Moment schweigend betrachtet hatte, war.

Würde sie Reita auf die Geschehnisse von heute morgen ansprechen, konnte er sie nicht verleugnen. “Denkt ihr wirklich immer nur an Sex, oder existiert da noch etwas anderes in euren Spatzengehirnen?”, warf Uruha mit einem auf seine Hände gerichteten Blick dazwischen. Mit dieser Frage brach auch das schallende Gelächter der Jungs aus.

“Sex, Drugs and Rock’n Roll!”, lachten Aoi und Reita darauf im Chor mit einer Gestik, die sogar den ernsten Uruha zum Lachen brachte. Nur Mandy schwieg und man konnte beobachten, wie diese darauf aufgestanden war und sich auf die Türe zu bewegte, an der sie stehen blieb. “Wenn es euch nichts ausmacht, würde ich gern mit meiner Arbeit anfangen. Bis zum Auftritt ist es nicht mehr lange hin.”, sagte sie und wartete darauf, dass sich die Jungs endlich wieder fingen und sie endlich ernst nahmen. “Schon gut, du hast ja recht und Ruki steckt ja auch schon seit einer Ewigkeit in der Maske.”, erklärte sich Uruha bereit und folgte Mandy unaufmerksam in den Hotelflur. Die Tür fiel hinter den beiden laut knallend ins Schloss und auch das schallende Gelächter von Aoi und Reita war verstummt.

Beide saßen sich nun an dem kleinen, runden Tisch aus hellem Buchenholz schweigend gegenüber. Während Reita sich eine Zigarette anzündete und intensiv daran zog, starrte Aoi auf die glatte Tischoberfläche, welche sein Gesicht im hellen Neonlicht der Zimmerlampe leicht widerspiegelte.

“Sag mal…”, begann Aoi an seinen Ringen fummelnd und ohne Reita ein Mal anzusehen, war er dann aufgestanden und zum Fenster gelaufen. Er stützte sich mit dem Rücken zu Reita gekehrt am Fensterbrett ab und starrte wie gebannt auf die mit Lampen versehene Straße. Der Verkehr war im Laufe des Tages deutlich ruhiger geworden. Gelegentlich hielten Reisebusse am Straßenrand und ließen Touristen aus verschiedenen Nationalitäten im Hotel einchecken. Durch das geöffnete Fenster fuhr eine leichte, frische Brise durch Aoi’s Haar und wehte ihm vereinzelt dunkle Strähnen ins Gesicht. In weiter Ferne nahm er die Sirenen eines Krankenwagens wahr und irgendwo war in der Dunkelheit das Bellen eines Hundes zu hören, während er seinen Blick zum Himmel richtete, der von einem nächtlichen und mit Sternen versehenen Schleier bedeckt war. Wenige Sekunden darauf sah Aoi überraschend eine Sternschnuppe den Himmel durchschweifen und ein sanftes Lächeln breitete sich auf seinen Lippen aus. Was er sich wohl gewünscht hatte?

Im selben doch so ruhigen Moment riss ihn Reita mit einem lauten Räuspern aus seiner Gedankenwelt. “Was denn?”, versuchte Reita dann Aoi zum Weiterreden zu animieren.

Aoi lächelte leicht beschämt, als er sich zu Reita umgedreht hatte und dieser ihn nur frech angrinste. Aoi wollte eigentlich nicht mehr danach fragen, was heute Morgen los war. Für ihn passte es jetzt nicht mehr in diese ruhige Atmosphäre, sie war so schön und vielleicht war es auch das letzte Mal, dass alles so ruhig wie jetzt erschien.

Und doch hatte sich Aoi dazu überwunden, sein Gespräch mit Reita, der ihn abwarten angesehen hatte, weiterzuführen. “…was war heute früh denn eigentlich mit euch allen los? Ich meine, Du, Ruki und Mandy, ihr wart nicht so drauf, wie sonst.”, versuchte Aoi beinahe schon vor sich hin stammelnd zu erklären. Reita hingegen lächelte weiter und es schien, als ließ er sich sein Lächeln auch von niemandem nehmen.

“Was da war?”, fragte Reita nur weiter und zog an dem letzten Rest seiner Zigarette, bevor er diesen dann in dem schwarzen Glasaschenbecher, der in der Mitte des runden Tisches stand, ausdrückte.

“Ich weiß nicht, was das meinst.”, behauptete Reita anschließend, obwohl es gelogen war.

Aoi schüttelte seinen Kopf. “Ich hatte nur so ein Gefühl.”, meinte er dann und kehrte Reita von neuem den Rücken und warf nochmals einen Blick auf die beleuchtete Straße.

Er nahm plötzlich ein lautes Lachen wahr, welches dem von Kai sehr ähnelte. Von der linken Straßenseite sah Aoi dann, wie Kai zusammen mit Jasmin sich auf das Hotel zu bewegte, wenn beide nicht plötzlich stehen geblieben wären. Sie standen teilweise im dunklen Schatten eines Lampenmastes und dies erschwerte Aoi zu sehen, was die beiden da taten. Eine leicht ruckartige Bewegung ließ beide aber wieder ins Licht treten, ein Kichern ertönte und anschließen konnte Aoi beobachten, wie Kai Jasmin an sich gerissen und geküsst hatte.

Dieser Anblick ließ Aoi in sich hinein lächeln, während er fast schon unbemerkt seinen Kopf schüttelte. Innerlich hatte er es sich aber bereits denken können - schon seit jenem Abend, als sich Kai verzweifelt auf der Männertoilette im McDonaldsrestaurant zurückgezogen hatte. Aoi wurde vieles klarer und er verstand nun auch Kai’s seltsames Verhalten gegenüber Jasmin. Sie schien nicht nur eine Stylistin für Kai zu sein, sondern vielleicht eine gute Freundin. Nein, es war viel mehr als nur das Gefühl, Freundschaft zu empfinden. Kai musste sich in Jasmin verliebt haben, auch wenn diese um ein Jahr älter war. Aber was machte das schon? Kai machte seine Gefühle nicht vom Alter abhängig - Gefühle waren für ihn Gefühle.

“Empfindest du mehr für sie, oder spielst du nur?”, murmelte Aoi weiter Kai und Jasmin beobachtend, während er sich dabei schon fast nervös auf die Unterlippe biss.

“Was murmelst du?”, fragte Reita irritiert und zündete sich erneut eine Zigarette an, die er anschließend Aoi vor die Nase hielt. Mit einem flüchtigen Lächeln auf den Lippen und einem Kopfschütteln hatte Aoi Reita’s Angebot verneint. Mit beinahe schon anmutenden Schritten, die glatt einer Frau gehören konnten, hatte sich Aoi wieder auf seinem Platz niedergelassen und fuhr mit der linken Hand in die Jackentasche. Obwohl er einen Blick auf sein Handy werfen wollte, erblickte er etwas völlig anderes in seiner linken Hand und mit einem Schlag überkamen ihn plötzlich Erinnerungen, gemischt mit einem seltsamen Gefühl, welches fast schon schmerzhaft seinen Körper durchfuhr.

Tut mir leid, ich hatte keine Augen im Kopf.”.

Haben Sie sich wehgetan?”.

Ja, das waren damals die Worte, die Aoi zu Mandy sagte, als er diese unglücklicherweise umgerannt hatte und sie dabei ihren Handyanhänger verlor.

Es waren die Worte, die wie ein Echo in seinem Kopf widerhallten, und Bilder, die sich wie ein Stigma in sein Gedächtnis brannten, als er auf den kleinen Handyanhänger, der ihm nicht einmal gehörte, starrte und seinen Blick schon gar nicht mehr davon ablassen wollte.

Warum hingen seine Gedanken plötzlich an einer Person, mit der er kaum redete, obwohl sie jeden Tag miteinander zutun hatten?

Verwirrt und kopfschüttelnd hatte Aoi den Anhänger in seiner Faust verschlossen, während Reita ihn nur völlig verdutzt ansah. Er schien wohl genauso verwirrt zu sein.

“Sag mal, ist alles in Ordnung mit dir? Und warum schleppst du die ganze Zeit einen Handyanhänger mit dir herum?”, hatte Reita auch sofort gefragt, als ein junger Mann im schwarzen Anzug, welcher niemand anderes als Uruha war, in Begleitung mit Yoriko im Zimmer stand. “Sieht er nicht gut aus?”, prahlte Yoriko sofort breit grinsend und hatte darauf die Hände in ihre Hüften gestützt.

“Ja, sehe ich nicht gut aus?”, wiederholte Uruha und öffnete provokant weitere Knöpfe seines weißen Hemdes, welches nun mehr seiner nackten Brust entblößte.

“Protzer.”, seufzte Reita kopfschüttelnd.

“Sollte Mandy dich nicht eigentlich stylen?”, fragte Aoi darauf und starrte dabei beinahe schon teilnahmslos erscheinend in Uruha’s Richtung.

Uruha richtete seine schwarze Jackettjacke und räusperte sich darauf.

“Nun ja…”, begann er und erwiderte Aoi’s Blick mit einem schwachen Lächeln.

“…das wollte sie ja auch, wenn wir nicht im Flur auf Yoriko und Ruki gestoßen wären. Mandy hatte Ruki gesehen und darauf einfach die Flucht ergriffen. Heute scheint sowieso alles drunter und drüber zu gehen.”, fuhr Uruha anschließend fort und spürte von hinten nur einen leichten Druck, der ihn nach vorne schob.

“Und du solltest aufhören, anderen Leuten ständig im Weg zu stehen.”, bemerkte Ruki räuspernd, während er von allen anderen nur erschrocken angestarrt wurde.

Es war schon einige Zeit vergangen, als Ruki das letzte Mal sein Haar blond färben ließ. Natürlich wurde von Zeit zu Zeit deutlicher, dass das Rotbraun seiner Haare immer mehr verblasste. “Ist irgendetwas?”, fragte Ruki leicht irritiert von den Blicken der anderen. Reita brach darauf in schallendem Gelächter aus und Ruki überkam das unangenehme Gefühl, man würde ihn auslachen. Dabei war es nicht Reita’s Absicht gewesen, Ruki auszulachen, sondern sich über Ruki’s Gesichtsausdruck zu amüsieren. Es war nicht böswillig, auch wenn es auf Ruki, dessen Blick sich schlagartig verfinstert hatte, den Anschein machte.

Im gleichen Moment betraten Kai und Jasmin das Zimmer.

Niemand war über ihre Verspätung verwundert.

“Auch wieder da?”, frotzelte Uruha mit einem fast schon abwertend wirkenden Blick auf Kai. Über Kai’s Lippen kam ein flüchtiges, dennoch beschämtes Lächeln, welches seine Grübchen im bereits geschminkten Gesicht zum Vorschein brachte. “’tschuldigung, das war nicht unsere Absicht.”, versuchte Kai sich herauszureden, obwohl sich alle anderen schon ihre Gedanken ausgemalt hatten und diese dennoch völlig falsch waren.

“Wie spät ist es denn?”, warf Reita dazwischen und suchte mit seinen Blicken nach seinem Handy, welches hier irgendwo im Zimmer liegen musste. Darauf hatte Yoriko bereits einen Blick auf ihre silberne Armbanduhr geworfen, während sie sich einige braune Haarsträhnen aus dem Gesicht strich.

“Kurz vor zwanzig Uhr.”, antwortete Yoriko dann und bemerkte, wie Reita erschrocken auffuhr. “Wann müssen wir bei MTV sein?”, fragte Reita nun sichtlich nervös und es Yoriko zum Lächeln brachte. “Ganz ruhig, Rei. Ihr habt noch eine volle Stunde, kein Grund zur Aufregung.”, meinte Yoriko lächelnd. Nicht viele nannten Reita “Rei”. Meistens waren es nur die Fans, enge Freunde oder Verwandtschaft, die Reita bei seinen Spitznamen nannten. Er grinste dabei immer wie ein kleiner Junge, was immer sehr niedlich an Reita aussah. “Dann machst du mich jetzt genauso schick, wie Uruha.”, forderte Reita dann und bewegte sich auf Yoriko, die um einiges kleiner als er war, zu. Sie nickte lächelnd und drängelte sich darauf an Ruki und Uruha vorbei.

“Ich komme auch gleich mit!”, rief Aoi den beiden nach und war von seinem Stuhl gesprungen, welcher beinahe umkippte, wenn Aoi ihn nicht noch rechtzeitig festgehalten hätte. Im Eiltempo hatte er dann auch schon das Zimmer, welches vom Hotelbesitzer den fünf Jungs als Aufenthaltsraum bereitgestellt wurde, verlassen.

Jasmin und Kai standen da, als wären sie bestellt, aber nicht abgeholt worden. Auf Uruha und Ruki machte es einen seltsamen Anblick, auch wenn es so aussah, als würde sich keiner von beiden wirklich darum kümmern.

“Und, wie war das Einkaufen?”, fragte Ruki sofort und diese Tatsache schien ihn wohl deutlich zu stören, da shoppen eines seiner größten Hobbys war. Jasmin grinste ihn frech an, während sie seinen Kopf mit den frisch blond gefärbten Haaren tätschelte. “Och, Kleiner, das nächste Mal gehen wir einkaufen, okay?”, bemitleidete Jasmin Ruki, ohne, dass sie auf seine Frage antwortete und auch das Grinsen aus ihrem Gesicht verschwand dabei nicht. Ruki grinste darauf nur aufgesetzt, während es Uruha dazu brachte, genervt seine Augen zu verleiern. Obwohl er es nicht zugeben oder zeigen wollte, störte ihn die Tatsache sehr, dass Jasmin einen so intensiven Kontakt mit Kai hatte. Aber genauso wenig schien es ihm nicht möglich zu sein, diese Tatsache zu ändern. Würde er es versuchen, würde es sicher wieder schief gehen. Nein, das wollte er nicht…

Währenddessen hatte sich Yoriko an die Arbeit gemacht, um nun auch Reita zu stylen.

Aoi blieb als einziger noch ungestylt übrig und befasste sich nun mit dem Versuch, Mandy zu ihrer Arbeit zu animieren. Ob es ihn nun auch gelingen würde, wusste er noch nicht. Aber er wollte nichts unversucht lassen, schließlich war Mandy genau wie ihre Schwester eine Stylistin von Gazette.

Ohne, dass es Mandy gemerkt hatte, war Aoi in ihr Zimmer getreten und ließ die Tür hinter sich ins Schloss fallen. Das laute Knallen der Tür, ließ Mandy erschrocken zusammenfahren und sie starrte darauf beinahe schon fassungslos erscheinend in Aoi’s sanft lächelndes Gesicht. “Ich wollte nicht so einfach reinplatzen, aber du hattest wohl mein Klopfen nicht gehört.”, versuchte sich Aoi zu rechtfertigen, bevor Mandy ihn wahrscheinlich mit Fragen bombardieren konnte.

“… erschreck mich bitte nicht so.”, seufzte diese aber nur und fuhr sich mit beiden Händen über ihr Gesicht, bevor sie vom Bett aufgestanden und sich auf Aoi zu bewegte.

“Gibt es irgendetwas Wichtiges?”, fragte Mandy dann und bemerkte beiläufig, dass Aoi sich auch setzen dürfe, da sein Gestehe sie irritierte.

Aoi lachte auf, während er sich auf einen der Korbsessel, die es wohl in jedem Hotelzimmer gab, niederließ und seine Beine überschlug.

“Du solltest deine Arbeit machen.”, antwortete er mit erstaunlicher Ernsthaftigkeit, die auch deutlich in seinen sanften Augen niedergeschrieben war. Mandy wusste natürlich auch, dass Aoi recht mit dem hatte, was er eben sagte. Sie sollte ihre Arbeit machen.

“Tut mir leid.”, sagte Mandy beschämt lächelnd und suchte mit ihren Blicken nach den beiden silberfarbenen Kosmetikkoffern, in denen sich angefangen von Make-up bis hin zu Haarutensilien alles befand. Nachdem Mandy sie dann in der Ecke ihr gegenüber stehen sah, versuchte sie, sich sofort an die Arbeit zu machen, wenn Aoi nicht wieder aufgestanden wäre und sie daran hinderte. Mandy konnte nicht sagen, dass Aoi grob war, als er sie an beiden Oberarmen packte und dabei ernst in ihre Augen sah.

“Ich würde dich gern bitten, mich nicht anzulügen, okay?”, bat Aoi und ohne, dass er Mandy weiterhin etwas erklärte. Völlig perplex und erschrocken hatte sie ihm zugenickt, während Aoi sie zum Bett schob, auf dass er Mandy anschließend drückte und zum Sitzen brachte. “Also…“, begann er, während er sich den Korbsessel heranzog und sich gegenüber von Mandy darauf niederließ. Aoi hatte auch die ganze Zeit nicht davon abgelassen, ein ernstes Gesicht zu machen. Es schien wie festgenagelt, dass auch jedes andere Lächeln verblassen würde.

“…ich habe echt keine Ahnung, was vorgefallen ist. Aber ich weiß ganz genau, dass du dir darüber den Kopf zerbrichst, stimmt’s?”, fragte Aoi dann und griff mit seinen Händen nach denen von Mandy. Diese sah den 28jährigen jedoch immer noch völlig perplex an und es schien mit jedem weiteren ihrer Atemzüge schlimmer zu werden.

“Muss ich mich jetzt für irgendetwas rechtfertigen?”, antwortete Mandy stammelnd mit einer Gegenfrage, die Aoi ein sehr flüchtiges Lächeln über die Lippen huschen ließ. Er schüttelte seinen Kopf, während sein Blick auf Mandy’s Hände niedersank.

“Natürlich nicht. Tut mir leid, dass ich mich so bescheuert benehme. Aber da bin ich heute wohl auch nicht der Einzige.”, seufzte er wieder in Mandy’s Gesicht blickend. Und ohne, dass Mandy etwas darauf gab, war sie aufgestanden und trug ihre beiden Kosmetikkoffer an das große Doppelbett. Behutsam kramte sie anschließend die benötigten Utensilien heraus und sah anschließend mit geröteten Wangen in Aoi’s Gesicht. Sie lächelte, um es zu vertuschen. “Kostümwechsel.”, sagte sie und beobachtete, wie Aoi ihr zunickend aufgestanden und für einige Minuten aus dem Zimmer verschwunden war.

“Gott…”, seufzte Mandy wenig später am Zimmerfenster stehend, als sich von neuem ihre Tür öffnete und Aoi im schwarzen Anzug in ihrem Zimmer stand. Er lächelte und Mandy erwiderte dieses sanfte Lächeln, bevor sie ihn wieder gebeten hatte, sich zu setzten und endlich mit der Arbeit beginnen zu können. Aoi spürte, wie sein Plan, den Grund für heute morgen, zunichte gemacht wurde. Aber Aoi war im Nachhinein erleichtert darüber…

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