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Yami wo & Jiyuue

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Snowwhite-Innocence

Kapitel 7

“Ruki! Ruki!”, ertönte eine Stimme neben Ruki. Ja, sie war ihm bekannt und dennoch fühlten sich seine Augenlider so unglaublich schwer an, sodass er Mühe hatte, diese so einfach öffnen zu können. “Ruki, hör endlich auf zu pennen!”, ertönte es nur wieder und Ruki riss erschrocken seine Augen auf. Sein Kopf war schwer und schmerzte leicht, ihm war schwindelig und übel zugleich. Er konnte sich an nichts weiter erinnern, in seinem Kopf herrschte eine eigenartige Leere. “Ich dachte schon, du würdest gar nicht mehr aufwachen.”, Ruki erkannte nun, dass es Reita’s Stimme war, die neben ihm ertönte. Doch ohne seinen Blick von der Zimmerdecke zu bewegen, fragte Ruki bloß “Wie lange habe ich geschlafen?”. Reita lächelte und piekste Ruki vorsichtig in die rechte Seite, sodass dieser leicht zusammenzuckte. “Seit gestern.”, bemerkte Reita darauf trocken, worauf Ruki diesem nur erschrocken ins Gesicht blickte. Es konnte unmöglich Reita’s Ernst sein. “Du verarschst mich?!”, fuhr Ruki Reita an, doch dieser lächelte kopfschüttelnd und ließ sich neben Ruki auf dem Bett nieder, starrte anschließend an die weißgestrichene Zimmerdecke. “Ich habe bei dir angerufen und Kai meinte, du wärst nicht da. Aber ich musste ja nicht lange suchen, da ich mir denken konnte, wo du stecken würdest. Ich habe dich am Strand gefunden und glaubte fast, du wärst tot. Du lagst da und hast dich nicht gerührt, du bist nicht einmal wach geworden. Ich habe dich dann mit zu mir genommen.”, erklärte Reita dem immer noch fassungslosen Ruki. Wie konnte es möglich sein, dass er einen ganzen Tag durchschlief? “Ganze vierundzwanzig Stunden…”, murmelte Ruki vor sich hin und richtete sich vorsichtig auf. Er rieb sich über das blasse Gesicht, in welchem einige blonde Haarsträhnen klebten. Ruki wollte Reita’s Worte nicht glauben und dennoch schien etwas Wahres an ihnen zu sein, denn Ruki hatte einen langen Traum und dieser hatte ihn in die Vergangenheit zurückgeführt. Er lächelte bei diesem Gedanken und schüttelte seinen Kopf. “Ich fühl mich wie ausgekotzt…”, sagte Ruki und drehte sein Gesicht in Reita’s Richtung. “So siehst du auch aus.”, grinste dieser nur. Ruki merkte plötzlich, dass diese vierundzwanzig Stunden eine grausame Ewigkeit für ihn waren und dennoch wurde ihm vieles klarer. Er wollte die Freundschaft zu den Jungs nie mehr missen müssen, denn viel zu eng war dieses unsichtbare Band zwischen ihnen bereits gespannt, als das man sich daraus lösen könnte. Nein, sie waren Ruki’s Familie geworden und das wollte er um keinen Preis aufgeben müssen. Viel lieber würde er sterben. “Weißt du noch, wie es damals mit uns angefangen hat?”, fragte Ruki plötzlich und drehte sich auf die Seite, um Reita besser ansehen zu können. Reita nickte und doch schien er nicht weiter darauf eingehen zu wollen, als er meinte, Ruki solle duschen gehen und sich bei Kai und Mandy melden. Es gab viel wichtigere Dinge, als das man in der Vergangenheit herumwühlen sollte - das dachte Reita und vielleicht hatte er auch recht. Die Stunden darauf wirkten wie Sekunden und noch immer fühlte sich Ruki unwohl in seiner eigenen Haut. Vermutlich sah man es ihm immer noch an, als er neben Reita auf dem Beifahrersitz saß und die Straßenlaternen, die während der Fahrt an ihnen vorbeizogen, beobachtete. “Was hattest du eigentlich am Strand zu suchen?”, unterbrach Reita die Stille und brachte Ruki zum Zusammenzucken. “Was?”, reagierte dieser verwirrt und blickte in Reita’s lächelndes Gesicht. “Was hatte dich dazu gebracht, am Strand rumzuhängen?”, fragte Reita nochmals. “Ich brauchte einen freien Kopf. Das alles war ein bisschen viel gewesen. Erst das mit dem Hotel, dann das mit Jasmin…ich hatte das Gefühl, mir würde das alles die Kehle zuschnüren. Es ging einfach nicht mehr…”, antwortete Ruki seinen Kopf darauf senkend und brachte Reita zum Auflachen. “In Wirklichkeit zieht dich der Streit mit Uruha runter, stimmt’s? Er hat mir davon erzählt und er findet’s scheiße, dass du nur seine Fehler siehst, statt deine eigenen.”, meinte dieser und es war die Wahrheit, welche Ruki letztendlich auch benickte. “Stimmt schon…Ich sollte mich wirklich mal an meine eigene Nase fassen, bevor ich Uruha kritisiere. Aber Fakt ist doch, dass er dafür verantwortlich ist, dass Jasmin im Krankenhaus liegt. Er macht sie doch ständig fertig, er bringt sie doch ständig zum Heulen.”, reagierte Ruki beinahe aufgebracht, bevor er anschließend einen Moment lang Inne hielt. “Aber weißt du, wie grausam es ist, wenn man von einer bestimmten Person nicht die Finger lassen kann? Oder, miterleben zu müssen, wie diese leidet? Für meine Gefühle kann ich leider nichts, auch wenn ich sie nicht haben darf.”, fuhr Ruki anschließend fort. Reita seufzte, doch wusste er genau, was Ruki versuchte auszudrücken. “Ich wusste von Anfang an, dass es so kommen würde. Dafür kenne ich dich schon zu lange, als das du mir noch etwas vormachen könntest. Du hast dich bei deiner ersten Begegnung sofort in sie verknallt.”, meinte Reita und warf Ruki einen verständnisvollen Blick zu. Für Ruki klangen diese Worte eigenartig in den Ohren und bereiteten ihm schlagartig Gänsehaut, die ihn auf seinen Sitz zusammenfahren ließ. Und doch waren sie genauso bitter wie die Wahrheit, dass diese Gefühle gar nicht existieren durften. Was sollte er dagegen tun? Er fühlte sich auf einmal so hilflos, dass man sich wirklich fragen musste, ob Ruki wirklich in der Lage war, einen Ausweg finden zu können. Dieses Gefühl, in einem Irrgarten gefangen zu sein, schmerzte in seiner Brust und viel lieber würde er einfach los schreien. “Ich kann nichts dafür…”, seufzte Ruki plötzlich in die vors Gesicht geschlagenen Hände und Reita ahnte bereits, in welcher Zwickmühle Ruki zu stecken schien. Obwohl er ihn davor gewarnt hatte, sich nicht intensiv mit Mandy einzulassen, so würde er ihn viel lieber davor bewahren, seine Gefühle einfach aufzugeben. Reita glaubte, Ruki würde daran zerbrechen. Es glich einer Rose, der man einfach das Wasser wegnahm, um sie daran zu hindern, aufzublühen. Warum wollte man krampfhaft, dass Ruki genau wie diese Rose welken sollte? Unverstanden schüttelte Reita seinen Kopf. “Ich werde niemandem davon erzählen, okay? Ich weiß genau, dass du es nicht durchstehen würdest.”, meinte Reita mit ernster Miene und ohne, dass er Ruki dabei ansah. Ruki allerdings überraschte Reita‘s plötzliche Meinung und doch war er anderseits froh, dass er jemanden hatte, der auf seiner Seite stand. “Danke…”, sagte Ruki leise, bevor er letztendlich aus Reita‘s Wagen stieg und anschließend das Wohngebäude vor seinen Augen mit argwöhnischen Blicken anstarrte. Es war sein Unbehagen, welches ihn versuchte daran zu hindern, dieses Gebäude zu betreten. Es war jenes drückende Herzklopfen, welches ihn schlagartig zusammenzucken ließ. “Dir wird niemand den Kopf abreißen.”, grinste Reita darauf aus dem Fenster der Beifahrerseite, bevor er einfach verschwunden war. Und es war letztendlich ein Seufzen, welches Ruki dazu brachte, in seiner Jackentasche nach seinen Wohnungsschlüsseln zu suchen und anschließend das Wohngebäude zu betreten. Daraufhin waren kaum Minuten vergangen, als er im Flur seiner Wohnung stand und die Tür hinter sich ins Schloss fallen ließ. Aus der Küche strömte der Geruch frisch gekochten Kaffees in den Flur und das Laufen des Fernsehers ertönte aus dem am Ende des Flurs liegenden Wohnzimmers. Mit beinahe schon übervorsichtigen Schritten bewegte Ruki sich in Richtung Wohnzimmer, in welches er schließlich hineinblickte. Auf der Couch saß Kai, welcher konzentriert irgendeine Dokumentation, die im Fernsehen lief, verfolgte und Mandy, welche in einer Wolldecke eingewickelt mit dem Kopf auf Kai’s Schoß lag und schlief. Keiner von Beiden schien Ruki bis jetzt bemerkt zu haben, bis Kai reflexartig seinen Blick zur Wohnzimmertür richtete, in welcher auch Ruki stand und ihm völlig schüchtern entgegenlächelte. “Hi.”, sagte er daraufhin leise und beobachtete Kai nur dabei, wie dieser lächelnd seinen Kopf schüttelte und Mandy, welche tief und fest zu schlafen schien, dazu brachte, ihren Kopf von seinem Schoß zu nehmen. Sie schlief weiter, nahm nichts von ihrer Umgebung wahr und kauerte sich stattdessen wie ein Kind gegen die Rückenlehne der Couch. “Wo hast du gesteckt? Sie hat die ganze Nacht deswegen nicht schlafen können.”, meinte Kai, welcher auf Ruki zukam und dabei auf Mandy zeigte. Ruki konnte darauf nur seinen Kopf senken und einen Moment lang inne halten, bevor er zusammen mit Kai aus dem Wohnzimmer in die Küche verschwand. “Ich weiß nicht und ich kann es auch nicht wirklich erklären…aber, mir ist vieles klarer geworden.”, meinte Ruki, als dieser nachdenklich aus dem Küchenfenster auf die Straße sah. Kai belächelte Ruki’s Worte, weil diese nicht die Antwort beinhalteten, die Kai hören wollte. “Du hast fast einen ganzen Tag durchgepennt, dass hat Reita mir jedenfalls erzählt.”, seufzte Kai in den Raum, als er Ruki eine Tasse des frisch gekochten Kaffees reichte und Ruki diese nickend entgegen nahm. “Ich weiß nicht, wie und warum es passiert ist. Mittlerweile ist es mir auch egal und ich will nicht weiter darüber nachdenken. Mir sind andere Dinge viel wichtiger…, weil mir die Augen geöffnet wurden. Der Streit mit Uruha kotzt mich an und überhaupt will ich mit niemandem aus der Band in Streit leben, dass führt doch zu nichts. Es führt zu gar nichts und es würde die Band nach und nach kaputt machen, verstehst du? Ich will nicht so einfach fünf Jahre in den Sand setzen, nur weil wir uns nicht im Griff haben. Klar, es sind in letzter Zeit viele schlimme Dinge passiert und ich wünsche mir wirklich nichts anderes, als das sich die Zeiten endlich ändern und wir unbeschwert weiter Musik machen können…und das man auch unseren Gefühlen eine Chance gibt.”, erklärte Ruki in seine Tasse Kaffee starrend. Er spürte darauf nur einen leichten Druck auf beiden Schultern und blickte schließlich in Kai’s verständnisvoll lächelndes Gesicht. “Mir brauchst du nichts zu erklären und glaub mir, denn mir war von Anfang an klar, dass das passieren würde.”, lächelte Kai und beobachtete Ruki dabei, wie dieser völlig in Gedanken versank und dabei den Eindruck hinterließ, dass er durch Kai hindurch schauen würde. “Du liebst sie, nicht wahr? Du liebst sie, obwohl du sie erst vor wenigen Wochen kennen gelernt hast und so gut wie gar nichts von ihr weißt.”, riss Kai Ruki aus den Gedanken und blickte in dessen erschrockenes Gesicht. Ruki stellte sich dabei die Frage, warum man ihm seine Gefühle so deutlich ansehen konnte. War er wirklich nicht dazu fähig, diese zu verstecken? Jeder sah es ihm an und jeder hielt es ihm vor - aber Ruki konnte nichts für die Gefühle, die in ihm wie heiße Flammen ständig aufloderten und einfach nicht erlischen wollten. “Ja doch, genau das tue ich. Ja, ich liebe das Mädchen, was da gerade in meinem Wohnzimmer schläft. Ich liebe das Mädchen, welches gestern Abend völlig aufgelöst vor meiner Haustür stand. Ich liebe sie, ich, liebe sie wirklich…”, wurde Ruki plötzlich laut, als er seine Kaffeetasse auf dem Küchentisch abstellte und sich anschließend nervös durch die blonden Haare fuhr. Er hatte plötzlich das Gefühl, alles, was er in diesem Moment fühlte und in seiner Brust schmerzte, in die Welt hinausschreien zu müssen. Ja, er wollte schreien, bis seine Stimme letztendlich versiegen würde. “…aber ich darf es nicht.”, fügte Ruki anschließend hinzu und trug dabei einen fast schon verletzen Ausdruck im Gesicht. Er glaubte, dass ihn niemand verstehen würde und doch schien Kai in jenem Moment der einzige zu sein, der ihn wirklich verstand und ähnliche Emotionen in sich trug. Ein schwaches Lächeln umspielte Ruki’s Lippen, welches jedoch immer und immer wieder durch die Worte “Ich darf es einfach nicht…”. verblasste, bis dieses völlig in einem Zittern verschwand. Kai nickte ihm nur schweigend zu und als würde er genau das nachempfinden können, was Ruki’s Worte ausdrückten. Natürlich war Ruki nicht der einzige, denn Kai war ebenfalls in diese Grube aus solchen Gefühlen gestürzt und war darin gefangen. Doch im Gegensatz zu Ruki war Kai in der Lage, seine Gefühl vor anderen zu verbergen. “Ich glaube, dass es vom Schicksal so vorhergesehen ist.”, meinte Kai, welcher einen Moment lang inne hielt, während er Ruki dabei ansah. “Aber es ist dir nicht verboten, deinen Gefühlen freien Lauf zu lassen und diese Möglichkeit auszunutzen, solange diese besteht.”, fuhr er fort, bevor Kai anschließend im Flur verschwand und Ruki schlagartig Tränen über die blassen Wangen rollten. Weinen war das Letzte, was er in diesem Moment tun wollte und dennoch konnte er in diesem Moment nichts anderes, als dies zu tun. Mit vor sein Gesicht geschlagenen Händen stand er nun da und wirkte wie ein verloren gegangener, kleiner Junge, völlig von Verzweiflung zerfressen und hilflos. Währenddessen versuchte Kai, Mandy zu wecken. Mit einem völlig verschlafenen Gesicht und schweren Augenliedern blickte sie in Kai’s lächelndes Gesicht. “Was ist los?”, fragte Mandy leise und rieb sich immer noch müde die Augen, bevor sie sich langsam von der Couch erhob. Einen Moment lang drehte sich alles um sie herum und hatte dabei Mühe, auf ihren Füßen stehen zu können, wenn Kai sie nicht festgehalten hätte. “Werde erst einmal richtig wach.”, sagte er und starrte Mandy prüfend an, bis er schließlich von ihr abließ und Mandy sich nur gähnend über das Gesicht fuhr. Ihr Blick wanderte anschließend schweigend durch das Wohnzimmer und blieb am Bildschirm des Fernsehers hängen, in welchem gerade die Nachrichten zu sehen waren. Nur die Worte “Ich werde mich dann auf den Heimweg begeben.” brachten Mandy dazu, erschrocken in Kai’s Gesicht zu blicken. “Was? Du kannst mich doch nicht alleine lassen, Kai. Was soll ich denn solange machen? Ruki ist nicht da…”, reagierte sie darauf fast schon aufgebracht und ließ Kai nur kopfschüttelnd auflachen. “Mach dir mal keine Sorgen.”, lächelte er nur in Mandys Gesicht, bevor er ihr über das dunkelblonde Haar tätschelte und sie schließlich wie ein Ölgötze allein im Wohnzimmer stehen ließ. Kai’s Worte waren in jenem Moment auch das Letzte, welche Mandy verstehen wollte und konnte. Sie war einfach nur verwirrt und vielleicht noch zu müde, als das sie einen sinnvollen Zusammenhang in den Worten, die über Kai’s Lippen kamen, finden konnte. “Kai?”, rief sie darauf nur in den Flur, welchen Mandy dann auch sofort betrat. Ein kalter Luftzug, welcher durch die zuschlagende Haustür entstanden war, ließ Mandy schaudernd zusammenfahren und realisieren, dass Kai verschwunden war. “Du kannst mich doch nicht einfach allein lassen…”, flüsterte Mandy in den Flur und bewegte sich darauf vorsichtig in Richtung Küche. Erneut ließ ein kalter Luftzug sie zusammenfahren, als Mandy die Küche betreten hatte und die aufflatternden Gardinen sah. Nach wenigen Sekunden schweigenden Starrens erkannte Mandy die Person, welche hinter den weißen Gardinen am offenen Fenster stand und in die Abenddämmerung hineinblickte. Ein leises Seufzen ertönte aus ihrem Mund und ließ jene Person am Fenster erschrocken in ihre Richtung drehen. “Ruki?”, reagierte Mandy daraufhin beinahe schon erschrocken und als wären bereits Jahre vergangen, als sie Ruki das letzte Mal sah. Wie in einer Ewigkeit gefangen, schien die Zeit plötzlich stehen geblieben zu sein, als Mandy in Ruki’s blasses Gesicht blickte. Darauf spürte Ruki nur einen unsanften Aufprall auf den Küchenboden und eine angenehme Wärme, die ihn dennoch sanft auflächeln ließ. Warme Hände wischten ihm die zuletzt geweinten Tränen von den Wangen und weiche Lippen berührten die seine, bis letztendlich ein heißer Atem ihn zum Zusammenzucken und in Mandy’s erleichtert lächelndes Gesicht blicken ließ. “Werde ich jetzt öfters so eine stürmische Begrüßung bekommen?”, versuchte Ruki darauf zu scherzen, bis er Mandy’s warme Tränen auf seinem Gesicht spürte und nur die Worte “Du bist so ein Idiot!” in seine Ohren drangen. Und es verging eine ganze Weile, welche die Beiden auf den Boden festnagelte und sie kaum rühren ließ. “Wo warst du so lange? Wieso hast du dich nicht gemeldet?”, murmelte Mandy darauf in Ruki’s schwarzen Pullover, in welchen sie sich schließlich mit ihren Fingern festkrallte. “Es tut mir leid.”, erwiderte Ruki nur und streichelte dabei über Mandy’s Rücken. “Ich habe nicht gewollt, dass du dir Sorgen machst.”, fuhr er fort und rappelte sich zusammen mit Mandy vom Boden auf. Wie Fremde standen sie nun voreinander, die Köpfe gesenkt und den mit weißen Fliesen ausgestatteten Boden anstarrend. “Ich wollte es wirklich nicht.”, wiederholte Ruki und zog Mandy an den Hüften so dicht an sich heran, umschlang diese so fest, als wollte er sie nie wieder loslassen müssen. “Ich bin zum Strand gelaufen und irgendwie muss ich eingeschlafen sein…bis ich letztendlich bei Reita wieder aufgewacht bin. Das sich irgendjemand deswegen Gedanken um mich macht, stand nicht in meiner Absicht.”, begann Ruki darauf zu erklären, als er Mandy’s Gesicht zwischen seine Hände nahm und er nun wusste, warum diese ihm so wichtig geworden war. Es war nicht die Tatsache, dass er Mandy die Unschuld nahm oder sie eine ideale Visagistin war. Es war ihr Charakter und überhaupt jede einzelne Faser ihres Körpers, die Ruki nie loslassen wollte. Ruki wollte nur diese eine Frau, die er nun in seinen Armen hielt. Und viel lieber würde er dieses kleine Stückchen Ewigkeit für immer festhalten, denn hier war die Welt in Ordnung im Gegensatz zu dem, was außerhalb seiner vier Wände geschah. Nein, er wollte nicht in die bittere Realität zurückkehren und das fallen lassen zu müssen, was er soeben mühevoll erlangt hatte. “Lass mich nie wieder allein, egal, was passiert, okay?”, flüsterte Ruki in Mandy’s dunkelblondes Haar und brachte diese nur dazu, ihn sichtlich erschrocken über diese Worte anzustarren und dabei ihre Augen aufzureißen, als wäre ihr ein Geist begegnet. “Was erzählst du da?”, fragte sie ihn darauf irritiert lächelnd, als sie Ruki abwartend ansah und dieser nur ebenfalls lächeln konnte. “Du sollst bei mir bleiben…für immer.”, sagte Ruki darauf mit ernster Gelassenheit, als sich auch sein Blick schlagartig verfinstert hatte. Zu deutlich war die Ernsthaftigkeit in seiner Stimme und seinen Worten zu erkennen, als das Mandy diese für einen Scherz halten könnte. “Ruki, wie meinst du das?”, löcherte Mandy weiter und als würde sie nicht verstehen, was er mit seinen Worten versuchte auszudrücken. Dabei wusste sie ganz genau, was Ruki meinte. Es war ein seltsames Gefühl, welches Mandy einfach unsicher werden ließ. Und statt auf Mandy’s Fragen zu antworten, küsste er diese prompt und ohne, dass sie sich dagegen wehren konnte. Ruki wusste ganz genau, dass Mandy nur so tun würde, als könnte sie seine Worte nicht verstehen. Ein sanftes Lächeln umspielte seine Lippen, als er Mandy darauf einfach nur ansah und diese Sekunden später hinter sich her ins Wohnzimmer zerrte. Jegliche schmerzhafte Gedanken, welche sich zuvor in seiner Brust zu stauen versuchten, schienen in jenem Moment wie aufgelöst und nicht mehr existent zu sein. Er trug darauf jenen Blick im Gesicht, der dem eines unschuldigen Jungen gehören konnte und bereits so viel verriet, dass man nicht mehr danach fragen musste, was Ruki nun für ein Verlangen verspürte, nachdem wie schon so oft Tränen vergossen wurden und die aber genauso schnell wieder getrocknet waren. Zwar fühlte es sich so an, als wäre nicht der richtige Zeitpunkt dafür, doch war es gleichzeitig ein kleines Stück von dem, was diese Welt um einen herum für kurze Zeit vergessen ließ. Daraufhin hatte Ruki begonnen, an dem T-Shirt, welches Mandy von ihm trug, nervös herumzuzerren, während er sie fast schon flehend ansah. “…es ist doof und vielleicht nicht der richtige Zeitpunkt, ich weiß…”, bemerkte Ruki darauf den Kopf senkend und zerrte weiterhin an dem T-Shirt, eine Tatsache, die Mandy schweigend lächeln ließ. Sie hörte Ruki weiterhin zu, bis dieser endlich das aussprach, was er versuchte, mit anderen Worten zu erklären und ihm es misslungen war. “…schlaf mit mir.”, sagte er darauf und zog Mandy ruckartig an sich heran. Diese starrte ihm nur erschrocken ins Gesicht und spürte darauf nur die weichen Polster der Couch in ihrem Rücken und Ruki’s Schwere, welche sich auf ihr niederließ. Dabei fiel ihr ein, dass sie noch nicht vor all zu langer Zeit ihre Unschuld an Ruki verlor und dies unter Umständen geschah, an die sie jetzt viel lieber nicht denken wollte und doch drängten sich diese Bilder immer wieder in ihren Kopf. Doch mit einem fast schon unsicherem Lächeln versuchte Mandy diese Tatsache vor Ruki, welcher sie nur abwartend ansah, zu verstecken. Er merkte jedoch schnell, dass ihr irgendetwas unangenehm war und ließ von dem Versuch ab, mit seinen Händen unter ihr T-Shirt kriechen zu wollen. “Stimmt irgendetwas nicht? Mache ich irgendetwas falsch?”, fragte Ruki stattdessen, doch verneinte Mandy seine Fragen mit einem Kopfschütteln und der Tatsache, Ruki vorsichtig am Kragen seines Pullovers an sich heranzuzerren und zu küssen. Sie spürte darauf nur Ruki’s kalte Hände auf ihrer Haut, welche schlagartig von Gänsehaut bedeckt war und Ruki ihr nur wieder ins Gesicht blickte. “Wir müssen das nicht tun, wenn du nicht willst. Ich will auch nicht, dass du es nur mir zuliebe tust.”, bemerkte Ruki und spürte darauf Mandy’s warme, weiche Hände auf seinen Wangen, welche sanft von ihr gestreichelt wurden, während sie fast schon hilflos unter ihm lag. Sie schüttelte nochmals ihren Kopf und ihre Hände schweigend von einer Stelle zur nächsten wandern ließ, bis Mandy schließlich damit zu kämpfen hatte, Ruki von seinem Pullover zu befreien. Alles andere erwies sich mehr als einfach und es erweckte daraufhin in Mandy das seltsame Gefühl, als hätte Ruki bereits seit Jahren nicht mit einer Frau geschlafen. Seine Erektion schien von so immenser Gewalt, dass Mandy glaubte, jeden Moment starr vor Angst zu werden und dennoch versuchte sie dies Ruki zuliebe zu verbergen. Und es war jene Vermutung, welche Ruki hatte und welche alles um einen herum vergessen ließ. Jener Moment, welchen Ruki viel lieber mit eigenen Händen festgehalten hätte, wenn dies ihm möglich gewesen wäre. Es schmerzte und gleichzeitig hinterließ es bei beiden den Eindruck einer Einbildung, als Ruki Mandy’s Hals mit sanften Bissen liebkoste und diese sich zitternd an seinen Schultern festkrallte. Beide schienen in jenen Sekunden so fest miteinander verbunden zu sein, dass sie nichts mehr auseinander reißen könnte, auch wenn man es mit aller Kraft versuchen würde. Niemand. “Du musst mir versprechen, nie wieder zu gehen…”, flüsterte Ruki in Mandy’s rechtes Ohr, dessen Lippen anschließend sanft ihre Ohrläppchen berührten und Ruki’s Hände versuchten, Mandy noch dichter an sich herandrücken zu können. Er wollte sie noch viel stärker bei sich spüren, viel mehr, als in diesem Moment. Doch verlangte Ruki etwas, was Mandy vielleicht nicht einhalten könnte. Vieles war noch so in Ungewissheit verborgen und niemand kannte die Zukunft - denn selbst der nächste Morgen würde alles ändern können. Mandy vergrub darauf nur schweigend lächeln ihre Finger in Ruki’s blondem Haar. Niemand zählte darauf die Sekunden, die Minuten, welche das Wohnzimmer nun endgültig von Dunkelheit verschlingen ließen und diese nur leicht vom Aufflimmern des laufenden Fernsehers unterbrochen wurde. Es war das Leuten des Telefons, welches an diesem Morgen in Kai’s Wohnung ertönte und diesen mit schlurfenden Schritten und gähnend aus seinem Schlafzimmer kommen ließ. Nochmals gähnend nahm er darauf den Hörer ab und lauschte der Stimme am anderen Ende der Leitung. “Guten Morgen, Kai.”, ertönte die Stimme von Megumi am anderen Ende der Leitung. “Morgen, Megumi. Was gibt es?”, erwiderte Kai verwundert und starrte dabei auf das Bild, welches ihm gegenüber an der Wand hing. “Ist es dir möglich, Mandy oder Jasmin zu erreichen? Ich kriege keine von beiden ans Telefon.”, erklärte Megumi kurz und räusperte sich am anderen Ende der Leitung. Kai dagegen verwunderten Megumi’s Worte sichtlich mehr, denn er wusste, dass es möglich war, Mandy ans Telefon zu bekommen. Doch noch mehr war Kai von jener Tatsache verwundert, als er bemerkte, dass Megumi gar nicht zu wissen schien, dass Jasmin im Krankenhaus lag. “Sie wissen es noch gar nicht?”, antwortete Kai darauf nur mit einer Gegenfrage. Megumi lachte auf. “Was soll ich nicht wissen?”, fragte sie und wartete hoffend auf eine Antwort. “Jasmin wurde vor zwei Tagen ins Krankenhaus eingeliefert.”, erklärte Kai kurz und griff dabei nach seiner Zigarettenschachtel, die neben dem Telefon lag und klemmte den Hörer des Telefons zwischen seiner linken Schulter und Ohr, um eine Zigarette herausholen und sich diese anzünden zu können. Ein unglaubwürdiges Lachen erklang am anderen Ende der Leitung und verriet Kai sofort, dass Megumi Kai’s Worten keinen Glauben schenkte. “Sie liegt im Krankenhaus? Und deshalb bekomme ich auch ihre Schwester nicht ans Telefon? Kai, dass ist ein Witz, oder?”, reagierte Megumi immer noch lachend und es Kai nicht verstehen konnte, auch wenn er es wollte. “Sie wissen nicht, unter welchen Umständen es passiert ist und das müssen Sie auch nicht. Aber Sie sollten verstehen können, dass es Mandy demnach auch ziemlich mitgenommen hatte und sie deshalb vorerst in Ruhe gelassen werden möchte, solange dies auch möglich ist.”, versuchte Kai weiterhin zu erklären, wenn Megumi nicht begonnen hätte, von neuem zu lachen. “Es tut mir leid, aber in der heutigen Zeit sind mental labile Menschen hilflos verloren. Mandy sollte sich um ihre Arbeit kümmern, statt unnötig um die Gesundheit ihrer Schwester zu bangen. So schlimm wird es schon nicht sein. Deswegen richten Sie Mandy aus, dass sie morgen früh in mein Büro kommen soll. Schönen Tag noch.”, meinte Megumi, die darauf prompt aufgelegt hatte und Kai nur noch das penetrante Rufzeichen in seinem linken Ohr hörte. Im Grunde genommen hasste Kai Menschen wie Megumi, die einfach nur dazu in der Lage waren, zu bestimmen und dabei jegliche Emotionen anderer Menschen zu ignorieren. Kai stieß einen seufzenden Laut aus, während er den Hörer auflegte und sich anschließend durch sein dunkles Haar fuhr, welches noch recht zerzaust an diesem Morgen war. An seiner Zigarette ziehend stand er nun da und schien auch nicht wirklich zu wissen, was er jetzt tun sollte. Kaum viel Zeit war darauf vergangen, als er erneut den Hörer in der Hand hielt und Ruki’s Stimme am anderen Ende der Leitung hören konnte. “Megumi hat einen Schaden, ganz einfach.”, gähnte Ruki ins Telefon, während Kai über seine Worte nur kichern konnte. “Das fällt dir aber früh auf.”, meinte Kai, welcher sich gegen die buchefarbene Kommode, auf welcher das Telefon stand, lehnte und dabei durch die Gegend starrte, als wüsste er in jenem Moment nicht, wo er war. “Mal im Ernst, diese Frau hat sie echt nicht mehr alle. Sie hat zwar selbst genug erlebt, aber genau deswegen muss sie doch nachvollziehen können, wie sich Menschen wie Mandy nach solchen Geschehnissen fühlen.”, seufzte Ruki und warf einen Blick in Richtung Schlafzimmertür, in welcher Mandy gähnend stand und Ruki einen dennoch prüfenden Blick zuwarf. Dieser lächelte nur und gab Mandy ein Zeichen, welches sie aufforderte, ans Telefon zu kommen. “Wer ist dran?”, fragte sie nur leise und lauschte darauf der Stimme von Kai. “Morgen, Kleines.”, kicherte dieser und bescherte Mandy mit seinen Worten ein schwaches Lächeln auf die Lippen, während sie von Ruki dabei prüfend gemustert wurde. “Hi, Kai.”, erwiderte Mandy darauf und hörte Kai nur wieder kichern. “Ich soll dir von Megumi ausrichten, dass du dich bei ihr im Büro sehen lassen sollst.”, begann Kai darauf auch schon und räusperte sich. Mandy runzelte bei seinen Worten die Stirn, während sie Ruki dabei fragend ansah und dieser ihren Blick erwiderte. “Bei ihr im Büro? Weißt du, was sie von mir will?”, fragte Mandy darauf einfach weiter und wartete einige Minuten, bevor Kai ihr antwortete. “Das hat sie mir nicht gesagt. Die junge Frau hatte sich lediglich darüber beschwert, dass es doch schwachsinnig sei, sich von seinen Emotionen runterreißen zu lassen, nur weil jemand aus der Familie erkrankt ist. “, erklärte Kai seufzend und nahm ein aufgesetztes Lachen von Mandy wahr, bevor diese auf seine Worte reagierte. Kai brauchte ihr nicht viel erklären zu müssen, denn Mandy wusste genau, was Kai versuchte mit seinen Worten auszudrücken. Das Gespräch dauerte nicht lange und Mandy war darauf im Badezimmer von Ruki verschwunden, während dieser das Gefühl hatte, seine Worte würden gegen eine Wand prallen. “Was hast du jetzt vor?”, fragte er bereits zum dritten Mal, als Mandy dann auch vor ihm stand und mit dem Zeigefinger ihrer rechten Hand vorsichtig gegen seine Brust tippte. “Du fährst mich jetzt nach Hause und dann in die Firma, okay?”, beschloss Mandy, welche anschließend Ruki’s Wangen tätschelte und ihm dabei ins Gesicht grinste. “Und dann?”, reagierte er mit der Unschuldsmiene eines kleinen Kindes, welche Mandy nur zum Lachen brachte. “Und dann?”, wiederholte sie grinsend und ließ schließlich von Ruki ab. Kurze Zeit darauf stand Mandy in der wüst aussehenden Wohnung. Obwohl kaum zwei Tage vergangen waren, hinterließen jene Wände den Eindruck, als hätte seit Monaten niemand mehr hier gewohnt. Mit dem Blick auf den Fußboden gerichtet, durchquerte Mandy den Flur und blieb an der buchefarbenen Kommode, auf welcher auch das Festnetztelefon stand, stehen und hockte sich vor dieser hin. Ihr Blick schien zunehmend trauriger werden zu wollen, als sie den Bilderrahmen vor ihren Füßen in ihre Hände nahm. Darin war ein Bild von ihr und Jasmin, damals waren es noch erfüllte Tage - Tage, in denen man noch unbeschwert lachen konnte. Heute war alles anders und schlagartig schossen Mandy Tränen in die Augen, als sie mit den Fingerspitzen ihrer rechten Hand über das zerbrochene Glas fuhr. “Du bist traurig, stimmt’s?”, ertönte Ruki’s Stimme, als dieser vorsichtig seine Hände auf Mandy’s Schultern legte und sie diesen nur schweigend ansah. Mit einem zögerndem Nicken hatte sich Mandy schließlich in Ruki’s Arme geworfen und weinte verbittert, während sie den Bilderrahmen fest in ihre Hände und gegen ihre Brust drückte. Und viel lieber würde sie jetzt alles herausschreien, was ihre Brust in diesem Moment zum Schmerzen brachte. “Sie wird schon wieder gesund und ich klopp’ Uruha dafür eine rein, okay?”, versuchte Ruki Mandy scherzend zu beruhigen und diese auch sichtlich erleichternd über Ruki’s Anwesenheit lächelte. Insgeheim war sie froh, Menschen wie Ruki in ihrer Nähe zu haben. Menschen, die für sie da waren, wenn es ihr schlecht ging oder sie traurig war. “Ich weiß nicht, was ich tun sollte, wenn…wenn sie nicht wieder gesund wird, schließlich hat Jasmin seit Jahren solche gesundheitlichen Probleme.”, seufzte Mandy an Ruki’s Hals. Doch Ruki konnte nur kopfschüttelnd über die Worte des Mädchens, welchem er darauf ins Gesicht blickte, lachen. “Denk an so etwas nicht, okay? Sie wird wieder gesund, verstanden? Und jetzt hör auf zu weinen, du wolltest nämlich noch in die Firma.”, meinte Ruki und wischte Mandy die Tränen aus dem Gesicht. Mandy lächelte erneut und nickte zustimmend, bevor sie aufgestanden und von ihrem Schlafzimmer ins Badezimmer verschwunden war. Ruki hatte währenddessen die zugezogenen Vorhänge im Wohnzimmer aufgerissen und das Fenster zum Lüften geöffnet. Es war das erste Mal für Ruki, dass er in der gemeinsamen Wohnung von Mandy und Jasmin’s war. Die Sonnenstrahlen, welche in das blasse Gesicht von Ruki fielen, waren sehr angenehm auf der Haut. Ruki lächelte und lauschte völlig in sich gekehrt dem Zwitschern der Vögel, welche sich auf dem Dachsims des gegenüberliegenden Gebäudes niedergelassen hatten. Eine angenehme Brise fuhr dem 25jährigen über das Gesicht und ließ diesen mit Gänsehaut zusammenfahren. Ruki durchfuhren seltsame Emotionen, gemischt mit dem Gefühl eines unsicheren Kindes. Was machte er wirklich richtig? Was machte er eigentlich falsch? Ruki seufzte und kehrte dem geöffneten Fenster den Rücken zu. Er blickte in das sanft lächelnde Gesicht von Mandy, über deren Lippen plötzlich ein kindliches Kichern kam. “Lass es ruhig kitschig klingen…”, begann sie darauf leise und ihren Kopf vor Ruki senkend. “…aber manchmal habe ich das Gefühl, du wärst ein Engel, welcher mich vor allem Schlechten versucht zu schützen und immer da ist, wenn ich jemanden brauche. Es ist irgendwie komisch…”, fuhr sie anschließend fort und richtete ihren Blick wieder auf Ruki, in dessen Gesicht plötzlich Schamröte aufstieg. Vielleicht waren diese Worte kitschig, vielleicht sogar etwas übertrieben und doch hinterließen sie in Ruki ein Gefühl, welches er nicht einordnen konnte. Schon lange hatte er dieses Gefühl, welches sich von Tag zu Tag in ihm steigern wollte und er versuchte, es zu verdrängen. Er hatte einfach nur Angst davor, auszubrechen und mehr zu verlieren, als er bislang gewonnen hatte. Wie aus Reflex und um seine immer stärker werdende Schamröte zu verstecken, hatte Ruki Mandy an sich gerissen. Er hatte sie einfach an sich gerissen und schwieg nun. “Schon lange glaubte ich, das Gefühl mich verlieben zu können, sei erloschen. Doch durch dich wusste ich, dass es noch in mir war…denn du hast mir wieder gezeigt, was es heißt, zu lieben.”. Der Blick einer dunkelhaarigen, jungen Frau von schmaler Gestalt war aus dem Fenster in die leere Ferne gerichtet. Gelegentlich durchbrachen warme Sonnenstrahlen den mit Wolken bedeckten Himmel. Ein Lächeln umspielte beim Anblick des lichtdurchfluteten Himmels die roten Lippen dieser jungen Frau, welche sich einige ihrer dunklen Haarsträhnen aus dem blassen, porzellangleichen Gesicht strich. Doch das Klopfen einer Tür riss sie aus ihrem Tagtraum und ließ sie ruckartig umdrehen. “Guten Morgen, Frau Aoyama.”, ertönte darauf schüchtern Mandy’s Stimme in dem kleinen Büro von Megumi. Sie lächelte unverändert und bat Mandy, hereinzukommen und sich setzen zu dürfen. “Sie haben mich herbestellt.”, begann Mandy darauf und sah Megumi nicken, bevor diese sich Mandy gegenüber auf dem schwarzen, mit Leder bezogenen Drehstuhl niederließ und ihre zierlichen Hände auf ihrem Schoß zusammenfaltete. “Ich habe Sie hier herbestellt, weil ich einiges mit Ihnen klären will.”, sagte Megumi ruhig und fast zu sanft für ihre sonst typische Art. Und Mandy wurde bereits völlig anders, als sie in Megumi’s Gesicht blickte, aus welchem das Lächeln wie weggewischt erschien. Mandy durchfuhren leichte Schauder, die ihr Gänsehaut bereiteten und sie es dennoch mit einem Lächeln versuchte zu vertuschen. “Wie mir zu Ohren gekommen ist, soll ihre Schwester im Krankenhaus liegen, richtig?”, fragte Megumi und sah Mandy schweigend nicken. “Das heißt, wir müssen mit dem Ausfall einer Arbeitskraft rechnen. Sie müssen wissen, Mitsuyo und Yoriko waren bis vor kurzem nur befristet in unserer Firma eingestellt. Für Sie heißt das, dass Sie nun allein mit Asami für das Styling zuständig sind. Wäre Ihre Schwester voll einsatzfähig gewesen, wäre alles kein Problem. Aber für zwei Personen ist es zu viel Arbeit und immenser Zeitdruck.”, begann Megumi darauf mit ihren Worten zu erklären, welche Mandy lediglich mit einem Nicken entgegnete. Was sollte sie schon dagegen ausrichten können? Mehr als zuhören konnte Mandy nicht. “Ich habe für Asami und Sie Unterstützung besorgt, jedenfalls bis Ihre Schwester wieder voll einsatzfähig ist. Und da Asami heute mit Miyavi unterwegs ist, wird es zu Ihrer Aufgabe gehören, den Neuzugang einzuarbeiten und ihm all das zu zeigen, was dieser für die nächste Zeit wissen muss. Erinnern Sie sich einfach, wie es bei Ihnen war und dann funktioniert es auch.”, fuhr Megumi schließlich mit einen erneutem Lächeln fort und brachte Mandy dazu, das Büro zu verlassen. Sie hielt einen Moment lang inne, bevor Mandy sich nochmals zu Megumi umdrehte. “Wo finde ich den Neuzugang?”, fragte Mandy und beobachtete, wie Megumi auf sie zukam und ihr einen Zettel in die Hand drückte. “Seien Sie froh, dass es Leute in ihrem Umfeld gibt, die sich für Sie und Ihre Schwester einsetzen. Würde es diese Leute nicht geben, hätte ich bereits völlig andere Seiten aufgezogen. Aber ich will ja auch kein Unmensch sein, jedoch sollten Sie in nächster Zeit mehr auf sich und das, was Sie tun, aufpassen.”, grinste Megumi Mandy darauf ins Gesicht und schob diese, ohne, dass Mandy eine Chance hatte, etwas zu erwidern, aus ihrem Büro. In Mandy’s Ohren ertönte lediglich das laute Zuschlagen der Tür. Mit starrenden Blicken gegen die Tür gerichtet, seufzte Mandy kopfschüttelnd und warf schließlich einen Blick auf den Zettel in ihren Händen. “Zimmer 111...”, murmelte diese und seufzte nochmals, bevor sie das Zimmer 111 aufsuchte. Es war genau das Zimmer, welches Mandy schon damals aufsuchen musste und es plötzlich Erinnerungen an diese Zeit in ihr hervorrief. Es waren die kleinen Dinge, die sie an diese Zeit lächelnd durch den Flur laufen ließen. Innerlich gab Mandy bereits zu, die Zeit bis zu jenem Augenblick, als sie und Jasmin den Jungs von “the Gazette” das erste Mal gegenüberstanden, zurückdrehen zu wollen. Es war ein schöner Augenblick, voller kindlicher Aufregung. Noch immer mit einem Lächeln auf den Lippen, spürte Mandy plötzlich einen pochenden Schmerz in ihrem Kopf und ließ ihren Blick schreckhaft in das Gesicht einer jungen Frau blicken. Sie lächelte peinlich berührt, als diese merkte, dass sie Mandy die Tür vor die Stirn geschlagen hatte. “Oh, Sorry! Haben Sie sich wehgetan?!”, hob die junge Frau erschrocken ihre Stimme und sah Mandy bloß kopfschüttelnd lächeln, während diese sich die Stirn rieb. “Schon okay…aber das nächste Mal achten Sie bitte auf den Gegenverkehr.”, seufzte Mandy und hörte die junge Frau kichern. “Verzeihen Sie, aber Ihre Stirn blutet leicht.”, sagte die junge Frau und beobachtete Mandy dabei, wie diese erschrocken die Fingerspitzen ihrer rechten Hand anstarrte. “Ähm…okay…”, stammelte Mandy und stürmte an der jungen Frau in das Zimmer hinein. Die junge Frau konnte darauf nur beobachten, wie Mandy in den Spiegel des Erste-Hilfe-Kasten starrte. “…autsch.”, seufzte diese und öffnete den Erste-Hilfe-Kasten, aus welchem sie ein Päckchen mit Pflastern holte und dies hastig öffnete. “Es tut mir schrecklich leid! Ich hatte einfach keine Augen im Kopf…”, seufzte die junge Frau, welche hinter Mandy stand und unverändert lächelte. Mandy drehte sich um, nachdem sie ein Pflaster aus dem Päckchen holte und es sich auf die leicht blutende Schramme klebte. Ein aufgesetztes, dennoch täuschend echtes Lächeln umspielte darauf Mandy’s Lippen. “Schon okay, noch lebe ich. Aber das nächste Mal sollten Sie wirklich darauf achten, nicht wieder jemandem die Tür vor den Kopf zu schlagen. Abgesehen davon…”, begann diese darauf und blickte musternd in das Gesicht der jungen Frau. “…kann es eventuell sein, dass Sie der Neuzugang sind, von dem Frau Aoyama mir erzählte?”, fuhr Mandy fort und erkannte einen verwunderten Blick im Gesicht jener Frau, die da vor ihr stand und noch immer ein leicht beschämtes Lächeln auf den Lippen trug. “Ja, wieso?”, entgegnete diese darauf mit einer Gegenfrage, worauf Mandy ihr nur den Zettel reichte, welchen Megumi ihr zuvor in die Hände drückte. Die junge Frau las diesen Zettel und nickte Mandy zur Bestätigung ihrer Frage zu. “Okay, dann hat sich dieses Problem also schon gelöst.”, bemerkte Mandy seufzend und stützte dabei ihre Hände in die Hüften. Sie überlegte, was sie tun sollte und wie sie es am Besten anstellen konnte, um den von Megumi angesetzten Neuzugang einzuarbeiten, welcher sich wenig später als Fumie Nozawa vorstellte. Mandy fing damit an, Fumie das PSCompany-Gebäude zu zeigen und diese einigen Arbeitskollegen, denen sie über den liefen, vorzustellen. Für die 23jährige war es zur Qual geworden, zumal sie das Gefühl hatte, dass Fumie nie ihren Mund halten und ständig weiterreden zu können, ohne, dass ihr Hals zu schmerzen begann. Nach einiger Zeit hatten die Beiden dann den Hof durchquert und standen nun vor den Gebäude. Ein leichter Wind wehte durch Bäume und ließ ein sanftes Rauschen in den grünenden Kronen ertönten. Mandy lauschte diesen sanften Geräuschen, während ihr Blick wie festgenagelt an dem grauen Gebäude vor sich hing. Ein sanfter Druck auf ihren Schultern ließ Mandy daraufhin erschrocken umdrehen. Sie blickte in Ruki’s sanft lächelndes und mit einer dunklen Sonnenbrille gekleidetes Gesicht, in welches schließlich auch Fumie blickte. “Was hat denn so lange gedauert?”, fragte Ruki abwartend in Mandy’s Gesicht blickend, während er sich einige durch den Wind ins Gesicht wehende, blonde Strähnen aus der Stirn strich. “Ähm…”, stammelte Mandy und ließ ihren Blick von Ruki in das Gesicht von Fumie wandern. “…wegen ihr.”, fuhr sie fort und räusperte sich kurz. Mandy’s Blick wanderte darauf wieder in das Gesicht von Ruki, welcher Fumie’s Gestalt musternd anstarrte. “Wer ist sie?”, fragte dieser darauf und ohne, dass er seinen Blick von Fumie löste. “Der Ersatz für Jasmin, solange sie nicht einsatzfähig ist.”, bemerkte Mandy teilnahmslos und wirkte dabei so, als würde sie Fumie’s Auftauchen nicht mit Freude gegenübertreten und richtete ihren Blick in den Himmel. “Dann kann sie an mir ja proben, wenn ich schon mal da bin.”, schlug Ruki vor und richtete seinen Blick abwartend auf Mandy, welche seine Worte jedoch nicht wahrgenommen hatte. “Ich weiß nicht.”, meinte Fumie und blickte nun ebenfalls in Mandy’s Gesicht. “Hä?”, reagierte diese verwirrt und blickte in die grinsenden Gesichter der Beiden. Ohne, dass Ruki ihr etwas erklärte, zerrte er Fumie und Mandy zurück in das Gebäude. Mandy, welche darauf wider Willen zusah, wie Fumie wenig später begonnen hatte, Ruki zu stylen und somit ihr nötiges Können zu beweisen, hatte plötzlich das Gefühl, verkehrt an diesem Ort zu sein. An jenem Ort, welcher ihr bereits nach kurzer Zeit wichtig geworden war und nur, weil sie dort den Menschen begegnet war, welche zu ihrem Leben gehörten. “Meiner Meinung nach, kann man sie echt gut gebrauchen.”, sagte Ruki, als er das fertige Ergebnis im Spiegel betrachtete. In Fumie’s Gesicht schoss bei diesen Worten schlagartig Schamröte, während es Mandy wenig zu berühren schien und den beiden nur teilnahmslos von ihrem Stuhl aus zunickte, als ihr Handy klingelte und Mandy mit diesem das Zimmer verließ. “Ja?”, reagierte sie verwirrt, nachdem sie den unterdrückten Anruf angenommen hatte. “Hallo.”, ertönte darauf die krächzende Stimme ihrer Schwester, welcher Mandy schlagartig Tränen in die Augen steigen ließ. Es waren kaum zwei Tage vergangen, als sie Jasmin wiederbeleben mussten und nun hörte Mandy sie am Telefon. “Du darfst telefonieren?”, fragte Mandy mit tränenunterdrückter Stimme und dem fassungslos aus dem Fenster gerichteten Blick. “…ich habe so lange gedrängelt, bis die Ärzte mich gelassen haben.”, sagte Jasmin mit leise klingender Stimme, welche darauf in ein qualvolles Husten überging. Mandy, welcher bereits Tränen über die Wangen liefen, stützte sich mühevoll und mit ihrer rechten zitternden Hand auf dem Fensterbrett ab. Ein Schluchzen musste sie unterdrücken, um nicht völlig in sich zusammenzubrechen. Es war einfach die Tatsache, die sie schlagartig zum Weinen brachte, dass es Jasmin wieder gut zu gehen schien, nachdem man um ihr Leben kämpfen musste. “Wie geht es dir?”, fragte Mandy, welche sich nun die Tränen aus dem Gesicht wischte und unverändert starr aus dem Fenster blickte. Jasmin lachte gequält. “Wie soll es mir schon gehen? Den Umständen entsprechen und vorerst wird sich das auch nicht ändern, bis ich hier raus bin. Aber wie geht es dir?”, entgegnete Jasmin und lauschte abwartend den Worten ihrer Schwester, von welcher sie nun doch ein Schluchzen wahrnahm. “Weinst du?”, fragte diese dann und nahm nur ein leises “Nein.” von Mandy wahr. “Mir geht es bestens…wirklich bestens.”, versuchte sie es darauf nochmals zu bestätigen. Doch Jasmin hörte es genau, hörte das Weinen ihrer Schwester am anderen Ende der Leitung, welches plötzlich verstummte. Im Hintergrund konnte sie deutlich Ruki’s Stimme wahrnehmen, welche Jasmin deutlich machte, dass Mandy mit Ruki unterwegs sein musste. “Mandy, hör auf zu weinen, okay? Ich rufe dich schließlich nicht an, damit du mir ins Telefon heulst.”, hustete Jasmin , welche statt einer Antwort nur erneut ein Schluchzen wahrnehmen konnte. “Wie geht es dir?”, ertönte darauf Ruki’s Stimme in Jasmin’s Ohr und ließ diese zusammenzucken. “Was ist los?”, entgegnete diese aber nur und wartete von Ruki eine Antwort, die jedoch in einem leicht genervten Seufzen endete. “Es ist viel passiert. Mandy vermisst dich, wir alle tun es.”, bemerkte er schließlich im nachdenklichem Ton, während er selbst plötzlich mit den Tränen zu kämpfen hatte. “Es ist nicht einfach…”, meinte Ruki, als er darauf einen Blick auf Mandy warf, welche vor ihm mit dem Rücken angelehnt an der Wand hockte und ihre Hände vor das Gesicht geschlagen hatte. Ihr darauf wahrnehmendes Schluchzen war kaum zu überhören. “Sie soll mich besuchen kommen, soll ihre Arbeit richtig machen und nicht Trübsal blasen. Sie tut ja fast schon so, als wäre ich wirklich gestorben.”, sagte Jasmin mit einem leicht nach Ironie klingenden Unterton, bevor auch dieser wieder kläglich in einem Husten überging. “Damit macht man keine Späße, Jasmin.”, zischte Ruki und wirkte darauf beinahe schon aufgebracht über jene Worte, die Jasmin in seiner Gegenwart über die Lippen kommen ließ. Dennoch war es erstaunlich, mit wie viel Ironie an jene Tatsache herangehen konnte, während es andere vielleicht zu Boden gerissen hätte. Drauf hatte Ruki in seiner rechten Hand beide Augen verborgen, während er seinen Kopf langsam senkte. “Wann kommst du wieder aus dem Krankenhaus?”, fragte Ruki darauf im ruhigen Ton und hob erneut seinen Kopf. Sein Blick war schon regelrecht verzweifelt und Tränen schienen dem 25jährigen bereits in die Augen zu steigen. Tränen, die jedoch von seinem blonden Pony verdeckt wurden. “Ruki, gib mir Mandy bitte noch mal.”, ertönte darauf Jasmin’s Stimme in Ruki’s rechtem Ohr und brachten diesen zum Zusammenfahren, worauf er Mandy ruckartig das Handy in die Hände drückte. “Was ist denn mit Ruki los? Er war noch nie so sentimental.”, bemerkte Jasmin darauf, die nur erneut ein verdrängtes Schluchzen von Mandy wahrnahm. “Hey, jetzt hör doch mal auf zu weinen.”, seufzte Jasmin ins Telefon und ohne wirklich zu wissen, wie sie Mandy noch aufmuntern sollte. “Wie geht es Kai? Wie geht es den anderen?”, fragte Jasmin dann such schon sofort weiter, während sie dann aber auch im gleichen Moment annahm, dass ihr selbst diese Frage nur mit einem lauten Schluchzen beantwortet werden würde. In der Tat ließ die Antwort zögernd auf sich warten. “Ich weiß nicht...”, begann Mandy daraufhin stotternd. “Natürlich weißt du das. Ist er nicht bei dir? Kannst du ihn mir mal geben?”, fragte Jasmin weiter. Erneut schluchzte Mandy los und mittlerweile wurde es Ruki, welcher unmittelbar vor ihr stand ,schon förmlich unheimlich. Es war kaum zu glauben, dass sie ein bloßer Anruf so zu Tränen rühren konnte. “Nein, er ist nicht hier....”, brachte Mandy müde über die Lippen. Scheinbar würde sie auch in den nächsten Minuten nichts weiteres tun, außer schluchzen und wimmern. Aber so erfuhr Jasmin auch nichts neues und der Aufenthalt im Krankenhaus wurde ihr damit auch nicht wirklich angenehmer gemacht “Was ist passiert, verdammt?”, wurde Jasmin nun lauter. Erschrocken zuckte Mandy zusammen, denn, wenn sie eines nicht mochte, dann das, angeschrieen zu werden. Durch ein leichtes Knackern am anderen Ende der Leitung gelang Jasmin wieder an Ruki, welcher erst einmal kräftig ausatmen musste, um mit einem anschließendem peinlich berührtem Kichern Jasmin´s Frage zu beantworten. “Kai und Uruha liegen sich wegen dir in den Haaren, wir müssen, trotz all der schlimmen Ereignisse, die wir hinter uns bringen mussten, arbeiten und Megumi hat auch nichts besseres zu tun, als sofort uns einen guten Ersatz unter zu jubeln.”, versuchte Ruki sich kurz zu fassen. Ja, er bemühte sich bei Mandy´s Anblick nicht auch noch mit weinen anzufangen. “Ersatz? Für mich?”, keifte Jasmin laut, so, dass es gar Mandy hören konnte. “Vermutlich rafft diese olle Megumi nicht, dass es für mich auf dieser Welt nicht einen einzigen Ersatz gibt! Nein, ich will das nicht! Die soll die Finger von euch lassen...”, plärrte sie weiter und brachte Ruki zum sofortigen Auflachen. “Hm..., wer auch immer diese andere ist. Die sieht bestimmt nur toll aus, aber hat absolut nichts in der Birne. Nein! Nein! Nein! Ich will nicht, dass sie meine Arbeit macht, klar? Kai soll ihr ins Gesicht spucken, wenn diese Eule ihn anfasst. Was sie mit Uruha macht, soll mir eigentlich egal sein.”. Das waren Jasmin´s letzte Worte, bevor sie kurz aufhusten musste, und Ruki aber bloß schlicht erwiderte, dass es ihr aber eigentlich nicht egal sein sollte. Aus der Entfernung hörte man bereits Kai´s lebhafte Stimme über den Flur hallen. “Ich versuche, schnell gesund zu werden.”, bemerkte Jasmin gegen Ende, als nun auch Mandy realisiert hatte, dass sich Kai auf sie zu bewegte und sie ihm auch sofort um den Hals gefallen war, als er unmittelbar vor ihr und Ruki gestanden hatte. “Dein Held ist jetzt auch da. Willst du ihn mal?”, fragte Ruki, der im selben Moment noch nicht begriffen hatte, wie er auf den Lautsprecherknopf des Handy´s gekommen war, als er dieses Kai entgegengereicht und man Jasmin laut über den Flur zetern hören konnte. “Ja, ich muss ihm sagen, dass er dieser Eule, wer auch immer sie ist, ins Gesicht spucken soll, sobald sie auch nur ein Finger an ihm rührt. Ja, ins Gesicht! Immer mitten in die Fresse rein!”. Ein großes Gelächter brach aus, aber keiner von beiden hatte bemerkt, dass diese ´”Eule”, welche eigentlich den Namen Fumie trug, schon seit wenigen Minuten hinter Ruki an der Tür stand und dieses, in ihren Augen “kindische” Szenario mitverfolgen konnte. “Kai?”, hörte man Jasmin durch den Lautsprecher plärren. Allerdings war im nächsten Augenblick Kai der Einzige, der Fumie auch bemerkt hatte. “Hi! Du bist die Neue? Nein, ich meine doch, der Ersatz für...”, begann Kai, woraufhin er im nächsten Augenblick schon wieder Jasmin´s plärrende Stimme im Lautsprecher hören konnte: “Kai! Ich warne dich! Sie ist..., naja.....Sie ist nicht ich! Du weißt doch, die olle Meggi hat noch gar keen Plan davon, dass es für mich auf dieser Welt keinen Ersatz gibt!”. Wieder folgte ein Gelächter der Jungs. Und selbst Mandy musste mittlerweile lachen. “Ja, ich weiß. Und jetzt halt die Klappe.”, murmelte Kai, während er prüfend das Handy musterte. “Kann man diesen Kasten auch abstellen?”, fragte Kai, welcher in diesem Moment mit gesenktem Kopf versuchte, seine Schamröte etwas zu verstecken. Er hatte ja gar nicht vor, für Fumie irgendeine Art von Sympathie zu empfinden. Sie sollte einfach nur ihre Arbeit machen und nicht als Mitwisser von irgendwelchen Eifersüchteleien innerhalb der Gruppe gelten. “Kai!”, plärrte Jasmin, bevor dann auch Kai schon die Taste für das Ausschalten des Lautsprechers entdeckt und gedrückt hatte. Er hob den Kopf und lächelte spontan der neuen Stylistin, die nun nur noch allein vor ihm an der Zimmertür gelehnt stand, ins Gesicht. “Ich soll dir ins Gesicht spucken...”, kicherte er und entblößte dabei das Weiß seiner Zähne und hielt sich auch nicht davor zurück, dabei seine Grübchen zu zeigen. Fumie jedoch entgegnete ihm nur mit einem aufgesetztem Lächeln. Vermutlich fand sie diesen Kommentar weniger lustig, aber Kai machte sich in diesem Augenblick weniger Gedanken darüber, was sie von ihm denken könnte. Bei Jasmin wäre es in dieser Situation wohlmöglich wieder anders. “Ist sie..., enger mit dir befreundet?”, fragte Fumie, während diese noch nicht bemerkt hatte, dass Jasmin sich noch immer in der Telefonleitung befand. Natürlich hielt Jasmin in diesem Augenblick nicht für möglich, dass Kai sich in irgendeiner Hinsicht ausgiebig dazu äußern würde. Sie vertraute ihm, und das konnte sie auch. “Sie gehört in unser Stylistenteam, zusammen mit ihrer Schwester...”, begann Kai, während er hinter ihr auf Mandy zeigte, die sich mit Kamm und Haarspray an Ruki´s Haaren betätigte. “Sie sind noch nicht lange bei uns, aber durch ihre Lockerheit während der Arbeit, macht selbst der größte Stress Spaß. Man kann es in der Tat als Freundschaft bezeichnen. Jeder kümmert sich um jeden, aber es ist nicht diese Art von Freundschaft, welche man mit Liebe vergleichen kann. Es ist nicht mal genügend Zeit, um auch nur ansatzweise darüber nachzudenken, wer wohl wen am liebsten mag, oder so ähnlich...”. Wieder lächelte er bis über beide Ohren und Fumie merkte schnell, dass Kai sich diese Eigenschaft wohl häufig zum Nutzen macht, um irgendwelche vermuteten Tatsachen zu vertuschen. Ja, und seit jenem Moment hatte sie es sich zur Aufgabe gemacht, herauszufinden, was das wohl für Tatsachen waren. Und so verging ein wenig Zeit. Nachdem Jasmin von Fumie erfuhr, musste sie noch einige Wochen im Krankenhaus verweilen, um sich weiteren Immuntherapien zu unterziehen, bevor sie sich eines nachts einfach selbst entlassen hatte. PS Company hatte sich in der Zwischenzeit entschlossen, Fumie einen festen Arbeitsvertrag zu geben. Nun galt sie, neben Jasmin, Mandy, und all den anderen, auch als Mitglied im Stylistenteam. Natürlich wäre es völlig albern, wenn man diesbezüglich nach Meinungen von anderen fragen würde. Es sollte allein nur darum gehen, ordentlich zu arbeiten und die Arbeit des anderen dabei zu respektieren und zu unterstützen. Somit wurde Jasmin und Mandy zur Aufgabe gemacht, Fumie in ihrer Gewöhnungsphase ihr noch etwas unter die Arme zu greifen. Sie entpuppte sich darauf folgend als “Porzellanpuppe”, welcher man auf keinen Fall zu nahe treten durfte, da sie sonst zerbrechen könnte. Jasmin und Mandy konnten in dieser Zeit schon häufig beobachten, wie Fumie den einen oder anderen von den Gazette - Jungs bezirzte, nur, um irgendwelche Infos zu bekommen, die sie wohlmöglich für sich zum Vorteil in der Chefetage zum Nutzen machen könnte. Und genau so häufig hatte sie ihr schauspielerisches Talent als Porzellanpuppe bewiesen, wenn Mandy oder Jasmin sie mit ihren Intrigen konfrontiert hatte. Von der Chefetage gab es diesbezüglich sofort Tadel und auch die Jungs von Gazette schien Fumie mittlerweile recht argwöhnisch geworden zu sein. Nun sollte es nur noch eine Frage der Zeit sein, bis das Verhältnis von Mandy und Jasmin zwischen den Gazette - Jungs an die Öffentlichkeit geraten würde. Die Ruhe vor dem Sturm? “Schon gut. War nur der Kreislauf.”, rechtfertigte sich Jasmin, welcher beim zu schnellen Aufstehen vom Sofa schwindelig wurde und mit ihrem leichenblassen Anblick sofort Kai´s Aufmerksamkeit auf sich gezogen hatte. Ein leichtes Pochen in ihren Schläfen ließ sie schmerzlich aufstöhnen, während damit auch die Blicke der anderen, die sich im Making - Room von “Brand X” befanden, auf ihr ruhten, allerdings Kai, welcher nun unmittelbar neben ihr stand, der Erste war, der tröstend seinen rechten Arm um sie gelegt hatte. “Ist wirklich alles okay?”, fragte dieser mit leicht besorgter Stimme. Jasmin nickte, indem sie sich mit beiden Händen über das streng nach hinten zusammengebundene, lange Haar fuhr. Es klopfte daraufhin an der Tür, die sich dann öffnete und ein Mann mit schmalem Gesicht und extrem aufwendig gestylter Frisur, durch den Türspalt lugte. Seine Brille, die einen roten Rahmen hatte, war ihm auf der Nase leicht nach vorn gerutscht, und mit prüfender Miene bemerkte er, dass er zuerst gern mit Aoi und Reita beginnen würde. Während Jasmin das Gesicht des Mannes skeptisch musterte, wurde ihr unter vermehrt eintretenden Kopfschmerzen bewusst, wie stressig die letzten Wochen doch waren. Sie hatte die letzten Nächte kaum geschlafen, weil sie diese entweder mit Styling - Entwürfen, oder mit Uruha verbracht hatte. Ihr fiel im gleichen Moment auch ein, dass sie an diesem Morgen gegen 4.00 Uhr relativ unsanft von Yoshi, welcher, wie besessen an ihre Hotelzimmertür gehämmert hatte, geweckt wurde und dieser beinahe Uruha in ihrem Bett erwischt hätte, wenn Jasmin diesen nicht ins Badezimmer gescheucht hätte. Ja, “Brand X” hatte PS Company angeboten, neben anderen Foto - und Medienfirmen, einen Teil von Fotos zum Album “Stacked Rubbish” zu vermarkten. Schon seit vielen Wochen arbeiteten die Jungs hart an den Songs und da diese Fotos dazu erst entstehen mussten, musste dieser Tag für die Gazette - Jungs schon relativ früh beginnen. Kaum einer hatte zu dieser unglaublichen Tageszeit schon die beste Laune, um sich den Vorbereitungen, was Kostüme und Frisuren anging, schon im Hotel zu unterziehen. Und nach einer anfänglich bösartigen Diskussion mit Uruha schien Jasmin ohnehin schon einen gereizten Eindruck im Laufe des Tages zu hinterlassen. Somit hatte sie dann zu dem wartenden, vermeintlichen Fotograf an der Tür gesagt, dass sie erst noch schnell die Make - up´s von Aoi und Reita überprüfen wolle, bevor er seine Arbeit machen konnte. Ihr Ton schien dabei ihrer misslichen Stimmung gerecht zu werden. Der Fotograf verzog allerdings keine Miene, meinte aber schroff, dass diese Tatsache längst erledigt sein könnte und ob es wohl bei PS Company neu sei, dass faule Stylisten mehr Geld verdienen, als solche, die Tag und Nacht arbeiten. “Ich arbeite Tag und Nacht, und das sehr hart. Also überlegen Sie sich gefälligst, wen Sie hier mit ungerechtfertigten Vorurteilen angreifen!”, zischte Jasmin, die mit Uruha´s stechendem Blick im Nacken sich dann auch schon mit einem Puderpinsel bewaffnet an Aoi und Reita, welche es beide kommentarlos über sich ergehen ließen, zu schaffen machte. Und scheinbar nicht zu verkennen war auch die Tatsache, dass sich die atemlos erscheinende “Stacked Rubbish - Pulse Wriggling To Black” - Tour, die sich durch Japan und Europa ziehen sollte, sich in den Gesichtern der Band und dem Stuff rasch in Müdigkeit und Depressionen umzuwandeln versuchte. Schnell wurde allen bewusst, dass das ständige Beieinandersein sich in jedem Gemüt bemerkbar machte. Man stritt häufiger, als zuvor, miteinander, raufte sich aber auch schneller wieder zusammen, wenn man die letzten 6 Jahre harte Arbeit Revue passieren ließ. Und so hatte Jasmin, als Aoi und Reita bereits gegangen waren, noch immer im Trance ihrer Gedanken inmitten des Raumes gestanden, während dieser Anblick für Uruha und Kai bereits schon fragwürdig erschien. Sie hatte nicht einmal ihre Schwester bemerkt, welche kurz aufgetaucht und mit Ruki im Schlepptau wieder verschwunden war. Sie wollte sich mit ihm die entstandenen Fotos am Computer, an dem diese sofort bearbeitet wurden, anschauen. Ja, Jasmin´s Gedanken schien sie so tief versinken zu lassen, dass sie nicht einmal das bemerkt hatte. “Ey, du taube Nuss!”, keifte jemand. Jasmin spürte für einen kurzen Moment einen harten Gegenstand, welcher ihr gegen die Beine geworfen wurde, aber sofort wieder an ihr abgeprallt und mit einem stumpfen Laut zu Boden gefallen war. Kai stand lächelnd vor ihr, als sie zu sich kam. Eine scharf und zünisch klingende Stimme hinter ihr bemerkte, dass ein Beschwerdeschreiben an PS Company aufgrund unzuverlässiger Mitarbeiter sicherlich ganz hilfreich sein würde, um speziell dem Neuzuwachs im Stylistenteam wieder auf die Sprünge zu helfen. Mit einem Blick im Spiegel ihr gegenüber erkannte sie den Fotograf von vorhin in der Tür. “Wenn Sie Ihre dämlichen Witze nicht lassen, weiß Ihr Chef schneller bescheid, als Sie Ihren ach so tollen Brief an meinen Chef geschrieben haben!”, frotzelte Jasmin, ohne ihn anzusehen. Mit einem aufgesetztem Lachen erwiderte der Fotograf, er wäre sein eigener Chef, bevor er die Tür lautknallend ins Schloss fallen ließ. “Mensch, Jasmin. Lass dich doch nicht immer gleich so provozieren.”, meinte Kai ruhig, während sein schwarzer Lidschatten von Jasmin mit einem Lidschattenpinsel korrigiert wurde. “Dieses Arschloch...”, begann sie zu fluchen. Ihr Blick verfinsterte sich dabei. Ja, viel zu schnell konnte man sie aus der Ruhe bringen und das lag bestimmt nicht nur daran, dass sie auf Dauer Ganztags arbeiten musste, und ihr Schichtarbeit fremd geworden war. Es lastete nicht der berufliche Druck auf ihr, sondern auch der Private, auf welchen besonders Kai und Uruha großen Einfluss zu haben schienen und ihr aufgrund dessen beide Seiten das Leben schwer zu machen versuchten. Und nicht mal die einzelnen Tränen, die ihr daraufhin über die blassen Wangen rollten, konnten diese Last davon tragen. Sanft und ohne Scheu hatte Kai ihr die letzte Träne, die ihr an den blutroten Lippen hängen geblieben war, weggeküsst. “Kai, bitte nicht. Nicht hier.”, seufzte Jasmin leise, die vor Schreck ihren Lidschattenpinsel fallengelassen hatte. Kai erwiderte dies aber nur mit einem Lächeln und einem erneutem Kuss. Er ignorierte dabei Uruha bewusst, welcher hinter ihm rauchend auf einem Stuhl gesessen und Jasmin´s Blicke über Kai´s Schultern grimmig erwidert hatte. Natürlich würde sie sich gegen Kai´s Annäherungen wehren - das tat sie immer. Aber innerlich fühlte sie sich bereits schon von der Angst, nachzugeben, besiegt. Und sicherlich würde bald ähnliches, wie zwischen Uruha und ihr, passieren, denn zu groß war ihre Scheu, sich für einen entscheiden zu müssen. Beide machten sie mittlerweile zu dem, was sie geworden ist: eine Frau, die Angst vor der Liebe hat, weil sie nie eine Liebe auf diese Art erfahren oder selbst empfinden konnte. Und sicher könnte sie es, wenn sie herausfinden würde, für wen ihr Herz höher schlug, ohne, dass sie dabei ihr Herz unglücklich oder gar ihren Job riskiert. ”Okay, mein Engel, dann heute Abend in meinem Hotelzimmer, ja? Bis nachher, Hübsches.”, hatte Kai leise geflüstert, bevor dieser sie mit Uruha allein im Raum zurückgelassen hatte und das Schweigen zwischen den Beiden lediglich durch den Nachrichtensprecher im Radio, welches auf der langen Spiegelkommode hinter Uruha stand, versucht wurde zu brechen. Sie hatte ihren Pinsel vom Boden aufgehoben und entdeckte dabei eine Zigarettenschachtel der Marke “Malboro Menthol Lights” vor ihren Füßen. Sie hob diese Schachtel auf und stellte dabei fest, dass Uruha zur Zeit der Einzige war, der Zigaretten dieser Marke rauchte. Nur er konnte es also gewesen sein, welcher sie damit beworfen haben musste, als sie vor sich hinträumend im Raum gestanden hatte. Ja, das schien wohl Uruha´s Art zu sein, deutlich zu zeigen, dass ihm etwas nicht passte. Und mindestens genauso grob hatte sie ihm die Schachtel zurück in den Schoß geworfen, woraufhin er erschrocken zusammengezuckt war. “Du widerst mich an!”, zischte sie. Nein, das war gelogen. Wäre es so, hätte sie nicht immer und immer wieder mit ihm geschlafen. Mittlerweile fragte sie sich auch nicht mehr, warum sie das tat, denn nur somit gelang es ihr, das Private vom Beruflichen zu trennen. “Du mich schon lange, weißt du das? Am schlimmsten ist deine Art, andere mit deinem Selbstmitleid zu bezirzen.”, erwiderte Uruha, der aufgestanden war und seine Zigarettenschachtel auf den Tisch, welcher vor ihm stand, legte. “Und ich kann es nicht leiden, wenn du permanent versuchst, recht zu haben, du aber scheiterst und bockig bist, wie ein kleines Kind, wenn du im Unrecht bist.”, sagte Jasmin, die sich mit den nötigen Make - up - Utensilien bewaffnet hatte und auf Uruha zugekommen war. Seine Lippen, die Jasmin immer am meisten bewundert hatte, entblößten ein leicht schadenfrohes Lächeln. “Du merkst es ja gar nicht mehr. Und weil ich recht habe, zickst du rum, wie ´ne olle Jungfer.”, bemerkte er weiterhin, nachdem er von Jasmin unsanft zurück auf seinen Stuhl gedrückt wurde. “Auf wen bist du nun geil? Auf Kai, oder auf mich?”, begann Uruha plötzlich zu fragen und sie somit am Versuch zu hindern, sein Augen - Make - up zu korrigieren. Erschrocken war sie zusammengezuckt, als Uruha sie an den Hüften zu sich auf den Schoß gezogen hatte und ihr dabei alle Pinsel aus den Händen fielen. “Wie oft kann er denn pro Nacht, der gute Kai? Na, los! Sag, wie oft? Ist er gut?”, reagierte Uruha plötzlich fast schon, als wäre er von irgendetwas besessen. “Was?”, reagierte Jasmin schockiert. “Ich weiß, dass du nicht der Mensch bist, der den ersten Schritt macht. Du willst genommen sein.”, begann Uruha zu flüstern, als er ihren Oberkörper fest gegen seinen drückte und sein Gesicht ihr nur einen Lidschlag entfernt zu sein schien. “Also...,”, begann er, während seine Hände unter ihre schwarze Bluse wanderten und sie am ganzen Körper plötzlich mit Gänsehaut übersäht war. “Wie hat er dich genommen?”, fragte er, als seine Hände daraufhin ruckartig ihre Bluse aufrissen. “So?”, grinste Uruha und presste dabei seine warmen Lippen gegen ihr Dekollete. “Nein! Hör auf!”, kreischte Jasmin mit einem Mal und riss sich von ihm los. Sie stand mit Entsetzen im Gesicht und gefalteten Händen auf der Brust kopfschüttelnd vor ihm. “Ich will nicht, dass er dich noch mal nimmt.”, sagte Uruha gelassen, bevor er aufgestanden und auf sie zugekommen war. Das Licht der Leuchtröhren über der Kommode flackerte kurz auf und aus dem Radio ertönte ein kurzes Rauschen. “Ich will der Einzige sein, hörst du?”, flüsterte er, als er dichter vor ihr stand und sie plötzlich eine seiner beiden Hände in ihrem Schritt spürte. Das schallend laute Geräusch, welches durch die Ohrfeige, die sie ihm gegeben hatte, erzeugt wurde, hallte durch den ganzen Raum. “Fass mich nicht an, hörst du? Nie wieder!”, schrie sie und ließ ihn im gleichen Moment allein im Raum zurück. Sie war in ein Nebenraum geflüchtet und ahnte nicht, dass Uruha ihr folgen würde, was er auch tat. “Es tut mir leid.”, sagte dieser, als er in der Tür stand und Jasmin weinend auf einem schwarzen Ledersofa inmitten des Raumes beobachten konnte. “Geh weg.”, sagte sie leise und wirkte dabei fast schon, wie ein verängstigtes, kleines Mädchen. Uruha allerdings tat nichts dergleichen. “Geh weg! Fass mich nicht an!”, kreischte Jasmin los, bevor sie dann wieder leise zu wimmern begann. Er kniete vor ihr und sah plötzlich aus, wie ein Häufchen Elend. Es war nicht die Tatsache, dass er kurz davor war, in Tränen auszubrechen, was Jasmin erneut losschluchzen ließ. Nein, es war die Tatsache, dass er sie erneut an den Armen gepackt und geschüttelt hatte. Er schrie sie an, aber sie schien es nicht mehr richtig hören zu können. Er beschimpfte sie, aber sie schien sich dennoch dagegen nicht wehren zu wollen. Wieder gab sie ihm eine Ohrfeige, stieß ihn von sich weg und schrie ebenfalls. Auf dem Flur rief man bereits nach Uruha, aber er versuchte, es nicht richtig wahrzunehmen. Er wollte es nicht. Nicht in diesem Moment, bevor die für ihn wesentlichen Dinge nicht geklärt wurden. “Du hast mich jedes Mal aufs Neue dazu gebracht, mit dir zu schlafen....”; schluchzte Jasmin und sah mit ihren verbitterten, tränengefüllten Augen auf ihn herab. “Ich will das nicht mehr.”. “Ich will mich nicht weiter von dir benutzen lassen.”. “Wir kommen nicht auf normale Weise miteinander aus, also will ich es auf so eine Art auch nicht.”. Sie schluchzte noch heftiger. Dabei schrie sie regelrecht. “Außerdem will ich nicht, dass man mich feuert, wenn das rauskommt.”; reagierte sie dann wieder ruhiger. Sie wischte sich die Tränen aus dem Gesicht und lachte plötzlich etwas aufgesetzt. “Warst du nicht derjenige, der meinte, man solle privates vom beruflichen trennen?”. Mittlerweile hatte Uruha wieder vor ihr gestanden. Dabei hinterließ er den Eindruck, als wüsste er in diesem Augenblick nicht wirklich wohin er gehen und was er tun sollte. Tatsächlich entsprach es der Wahrheit. “Los, mach mich zurecht.”, versuchte er abzulenken, während Jasmin in diesem Moment einem Nagel ähnelte, den man immer tiefer versuchte in die Wand zu hämmern. Ja, und somit versuchte sie gerade im umgedrehten Fall einen Nagel in Uruha´s tiefe Wunden zu hämmern. “Ich bin nicht dein Ideal, dem du nachjagen kannst, Uruha. Also, warum?!”. Uruha reagierte nicht auf ihre Worte, als sie vor ihm stand und ihn mit hochrotem Kopf anstarrte, “Ich hab noch zu tun. Und du auch. Also, komm.”, forderte er weiter, während ihm eine letzte Träne über die linke Wange rollte. Er wand sich der Tür zu und Jasmin fühlte sich in diesem Moment so unverstanden, wie noch nie. Sie konnte ihren “Nagel” nicht noch tiefer in seine Wunden hämmern. Waren sie zu groß, seine Wunden? “Du bist eine Null, Uruha, eine Niete, weil du verloren hast. Und ich weiß, dass du es nicht ertragen kannst, zu verlieren.”, versuchte nun Jasmin ihn zu provozieren. Sie hatte Recht. Uruha war schon immer sehr bedacht darauf, von anderen für “perfekt” gehalten zu werden. Solche Worte waren Streicheleinheiten für sein Ego und niemals könnte er es ertragen, wenn bei ihm etwas ziellos daneben gehen würde. Wieder schluchzte sie. Allerdings war es nun Uruha´s tränenüberströmtes Gesicht, welches sie schockierte. Noch mehr, als alles zuvor, als er sich zu ihr umdrehte. “Ja, du hast recht. Ich kann nicht verlieren, aber am wenigsten kann ich es ertragen...”, begann er zu seufzen, bevor er vor ihr auf die Knie ging, ihre Hüften umklammerte und sein Gesicht gegen ihren Bauch presste. “...dich zu verlieren.”. Ein kurzes Stechen in der Brust ließ Jasmin erschrocken zusammenzucken. “Wieso?”, wimmerte Jasmin, deren Hände sich unbemerkt in Uruha´s weichem Haar vergraben hatten. Er stand auf, und als er sie ansah, zeichneten sich dunkle Mascararänder unter seinen Augen ab. “Weil...”, stotterte er. Und dabei schien noch niemand bemerkt zu haben, dass Kai bereits hinter der Tür stand und Uruha eigentlich holen wollte, damit auch seine Fotos fertig gemacht werden konnten. “...ich dich liebe.”, fuhr er fort, riss dabei die Tür auf und starrte in das steife Gesicht von Kai. Seine Augen waren rot und glänzten voller Tränen. Seine Lippen hatte er fest zusammengepresst und wirkte insgesamt in diesem Moment wie ein verstörter Junge, der etwas gehört hatte, was er nicht hören wollte. ”Ich hoffe, dass das gelogen war.”, sagte Kai mit heiser Stimme, während er auf die weinende Jasmin, die am Boden hockte, sah und Uruha nur noch an dem Wind, den er hinterließ, als er stürmisch an Kai vorbeigegangen war, erkannte. “Kai, das war doch gelogen, oder?”, wimmerte Jasmin am Boden. “Kai?”. Als sie ihn ansah, sah sie auch, dass er weinte. “Ich hoffe, dass das gelogen war”, wiederholte er aber nur. Und mit jeder Sekunde, in welcher sie immer wehleidiger zu ihm aufgesehen hatte, wurde das Stechen in seiner Brust stärker, beinahe schon schmerzhafter. Gewöhnlich würde er sie jetzt in den Arm nehmen, ihr das Haar streicheln und mit sanfter Stimme zu ihr sagen, dass alles wieder gut werden würde. Allerdings hatte Uruha mit seinem Geständnis urplötzlich eine große Mauer zwischen Kai und Jasmin errichtet. Ja, um so mehr Kai versuchen würde, diese Mauer zu überwinden, desto mehr würde er an seinen Versuchen scheitern. Nun musste es für ihn eine Möglichkeit geben, mit der Situation zurecht zu kommen. Und in diesem Fall war für ihn der einfachste Weg der, auf Distanz zu gehen, in der Hoffnung, alles irgendwann einmal zu vergessen, - es zu können. “Tränen stehen dir nicht. Wisch sie weg, und komm. Wir haben noch zu tun. In einer Stunde müssen wir uns wieder auf den Weg nach Tokio machen.”. Es war die Art von Unberührtheit und Gelassenheit, die Jasmin anhand seines Stimmfalls in seinen Worten erkennen konnte. Es war so ungewohnt. Ja, sie wusste, dass Kai nun versuchen würde, auf eine andere Art und Weise mit der Situation zurecht zu kommen, aber musste er denn unbedingt dafür diesen “steinigen” Weg gehen? Für Jasmin stand fest, dass Kai nicht von einer Sekunde auf die nächste hart, wie Stein werden konnte. Selbst, wenn er sich noch so bemühte, lag es nie in seiner Natur, das aus sich zu machen, was er ursprünglich zutiefst verabscheute. Schließlich war Kai ein Mann mit dem größten und wärmsten Herz. Und somit trat in den nächsten Wochen genau das ein, was Jasmin niemals für möglich gehalten hatte: Kai distanzierte sich, verhielt sich so kühl, wie nur möglich ihr gegenüber, während sie wiederum alles daran zu setzen versuchte, sich von ihm, trotz allem, nicht zu sehr zu entfernen. Sie wollte nicht Schuld daran sein, dass er zu einem Menschen wurde, welcher unnahbar und kühl sein würde und obendrein noch Angst vor der Liebe hat. Das Verhältnis zwischen Uruha und ihm wurde auch nicht besser, während Jasmin sich weiter auf Uruha einließ und sie schon in sofern kurz davor war, den Verstand zu verlieren, dass sie sich jedes Mal auf den darauf folgenden After - Show - Partys so betrunken hatte, dass ihr selbst schon das klare Denken schwer fiel und sie zu einem späteren Zeitpunkt nur noch heil froh darüber war, im Bett ihres Hotelzimmers zu liegen - allein. Ihrer Schwester gegenüber schwieg sie nur noch. Die Zeit, in welcher Jasmin mit Mandy über alle Probleme geredet hatte, schien längst schon der Vergangenheit an zu gehören. Jasmin selbst wurde diese Tatsache auf Anhieb gar nicht bewusst. Das Blatt schien sich erst zu wenden, als Jasmin von ihrer Schwester auf der Frauentoilette einer diversen Party so geohrfeigt wurde, dass sie zum ersten Mal nach vielen Wochen sich wieder in der Lage fühlte, physische Schmerzen zu empfinden. Ja, in gewisser Hinsicht war Jasmin oberflächlich und rücksichtslos zu sich selbst geworden. Mittlerweile hatte sie angefangen, sich die Schuld für das Verhältnis zu Uruha und Kai einzureden, es als falsch zu empfinden und sich aus Schuldgefühlen heraus physisch selbst zu bestrafen. Sei es Alkohol, Zigaretten, Schlafmangel oder Mangelernährung. Jeder vom Staff sprach sie an, fragte, ob mit ihr alles okay sei, ob sie Urlaub braucht oder ob sie vielleicht schwanger sei. Für gewöhnlich waren das zur Zeit bei PSC aufgrund dieser Dinger mehr als nur unnormale Zustände, aber darüber dachte Jasmin selbst in ihrer schmerzhaften Wahrnehmung, aufgrund der Ohrfeige ihrer Schwester, nicht nach. Der nachfolgende Schmerz, ein vibrierendes Pochen in den Schläfen, schien im Takt zur Musik zu schlagen, während ihr Kopf an der dunkel marmorierten Fließwand lehnte und sich ihre geschlossenen Augen gegen das grelle Neonlicht direkt über ihr zu wehren versuchten. “Ich glaub, du hast jetzt total den Verstand verloren, oder?”. Mandy´s Stimme überschlug sich beinahe, hallte aber dennoch wie ein nie endendes Echo in Jasmin´s Ohren. “Weißt du, was du mittlerweile für einen Eindruck hinterlässt? Hör auf damit! Rede mit mir! Brauchst du Hilfe? Sie werden dich feuern, wenn du nicht aufhörst, dich wie eine kranke Irre zu benehmen! Raffst du das?”, keifte Mandy, deren mittlerweile selbst schon Tränen über die sanft rosa gepuderten Wangen ihres schmalen, hübsch anzusehenden Gesichts rollten. Aber trotz Make-up konnte man deutlich den Stress ihrer Arbeit und den Druck auf ihren Schultern erkennen. Ihre leicht erkennbaren Augenringe verrieten, dass selbst Überstunden schon zur Routine gehörten. Von ihrer Schwester allerdings erhielt sie keine Antwort. Die brauchte sie auch gar nicht, denn ihr Gesichtsausdruck und ihre übrige Körpersprache schien Bände zu sprechen, als Kai den Gang betrat, welcher wiederum eigentlich nur auf dem Weg zur Männertoilette war. “Mach dich nicht lächerlich, und hör auf, so an mir herumzuzerren! Weißt du nicht, wie doof das aussieht, wenn uns so jemand erwischt?”, hatte Kai kühl erwidert, als Jasmin sich prompt an seine Fersen gehängt hatte. Natürlich hätte Kai sie am liebsten in den Arm genommen. Ja, er hätte in diesem und auch in jenen vergangenen Augenblicken alles für sie getan. Alles, nur, damit es ihr gut geht. Aber seine Wunden waren noch nicht verheilt. Und somit sah er für sich keine andere Wahl. Vielleicht käme ja bald ein Zeitpunkt, in dem Jasmin akzeptieren konnte, dass sie auf ihren besten Freund verzichten musste. Allerdings betete er auch gleichzeitig stark für das Gegenteil: - ein Zeitpunkt, in dem sie die gleichen Gefühle hegen würde wie er, sobald sie sich in der Lage fühlte, von Uruha abzulassen. Bis es so weit ist, müssen beide lernen, mit der momentanen Situation umzugehen. Somit würde vielleicht das Schicksal schneller eine Entscheidung treffen. - eine Entscheidung, welche leider nicht zu beeinflussen ist. Das ist Schicksal. Schicksal ist vieles. Vieles, was nie zu ändern ist. Zum ersten Mal konnte Mandy die Wahrheit sehen. Die Wahrheit in Jasmin´s Tränen, welche Kai förmlich anzuschreien schienen. Es waren immer ihre Tränen, die ihn weich werden ließen. Was würde dieses Mal geschehen? Mandy war sich nie so wirklich im klaren darüber, dass sie sich in Bezug auf Jasmin´s Gefühle auch irren konnte. War es von Anfang an Kai, welchem Jasmin´s Gefühle gelten sollten? Sollte Uruha nur ein Lückenbüßer sein? Jemand, and dem sie sich festhalten konnte, wenn sie kurz davor war, zu fallen? Konnte das Kai nicht genau so gut? Alles ähnelte einem riesigem Irrgarten. Niemand fand den richtigen Weg. Wie viel Zeit würde wohl noch vergehen, bis alle an ihrem Ziel angekommen waren? “Warum gibst du ihr noch immer die Schuld dafür?”, war nun Mandy diejenige, welche Jasmin prompt von ihn los und an sich gerissen hatte. Das alles ging ihr plötzlich so unglaublich nah. Noch nie mochte sie andere beim weinen zuschauen müssen. Kai konnte Mandy´s Verhalten gut verstehen, dennoch fühlte er sich in diesem Augenblick nicht wirklich in der Lage, ihr beizupflichten. Selbst, wenn der Wunsch in ihm noch so groß war. “Sie soll aufhören, mir hinterher zu laufen. Es nervt mich.”, hatte er tonlos, allerdings mit gesenktem Kopf erwidert. Krampfhaft versuchte er die Tränen, welche sich in seinen mittlerweile glasigen Augen gesammelt hatten, zu verbergen. Allerdings scheiterte auch dieser Versuch. Und als er erneut den Kopf hob und dieses Mal Jasmin´s Tränen erwiderte, bewies er damit auch, dass er noch nie sonderlich gut darin war, sich als kühlen Charakter zu präsentieren. “Und außerdem bumst sie doch mit Uruha. Was will sie dann mit mir?”, seufzte er zuletzt, bevor er stürmisch den Gang wieder verlassen hatte. In der Tat schien er dann auch vergessen oder vielleicht sogar verdrängt zu haben, was er dort überhaupt wollte. “Ich hatte keine Ahnung davon,....”, sagte Mandy leise, während sie daraufhin noch einige Minuten ihre schluchzende Schwester in ihren Armen hielt. “....dass du Kai so liebst.”. Hatte sie es die ganze Zeit schon getan? Diese Frage konnte sie selbst sich nicht einmal beantworten. Selbst dann noch nicht, als sie sich daraufhin einfach von Mandy losgerissen hatte und wieder in die feiernde Menschenmenge geflüchtet war. Sie tanzte, trank Alkohol in Unmengen und ignorierte selbst dann noch diese vielen, verschwommenen, bunten Lichter vor ihren Augen, als jemand sie lautbrüllend wenig später aus der Menschenmasse gezogen hatte. Auf dem kühlen Flurgang wurde ihr noch nicht sofort bewusst, wer dort vor ihr stand und sie so hemmungslos beschimpfte. Sie kniete am Boden, hatte wieder zu weinen angefangen, und realisierte erst kurz darauf, dass es Uruha war, welcher die ganze Zeit über, wie besessen, laut auf sie einredete. Es waren die Hosenbeine seiner schwarzen Jeans, an welchen sie sich unbewusst festgeklammert hatte. Es war sein Geruch und seine Wärme, welche sie spürte, als er sie ruckartig zu sich heraufgezogen und erneut lautstark angefahren hatte. Nicht auf Anhieb konnte sie verstehen, was genau er zu ihr sagte. Und auch noch immer nicht war es ihr möglich, sein Gesicht oder das Übrige seiner Gestalt deutlicher wahrnehmen zu können. Alles war so verschwommen, drehte sich fast schon im Kreis. Nur wenige Sekunden vergingen, bis sie auch die Stimme einer Frau in ihrer unmittelbaren Nähe wahrnehmen konnte. “Jasmin, hörst du mich? Ich bin´s, Fumie. Uruha wird dich jetzt ins Hotel bringen.”, sagte diese Frauenstimme zu ihr in recht schriller Tonlage. Jasmin hatte ihr sofort wieder den Rücken zugekehrt, als irgendwo jemand nach Kai rief. Die Worte “Ich hab dich schon vermisst.” ließen Jasmin erschrocken zusammenfahren. Noch einmal drehte sie sich um. Völlig unbemerkt krallten sich ihre Finger an Uruha´s weiße Hemdärmel, als sie Kai erkennen konnte, welcher sich von Fumie liebevoll umarmen ließ. Und das unmittelbar vor Jasmin´s Augen. Selbst für Uruha war dieser Anblick mehr als nur unglaublich. Die Gefühle währenddessen waren nur schlecht in Worte zu fassen. Man konnte sie weder als schlecht, noch als wirklich positiv deuten. Aber es waren solche, die schwer zu verdrängen, zu vergessen oder gar einfach zu ignorieren waren. Und Uruha wusste mittlerweile wohl am besten, dass Jasmin genau so fühlte. Somit hatte er schnell dafür gesorgt, dass sie diesen Anblick nicht länger ertragen musste. Mit dem Tourbus ließen sich beide von Yoshi in den folgenden Minuten zurück ins Hotel bringen. Natürlich war Uruha unter seiner liebevollen Bitte, doch bei ihr bleiben zu wollen, über Nacht auch bei ihr geblieben.

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